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Prurigo Nodularis: Knoten, die unter die Haut gehen
- Was ist Prurigo Nodularis?
- Prurigo Nodularis: Die richtige Diagnose
- Der quälende Juckreiz von Prurigo nodularis
- Die versteckten Auswirkungen von Prurigo Nodularis
- Gründe für das Auftreten von Prurigo Nodularis
- Die Behandlung von Prurigo Nodularis
- Systemische Behandlung mit Biologika
- Alternative Therapien
Unerträglicher Juckreiz, wiederholtes Kratzen sowie Knoten auf der Haut. Das ist Prurigo nodularis, eine chronische Hauterkrankung. Die Erkrankung betrifft meist Menschen über 50 Jahren, wobei Frauen häufiger darunter leiden als Männer. Wir haben mit dem Dermatologen Dr. Franz Legat von der MedUni Graz über die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Prurigo nodularis gesprochen.
Was ist Prurigo Nodularis?
Die chronische Hauterkrankung zeichnet sich durch juckende Knoten aus, die durch das Aufkratzen der Haut entstehen. Die Papeln und Knoten werden als „pruriginöse Läsionen“ bezeichnet und können von wenigen Millimetern bis zu 1–2 Zentimeter im Durchmesser reichen. Typischerweise treten sie an den Streckseiten der Arme, Beine und am oberen und unteren Rücken auf, da diese Körperbereiche am leichtesten von den Händen erreicht und somit häufiger gekratzt werden. Ein weiteres charakteristisches Merkmal von Prurigo nodularis ist das Schmetterlingszeichen, das auftritt, wenn ein Bereich zwischen den Schulterblättern erscheinungsfrei bleibt, weil er von der kratzenden Hand nicht so gut erreicht werden kann.
Heute weiß man, dass Prurigo nodularis mehr ist als nur eine Folge von Kratzen. Die Erkrankung zählt zu den sogenannten Typ-2-entzündlichen Hauterkrankungen. Bestimmte Botenstoffe im Körper – vor allem Interleukin-4, Interleukin-13 und Interleukin-31 – spielen dabei eine zentrale Rolle. Der Juckreiz entsteht dabei direkt an spezialisierten Nervenrezeptoren in der Haut. Diese werden durch entzündliche Botenstoffe aktiviert und senden permanente Juckreizsignale an das Gehirn.
Diese Botenstoffe wirken nicht nur auf das Immunsystem, sondern stimulieren auch direkt die Nerven in der Haut. Der Juckreiz entsteht dabei an spezialisierten Nervenrezeptoren, die permanente Signale an das Gehirn senden. Dadurch wird der Juckreiz verstärkt und die Haut reagiert immer empfindlicher. Genau dieses Zusammenspiel aus Nerven und Entzündung macht Prurigo nodularis so schwer kontrollierbar.
Das sagt der Experte
Ao.Univ.Prof. Dr. Franz Josef Legat
In der Regel tritt Prurigo nodularis bei älteren Menschen auf und betrifft Frauen häufiger als Männer. Je älter man wird, desto häufiger kommt Prurigo Nodularis vor. Kinder sind sehr selten betroffen. Aber ansonsten ist das gesamte Spektrum an Altersverteilung gegeben, mit dem Gipfel zwischen den 50. und 60. Lebensjahr, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.
Ao.Univ.Prof. Dr. Franz Josef Legat
Facharzt für Dermatologie
Prurigo Nodularis: Die richtige Diagnose
Wichtig ist, Prurigo nodularis als eine eigenständige Hauterkrankung anzuerkennen. Sie wird nämlich oft selbst von Ärzten fälschlicherweise als nur eine schwere Form des chronischen Juckreizes angesehen. Die chronische Juckreizempfindung dauert mindestens sechs Wochen an und kann verschiedenste Ursachen haben wie etwa Hauterkrankungen, Allergien, Infektionen sowie internistische, hormonelle oder neurologisch-neuropsychiatrische Veränderungen.
Bei Prurigo nodularis ist der Juckreiz allerdings noch stärker ausgeprägt, anhaltender und wird von knotenartigen Läsionen begleitet, was das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Eine gründliche Untersuchung durch einen erfahrenen Dermatologen ist somit nötig, um die Erkrankung richtig zu diagnostizieren und mögliche Ursachen gezielt abzuklären.
Der quälende Juckreiz von Prurigo nodularis
Der Körper juckt und zeigt kleine, erhabene Papeln oder Knoten auf der Hautoberfläche. Diese Knoten können unterschiedliche Größen haben und sind oft hart und rau. Sie können weiß oder pinkfarben sein und oft einen vermehrt pigmentierten Rand haben. Zudem sind sie meist von Krusten bedeckt, die durch das Aufkratzen der Haut entstehen. Den Juckreiz sollte man laut Dr. Franz Legat keinesfalls unterschätzen, weil er meist so intensiv ist, dass durch das Kratzen Kratzspuren und offene Wunden entstehen.
