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Chronisches Handekzem
- Wenn die HĂ€nde zum Schmerzpunkt werden
- Was ist ein chronisches Handekzem?
- Wie entsteht ein chronisches Handekzem?
- Welche Formen des chronischen Handekzems gibt es?
- Wann solltest du zum Arzt gehen?
- Die Behandlung des chronischen Handekzems
- Tipps zur richtigen Hautreinigung und Pflege
- Die richtige PrÀvention
- Unsichtbares Leid â wie das chronische Handekzem die Psyche belastet
- Fazit: Vereinbare einen Termin beim Dermatologen!
Unsere HĂ€nde stehen im Mittelpunkt unseres Alltags: Wir arbeiten, berĂŒhren, kommunizieren und zeigen damit, wer wir sind. Genau deshalb ist das chronische Handekzem fĂŒr viele Betroffene besonders belastend â körperlich und psychisch. Die Symptome können nicht nur schmerzhaft, sondern auch sichtbar sein. In diesem Artikel erfĂ€hrst du, was hinter der Erkrankung steckt, welche Formen es gibt und welche modernen Behandlungen wirklich helfen könnten. Du bekommst praktische Tipps fĂŒr Hautpflege, Schutz im Beruf und den Alltag â und UnterstĂŒtzung im Umgang mit den oft unterschĂ€tzten Belastungen beim chronischen Handekzem.
Wenn die HĂ€nde zum Schmerzpunkt werden
Das chronische Handekzem ist eine entzĂŒndliche Hauterkrankung und zĂ€hlt unter anderem zu den hĂ€ufigsten beruflich bedingten Hautleiden, mit oft massiven Auswirkungen auf das tĂ€gliche Leben. Trockene, rissige Haut, starker Juckreiz und Schmerzen machen selbst einfache Handgriffe zur Herausforderung. Besonders belastend: Der Juckreiz hĂ€lt oft auch nachts an, raubt den Schlaf und erschwert die Erholung. Neben den körperlichen Beschwerden kann ein chronisches Handekzem auch psychisch belasten. Viele Betroffene schĂ€men sich fĂŒr das Aussehen ihrer HĂ€nde und ziehen sich zurĂŒck. Doch die gute Nachricht ist: Mit einer frĂŒhzeitigen Diagnose und adĂ€quaten Therapie kann die Erkrankung in Kontrolle gebracht und die LebensqualitĂ€t deutlich verbessert werden.
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Was ist ein chronisches Handekzem?
Von einem chronischen Handekzem spricht man, wenn ein Ekzem lĂ€nger als drei Monate besteht oder mindestens zweimal im Jahr erneut auftritt. Es handelt sich dabei um eine entzĂŒndliche Hauterkrankung, die vor allem die HĂ€nde und Handgelenke betrifft. Die Ursachen sind meist vielschichtig (multifaktoriell) und nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.
Typisch ist ein schubweiser Verlauf: Phasen mit weitgehend unauffĂ€lliger Haut wechseln sich mit akuten SchĂŒben ab, in denen die Beschwerden deutlich zunehmen. Zu den hĂ€ufigsten Symptomen zĂ€hlen anhaltender Juckreiz, Brennen und Schmerzen â manchmal so stark, dass selbst einfache Handgriffe zur Qual werden. Hinzu kommen oft sichtbare HautverĂ€nderungen wie:
- Rötungen (Erytheme)
- Schuppung
- Verdickungen (Lichenifikation)
- Verhornungen (Hyperkeratosen)
- BlÀschen
- Schwellungen
- Schmerzhafte Hautrisse (Rhagaden).
Laut deutscher Leitlinie liegt die LebenszeitprĂ€valenz des Handekzems bei etwa 9,1âŻ%, und bei vielen kann sich aus einem zunĂ€chst akuten Ekzem eine dauerhafte, chronische Form entwickeln.
Wie entsteht ein chronisches Handekzem?
