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Tacrolimus bei Neurodermitis

Der Wirkstoff Tacrolimus eignet sich als Alternative zu Cortison-Cremes bei Neurodermitis, besonders zur Behandlung von hartnäckigen chronifizierten Verläufen und um das entzündungsfreie Stadium der Hauterkrankung zu verlängern und so Schübe hinauszuzögern. Tacrolimus- Salbe kann zur antientzündlichen Therapie für empfindliche Hautregionen und in niedriger Dosierung bereits für Kinder ab dem 3. Lebensjahr angewendet werden.

Patienten mit Neurodermitits kennen die lästigen Symptome, die das atopische Ekzem mit sich bringt: Vor allem schuppende, rote Haut, starker Juckreiz und manchmal auch nässende Ekzeme machen den Betroffenen zu schaffen. In solchen Situationen braucht es eine antientzündliche Therapie. „Als Gold-Standard verwendet man heute moderne topische Steroide, also geeignete Cortison-Cremes, die bei richtiger, sogenannter proaktiver Anwendung keine Nebenwirkung machen“, sagt Dr. Günther Rainer, Kinderdermatologe und Neurodermitis-Trainer. Unter proaktiver Therapie versteht man die mittel- und langfristige antientzündliche Therapie beginnend mit kurzfristig täglicher Anwendung im akuten Stadium, um danach in eine Intervall-Erhaltungstherapie, zum Beispiel zweimal pro Woche, überzugehen.

Proaktive Therapie als Neurodermitits-Hilfe, um schubfreie Zeit zu verlängern

Eine Alternative zur Neurodermitis-Therapie, insbesondere bei notwendiger Langzeitanwendung, ist die Behandlung mit Tacrolimus-Salbe. Dabei setzen topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI), wie zum Beispiel Tacrolimus, direkt an der überschießenden Abwehrreaktion in der Haut an: „Tacrolimus wirkt über die Hemmung zellulärer Entzündungsabläufe, so dass letztlich Entzündungszellen gebremst werden. Es kommt hierbei vor Ort in der Haut zu einer Immunsuppression“, so der Dermatologe.

Die Abwehrreaktion und die Zahl der Entzündungszellen werden somit vermindert. Ein weiterer positiver Effekt: Zudem verbessert sich durch Tacrolimus auch die Hautbarriere atopischer Haut. Tacrolimus-Salbe ist als proaktive Therapieform geeignet bzw. um den symptomfreien Zustand bei Neurodermitis möglichst lange zu erhalten. Laut Studien verlängert die proaktive Therapie mit Tacrolimus-Salbe – zweimal wöchentlich einmal täglich angewendet – signifikant die schubfreie Zeit im Vergleich zur reaktiven Therapie, bei der die Salbe nur während eines Schubs zweimal pro Tag aufgetragen wird.

Neurodermitis behandeln: Cortison-Alternative in zwei Dosierungen

Die Protopic®Salbe ist in ihrer Wirkung mit schwachen bis mittelstarken Cortisonsalben vergleichbar. Für ausgewählte Patienten stellt Tacrolimus also eine hilfreiche Therapiealternative zu Cortison-Cremes dar. Calcineurin-Inhibitoren bieten aufgrund ihres Wirkmechanismus kein potentielles Risiko von Nebenwirkungen, wie sie bei nicht sachgerechter Anwendung mit topischen Kortikosteroiden auftreten können. „Genau das war das Ziel: eine Salbe zu entwickeln, die antientzündlich ist, aber nicht mit Nebenwirkungen behaftet, die die komplette Immunität und Interaktion in der Haut bremsen“, so Dr. Rainer. Die Protopic®Salbe kann vom Hautarzt auf Rezept verschrieben werden. Übrigens nicht nur, um Neurodermitis zu behandeln, sondern auch für bestimmte andere chronisch-entzündliche Hauterkrankungen, wie Schuppenflechte oder Knötchenflechte (Lichen ruber planus).