Prurigo nodularis zählt zu den Erkrankungen mit dem stärksten bekannten chronischen Juckreiz. Viele Betroffene beschreiben ihn als kaum kontrollierbar, stärker als bei vielen anderen Hauterkrankungen. Das erklärt, warum die Erkrankung nicht nur körperlich, sondern auch emotional so belastend ist.
Der Experte Dr. Franz Josef Legat
Sie müssen sich vorstellen, es gibt Menschen, die leben mit dieser Erkrankung nicht nur Monate, sondern Jahre oder sogar Jahrzehnte. Sie sind mit einem täglichen Juckreiz konfrontiert, der sich in seiner Stärke auf einer Skala von 7 bis 10 bewegt, wobei 10 das Schlimmste ist. Der Juckreiz ist dabei meist so unerträglich, dass Patienten keine einzige Nacht durchschlafen können, es sei denn, sie sind so ausgelaugt, dass sie irgendwann vor Erschöpfung einschlafen.
Die versteckten Auswirkungen von Prurigo Nodularis
Prurigo nodularis hat einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen, da der starke Juckreiz und die Hautveränderungen häufig zu Angstzuständen und Schlafstörungen führen. Der daraus resultierende Schlafmangel wirkt sich spürbar auf das Privat- und Berufsleben aus. Gleichzeitig erhöht er das Risiko für Depressionen und kann das Immunsystem schwächen, wodurch Infektionen und andere Erkrankungen begünstigt werden.
Auch die Stigmatisierung durch die Gesellschaft ist laut Dr. Legat ein Thema, welches man nicht unterschätzen sollte: „Die ständigen Kratzbewegungen und offenen Wunden führen nicht selten zu Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Andere Personen ekeln sich vor den offenen, aufgekratzten Wunden. Eine innige Freundschaft oder Partnerschaft zu führen, stellt sich für Betroffene von Prurigo nodularis oft als große Herausforderung heraus.“
Das führt zu sozialem Rückzug und Vereinsamung. Viele Patienten leiden unter Angststörungen und Depressionen, auch Suizidgedanken kommen häufiger vor als bei gesunden Menschen.
Gründe für das Auftreten von Prurigo Nodularis
Die genauen Ursachen von Prurigo nodularis sind laut Dr. Franz Legat trotz langjähriger Forschung noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass die Erkrankung durch eine Sensibilisierung gegenüber Juckreiz entsteht.
Der Experte: Dr. Franz Josef Legat
Es ist bekannt, dass chronischer Juckreiz das Kratzen begünstigt. Bei bestimmten Personen führt das Kratzen jedoch nicht zu einer Linderung, sondern verstärkt den Juckreiz zusätzlich und intensiviert das Kratzverhalten weiter, ein klassischer Teufelskreis.
Fest steht: Der chronische Juckreiz kann durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden:
- Nieren- oder Lebererkrankungen
- Diabetes
- Infektionen
- Neurodermitis
- und andere Hauterkrankungen
Stress und psychische Belastungen können den Pruritus verstärken und somit zur Entstehung von Prurigo Nodularis beitragen. Auch wenn die Ursachen der Erkrankung nicht vollständig verstanden sind, am wahrscheinlichsten ist, dass sie durch eine Kombination von genetischen Faktoren, Hautreizungen, immunologischen und neurologischen Störungen verursacht wird.
Veränderungen in Haut und Nerven
Im Verlauf der Erkrankung kommt es zudem zu Veränderungen in Haut und Nerven. Durch wiederholtes Kratzen und anhaltende Entzündungsprozesse wird die Haut zunehmend empfindlicher, und der Juckreiz verstärkt sich weiter. Experten sprechen hier von einer sogenannten neurokutanen Dysfunktion, einem Zustand, bei dem sich Nerven- und Immunreaktionen gegenseitig hochschaukeln. Dabei kommt es nicht nur zu einer verstärkten Wahrnehmung, sondern auch zu tatsächlichen Veränderungen in Haut- und Nervenstrukturen.
Fest steht: Der chronische Juckreiz kann durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden:
- Nieren- oder Lebererkrankungen
- Diabetes
- Infektionen
- Neurodermitis
- und andere Hauterkrankungen
Interessant ist dabei auch die Nähe zur Neurodermitis: Beide Erkrankungen zeigen ähnliche Entzündungsmechanismen. Menschen mit Neurodermitis haben ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Prurigo nodularis zu entwickeln, vor allem dann, wenn der Juckreiz über lange Zeit stark ausgeprägt ist.
Stress und psychische Belastungen können den Pruritus verstärken und somit zur Entstehung von Prurigo nodularis beitragen. Auch wenn die Ursachen der Erkrankung nicht vollständig verstanden sind, am wahrscheinlichsten ist, dass sie durch eine Kombination von genetischen Faktoren, Hautreizungen sowie immunologischen und neurologischen Störungen verursacht wird.
Die Behandlung von Prurigo Nodularis
Die Behandlung von Prurigo nodularis ist schwierig und erfordert Geduld. Der erste Schritt besteht darin, die Diagnose zu stellen und das Krankheitsbild zu erkennen. Eine Kombination aus Juckreiz und typischen Hautveränderungen bestätigt die Diagnose. Die wohl wichtigste Maßnahme bei der Behandlung von Prurigo nodularis ist laut Dr. Legat die Linderung des Juckreizes.