Ein chronisches Handekzem entsteht meist nicht durch eine einzelne Ursache, vielmehr wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen, die die Haut langfristig schĂ€digen. Dabei spielen sowohl biologische als auch Ă€uĂere EinflĂŒsse eine Rolle.
Biologische Risikofaktoren
Manche Menschen sind von Natur aus anfĂ€lliger fĂŒr Handekzeme. So sind beispielsweise Frauen doppelt so hĂ€ufig betroffen wie MĂ€nner. Auch genetische Veranlagungen spielen eine Rolle: Wer schon im Kindesalter unter Ekzemen gelitten hat, an Neurodermitis erkrankt war oder eine Filaggrin-Gen-Mutation trĂ€gt, hat ein erhöhtes Risiko. Dieses Gen ist wichtig fĂŒr eine stabile Hautbarriere: Ist es gestört, wird die Haut empfindlicher gegenĂŒber Reizen. Auch Kontaktallergien, also Ăberempfindlichkeitsreaktionen auf bestimmte Stoffe, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, ein chronisches Handekzem zu entwickeln.
Umweltbedingte Risikofaktoren
Ein chronisches Handekzem kann grundsĂ€tzlich jede und jeden treffen â doch manche Berufsgruppen haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Besonders gefĂ€hrdet sind Menschen mit TĂ€tigkeiten, bei denen die HĂ€nde regelmĂ€Ăig mit Wasser, Reinigungsmitteln, Chemikalien oder anderen reizenden Substanzen in BerĂŒhrung kommen. Zu den Risikoberufen zĂ€hlen unter anderem Pflege- und medizinisches Personal, ReinigungskrĂ€fte, Friseure und Maurer.
Aber auch selbst alltĂ€gliche TĂ€tigkeiten wie hĂ€ufiges HĂ€ndewaschen, Putzen und das Tragen von Handschuhen können die Haut belasten. Die Folge: Die natĂŒrliche Hautschutzbarriere wird geschwĂ€cht, die Haut trocknet aus, wird rissig â und reagiert schlieĂlich mit EntzĂŒndungen. Passiert dies ĂŒber einen langen Zeitraum, kann so ein Handekzem entstehen bzw. ein bestehendes Ekzem chronisch werden. Auch kaltes, trockenes Wetter zĂ€hlt zu den umweltbedingten Risikofaktoren und kann zu einer schnelleren Entstehung oder Chronifizierung beitragen.
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Verhaltens- und soziale Faktoren
Auch Lebensstil und persönliche Gewohnheiten haben Einfluss: Dauerhafter Stress, Rauchen oder ungĂŒnstige Arbeitsbedingungen können das Risiko weiter erhöhen und den Verlauf verschlechtern.
Welche Formen des chronischen Handekzems gibt es?
Ein chronisches Handekzem kann verschiedene Ursachen haben, die nicht immer herausgefunden werden können.
Wenn die EntzĂŒndung durch Ă€uĂere Faktoren ausgelöst wird, kann man manchmal folgende Formen unterscheiden:
Irritatives Kontaktekzem: Diese Form entsteht durch Ă€uĂere Reize wie hĂ€ufiges HĂ€ndewaschen, den Kontakt mit Reinigungsmitteln, Ălen oder das Tragen von Handschuhen. Auch Feuchtarbeit oder der Umgang mit Lebensmitteln können Auslöser sein. Die Haut reagiert gereizt, was zu EntzĂŒndungen fĂŒhrt â meist genau an der Stelle, wo der Kontakt mit dem Reizstoff stattgefunden hat.
Allergisches Kontaktekzem: Hier reagiert das Immunsystem ĂŒberempfindlich auf bestimmte Stoffe (Allergene), etwa Nickel, Duftstoffe, Konservierungsmittel oder Inhaltsstoffe in Kosmetika, Farben oder Reinigern. Damit ein allergisches Handekzem entsteht, mĂŒssen sowohl Kontakt mit dem Stoff als auch eine vorherige Sensibilisierung bestehen. Wichtig: Der bloĂe Nachweis einer Allergie erklĂ€rt nicht automatisch das Ekzem.
