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    © vadymvdrobot - 123RF
    Interview mit der Ganzheitsmedizinerin

    Der Einfluss der Leber auf unsere Haut

    Wenn die Leber manifeste Probleme hat, kommt es zu allerlei Hauterscheinungen, die auch die Schulmedizin gut kennt. Gelbsucht, Spider naevi, Rötung der HandinnenflĂ€chen, und andere können auftreten. Dieser Artikel beschreibt und widmet sich allgemein bekannten und hĂ€ufigen Hauterkrankungen welche durch eine LeberschwĂ€che, LebertrĂ€gheit, LeberĂŒberfunktion beeinflusst oder mitverursacht werden.

    Die Anthroposophische Medizin

    Die Leber und die Haut gehören in besonderer Weise zusammen, wie es auch aus alten Zeiten schon ĂŒberliefert wurde. Die Anthroposophische Medizin hat sich diesem speziellen Thema in besonderer Weise gewidmet und Heilmittel- und Therapieangaben von Rudolf Steiner (1861-1925) studiert, untersucht und weiterentwickelt. 

    In ganzheitlichen Medizinsystemen, wie in der chinesischen TCM, in der anthroposophischen Medizin und TEM (Traditionell europĂ€ische Medizin) kommt der Leber eine sehr große Bedeutung zu und sorgt hĂ€ufig bei einer Belastung fĂŒr Unordnung im System.

    Die Leber ist fĂŒr uns ein viel wichtigeres Organ, als uns gemeinhin bewusst ist. Nicht umsonst leitet sich das Wort Leber von Leben ab. Sie ist sozusagen ein Urbild fĂŒr umfassende Regeneration und Lebendigkeit. “Wenn die Leber nicht da wĂ€re, da wĂ€re nichts Gutes im Leib, sie mildert durch ihre GĂŒte alles UngestĂŒm“ lehrte bereits begeistert Paracelsus.

    BeeintrÀchtigung der Leber bei Hauterkrankungen

    Die BeeintrĂ€chtigung der Leber bei Hauterkrankungen zeigt sich meistens weder durch auffĂ€llige Laborwerte noch durch eine Ă€ußerliche, physische VerĂ€nderung des Organs. Daher sprechen wir von einer rein funktionellen Störung, wenn die Leber in diesem Sinne aus dem Gleichgewicht geraten ist. In der westlichen Medizin wĂ€re damit die Leber gesund, die Blutwerte sind Ok, der Ultraschall ist ok, nichts schmerzt. Der Patient weiß ebenso nichts von seinem Leberproblem, denn sichtbar ist nur die Hauterkrankung. Wenn die Störung nicht messbar ist, woher wissen wir dann davon?

    © Ternavskaia Olga Alibec - shutterstock
    Einfluss Leber auf die Haut: Juckreiz und Ekzeme

    Typische Leberdermatosen

    Verschiedene Befindlichkeiten des Patienten und verschiedene typische Symptome können als sogenannte Leberstörung oder LeberschwĂ€che interpretiert werden und zu solchen „Diagnose“ hinleiten. Mit den passenden naturheilkundlichen (Leber-) Heilmitteln kann dann behandelt werden. Letztendlich können die naturheilkundlichen Systeme die LeberschwĂ€che nicht beweisen, die Besserung selbst rechtfertigt die Therapie und die Behandlung der Leber.

    In der anthroposophischen Dermatologie werden geradezu typische „Leberdermatosen“ unter den Hauterkrankungen aufgezeigt. Hauterkrankungen, welche eng mit der Leber bzw. mit deren Funktionen vergesellschaftet sind, und bei welchen sich durch Leberbehandlung das Hautorgan bessern kann.

    Wie auch der TCM stellt auch die anthroposophische Medizin fest, dass die Leber in einen SchwĂ€chezustand oder auch in einen Überfunktions- einen FĂŒllezustand geraten kann. Von diesem Feintuning der Leberbefindlichkeit hat die Schulmedizin allerdings keine Kenntnis. Der Zustand der Leberbelastung produziert vielfĂ€ltige Symptome, vor allem im vegetativen und im GemĂŒtsbereich. Störungen im vegetativen Bereich bemerkt man an der SchlafqualitĂ€t und Schlafrhythmus, TagesmĂŒdigkeit und Abgeschlagenheit, Appetit und Durstverhalten, Vorlieben und Antipathien fĂŒr bestimmte Speisen, Verdauungsstörungen.

    Leberstörungen im seelischen Bereich Ă€ußern sich zum Beispiel in einer Verstimmtheit, einer melancholischen „Leberdepression“, in WillensschwĂ€che mit z.B. Schwierigkeiten Vorgenommenes in die Tat umzusetzen, es ist schwer in die GĂ€nge zu kommen, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch cholerischen AusbrĂŒchen und Gereiztheit wenn die Laus ĂŒber die Leber lĂ€uft.

