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    © hautinfo.at

    Karin Meinhart im Interview

    Der Alltag mit einer Neurodermitis ist nicht immer leicht und angenehm, aber mit einem vernĂŒnftigen Lebensstil kann man ein durchaus schönes Leben fĂŒhren. Karin Meinhart, GrĂŒnderin der Hautinfo.at spricht ĂŒber ihren positiven Weg heraus aus der Hauterkrankung.

    In welchem Alter ist Neurodermitis bei dir erstmal aufgetreten?

    Ich habe Neurodermitis schon seit meiner frĂŒhesten Kindheit, also gefĂŒhlt mein ganzes Leben lang. Begonnen hat die Neurodermitis im Alter von fĂŒnf Monaten mit dem Milchschorf (ein krustiger Hautausschlag am Kopf und im Gesicht), kurz danach traten die Symptome am gesamten Körper auf. Ich war von der Kopfhaut bis zu den FĂŒĂŸen mit roten entzĂŒndlichen Flecken ĂŒbersĂ€t, dazu kam ein quĂ€lender Juckreiz. Meine Eltern waren verzweifelt, da ich mich tĂ€glich blutig gekratzt habe. Besonders schlimm war es in den Kniekehlen, in den Armbeugen sowie im Gesicht und am Kopf. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr habe ich in Summe viele Monate im Spital verbracht. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Schultag erinnern. Nachdem ich zu dieser Zeit viel gekratzt hatte, waren meine HĂ€nde dick verbunden. Man kann sich vorstellen, wie die anderen Kinder mich angesehen haben.

    Sind Erfolge durch bestimmte Behandlungsmethoden eingetreten?

    Meine Eltern sind mit mir von Arzt zu Arzt und von einer Hautklinik zur nĂ€chsten gefahren. In wenigen Jahren kannten mich alle HautĂ€rzte rund um unseren Wohnort. Ich habe verschiedenste medizinische Cremes, Salben und BĂ€der verschrieben bekommen, wovon die einen mehr und andere weniger geholfen haben. Gut getan haben mir bereits als Kind lĂ€ngere Aufenthalte am Meer. Sonne und Salzwasser (auch wenn es anfangs furchtbar auf der Haut gebrannt hat) fĂŒhrten fast immer zu einer Besserung meiner Haut. Leider hielt dieser Erfolg nie lange, kaum war ich wieder daheim, trat wieder eine Hautverschlechterung ein.

    Was hÀltst du von Cortison?

    Wenn ich heute einen akuten Schub habe, helfen mir Cortison-Salben den Teufelskreis „Hautausschlag – Juckreiz – Kratzen – Hautbarriere gestört – neue EntzĂŒndung – Juckreiz – Kratzen“ zu durchbrechen. Das Cortison gehört nach wie vor zu den wirksamsten Medikamenten gegen die Symptome der Neurodermitis. Ich weiß aus meiner TĂ€tigkeit als Betreiberin der Plattform Hautinfo.at, dass bei vielen Betroffenen bereits das Wort „Cortison“ Angst und Schrecken auslöst. Dabei hat die Forschung in diesem Bereich in den letzten Jahren sehr viel Positives erreicht. Die aktuell gĂ€ngigen Cortison-PrĂ€parate weisen viel weniger Nebenwirkungen als noch vor zwanzig Jahren auf. Ich möchte an dieser Stelle zur Vorsicht aufrufen, denn genau diese Cortison-Angst nĂŒtzen unseriöse GeschĂ€ftemacher aus. Es kommen immer wieder Cortison-haltige Salben ans Tageslicht, die unter dem Deckmantel „Pflanzencreme ohne Cortison“ gehandelt werden.

    Hast du Erfahrungen mit Alternativmedizin?

    Ich habe in knapp vierzig Jahren mit Neurodermitis fast alles ausprobiert, inklusive der Eigenurintherapie. Von Ayurveda ĂŒber Bioresonanz und Homöopathie bis zur Kinesiologie habe ich nichts unversucht gelassen. Sehr gut geholfen hat mir eine zehn Jahre andauernde TCM-Behandlung (=Traditionell Chinesische Medizin) mit individuell fĂŒr mich zusammengestellten KrĂ€utern. Bei Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis ist laut TCM die Haut nicht der „TĂ€ter", sondern das „Opfer“. Daher werden die Ursachen der nach außen hin sichtbaren HautverĂ€nderungen im Inneren des Körpers ausgeforscht und therapiert.