Proteinkontaktekzem: Meist bei Kontakt mit frischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch oder GemĂŒse. Hier reagiert der Körper sofort allergisch auf bestimmte EiweiĂe.
Atopisches Handekzem: Diese Form wird vorwiegend durch innere Veranlagung ausgelöst und betrifft hĂ€ufig Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen. Ihre Hautbarriere ist geschwĂ€cht (z.âŻB. durch Filaggrin-Mangel) und dadurch besonders anfĂ€llig fĂŒr Ă€uĂere Reize. Auch das Immunsystem reagiert bei Atopikern oft ĂŒberempfindlich. Hinweise können familiĂ€re Vorbelastung oder frĂŒhere Hauterkrankungen sein.
AuĂerdem wird das Handekzem nach dem klinischen Bild unterschieden:
- Hyperkeratotisches (rhagadiformes) Handekzem: Gekennzeichnet durch starke Verhornung und schmerzhafte Risse (Rhagaden), meist in den HandinnenflÀchen. Kommt hÀufiger bei MÀnnern vor und wird oft mit Nikotinkonsum in Verbindung gebracht.
- Rezidivierendes vesikulĂ€res Handekzem (auch als dyshidrotisches Ekzem oder Pompholyx bekannt): Diese Form zeigt sich durch kleine, juckende BlĂ€schen â meist an den Seiten der Finger oder HandflĂ€chen.
Chronisches Handekzem: Wann solltest du zum Arzt gehen?
Viele Betroffene zögern, Ă€rztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen â doch genau das kann schwerwiegende Folgen haben. Wird ein chronisches Handekzem zu lange ignoriert, kann es so weit kommen, dass der Alltag nicht mehr gemeistert oder der bisherige Beruf nur noch eingeschrĂ€nkt oder gar nicht mehr ausgeĂŒbt werden kann. Deshalb gilt: Je frĂŒher du dich in fachĂ€rztliche Behandlung begibst, desto besser! Bereits bei ersten Anzeichen solltest du einen Hautarzt aufsuchen. Auch ein Arbeits- oder Betriebsmediziner kann bei beruflich bedingten Belastungen ein hilfreicher Ansprechpartner sein. Tipp: Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) bietet hierfĂŒr detaillierte UnterstĂŒtzung an.
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So bereitest du dich auf den Arztbesuch vor
Um die Diagnose zu erleichtern und mögliche Ursachen schneller einzugrenzen, hilft es, dir im Vorfeld folgende Fragen zu beantworten:
- Bei welchen TĂ€tigkeiten (beruflich wie privat) verschlechtert sich dein Hautzustand?
- Auf welche Stoffe reagiert deine Haut auffÀllig?
- Hast du Juckreiz, Brennen oder Schmerzen?
- Beobachtest du einen Zusammenhang mit den Jahreszeiten (z.âŻB. Verschlechterung im Winter)?
- Verbessert sich das Hautbild wÀhrend des Urlaubs?
- Hattest du als Kind bereits Ekzeme, Heuschnupfen oder Asthma?
- Bestehen bekannte Allergien gegenĂŒber Stoffen, mit denen du regelmĂ€Ăig in Kontakt kommst?
- Liegen frĂŒhere Testergebnisse vor (z.âŻB. Allergietests, Hautbiopsien, mikrobiologische Befunde)?
- Welche Pflegeprodukte oder Medikamente verwendest du regelmĂ€Ăig?
Unser Tipp: Eine Fotodokumentation der betroffenen Hautstellen kann besonders hilfreich sein â vor allem, wenn die Beschwerden zwischenzeitlich abklingen. Auch die Geschwindigkeit, mit der sich Symptome entwickeln, gibt wichtige Hinweise fĂŒr die richtige Diagnose.
