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    Neueste Therapien der Neurodermitis

    Neurodermitis ist zwar noch nicht heilbar, doch die Medizin hat gro√üe Fortschritte gemacht. Neueste Therapien k√∂nnen den Juckreiz rasch und deutlich lindern und zu einem verbesserten Hautbild f√ľhren. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt nach Schweregrad der Erkrankung. Dieser richtet sich nach Ausma√ü der entz√ľndeten Hautstellen am K√∂rper sowie der psychischen Belastung. Im spannenden Interview dazu die Wiener Dermatologin Dr. Sylvia Perl-Convalexius.

    ‚ÄěUnverzichtbar f√ľr alle Schweregrade der Neurodermitis ist die topische Basistherapie mit r√ľckfettenden, pflegenden Cremen, Salben oder Lotionen, die konsequent durchgef√ľhrt werden muss.‚Äú Das erkl√§rt die Wiener Dermatologin Dr. Sylvia Perl-Convalexius, die wir f√ľr diesen Artikel nach ihren Experten-Tipps gefragt haben. Weiters betont die √Ąrztin: ‚ÄěBetroffene sollten au√üerdem auf reizende Waschmittel wie Seife, reizende Kleidungsstoffe (Wolle),Wannenb√§der und starkes Rubbeln beim Abtrocknen verzichten und lauwarmen Duschb√§dern und sanftem Trockentupfen den Vorzug geben.‚Äú

    Neurodermitits: Behandlungsoptionen nach Schweregrad

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    Neurodermitis im Gesicht

    Bei leichten bis mittelschweren Verläufen mit vermehrten Ekzemen kommen:

    • Glukokortikosteroide (Kortison) und/oder
    • Calcineurin-Inhibitoren (Salben und Cremen) zum Einsatz.

    Gut zu wissen: Kortison-Angst ist Experten zufolge unbegr√ľndet. Kortison ist √§u√üerlich angewendet ein sehr wirksames Mittel, das im Schub erfolgreich eingesetzt wird. Es hemmt die Entz√ľndung und nimmt den Juckreiz. Da Kortison nicht als Dauertherapie verwendet wird, musst du dich nicht vor Nebenwirkungen f√ľrchten. Die Behandlung muss immer langsam ausgeschlichen werden, da bei abruptem Absetzen die Ekzeme wieder aufflammen.

    Calcineurin-Inhibitoren sind sehr wirksam, es dauert aber relativ lange Zeit, bis ihre Wirkung einsetzt. Daher werden sie oft mit Kortison, das die Entz√ľndung rasch mildert, kombiniert. Calcineurin-Inhibitoren brennen beim Auftrage auf die Haut (eine Nebenwirkung, die sich nach einiger Zeit legt), was f√ľr viele Patienten eine gro√üe Belastung darstellt, da die Haut ohnehin schon gereizt und entz√ľndet ist.

    Bei mittelschwerem Verlauf:

    • H√∂here Dosierung der genannten Medikamente bzw.
    • Lichttherapien

    Die Lichttherapie ist f√ľr jene Neurodermitis-Patienten sehr gut geeignet, die im Sommer wesentlich weniger oder keine Ekzeme zeigen und die gen√ľgend Zeit (t√§gliche Bestrahlungen) f√ľr diese Therapie aufbringen k√∂nnen. Patienten, bei denen kein Unterschied im Hautbild zwischen Sommer und Winter besteht, profitieren von einer Lichttherapie nicht.

    Bei schwerem Verlauf mit häufig auftretenden und bleibenden Ekzemen:

    • Systemische Medikamente bzw.
    • Lichttherapien

    Systemische Therapien der Neurodermitis

    Die systemische Therapie der Neurodermitis, also die Behandlung mit Medikamenten, die man einnimmt, hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. Bew√§hrte Therapeutika und moderne Pr√§parate stehen heute Patienten und √Ąrzten mit ihrem breiten Wirkspektrum zur Verf√ľgung. Es gibt also f√ľr jeden Patienten die individuell passende Behandlungsm√∂glichkeit. Man unterscheidet zwischen immunsupprimierenden und immunmodulierenden Therapien.

    Immunsupprimierende systemische Therapien unterdr√ľcken das Immunsystem in seiner Gesamtheit, wodurch die Symptome und Beschwerden der Neurodermitis gut in den Griff zu bekommen sind. Hier werden Ciclosporin A und Methotrexat eingesetzt. Allerdings k√∂nnen auch h√§ufig Nebenwirkungen wie erh√∂hte Infektanf√§lligkeit, Pilzerkrankungen, Herpes und teilweise auch systemische Nebenwirkungen auftreten.

    Immunmodulierende systemische Therapien, blockieren nur einen ganz kleinen Teil des Immunsystems ‚Äď n√§mlich genau den, der f√ľr die √ľberschie√üende Reaktion des Immunsystems verantwortlich ist ‚Äď w√§hrend die allgemeine Immunabwehr unangetastet bleibt. Die Nebenwirkungen dieser Therapien sind gering, besonders wenn man bedenkt, dass die Patienten oftmals g√§nzlich beschwerdefrei werden und ihr Leben uneingeschr√§nkt genie√üen k√∂nnen.

    In die Gruppe der immunmodulierenden systemischen Therapien geh√∂ren die sogenannten Biologika: Das sind monoklonale Antik√∂rper, die die √ľberschie√üende Immunantwort unterdr√ľcken und den Schub verhindern. Der Juckreiz verschwindet, Ekzeme heilen ab, die Haut wird gesund. Biologika werden in 14-t√§gigem Abstand unter die Haut gespritzt, Patienten k√∂nnen nach einer Einschulung durch den Arzt die Spritze jeweils selbst setzen. Biologika sind zur Langzeittherapie geeignet und k√∂nnen bereits bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr eingesetzt werden. Sie haben geringe, gut behandelbare Nebenwirkungen und sind in der Regel gut vertr√§glich.

    Neue innovative immunmodulierende Therapie

    Eine innovative immunmodulierende Therapie sind die ganz neuen JAK-Inhibitoren (Januskinasehemmer). JAK-Inhibitoren haben selektiv immunsuppressive und entz√ľndungshemmende Eigenschaften. JAK-Inhibitoren werden bereits bei verschiedenen   Autoimmunerkrankungen mit Erfolg eingesetzt. Gut zu wissen: JAK-Inhibitoren haben den gro√üen Vorteil, dass sie in Tablettenform (1 x t√§glich) eingenommen werden und rasch und deutlich gegen den Juckreiz wirken. Manche sind auch f√ľr Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen.

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    Webtipp: Neue Infoplattform www.neurodermitis-online.at

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    Infos zum Beitrag

    Autor: Mag. (FH) Margit Wickhoff
    Quellenangabe: Interview Dr. Sylvia Perl-Convalexius
    Stand der medizinischen Informationen: 01. September 2021
    Letzte Aktualisierung: 01. September 2021

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