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ABC – der richtige Fahrplan in der Neurodermitis-Behandlung

Neurodermitis ist in den letzten Jahrzehnten zu einer wahren Volkskrankheit geworden. Bei Kindern ist sie die häufigste Hautkrankheit, aber auch viele Erwachsene kämpfen bis ins hohe Alter mit Atopischer Dermatitis. Neurodermitis ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Das Wichtigste dabei: Klare Diagnose, richtige Hautpflege und die passende Therapie, auf jeder Stufe der Erkrankung!

Du wachst mit einem ungeheuren Juckreiz auf. Es ist drei Uhr morgens. Du schaltest das Licht ein und entdeckst Blut auf dem Laken. Ojeee, du hast dich schon wieder an den Kniekehlen blutig aufgekratzt! Wenn du das kennst, dann bist du eine „von uns“. Eine von hunderttausenden Österreichern, die an Neurodermitis erkrankt sind.

Wie entsteht Neurodermitis?

Die Entstehung der Krankheit ist nach wie vor nicht vollkommen geklärt. Was wir wissen ist: Es handelt sich um eine sehr komplexe Mischung aus genetischen Faktoren, immunologischen Veränderungen und Umweltfaktoren. Die Forschung hat bisher etwa 20 Gene ausgemacht, die für eine Neurodermitis-Neigung verantwortlich sind.

ABER: Es braucht einen Auslöser für einen ersten Ausbruch. Vorab: Es handelt sich immer um einen Defekt der Hautbarriere. Ausgelöst wird die Neurodermitis durch typische „Trigger“ wie: Textilien, Infektionen (Grippe, Erkältung etc.), bestimmte Nahrungsmittel, Hitze, Schwüle, Kälte, Tabakrauch, hautreizende Reinigungsmittel und Kosmetika, Allergieauslöser wie Pollen, Tierhaare etc., hormonelle Faktoren wie Schwangerschaft oder Stress. Die Liste ist ebenso lang, wie individuell verschieden.

Doch eines ist allen gemeinsam: Ist der Hautschutz erst einmal „löchrig“ geworden, werden im Nu Entzündungszellen aktiviert und Antikörper-Rezeptoren gebildet, Allergene können besser eindringen und dort wiederum Entzündungszellen aktivieren – mit anderen Worten: ein Teufelskreislauf hat begonnen!

Ist Neurodermitis eine „Kinderkrankheit“?

Nein. Und ja. Nein, weil Neurodermitis genetische Ursachen hat und NICHT ANSTECKEND ist, wie zum Beispiel Mumps oder Scharlach oder. Und ja, weil bei den meisten Betroffenen die Krankheit in der frühen Kindheit auftritt. Bei 60% während des ersten Lebensjahrs, bei 90% bis zum fünften Lebensjahr. Danach werden Neuerkrankungen immer seltener. Mehr noch: Die Symptome nehmen beim Älterwerden ab und sind bei etwa 70% der Betroffenen im Erwachsenenalter ganz verschwunden.

Woran erkennst du, ob du oder dein Kind an Neurodermitis erkrankt ist?

Neurodermitis verläuft in chronisch wiederkehrenden entzündlichen Schüben. Kennzeichnend sind Hautrötungen, Schuppungen und Ekzeme an den Neurodermitis-typischen Stellen: Kniekehlen, Armbeugen, Hals, Gesicht. Dazu kommt oft unterträglicher Juckreiz. Es ist gar nicht so einfach, eine Neurodermitis bei dir oder deinem Säugling beziehungsweise Kleinkind von einer Pilzinfektion oder einem Ekzem anderen Ursprungs zu unterscheiden.

Aber es gibt Merkmale, zum Beispiel

  • Wenn der Juckreiz über Wochen und Monate nicht verschwindet, sondern immer wiederkommt.
  • Wenn die Haut ständig extrem trocken und schuppig ist.
  • Wenn beim Kratzen keine roten, sondern weißliche Spuren bleiben.
  • Wenn der Juckreiz bei bestimmten Auslösern stärker auftritt.
  • Wenn die Rötungen bei deinem Kind an den Armen und Waden auftreten – und bei dir an Stirn, Brust, Handgelenken, Kniekehlen und Armbeugen.
  • Auch andere sogenannte „atopische Stigmata“, wie sie auch bei Heuschnupfen und allergischem Asthma typisch sind, können auftreten: häufige Bindehautentzündungen, doppelte untere Lidfalte oder Blässe um den Mund herum.

Das sagt die Expertin Dr. Nadine Mothes-Luksch

In der Neurodermitis Therapie gibt es prinzipiell keinen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen. Was für Erwachsene gilt, gilt auch für Kinder. Bei einem akuten Neurodermitis-Schub sind auch bei Kindern Cortison-Präparate angezeigt. Aber in einer entsprechend niedrigeren Dosis. Dazu kann mit sorgfältiger Hautpflege langfristig die Anzahl und Stärke der Schübe positiv beeinflusst werden. Ich bemühe mich im Patientengespräch, dies ganz deutlich zu machen: Konsequente Pflege ist eines vom Wichtigsten überhaupt, um Neurodermitis zu lindern.

ABC – der richtige Fahrplan in der Neurodermitis-Behandlung

In der Medizin gilt, was bei allen schwierigen Themen gilt: Genaue Analyse des Ist-Zustandes ist der erste Schritt zur Lösung. Dermatologen haben für Neurodermitis einen genauen Score (einen Stufenplan) entwickelten. Er ist die Grundlage für jede Therapie, so etwas wie ein individueller Behandlungspass. Je genauer dein Hautarzt am Beginn weiß, wo du stehst, desto besser kann er dich oder dein Kind behandeln. Und das bedeutet: desto weniger Symptome und weniger Schübe treten auf.

