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COVID-19 und Neurodermitis: Was du wissen musst

Das Corona Virus hält seit Monaten die Welt in Atem. Besonders Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis, die sich einer dauerhaften Therapie unterziehen müssen, sind durch die Ereignisse verunsichert: Kann ich meine Biologika-Therapie bei Neurodermitis weiter durchführen? Muss ich immunsupprimierende Medikamente absetzen? Kann ich eine Biologika Therapie beginnen? Es gibt Empfehlungen aus Fachkreisen, welche Standards jetzt gelten. Daran kannst du dich aktuell orientieren. Wir haben Doz. Dr. Paul Sator, Oberarzt und Leiter der dermatologischen Ambulanz am Krankenhaus Hietzing um Antworten gebeten!

Wie wirken systemische Medikamente auf das Immunsystem?

Leidest du an einer mittelschweren oder schweren Neurodermitis, erhältst du unter Umständen eine systemische Therapie, um deine Erkrankung in den Griff zu bekommen. Die Medikamente, die am häufigsten systemisch bei Neurodermitis eingesetzt werden, sind neben Cortison und Cyclosporin A auch Monoklonale Antikörper, sogenannte Biologika. Diese Medikamente unterdrücken unerwünschte Reaktionen des Immunsystems.

Cyclosporin A und Cortison wirken unspezifisch immunsupprimierend und unterdrücken das Immunsystem in seiner Gesamtheit.

Im Gegensatz dazu wirken Monoklonale Antikörper (bei Neurodermitis kommt der Monoklonale Antikörper Dupilumab zum Einsatz) ganz gezielt. Dupilumab gehört nicht zur Kategorie der Immunsuppressiva, sondern wirkt immunmodulierend. Dieser Wirkstoff unterdrückt nur einen kleinen Teil des Immunsystems, nämlich exakt den, der im Zusammenhang mit der Neurodermitis sozusagen überreagiert.

Dupilumab wird häufig bei mittelschweren und schweren Verläufen der Neurodermitis zur Langzeittherapie eingesetzt. Bei Kindern ab dem 6.Lebensjahr ist Dupilumab überhaupt die einzig zugelassene Langzeit-Therapie.

Durch Dupilumab werden Th2-gerichtete immunologische Prozesse reduziert, dies nimmt nach bisherigen Kenntnisstand keine zentrale Rolle in der Virus-Abwehr ein. Bis dato wurden in kontrollierten Studien systemische Infekte unter der Behandlung mit Dupilumab nicht vermehrt beobachtet. Hautinfektionen (inkl. das Virus-bedingte Eczema herpeticatum) konnten bei der Behandlung der atopischen Dermatitis sogar signifikant reduziert werden.

Generell gilt: Weder für Dupilumab noch für niedermolekulare Immunsuppressiva gibt es zuverlässige Sicherheitsdaten bezüglich der Frage, ob diese einen Einfluss auf die Empfänglichkeit für eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder auf den Verlauf einer COVID-19 Erkrankung haben.

Corona: Biologika Therapie absetzen oder nicht?

Hast du deine Neurodermitis mit Dupilumab gut unter Kontrolle, bist durch die Corona-Situation aber in Sorge?

Wenn du dich gesund fühlst, besteht kein Grund eine Dupilumab Therapie zu pausieren oder abzubrechen. Du solltest aber rasch Kontakt zu deinem behandelnden Dermatologen aufnehmen für eine individuelle Risikoanalyse. Wenn du bei einem Allgemeinmediziner bist, sollte dieser für die Risikoanalyse unbedingt Rücksprache mit einem Dermatologen halten. Die Entscheidung, ob man ein Risikopatient ist, oder eben nicht sowie die Fortführung der Therapie liegt beim behandelnden Dermatologen in Absprache mit dir.

„Eine Dupilumab-Therapie, die bereits im Gange ist, sollte auch in Zeiten von Corona nicht abgebrochen werden“, versichert Doz. Dr. Paul Sator, Oberarzt und Leiter der dermatologischen Ambulanz am Krankenhaus Hietzing und beruft sich dabei auf Veröffentlichungen der AG Biologika , der Deutschen Dermatologie Gesellschaft sowie des renommierten Robert-Koch-Institutes in Berlin.

„Einerseits kann eine aktive, entzündliche Erkrankung selbst für eine Ansteckung durch Virusinfektionen gefährlicher sein als die Therapie dieser Erkrankung und andererseits ist es bei einem Abbruch der Therapie zudem wahrscheinlich, dass die Neurodermitis wieder aufflammt. Besonders Ekzeme im Gesicht sollen nun aber vermieden werden, da man dabei öfter ins Gesicht greift. Das sollte in Coronazeiten unbedingt verhindert werden.“

Der Experte betont außerdem, dass nach dem Absetzen von Biologika unter Umständen andere immunsuppressiv wirksame Medikamente (zB Cyclosporin oder Cortison) verabreicht werden müssen, um die Neurodermitis im Zaum zu halten. Diese können wiederum negative Effekte auf die Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 haben.

Wenn du an Covid-19 oder einer anderen Infektionskrankheit (z. B. Influenza) erkranken solltest, musst du hingegen mit der Biologikatherapie pausieren, bis die Infektion ausgeheilt ist. Das ist der momentane Stand des Wissens. All dies sollte aber in jedem Fall in enger Absprache mit deinem therapieführenden Dermatologen erfolgen. Die Kommunikation mit ihm ist nun besonders wichtig.

Immunsuppressierende Behandlung weiterführen oder abbrechen?

