Biologika-Therapie hilft Jugendlichen mit Neurodermitis
Atopische Dermatitis ist eine sichtbare Erkrankung und bedeutet gerade in der PubertĂ€t eine enorme psychische Belastung. Neben der kontinuierlichen Basishautpflege stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur VerfĂŒgung. Zu den innovativen Therapien zĂ€hlt unter anderem eine Langzeittherapie mit einem Biologikum, diese Behandlung verspricht gute Aussichten auf ein beschwerdefreies Leben ohne die quĂ€lende Hautkrankheit.
Neurodermitis verÀndert sich im Laufe der Zeit
Die Diagnose Neurodermitis wird meist schon im Kindesalter gestellt. Oftmals verĂ€ndert sich die Erkrankung mit dem Eintritt der PubertĂ€t, manchmal verschwindet sie sogar gĂ€nzlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass der betreffende Jugendliche geheilt ist â er durchlĂ€uft nur eine symptomlose Zeit. Die Krankheit kann etwa durch Krisensituationen jederzeit wieder aufflammen.
Ist Neurodermitis vererbar?
Die Anlage zur Neurodermitis wird oft vererbt. Hat ein Elternteil eine atopische Erkrankung, liegt das individuelle Risiko eine Neurodermitis zu entwickeln bei 40 Prozent und bei 80 Prozent wenn beide Eltern an Neurodermitis leiden. Mit den heute modernen Therapiemöglichkeiten kann Juckreiz stark eingedÀmmt, die Ekzeme reduziert und die LebensqualitÀt dadurch deutlich gesteigert werden.
Biologika als Pionier in der modernen Neurodermitis-Therapie
Biologika sind Produkte, die im Labor aus organischen Zelllinien hergestellt werden. Zu der Gruppe der Biologika zĂ€hlen auch die monoklonalen Antikörper. Diese greifen ganz gezielt und sehr spezifisch nur in einen kleinen Prozess im Körper ein und blockieren so zum Beispiel die EntzĂŒndungsreaktion bei Neurodermitis. So ein monoklonaler Antikörper ist Dupilumab. Er wird mit groĂem Erfolg schon seit dem Jahr 2017 bei Erwachsenen im Kampf gegen die atopische Dermatitis eingesetzt.
Seit MĂ€rz 2023 ist der Wirkstoff Dupilumab auch bei Babys ab dem vollendeten 6. Lebensmonat fĂŒr mittelschwere bis schwere Verlaufsformen der Neurodermitis zugelassen. Du fragst dich, warum Dupilumab erst Jahre spĂ€ter, nachdem es fĂŒr Erwachsene freigegeben wurde, auch fĂŒr Kinder verfĂŒgbar ist? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Die EuropĂ€ische Zulassungsbehörde fĂŒr Medikamente (EMEA) achtet besonders genau darauf, dass ein Medikament im jungen Körper keinen Schaden anrichten kann. Sowohl die Wirkung als auch besonders die Nebenwirkungen werden eingehend geprĂŒft. Erst wenn durch Studien feststeht, dass keine Gefahr von einem Medikament ausgeht, wird es auch fĂŒr Babys, Kinder und Jugendliche zugelassen.
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GroĂe Behandlungserfolge
Die ersten Anwendungsberichte und Studien zur Behandlung mit Dupilumab bei jungen Menschen sind sehr vielversprechend. In sehr vielen FĂ€llen kommt es unter dieser Behandlung zu einer deutlichen Verbesserung der Neurodermitis bezĂŒglich Juckreiz und Ekzemen bis hin zu völliger Beschwerdefreiheit.
Dupilumab wird bei Patienten ab dem 2.Lebensjahr alle zwei Wochen mit einem benutzerfreundlichen Fertigpen unter die Haut gespritzt. Bei jungen Patienten zwischen dem 6. Lebensmonat und 2.Lebensjahr kommt eine Fertigspritze zum Einsatz. Die Anwendung ist einfach, Patienten beziehungsweise die Eltern betroffener Kinder können das nach einer Einschulung durch den Arzt mit einiger Ăbung selbst durchfĂŒhren, das erspart den Weg in die Praxis. Die Behandlung muss sorgfĂ€ltig und 14-tĂ€gig durchgefĂŒhrt werden.