Stufe A: Trockene, schuppige und gerötete Haut

Die Symptome: Auf dieser Stufe leiden Neurodermitis-Patienten unter trockener, schuppiger, geröteter und juckender Haut. Ekzeme sind noch nicht vorhanden.
Die Therapie:
Konsequente und sorgfältige Hautpflege mit parfumfreien Cremen und Lotions. Am besten cremst du zweimal täglich. in jedem Fall aber nach dem Duschen. Das gilt auch für dein Baby oder Kleinkind. Nutze das Eincremen für ein meditatives Ritual. Das wird deinem Kind körperlich und seelisch guttun! Und dir auch.

Stufe B: leichte Ekzeme und starker Juckreiz

Die Symptome: Jetzt ist die Neurodermitis in eine akute, wenn auch noch leichte Phase eingetreten. An den einen oder anderen Körperstellen treten nässende Ekzeme auf, der Juckreiz wird quälend.
Die Therapie:
Neben antiseptischen Wirkstoffen und der Behandlung des Juckreizes verschreibt die Dermatologin jetzt Salben in einer geringen Konzentration Glukokortikoide (Cortisonsalben) und Calcineurin-Inhibitoren.

Calcineurin-Inhibitoren

Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI), wie zum Beispiel Tacrolimus, setzt direkt an der überschießenden Abwehrreaktion in der Haut an: Tacrolimus wirkt über die Hemmung zellulärer Entzündungsabläufe, so dass letztlich Entzündungszellen gebremst werden. Ein weiterer positiver Effekt: Mit der Anwendung von Tacrolimus verbessert sich die geschädigte Hautbarriere atopischer Haut. Tacrolimus-Salbe ist als proaktive Therapieform geeignet bzw. um den symptomfreien Zustand bei Neurodermitis möglichst lange zu erhalten. Laut Studien verlängert die proaktive Therapie mit Tacrolimus-Salbe – zweimal wöchentlich einmal täglich angewendet – signifikant die schubfreie Zeit im Vergleich zur reaktiven Therapie, bei der die Salbe nur während eines Schubs zweimal pro Tag aufgetragen wird.

Stufe C: mittelschwere bis schwere Ekzeme

Die Symptome: Die Ekzeme haben größere Teile des Körpers bedeckt und halten sich hartnäckig, der Juckreiz wird fast unerträglich.
Die Therapie:
In diesem Stadium werden stärker wirksame Cortison-Präparate, auch in Tablettenform, Calcineurinhemmer und Immunsuppresiva (zB Ciclosporin A) eingesetzt.

Das sagt die Expertin Dr. Nadine Mothes-Luksch

Auf die oftmals gehörte Frage: „Hat Cortison nicht schwere Nebenwirkungen?“ antworte ich immer: Das Gegenteil ist der Fall! Die Angst vieler Patienten vor Cortison ist die gefährlichste Nebenwirkung. Ich warne meine Patienten immer eindringlich davor, das Medikament selbstständig abzusetzen oder die Dosis zu verändern. Die Nebenwirkungen sind bei der richtigen Anwendung geringfügig und harmlos.

Gibt es einen Unterschied zwischen akuter und schubfreier Phase?

Ja, und ob! Eine akute Phase sollte sofort und konsequent – je nach Schweregrad mit Cortison und/oder Calcineurinhemmern behandelt werden. Oder es wird eine systemische Therapie mit zB Biologika begonnen.

Wann und wie oft treten Schübe auf?

Das lässt sich leider nicht vorhersagen. Aber beeinflussen. Indem du dir bekannten Auslöser vermeidest. Also:

  • Bei Nahrungsmittel-Allergien auf die betreffenden Lebensmittel verzichten
  • Leichte, hautfreundliche Kleidung tragen – und sie vor dem ersten Tragen waschen
  • Parfümierte Weichspüler, Reinigungs- und Kosmetikprodukte vermeiden
  • Entspannungsübungen wie Yoga, Autogenes Training oder Progessive Muskelentspannung gegen Stress anwenden

Wie wirksam sind Behandlungsmethoden aus der Komplementärmedizin?

„Gut ist, was guttut“, sagt Nadine Mothes-Luksch. Das kann für den einen Patienten eine Homöopathie-Behandlung sein, für den anderen Akkupunktur. Und der dritte spricht auf keines der beiden an. „Was ich in jedem Fall betonen möchte“, sagt Mothes-Luksch, „Sobald Entzündungen auftreten und der Patient in einem akuten Schub steckt, muss mit antientzündlichen Medikamenten wie beispielsweise Cortison entgegenwirken. Ein Aufschub und Hoffen auf Besserung durch reine Pflegeprodukte sind da kontraproduktiv.“

Die vier goldene Regeln in der Behandlung

Dr. Nadine Mothes-Luksch Hautärztin Dermatologin Wien Neurodermitis Kinder
  1. Information: über den Schweregrad der Erkrankung, die Therapiemöglichkeiten und die individuellen Auslösefaktoren.
  2. Vermeidung der Substanzen bzw. Situationen, die einen Schub auslösen können.
  3. Konsequente Hautpflege: in der akuten Phase genauso wie in der schubfreien Zeit. Es gibt nichts Besseres, um einen neuen Schub vorzubeugen.
  4. Therapie laut Stufenplan: sobald die Neurodermitis akut wird.

Danke für das interessante Interview.
Dr. med. univ. Nadine Mothes-Luksch
Dermatologin in Wien
Schwerpunkte: Allergien, Neurodermitis bei Kindern und Erwachsenen

Weitere Infos auf hautimzentrum.at

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