Lange Zeit galt Prurigo nodularis als schwer behandelbar. Viele Betroffene durchlaufen eine lange Leidensgeschichte, oft ohne klare Diagnose oder wirksame Therapie. In den letzten Jahren hat sich hier jedoch viel verändert:
Neue Erkenntnisse über die Entstehung der Erkrankung haben auch zu neuen, gezielteren Behandlungsmöglichkeiten geführt.
Der Experte: Dr. Franz Josef Legat
Für Betroffene ist es wichtig, Reize zu vermeiden, die den Juckreiz verstärken können. Hierzu zählen zum Beispiel scharfe Speisen oder kratzige Kleidung, Hitze und Schwitzen. Die Therapie zielt darauf ab, den Juckreiz zu lindern und das Kratzen zu reduzieren, um die Entstehung neuer Läsionen zu verhindern.
Während früher vor allem symptomatisch behandelt wurde, stehen heute zunehmend gezielte Therapien zur Verfügung, die direkt in die Entzündungs- und Juckreizmechanismen eingreifen. Das eröffnet vielen Betroffenen damit die Chance auf eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Je nach Schwere der Symptome gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei Prurigo nodularis. Mögliche Optionen sind zum Beispiel topische Steroide: Das sind Cremen mit Kortison, welche helfen können, den Juckreiz zu lindern und Entzündungen zu reduzieren. Auch Antihistaminika oder eine UV-Bestrahlung der betroffenen Bereiche können helfen, die Symptome zu lindern. In schweren Fällen kann jedoch meist nur eine systemische Therapie zur Besserung oder Abheilung führen.
Systemische Behandlung mit Biologika
Eine Therapieoption bei Prurigo nodularis ist Dupilumab. Ursprünglich wurde der Wirkstoff für die Behandlung anderer entzündlicher Erkrankungen wie unter anderem Atopischer Dermatitis entwickelt und hat sich nun auch als wirksames Mittel bei Prurigo nodularis etabliert. Dupilumab blockiert gezielt die Wirkung von Interleukin-4 und Interleukin-13. Diese spielen eine zentrale Rolle bei der Entzündungsreaktion und tragen gleichzeitig dazu bei, die Nerven in der Haut empfindlicher für Juckreiz zu machen. Durch diese doppelte Wirkung kann sowohl die Entzündung als auch der Juckreiz deutlich reduziert werden. Studien zeigen, dass viele Patienten bereits sehr früh eine Linderung des Juckreizes erleben, teilweise schon innerhalb weniger Tage. Für viele Betroffene ist das ein entscheidender Wendepunkt, vor allem nach oft jahrelangem Leiden.
Der Experte: Dr. Franz Josef Legat
Dupilumab ist schon länger für die Behandlung von schwerem Asthma und atopischer Dermatitis zugelassen und hat sich als wirksam und sehr sicher erwiesen. Der Einsatz von Dupilumab scheint auch bei Prurigo Nodularis vielversprechend, insbesondere für diejenigen, bei denen andere Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend wirksam waren oder unerwünschte Nebenwirkungen verursacht haben.
Seit Februar 2025 ist zudem der Wirkstoff Nemolizumab in Österreich für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Prurigo nodularis zugelassen. Nemolizumab hemmt den entzündungsfördernden Botenstoff Interleukin 31 (IL-31), der eine zentrale Rolle bei starkem Juckreiz spielt. Dieser Wirkstoff wird aber aktuell noch nicht erstattet. Es zeigt sich: Die Therapie der Prurigo nodularis entwickelt sich aktuell laufend weiter.
Besonders wichtig ist der möglichst frühe Therapiebeginn. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass ein frühzeitiges Eingreifen in die Entzündungsprozesse den weiteren Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann. Das gibt vielen Betroffenen erstmals echte Hoffnung auf eine langfristige Verbesserung.
Spezialisierte Ambulanzen
Laut Dr. Legat ist es außerdem wichtig zu wissen, dass es spezialisierte Ambulanzen gibt, die sich auf die Behandlung von chronischem Pruritus und Prurigo nodularis spezialisiert haben. Hier können Patienten von erfahrenen Ärzten und medizinischem Personal betreut werden, die auf die individuellen Bedürfnisse von Betroffenen eingehen können.
Alternative Therapien
Auch alternative Therapien wie Akupunktur oder Yoga können in manchen Fällen zur Linderung der Symptome beitragen und andere spezifische Behandlungen unterstützen. Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist zudem besonders die psychologische Unterstützung der Betroffenen.
Der Experte: Dr. Franz Josef Legat
Ao.Univ.Prof. Dr. Franz Josef Legat
Facharzt für Dermatologie
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 8, 8036 Graz
Tel. +43 316 385 - 12423
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Infos zum Beitrag
Autorin:
Carola Wacholder
Experte:
Ao.Univ.Prof. Dr. Franz Josef Legat
Quellenangabe:
Interview Dr. Franz Legat
Stand der medizinischen Informationen: 10. März 2026
Letzte Aktualisierung: 28. Juli 2026