    Stichwort "Hautpflege"?

    Die Neurodermitis gilt als nicht heilbar, aber ich habe meine Haut mittlerweile gut im Griff. Das wichtigste ist fĂŒr mich die tĂ€gliche Hautpflege. Diese gehört zu meinem Tagesablauf wie das zweimal tĂ€gliche ZĂ€hneputzen. In einer schubfreien Zeit kann eine gute Hautpflege einen neuen Neurodermitis-Schub vorbeugen beziehungsweise einen solchen abmildern. Durch die Hautpflege bessert sich das allgemeine Hautbild, die schubfreien Intervalle dauern lĂ€nger an und der Einsatz von schweren Medikamenten lĂ€sst sich auf AkutfĂ€lle reduzieren.

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    PHYSIOGEL hilft bei Neurodermitis

    Wir empfehlen fĂŒr die tĂ€gliche Hautpflege bei Neurodermitis die PHYSIOGEL Calming Relief A.I. Creme:

    • Beruhigt irritierte Haut und Juckreiz in der Akutphase
    • Reduziert Rötungen
    • StĂ€rkt und regeneriert klinisch erwiesen die Lipidbarriere der Haut

    Zur tĂ€glichen Hautreiniung empfehlen wir die PHYSIOGEL Daily Moisture Therapy Dusch-Creme, eine sanfte Reinigung mit rĂŒckfettenden Inhaltsstoffen. PHYSIOGEL Scalp Care Extra Mildes Shampoo bietet eine extra milde Reinigung fĂŒr die juckende Kopfhaut.

    Auf mögliche Allergieauslöser wie Emulgatoren, Duft- und Farbstoffe wird verzichtet. Von Dermatologen empfohlen. Du bekommst die PHYISIOGEL Pflegeprodukte rezeptfrei in deiner Apotheke.

    Gibt es eine besondere Spezialsalbe bei Neurodermitis?

    Es gibt eine große Anzahl an Pflegeprodukten, die speziell fĂŒr die Neurodermitis-Haut entwickelt wurde. Ich habe in meinen fast vierzig Jahren mit Neurodermitis viele „Salben-Erfahrungen“ gemacht. Ich habe dabei festgestellt, dass es die eine Spezialsalbe bei Neurodermitis nicht gibt. Eine Salbe, die einem Betroffenen gut hilft, kann bei einem anderen gar nicht helfen, beziehungsweise sogar einen neuen Schub verursachen. Nicht immer bringt das teuerste Produkt mit der schönsten Verpackung grĂ¶ĂŸten Nutzen. Unumstritten ist, dass Menschen mit Neurodermitis auf gut vertrĂ€gliche Hautprodukte angewiesen sind. Man sollte generell darauf achten, dass die Pflegeprodukte frei von Parfum, Farbstoffen und zu vielen Konservierungsstoffen sind. Ich halte mich seit Jahren vorwiegend an Produkte aus der Apotheke, die zwar etwas teurer, dafĂŒr aber hochwertiger sind. Mein Tipp: Viele Produktanbieter bieten kostenlose Proben zum Testen an. Ich frage immer vor dem Kauf nach einer gratis Probe!

    Hast du deine Lebensweise irgendwie umgestellt (ErnÀhrung, etc.)?

    Es gibt zwar fĂŒr Neurodermitis keine generell wirksame DiĂ€t, aber eine bewusste ErnĂ€hrung ist ganz sicher ein entscheidender Faktor fĂŒr einen positiven Verlauf der Krankheit. Deshalb habe ich bereits vor einigen Jahren meine ErnĂ€hrung umgestellt und achte auf eine ausgewogene ErnĂ€hrung. Fastfood und Fertiggerichte sowie Schweinefleisch sind von meinem Speiseplan gestrichen. Desweiteren bin ich sehr zurĂŒckhaltend bei weißem Zucker (SĂŒĂŸigkeiten, Schokolade, zuckerhaltige GetrĂ€nke), dafĂŒr koche ich fast jeden Tag frisch, esse viel GemĂŒse und mehr Eiweiß als Kohlenhydrate. Ich trinke jeden Tag zwei bis drei Liter Tee. Im Winter bevorzuge ich wĂ€rmenden Ingwertee, im Sommer empfehle ich KrĂ€utertees wie Brennnessel, Thymian, Kamille, Pfefferminze oder Melisse. ZusĂ€tzlich nehme ich ganzjĂ€hrig Omega-3-FettsĂ€uren und Vitamin B sowie im Winter Vitamin D hochdosiert in Kapselform ein.