Protopic®Salbe gibt es in zwei Dosierungen: 0,1 Prozent (ab dem 17. Lebensjahr) und 0,03 Prozent (ab dem 3. Lebensjahr). Auch für Erwachsene kann die niedriger dosierte „Kindersalbe“ übrigens Sinn machen, so der Dermatologe: „Das gängige Prinzip in der Behandlung lautet: So wenig Salbe wie möglich, um den symptomfreien Zustand zu erhalten; umgekehrt aber unbedingt so viel wie notwendig. Aufgrund der Wirkstoff-Konzentration haben die beiden Salben auch eine unterschiedliche Wirkstärke. Wenn die niedrigere Dosierung ausreicht, macht die durchaus auch bei Erwachsenen Sinn.“

Durch die Anwendung einer Salbe in niedrigerer Wirkstärke können auch mögliche Nebenwirkungen (Hautirritationen), falls sie auftreten, weniger stark ausgeprägt ausfallen. Für den Start ist also durchaus auch die niedriger dosierte Salbe für Erwachsene geeignet. Je nach Hauterkrankung ist auch die schwächere 0,03-prozentige Variante auch bei Erwachsenen für empfindliche Hautbereiche wie Gesicht, Achseln oder den Genitalbereich als Behandlung geeignet. Denn: „Die Körperhaut ist unterschiedlich dick. Aufgrund unterschiedlicher Hautstärke je nach Körperstelle muss der Wirkstoff auch unterschiedlich weit die Haut durchdringen, um an den Ort des entzündlichen Geschehens zu gelangen“, so Dr. Rainer.

Wann ist Tacrolimus nicht geeignet?

Die Tacrolimus-Salbe eignet sich nicht zur Behandlung für besonders akute entzündliche Phasen der Neurodermitis, besonders wenn diese mit nässenden Ekzemen einhergehen oder entzündlich überwärmt sind. Der Grund: „Die sehr fette Formulierung der Salbe kann die Entzündung anheizen. Durch diese spürbare Überwärmung fühlen sich die Patienten besonders unwohl, insbesondere Kinder“, sagt der Kinderdermatologe. Zudem sollte die Salbe auch nicht auf der Mundschleimhaut angewendet werden, um eine Resorption zu vermeiden. Bei Kindern sollte man außerdem darauf achten, die Tacrolimus-Salbe auf empfindlichen, dünnen Hautstellen wie den Achseln, genital oder im Gesicht nicht „unkontrolliert“ oder unbedacht anzuwenden. Sie sollte also in der gerade noch antientzündlich wirkenden Menge bzw. als Intervalltherapie mit Abständen dazwischen zum Einsatz kommen.

Nebenwirkungen

Hautirritationen häufig, aber harmlos Bei der Anwendung von Protopic® sind leichte Nebenwirkungen möglich. So zeigte in klinischen Tests etwa die Hälfte der Patienten unmittelbar nach dem Auftragen der Salbe Hautreizungen wie Brennen, Jucken oder Rötungen. „Üblicherweise hört Hautbrennen aber nach drei Tagen wieder auf. Manchmal dauern leichte Irritationen einige Wochen“, sagt Dr. Rainer. Was ebenfalls beachtet werden sollte: „Da als gewünschte Wirkung eine Immunsuppression der Haut erfolgt, besteht auch ein erhöhtes Risiko von viralen Infektionen wie zum Beispiel Herpes oder Dellwarzen auf der Haut.“ In der Sonnensaison sollte ein konsequenter Sonnenschutz tagsüber verwendet werden, wenn mit Calcineurin-Inhibitoren behandelt wird.

Erhöhtes Krebsrisiko?

Tacrolimus wurde in der Vergangenheit mit dem Verdacht, Haut- bzw. Blutkrebs auszulösen, in Verbindung gebracht. Ist der Einsatz also gefährlich? „Das ist eindeutig widerlegt, es gibt viele gute Metaanalysen mit mehreren tausenden eingeschlossenen Patienten, die zeigen, dass es diese Risiken nicht gibt. Man kann mittlerweile über viele Studien und deutlich mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Anwendung von Calcineurin-Inhibitoren zurückblicken; darauf basierend gibt es genug gute Gründe, bei entsprechenden Erkrankungen Calcineurin-Inhibitoren zu verwenden. Richtig eingesetzt ist Tacrolimus ein wertvolles, hilfreiches Medikament mit armem Nebenwirkungsprofil. Es gibt aus heutiger Sicht keinen Grund, an der Sicherheit zu zweifeln.“

Der hautinfo.at Experte Dr. Günther Rainer

Herr Dr. Rainer, vielen Dank für das aufschlussreiche Interview! Der Wiener Hautarzt und Neurodermitis Trainer ist unter anderem spezialisiert auf Kinderdermatologie. Du suchst einen kompetenten Dermatologen in Wien (Sonnbergplatz 7, 1190 Wien)? Vereinbare einen Termin bei Dr. Günther Rainer: Terminvereinbarung unter 0650- 860 8601 oder per email kontakt(at)derkinderhautarzt.com www.derkinderhautarzt.at

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