Diese Informationen helfen deinem Hautarzt, gemeinsam mit dem sichtbaren Hautbild die Ursachen gezielt zu identifizieren â und damit den Weg fĂŒr eine wirksame Behandlung zu ebnen.
Die Behandlung des chronischen Handekzems
Der wichtigste erste Schritt jeder erfolgreichen Behandlung ist die Identifikation und konsequente Vermeidung der auslösenden Reizstoffe oder Allergene. Dazu stehen heute viele wirksame Möglichkeiten zur Behandlung des chronisches Handekzems zur VerfĂŒgung. Entscheidend ist, dass die Therapie individuell auf dich und deine Beschwerden abgestimmt wird â und dass du sie konsequent wie empfohlen durchfĂŒhrst.
Die medizinische Behandlung orientiert sich an:
- dem Schweregrad (messbar zB ĂŒber Scores wie der modifizierte IGA fĂŒr das chronische Handekzem oder HECSI)
- der Ătiologie (z.âŻB. irritativ, allergisch, atopisch)
- dem klinischen Erscheinungsbild (z.âŻB. nĂ€ssend, verhornt, mit BlĂ€schen, mĂŒnzförmig)
Wichtig zu wissen: Alle nachfolgend vorgestellten wirkstoffhaltigen Therapien werden durch FachÀrzte verschrieben.
In jedem Stadium der Erkrankung ist eine konsequent angewendete Basispflege unerlĂ€sslich. Wenn die Haut nĂ€sst und BlĂ€schen bildet, wird mit austrocknenden Lotionen, Milchen oder Cremes behandelt, bei trockener, schuppiger, verdickter Haut kommen rĂŒckfettende Salben mit keratolytischen Wirkstoffe wie SalicylsĂ€ure zum Einsatz.
HĂ€ufig kommen entzĂŒndungshemmende topische Kortikosteroide zum Einsatz. Sie wirken schnell und werden oft kurzzeitig mit zwischenzeitlichen Pausen unter Ă€rztlicher Kontrolle angewandt. FĂŒr eine lĂ€ngerfristige Anwendung werden manchmal auch kortisonfreie Alternativen wie die Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus verschrieben. ZusĂ€tzlich können je nach Befund Antiseptika (bei bakteriellen Infektionen) und Antipruriginosa (gegen Juckreiz) eingesetzt werden.
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Weitere Therapieschritte bei mittelschweren bis schweren VerlÀufen
Ab einer mittelschweren bis schweren Form des chronischen Handekzems und wenn lokale Therapien nicht mehr ausreichen, kommen weitere Behandlungsstufen ins Spiel: Die Phototherapie (Lichtbehandlung mit UV-Strahlung) wird meist mehrmals wöchentlich in der Hautarztpraxis oder ambulant in einer Klinik durchgefĂŒhrt, manchmal auch kombiniert mit lichtsensibilisierenden Medikamenten oder PflegebĂ€dern. Andererseits können systemische Medikamente notwendig werden, so etwa eine kurzfristige orale Einnahme von Glukokortikoiden oder - unter anderem bei hyperkeratotischem Handekzem - dem Wirkstoff Alitretinoin, der bei Verhornungsstörungen der Haut hilfreich sein kann.
Neueste Entwicklung: Delgocitinib
Ganz neu in der Therapie des chronischen Handekzems ist der topische pan-JAK-Inhibitor Delgocitinib. Er ist zugelassen fĂŒr Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem, bei denen herkömmliche Kortisoncremes/-salben nicht ausreichen oder ungeeignet sind. Delgocitinib hemmt gezielt den JAK-STAT-Signalweg von allen Janus Kinasen (JAKs), die maĂgeblich an den EntzĂŒndungsreaktionen beteiligt sind. Durch die Blockierung dieser Signalwege können Juckreiz und Schmerzen spĂŒrbar gelindert und die EntzĂŒndung langfristig kontrolliert werden. Diese Therapie ist seit September in der EU zugelassen und seit Kurzem in Ăsterreich verfĂŒgbar.