    Was ist das QuÀlendste an der Neurodermitis?

    Als Jugendliche habe ich mich oft leid gesehen bei allen Mitmenschen mit einer „schönen“ Haut. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass ich einfach nicht die perfekte Haut habe. Die Neurodermitis ist ein Teil von mir und ich habe gelernt, damit zu leben. Dazu habe ich erkannt, dass meine Haut als eine Art FrĂŒhwarnsystem reagiert, wenn irgendwas in meinem Leben nicht passt. Ob ich nun zu viel gearbeitet, am Vorabend zu viel gefeiert oder meinen Körper einer sonstigen Stresssituation ausgesetzt habe, jeder Mensch hat seine Schwachstelle. Was beim einen MigrĂ€ne oder Gastritis auslöst, sind bei einem Neurodermitiker juckende HautausschlĂ€ge. Ich habe durch meine Neurodermitis meinen Körper und meine Psyche besser kennengelernt und bin heute lieber „dĂŒnnhĂ€utig“ als „dickfellig“. Menschen mit einer Hauterkrankung wie Neurodermitis sind meist ĂŒbersensible Menschen und können sehr viel in ihrer Umgebung wahrnehmen. Ich persönlich empfinde diesen Umstand als positiv. Der Juckreiz zĂ€hlt fĂŒr mich zum schlimmsten Neurodermitis Symptom. Da wĂŒrde ich mir, im wahrsten Sinne des Wortes, am liebsten die Haut abziehen. WĂ€hrend eines Schubes ist der Juckreiz so schlimm, dass ich mich nicht mehr auf die normale Arbeit konzentrieren kann. Ich habe gelernt, auch mit dem Juckreiz zu leben und mir folgenden Akutplan zurechtgelegt: sofort ein Antihistaminikum einnehmen, die Haut mit Salzseife waschen, vorsichtig trockentupfen und mit einer Cortisonsalbe eincremen und mindestens eine halbe Stunde Ruhe geben. HĂ€nseleien und soziale Ausgrenzung habe ich selbst zum GlĂŒck nie erleben mĂŒssen. Das Thema ist eher, dass man sich selbst als „anders“ empfindet, sich schĂ€mt fĂŒr die HautverĂ€nderungen. Ich selbst habe bis vor wenigen Jahren geglaubt, ich bin die einzige auf der Welt mit nicht so perfekter Haut. Jegliche Hautkrankheit fĂŒhrt aufgrund der Ă€ußerlichen Sichtbarkeit zu psychisch bedingtem Stress, der manchmal eine grĂ¶ĂŸere Belastung darstellt als die körperlichen Schmerzen. „Das perfekte Äußere ist gefragt“, das zeigen uns diverse Medien. In Zeiten von Schönheits-OPs vor laufender Kamera werden HautverĂ€nderungen als Makel oder Ungepflegtheit abgetan.