    In der anthroposophischen Medizin sind folgende Hauterkrankungen als sogenannte typische „Leberdermatosen“ zu bezeichnet:

    Sie deuten auf eine zu schwache oder auch trĂ€ge LebertĂ€tigkeit hin. Wenn die Leber ihre Arbeit nicht mehr ordentlich ausfĂŒhren kann, fĂŒhrt das zu einem Ungleichgewicht im System. Andere Organe die mit ihr zusammenhĂ€ngen kommen ebenfalls ins Strudeln und das ist oft die Haut. Ist die Leber zu schwach, werden Hautprozesse zu stark, besonders der Stoffwechsel im DrĂŒsenbereich.

    Umgekehrt ist in der Haut zu wenig Stoffwechsel, ist die Leber (unsere grĂ¶ĂŸte DrĂŒse) mit zu viel Stoffwechselaufgaben ĂŒberlastet und „in Unordnung“.Dies zeigt sich oft durch:

    • Juckreiz
    • Neurodermitis Symptome: Ekzeme, trockene Haut, nĂ€ssende Ekzeme
    • NĂ€gelschwĂ€che oder BindegewebsschwĂ€che

    Eine zu große bzw. ungeordnete LebertĂ€tigkeit findet sich hĂ€ufig auch bei Juckreiz im Genitalbereich, Psoriasis vulgaris, polymorphe Lichtdermatose sowie Varikositas. Diese Hauterkrankungen gehen sehr hĂ€ufig mit einer funktionellen Leberstörung einher, aber nicht zwingend. In beiden FĂ€llen hilft es der Haut, wenn die Leber in ihrer regelrechten Funktion unterstĂŒtzt wird, so dass die Haut selbst wieder entlastet wird. 

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    typische Neurodermitis Symptome im Gesicht

    Schadstoffe belasten die Leber

    Die Leber wird am hĂ€ufigsten durch Zufuhr von Schadstoffen von außen gestört. In unserer Zeit ist das nicht schwierig, wir sind mit einer Vielzahl an giftigen Substanzen tagtĂ€glich konfrontiert. Nahrungsmittel werden mit Pestiziden, Herbiziden, Schwermetallen belastet. Fertignahrungsmittel enthalten eine Vielzahl an Konservierungsstoffen, SĂŒĂŸungsmittel, Farbstoffen, GeschmacksverstĂ€rkern. Viele Menschen nehmen tĂ€glich nicht wenige Medikamente ein. All das wird in der Leber verstoffwechselt und in bestem BemĂŒhen entgiftet. Das unsere Leber hiermit immer mehr ĂŒberfordert wird liegt nahe. Auch das Genussgift Alkohol bringt die Leber exzellent in arge BedrĂ€ngnis. Obschon zu sagen ist: Die Dosis macht das Gift.

    Bei der Hauterkrankung Rosacea merken wir die unmittelbare Wirkung des Alkohols auf das But mit der entstehenden sofortigen Gesichtsröte. Die meist vorliegende LeberschwĂ€che kommt mit Alkohol ĂŒberhaupt nicht mehr klar. Negative Emotionen korrumpieren nicht nur unsere Stimmung, sie wirken sich auch auf die Organe schĂ€digend aus. Vor allem in der chinesischen Medizin ist gut bekannt, dass ein Übermaß an Zorn und Wut die Leber schĂ€digt, und die Galle zum Überlaufen bringt. Emotionen sind hĂ€ufig eine gewichtige Ursache fĂŒr Probleme der inneren Organe.

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    Rosazea: typische Rötungen im Gesicht

    Licht und Sonnenmangel

    Auch mit Licht und Sonnenmangel hat die Leber zu tun. Rudolf Steiner erwĂ€hnt: „Mangel an SonnentĂ€tigkeit bringt die LebertĂ€tigkeit in Unordnung, SonnentĂ€tigkeit fördert die LebertĂ€tigkeit“. Um das Leben der Leber zu fördern ist es demnach förderlich, sich öfter mal die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. In der Leber wird auch Vitamin D (eigentlich Hormon D) aus der Haut verstoffwechselt bevor es an die Niere weitergegeben wird. Erreicht mehr Sonnenlicht die Haut, und ist die Haut auch fĂ€hig Vitamin D aufzunehmen, hat die Leber also mehr zu tun, im positivsten Sinne.

    © Verona Studio - shutterstock
    Die richtige Dosierung von Sonne und passendem UV-Schutz ist unumgÀnglich

    Vitamin D Mangel

    Durch einen Mangel an Vitamin D Hormon kommt es zu:

    • MĂŒdigkeit
    • Abgeschlagen
    • bis hin zu Depression: sogenannte „Leberdepression“, Melancholie

    Ist die Leber bereits geschĂ€digt, die Leberwerte im Blut bereits erhöht, fĂŒhrt dies ebenfalls zu einem Vitamin-D-Mangel. Viele Menschen mit Hautproblemen haben auch einen Vitamin-D-Mangel zusammen mit einer LeberschwĂ€che. Wenn die Leber geschwĂ€cht ist, kommt sie mit Ă€ußerer Sonnenbestrahlung nicht gut klar.