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Tipps zur richtigen Hautreinigung und Pflege
Beim chronischen Handekzem ist die tĂ€gliche Hautpflege genauso wichtig wie die medizinische Behandlung. Je nach Hautzustand helfen unterschiedliche MaĂnahmen, spĂŒrbar Linderung zu verschaffen. Wenn deine Haut nĂ€sst oder BlĂ€schen bildet, helfen austrocknende HandbĂ€der mit z.âŻB. Schwarztee oder synthetischen Gerbstoffen sowie Fett-feuchte UmschlĂ€ge, um EntzĂŒndungen und Juckreiz zu lindern. Ist die Haut trocken, schuppig oder rissig, ist intensives RĂŒckfetten gefragt. BewĂ€hrt haben sich medizinische Salben mit Harnstoff (Urea), SalicylsĂ€ure oder Glycerin, sie lösen abgestorbene HautschĂŒppchen und machen die Haut geschmeidiger.
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Gut zu wissen
So pflegst du deine HĂ€nde richtig â jeden Tag:
- Verwende eine milde, pH-hautneutrale Waschlotion oder ein rĂŒckfettendes Duschöl.
- Trockne deine HĂ€nde sanft, am besten mit Einmal-PapiertĂŒchern oder einem sauberen, weichen Handtuch.
- Creme deine HĂ€nde nach jedem Waschen mit einer parfĂŒmfreien, reichhaltigen Pflegecreme ein, um die Hautbarriere zu stabilisieren.
- Trage mehrmals tÀglich eine Schutzcreme auf, auch zwischen den Fingern, an den FingernÀgeln und auf den Handgelenken.
Vermeide technische Reinigungsmittel wie Handreiniger mit Schleifpartikeln oder harte BĂŒrsten sowie Duftstoffe, Farbstoffe und aggressive Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten.
Die richtige PrÀvention
Ein wirksamer Hautschutz ist besonders bei hautbelastenden Berufen wie im Friseurhandwerk, in der Pflege oder Reinigung von Anfang an entscheidend. Eine umfassende Hautschutz-Beratung am Arbeitsplatz sowie eine konsequente Pflege nach der Arbeit (postexpositionell) sind wichtige MaĂnahmen, um die Haut langfristig gesund zu erhalten und der Entwicklung eines chronischen Handekzems vorzubeugen. Folgendes solltest du beachten:
- Trage geeignete Schutzhandschuhe, wenn du mit reizenden oder schÀdlichen Substanzen arbeitest.
- Verwende dĂŒnne Baumwollhandschuhe als Unterziehhandschuhe, sie halten die Haut trocken und reduzieren den direkten Kontakt mit Reizstoffen.
- Wechsle Einmalhandschuhe regelmĂ€Ăig, selbst kurze Tragezeiten können bereits eine Hautsensibilisierung auslösen.
Ohne ausreichenden Schutz kann ein bestehendes Ekzem, etwa durch Feuchtarbeit oder Irritantien, leicht chronisch werden oder sich zu einem zusĂ€tzlichen allergischen Handekzem entwickeln. Und je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer wird der Weg zurĂŒck zur gesunden Haut.
Wenn du den Verdacht hast, dein Handekzem wird durch den Beruf verursacht oder verschlimmert, dann rede mit deinem Facharzt und/oder frage, gerne auch anonym, bei der AUVA nach.
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Unsichtbares Leid â wie das chronische Handekzem die Psyche belastet
Ein chronisches Handekzem betrifft nicht nur die Haut, es greift tief in den Alltag und die Psyche ein. Viele Betroffene berichten, dass sie alltĂ€gliche Dinge wie HĂ€ndewaschen, Desinfizieren, Kochen, Schreiben oder die Smartphone-Nutzung wĂ€hrend eines akuten Schubs nur unter Schmerzen bewĂ€ltigen können. Oft reicht ein kleiner Auslöser, wie der Griff zum falschen Reinigungsmittel, ein bestimmtes Lebensmittel, eine BerĂŒhrung â und der Kreislauf beginnt erneut: Juckreiz, Schmerzen, schlaflose NĂ€chte.