    Karin Meinhart, Hautinfo.at GrĂŒnderin

    Wie ich mich selbst beschreibe

    Ich kann von Herzen lachen, besonders viel ĂŒber mich selbst. Manchmal weine ich, auch ganz offen wenn mich etwas traurig macht. Ich kann von mir behaupten, ich habe bis jetzt intensiv gelebt, bin durch Tiefen hindurchgegangen und in viel mehr Höhen geschwebt. Ich habe selbst viele Fehler gemacht und zum Großteil daraus gelernt. Meist gehe ich offen auf Menschen zu, bin mitfĂŒhlend und gutmĂŒtig. Dazu habe ich manchmal zu schnell vertraut und wurde auch enttĂ€uscht, habe vieles akzeptiert und toleriert sowie oft verziehen. Aber ich durfte auch sehr viele Menschen kennen- und schĂ€tzen lernen, eine handvoll sind sind wahre Freunde fĂŒrs Leben geworden, andere habe ich aus meinem Leben verbannt, denn sie waren es schichtweg nicht wert. Oft habe ich mich leid gesehen bei Mitmenschen mit einer schönen Haut, aber eingesehen, dass ich zum GlĂŒcklichsein keine perfekte Haut brauche. All das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, auch mit meiner nicht so schönen Haut bin ich gut und genau so richtig. Die Haut ist die HĂŒlle und Verpackung, im Innen steckt die Persönlichkeit, der wahre Wert eines Menschen! 
    Mag. Karin Meinhart

    Was empfiehlst du Betroffenen, die verzweifelt sind?

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Stresssituationen wie zum Beispiel sich ĂŒber einen Kollegen oder den Partner zu Ă€rgern meine Neurodermitis „aufblĂŒhen“ lĂ€sst. Auch wenn es im Leben drunter und drĂŒber geht, versuche ich mein Gleichgewicht zu finden! In den letzten Jahren zeigte sich deutlich, dass durch das regelmĂ€ĂŸige AusĂŒben einer Entspannungstechnik (zB Autogenes Training, Yoga oder Qi Gong) der Zustand einer Neurodermitis-Haut wesentlich verbessert werden kann. Ich habe vieles ausprobiert, mir persönlich war zum Beispiel Qi Gong zu langweilig, dafĂŒr finde ich meine innere Balance durch zweimal wöchentliche Yoga-Einheiten. Jeder Neurodermitiker sollte fĂŒr sich herausfinden, was ihn im Alltag zwischendurch entspannt und wo er sich Kraft holen kann. NatĂŒrlich wird dadurch Neurodermitis nicht geheilt, aber es trĂ€gt dazu bei, dass man negativen Stress abbaut, positiver denkt und sich schlicht und ergreifend wohler in seinem Körper fĂŒhlt. Eine Neurodermitis bringt einige EinschrĂ€nkungen des tĂ€glichen Lebens mit sich. Ich rate neben der kontinuierlichen Hautpflege und einer ausgewogenen ErnĂ€hrung auf die richtige Kleidungswahl zu achten (zB verstĂ€rkt Wolle den Juckreiz) bzw. keinesfalls beim Waschen einen WeichspĂŒler zu verwenden. Wenn man sich in einem akuten Schub befindet, ist der Einsatz von Medikamenten meist unausweichlich, fĂŒhrt dann aber auch zu einer raschen Linderung der Beschwerden. Welche Medikamente fĂŒr welche Symptome zu empfehlen sind, kann nur ein Hautarzt entscheiden.

    Warum hast du die Seite hautinfo.at ins Leben gerufen?

    Da es kein Generalrezept gibt, muss jeder Betroffene seinen eigenen „Therapie-Weg“ finden. Das bedeutet eine individuelle Kombination aus verschiedenen Therapien und Behandlungen. FĂŒr eine Linderung der Beschwerden spielen eine Menge Faktoren eine Bedeutung: richtige Hautpflege, Medikamente der Schul- und Alternativmedizin, Darmgesundheit, gesunde Psyche, EntspannungsĂŒbungen, uvm. Alles was hilft, hat durchaus seine Berechtigung. Es ist mein Bestreben, Menschen mit Hautkrankheiten seriöse Informationen kostenlos zur VerfĂŒgung zu stellen. Es gibt so viele wertvolle Erfahrungen und viel Wissen, aber es gab bis vor wenigen Jahren keine Schnittstelle, bei der alles zusammenlĂ€uft. Deshalb habe ich die erste Online-Plattform zum großen Thema Haut mit Schwerpunktthemen Neurodermitis, Psoriasis, Akne und Allergien gegrĂŒndet und aufgebaut. Hautinfo.at bietet kostenlos wissenswerte Informationen, hilfreiche Tipps und RatschlĂ€ge.

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    Infos zum Beitrag

    Autor: Mag. Karin Meinhart
    Quellenangabe: Interview NÖ Gesund + Leben 09/2016
    Stand der medizinischen Informationen: 21. November 2019
    Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2024

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