    Ist die Haut erkrankt, ist sie oft nicht mehr ausreichend in der Lage genĂŒgend Vitamin D Hormon zu bilden, das fehlt dann auch in der Leber und in der Folge im ganzen Organismus. Oft ist es gerade dann so heilsam in die Sonne zu gehen, und gleichzeitig dafĂŒr zu sorgen, dass die Leber ordentlich unterstĂŒtzt wird, um das Lichtprodukt auch gut verarbeiten und „verdauen“ zu können.

    Dies ist bei Neurodermitikern und vor allem beim Psoriatiker der Fall. Sie profitieren ĂŒberaus eindrucksvoll von Sonnenlicht. Aus ganzheitlicher Sicht ist es die „richtige“ LebertĂ€tigkeit, welche durch die Sonne gefördert und in Ordnung gebracht wird. Dies fĂŒhrt weiterhin zur Entlastung der Haut oder zum RĂŒckgang der Hauterscheinung.

    Rosacea und Akne

    Der Rosacea Patient vertrĂ€gt ĂŒberhaupt schwer die Sonne, derjenige mit Polymorpher Lichtdermatose reagiert sogar allergisch auf das Sonnenlicht. Intensiver Sonnenschutz ist dringend anzuraten, vor allem in den ersten Sonnenmonaten, danach hat die Haut schon einen besseren Eigenschutz entwickelt. Eine zusĂ€tzliche „AbhĂ€rtung“ mit UV-Bestrahlung wĂ€hrend des Winters ist ebenfalls anzuraten. Auch bei Akne verschlechtert sich meistens das Bild durch intensive Besonnung, kann sich aber auch gegenteilig bessern. Hier kommt es auf die Art der Akne an.

    Leberheilmittel

    Die anthroposophische und die traditionelle Medizin kennt eine Vielzahl an Leberheilmitteln. Es sind vor allem PflanzenprÀparate, Tees, Wickel und Heilerden:

    • Die Mariendistel in diesem Reigen ist weithin bekannt und auch schulmedizinisch als Leberschutzmedikament im Einsatz.
    • HĂ€ufig angewandt und nicht wegzudenken ist das ebenfalls pflanzliche PrĂ€parat Hepatodoron in Tablettenform. Ein sogenanntes Typenmittel, hergestellt nach Angaben und Rezeptur von Rudolf Steiner.
    • Ist die LeberschwĂ€che deutlich ausgeprĂ€gt im GemĂŒtsleben erlebbar, kommt Zinn in potenzierter Form zur Anwendung. Zinn ist das Planetenmetall des Jupiter und somit der Leber zugeordnet.
    • Löwenzahn, Wegwarte, Bittermittel, Eselsdistel, Leberklette und Berberitze sind einige weitere Möglichkeiten.
    • Aus dem Mineralienreich ist Schwefel zu nennen, potenziert oder als Schwefelbad.

    Lebermittel werden kurmĂ€ĂŸig fĂŒr vier Wochen oder auch fĂŒr deutlich lĂ€ngere Zeit gegeben. Je intensiver die Leber zuvor belastet war, beispielsweise medikamentös oder auch durch eine lange chronische Hauterkrankung, umso lĂ€nger braucht es manchmal ihr wieder auf die Beine zu helfen.

    Daher empfiehlt die Volksheilkunde auch jeden FrĂŒhling (das ist die Leberzeit) zur Gesundheitsvorsorge eine Kur mit Bitterstoffen zu machen. Das reinigt, entgiftet, stĂ€rkt das Immunsystem und kurbelt die Lebensgeister an. Das berĂŒhmte «Elixir ad longam vitam» des Paracelsus soll ĂŒberwiegend Bitterstoff-Pflanzen enthalten haben, die bittere Enzianwurzel zum Beispiel. Hildegard von Bingen (1098-1179) empfahl ebenfalls eine regelmĂ€ĂŸige FrĂŒhjahrskur mit Wermut durchzufĂŒhren.

    Heute spielen bei Hauterkrankungen die Bitterstoffe in der naturheilkundlichen Therapie und bei der Entgiftung der Leber wieder eine große und bedeutende Rolle. Die Therapie der Leber bei Hauterkrankungen wird wieder vermehrt in den Fokus gerĂŒckt und die Gesundheit der Leber beachtet und gefördert, so wie es seit langem beispielsweise in der anthroposophischen Medizin praktiziert wird.

    Hautinfo.at Expertin Dr. Barbara Guttmann

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    Hautinfo.at Expertin Dr. Barbara Guttmann

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    Infos zum Beitrag

    Autor: Dr. Barbara Guttmann
    Quellenangabe: Olaf Rippe, Paracelsusmedizin, Schweiz, 6. Auflage 2016; Dr. Jachens, Dermatologie, Deutschland, 1. Auflage 2012; Rudolf Steiner, GA 351:56, Dornach, Mensch und Welt; 4 Helmut Posch, Was ist Hildegard Medizin, Österreich
    Letzte Aktualisierung: 17. MĂ€rz 2023

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