Das GefĂŒhl, wenn die Haut âglĂŒhtâ, als stĂŒnde sie unter Strom, ist fĂŒr AuĂenstehende kaum nachvollziehbar. StĂ€ndiges Eincremen, das klebrige GefĂŒhl auf der Haut, sichtbare Fettspuren im Alltag â all das ist nicht nur unangenehm, sondern auch belastend. Viele fĂŒhlen sich beobachtet und unwohl. Der Blick anderer auf die ungepflegt und krank aussehenden HĂ€nde kann Scham auslösen, selbst wenn niemand etwas Böses meint.
WĂ€hrend eines Schubs leidet auch die Feinmotorik: Tippen, Greifen, Basteln, all das wird zur Herausforderung. Trotz eigener Strategien bleibt oft das GefĂŒhl: Man ist eingeschrĂ€nkt, anders, verletzlich. Viele Betroffene ziehen sich zurĂŒck, meiden sozialen Kontakt, aus Scham ĂŒber das Aussehen ihrer HĂ€nde. Der Leidensdruck ist hoch und betrifft nicht nur das Privatleben. Auch berufliche Wege geraten ins Wanken, wenn die HĂ€nde im Job unverzichtbar sind.
Deshalb ist es so wichtig, diese Erkrankung nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich ernst zu nehmen. Wenn du betroffen bist: Du bist nicht allein. Und wenn du jemanden kennst, der unter einem chronischen Handekzem leidet â hab VerstĂ€ndnis, frag nach und hör zu.
Fazit: Vereinbare einen Termin beim Dermatologen!
Ein chronisches Handekzem ist weit mehr als nur trockene oder juckende Haut â es handelt sich um eine schlimme, oft langwierige Erkrankung. Deshalb ist es entscheidend, nicht abzuwarten, sondern frĂŒhzeitig Ă€rztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Je frĂŒher die Ursache bekannt ist, desto gezielter lĂ€sst sich gegensteuern, mit konsequentem Hautschutz und einer passenden Therapie. Moderne Behandlungsoptionen bieten heute gute Chancen auf Linderung â selbst bei schweren oder anhaltenden VerlĂ€ufen.
Unser Lesetipp
Wenn Arbeit unter die Haut geht
Allianz gegen das chronische Handekzem: Dermatologen, Apotheker und AUVA starten AufklĂ€rungsoffensive gegen diese hĂ€ufigste berufsbedingte Hautkrankheit. GeschĂ€tzte 5 bis 10 Prozent der Ăsterreicher leiden im Laufe Ihres Lebens an Handekzemen, das sind mehrere hunderttausend Menschen. Auslöser ist zumeist der hĂ€ufige Kontakt mit hautreizenden Stoffen wie Chemikalien, Kosmetika oder auch Lebensmittel. Nur rund die HĂ€lfte der Erkrankten sucht einen Facharzt auf. Um das Bewusstsein fĂŒr dieses Risiko zu schĂ€rfen, starten Ăsterreichs HautĂ€rzte und Apotheker gemeinsam mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) eine AufklĂ€rungsoffensive: Eine leicht verstĂ€ndliche BroschĂŒre und ein Poster in Bildsprache sollen die Ăsterreicher dazu motivieren, ihren HĂ€nden mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Infos zum Beitrag
Autor:
Mag. Karin Meinhart
Quellenangabe:
register.awmf.orf
,
derma.de
,
akdae.de
Stand der medizinischen Informationen: 24. Juni 2024
Letzte Aktualisierung: 14. Juli 2025