Stellt sich nach 16 Wochen kein Therapieerfolg ein, soll die Therapie abgebrochen werden und andere Optionen mĂŒssen gesucht werden.
Alternativen in der systemischen Therapie
Zu den weiteren in Ăsterreich zugelassenen Biologika zur Behandlung der Neurodermitis zĂ€hlen Tralokinumab und Lebrikizumab.
Eine noch neuere systemische Therapieoption stellen die sogenannten JAK-Inhibitoren dar. Im Gegensatz zu Biologika werden diese nicht injiziert, sondern einmal tÀglich als Tablette eingenommen. Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören Baricitinib, Abrocitinib und Upadacitinib.
Unser Tipp: Die Forschung im Bereich der atopischen Erkrankungen schreitet rasant voran â innovative Medikamente ermöglichen heute in vielen FĂ€llen eine deutliche Verbesserung der LebensqualitĂ€t, bis hin zu nahezu vollstĂ€ndiger Symptomfreiheit. Sprich am besten mit deinem Dermatologen ĂŒber die verschiedenen Therapieoptionen und welche Behandlung fĂŒr dich am besten geeignet ist.
Neurodermitis im Familienalltag
So unterstĂŒtzt du dein Kind bestmöglich
- Ist dein Kind von Neurodermitis betroffen, muss dich der erste Weg zum Facharzt fĂŒr Dermatologie fĂŒhren. Er wird mit dir alle möglichen Vorgehensweisen besprechen und dich gut aufklĂ€ren.
- Finde in Abstimmung mit der HautĂ€rztin/dem Hautarzt die richtige Hautpflege fĂŒr dein Kind und unterstĂŒtze es dabei, sie auch konsequent anzuwenden.
- Da Neurodermitis die ganze Familie betrifft, ist die AufklĂ€rung der Eltern und Geschwister unerlĂ€sslich fĂŒr den Behandlungserfolg. Ziel ist es, dem Kind mit Neurodermitis ein Leben mit möglichst wenigen EinschrĂ€nkungen zu ermöglichen.
- Geht offen mit der Erkrankung um. Informiert unter UmstĂ€nden auch Schulkameraden und Freunde ĂŒber die Krankheit um Mobbing und HĂ€nseleien vorzubeugen.
- Leidet dein Kind sehr unter der Erkrankung, zögert nicht, euch Hilfe durch einen Psychologen zu suchen.
Das sagt der Experte Dr. Martin Zikeli
In der Akuttherapie der Neurodermitis ist auch bei Kindern und Jugendlichen eine Kortisonsalbe das Mittel der Wahl. Bei mittelschweren und schweren Verlaufsformen, die einer Langzeittherapie bedĂŒrfen, ist der monoklonale Antikörper Dupilumab fĂŒr Babys ab dem 6. Lebensmonat die einzige zugelassene und gut wirksame Therapiemöglichkeit. Wichtig: Die konsequente Basistherapie sollte auch wĂ€hrend der Behandlung mit einem Biologikum tĂ€glich durchgefĂŒhrt werden. Baden, Duschen und Eincremen mit passenden Salben und Cremen, reichhaltig und eventuell mit speziellen Inhaltsstoffen wie Urea, darf auf keinen Fall vernachlĂ€ssigt werden. Der Arzt verschreibt entsprechende PrĂ€parate, aber auch in Apotheken gibt es viele speziell fĂŒr Neurodermitis entwickelte Produkte. Dabei muss der Patient mit dem Hautarzt absprechen, welches Produkt fĂŒr ihn am besten geeignet ist. Denn es gibt kein Generalrezept, das fĂŒr alle passt.
Dr. Martin Zikeli, Facharzt fĂŒr Haut- und Geschlechtskrankheiten
Unser Lesetipp
Neurodermitis und Konjunktivitis - ein unbeliebtes Paar
Die Konjunktivitis oder BindehautentzĂŒndung ist eine hĂ€ufige Begleiterkrankung bei Atopischer Dermatitis (Neurodermitis). HĂ€ufig wird sie durch allergische Reaktionen ausgelöst, oft ist auch die Hornhaut betroffen. Als Neurodermitis-Patient bist du unter UmstĂ€nden mehrmals im Jahr damit konfrontiert, daher ist es gut, vorbereitet zu sein.