Auch bei Therapie mit off-label Medikamenten wie Methotrexat, Mycophenolatmofetil (MMF) und Azathioprin sollst du dich eng mit deinem behandelnden Arzt absprechen und keinesfalls selbständig Änderungen deiner Behandlung durchführen. Die genannten Substanzen können grundsätzlich mit Abwehrmechanismen gegen Viruserkrankungen interagieren. Es ist derzeit nicht bekannt, ob und in welchem Maße die genannten Substanzen SARS-CoV-2-Infekte bei Patienten mit atopischer Dermatitis in besonderem Maße beeinflussen. Das gilt auch für eine Behandlung mit Cyclosporin A.

Bei nachgewiesenem, klinisch manifesten SARS-CoV-2-Infekt wird bis auf weiteres eine Unterbrechung der Behandlung der atopischen Dermatitis mit diesen Immunsuppressiva vorgeschlagen.

Coronavirus Neurodermitis Biologika Dupilumab

Start immunsupprimierende vs. immunmodulierenden Therapie in der Corona-Zeit?

"Wenn jemand jetzt mit einer immunsuppressiven Therapie beginnen will, würde ich dieses Vorhaben auf einen Zeitpunkt nach Abklingen der Corona-Epidemie verlegen. Dagegen kann nach aktuellem Kenntnisstand eine Behandlung mit einer immunmodulierenden Therapie, dazu zählt zB Dupilumab, zum jetzigen Zeitpunkt gestartet werden“, so Doz. Sator. „Wenn bei gegebener medizinischer Indikation, das heißt eine moderate oder schwere atopische Dermatitits, die mit topischen Medikamenten nur unzureichend behandelbar ist, kann ein Behandlungsstart mit Dupilumab auch in Zeiten des Coronavirus erwogen werden“.

Alternativlos: die konservative Basistherapie

Natürlich solltest du deine Basistherapie mit den dir verschriebenen Cremen und Salben sorgfältig und gewissenhaft weiter fortführen – genauso wie du es gewohnt bist, und wie es deiner Haut gut tut.

Gerade bei Neurodermitis Patienten ist es besonders wichtig, sich an die vorbeugenden Maßnahmen zu halten, um gar nicht erst an COVID-19 zu erkranken. Trotz des bekannten Hautbarrieredefekts und der erhöhten Hautempfindlichkeit bei atopischer Dermatitis werden konsequente Handwaschungen- und -desinfektionen empfohlen.

Damit wirst du die Pflege deiner Haut sogar noch intensivieren müssen, da durch das häufige Waschen z. B. die Hände natürlich mehr strapaziert werden als sonst. Es empfiehlt sich, für die Handpflege eine Creme mit höherem Fettanteil zu wählen, um unnötige Hautprobleme zu verhindern. Auch eventuell von deinem Dermatologen verschriebene Cortison-Cremen und topische Calcineurininhibitoren (Tacrolimus und Pimecrolimus) kannst und sollst du verwenden, solltest du sie benötigen!

Was tun im Falle einer Infektion mit Corona?

Der Experte betont: „Bei eindeutigen Anzeichen einer Infektion sollte die systemische Therapie, wie auch bei anderen Infektionserkrankungen (z.B. Grippevirusinfektionen) pausiert werden!“ Halte dich an die allgemeingültigen Verhaltensregeln. Wende dich an die telefonische Gesundheitsberatung und kontaktiere telefonisch deinen Dermatologen um alle weiteren Schritte zu besprechen.
Info-Hotline Coronavirus (0-24 Uhr): 0800 555 621
Telefonische Gesundheitsberatung: 1450

WICHTIG

Die österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) bittet dich und alle Betroffenen bei Fragen rund um deine Therapie telefonisch deinen niedergelassenen Dermatologen zu kontaktieren und dich nicht an die dermatologischen Ambulanzen in den Spitälern zu wenden. Die Ressourcen in den Krankenhäusern müssen zurzeit unbedingt freigehalten werden!
Danke für dein Verständnis!

Interessant zu wissen

Herr Doz. Sator berichtet, dass es aktuell Studien gibt, die den Einsatz von Biologika gegen die Folgen von Covid-19 untersuchen. „Covid-19 ruft im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung hervor, diese ist bekanntlich – wie der Name schon sagt – eine Entzündungserkrankung. Biologika richten sich gegen entzündliche Prozesse im Körper.“ Die Ergebnisse dieser Studien kann man gespannt erwarten.

Das sagt der Experte Doz. Dr. Paul Sator

Dr. Paul Sator Dermatologe Hautarzt Wien Psoriasis Schuppenflechte Spezialist
  • Gerade jetzt besonders wichtig: Vertraue deinem Dermatologen und halte Kontakt zu ihm!
  • Gehe achtsam, nicht furchtsam mit der jetzigen Situation um.
  • Unterbrich deine Biologika-Therapie nicht, wenn du dich gesund fühlst, sie sorgt dafür, dass du dich wohl in deiner Haut fühlst.
  • Zögere nicht deinen Dermatologen zu kontaktieren, wenn du unsicher bist.
  • Und ganz wichtig: Ändere deine Therapie auf keinen Fall ohne deinen Hautarzt.
  • Halte lieber mehr als zu wenig Abstand zu Menschen, die nicht im selben Haushalt leben.
  • Sei zurückhaltend im Kontakt mit älteren Familienangehörigen.

Doz. Dr. Paul Sator
Wahlarzt für Dermatologie in Wien und Niederösterreich

Weitere Infos zum Experten Doz. Dr. Paul Sator

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