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Der richtige Umgang mit Cortison bei Psoriasis
- Wie wirkt Cortison bei Psoriasis?
- Die Anwendungsformen: Von der Creme bis zum Kopfhaut-Shampoo
- Die 5 Wirkstoffklassen: Die richtige StĂ€rke fĂŒr jedes Areal
- Goldstandard: Die Kombination mit Vitamin D3
- Risiken und Nebenwirkungen bei unsachgemĂ€Ăer Anwendung
- Die wichtigsten Anwendungsregeln bei Cortison
- Cortisonfreie Alternativen fĂŒr empfindliche Areale
- Wann ist ein Arztbesuch dringend erforderlich?
Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronisch-entzĂŒndliche Hauterkrankung, die nach aktuellem medizinischen Stand nicht heilbar ist. Die moderne Medizin ist jedoch in der Lage, akute KrankheitsschĂŒbe drastisch zu verkĂŒrzen und Symptome effektiv zu lindern. Einer der am hĂ€ufigsten eingesetzten und gleichzeitig am heftigsten diskutierten Wirkstoffe in der Psoriasis-Therapie ist das Cortison (Glukokortikoide). Doch wie sicher ist der Einsatz bei Schuppenflechte wirklich? Wann hilft er, und wie verhindert man langfristige HautschĂ€den? Ein wissenschaftlich fundierter Ăberblick ĂŒber Chancen, Risiken und die richtige Anwendung nach aktuellen medizinischen Leitlinien.
Wie wirkt Cortison bei Psoriasis?
Bei der Psoriasis lĂ€uft das Immunsystem auf Hochtouren: Es kommt zu einer massiven Ăberproduktion von Hautzellen (Hyperkeratose), die zu den typischen, silbrig glĂ€nzenden Schuppenplaques und darunterliegenden EntzĂŒndungen fĂŒhrt. Cortison greift als hormonĂ€hnlicher Botenstoff direkt in diesen Prozess ein:
EntzĂŒndungshemmung: Es unterdrĂŒckt die AusschĂŒttung von EntzĂŒndungsmediatoren und stoppt die ĂŒberschieĂende Immunantwort in den betroffenen Hautschichten.
Symptomlinderung: Rötungen gehen zurĂŒck, und der oft quĂ€lende Juckreiz kann rasch und effektiv gelindert werden.
Wachstumsbremse: Es verlangsamt die beschleunigte Zellteilung der Keratinozyten (Hornzellen), wodurch sich die typische Plaque-Bildung zurĂŒckbildet.
Die Anwendungsformen: Von der Creme bis zum Kopfhaut-Shampoo
Je nach Schweregrad, Ausdehnung und Lokalisation der Schuppenflechte kommen sehr unterschiedliche Darreichungsformen zum Einsatz.
1. Topische (Ă€uĂerliche) Therapie: Bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis vulgaris ist die lokale Anwendung der Goldstandard. Da Psoriasis-Plaques an unterschiedlichen Körperregionen völlig verschiedene Strukturen aufweisen, muss die Galenik (Zubereitungsform) exakt angepasst werden:
Salben & fetthaltige Cremes sind ideal fĂŒr trockene, stark schuppende Areale am Rumpf sowie an den Streckseiten von Ellenbogen und Knien.
Lösungen, Gele & SchĂ€ume: Da die Auftragung auf behaarten Körperstellen schwierig ist und herkömmliche Salben die Haare verkleben, kommen an der Kopfhaut hochwirksame SchĂ€ume, flĂŒssige Tinkturen oder spezielle Kopfhaut-Shampoos zum Einsatz.
Okklusionstherapie: Das Abdecken einer aufgetragenen Cortisonsalbe mit einer Spezialfolie (Okklusion) erhöht die Wirkstoffaufnahme massiv. Dies ist bei extrem verhornten, hartnĂ€ckigen Plaques nĂŒtzlich, darf aber wegen des erhöhten Nebenwirkungsrisikos nur unter strenger Ă€rztlicher Kontrolle und zeitlich stark begrenzt erfolgen.
2. Systemische (innerliche) Therapie: In besonders schweren FĂ€llen kann Cortison auch oral als Tablette oder ĂŒber eine intravenöse Spritze verabreicht werden. Hier verteilen sich die Glukokortikoide ĂŒber die Blutbahn im gesamten Organismus. Achtung bei Psoriasis: Die systemische Gabe von Cortison wird heute bei Schuppenflechte nur noch in AusnahmefĂ€llen als kurzfristige Notfallintervention genutzt, denn nach Absetzen droht ein RĂŒckfall der Symptome, der oft schwerer ausfĂ€llt als vor Behandlungsbeginn. Bei schweren VerlĂ€ufen greift man heute primĂ€r auf moderne Systemtherapien zurĂŒck.
Die 5 Wirkstoffklassen: Die richtige StĂ€rke fĂŒr jedes Areal
CortisonprĂ€parate werden anhand ihrer therapeutischen IntensitĂ€t in fĂŒnf Wirkklassen unterteilt. Die medizinischen Leitlinien empfehlen eine strikt an die Lokalisation angepasste Potenz nach der Faustregel:
- Je dĂŒnner und empfindlicher die Haut, desto schwĂ€cher das Cortison
- je dicker und chronischer die Verhornung, desto eher ein stÀrkeres PrÀparat
Klasse I â Geringe IntensitĂ€t
Geeignet fĂŒr besonders empfindliche und dĂŒnne Hautpartien, wie beispielsweise die Augenlider oder das Gesicht. Dazu zĂ€hlen frei verkĂ€ufliche Hydrocortison-Cremes.
Klasse II â Mittlere IntensitĂ€t
Wird eingesetzt bei leichteren Psoriasis-SchĂŒben im Gesicht, an Hals und DekolletĂ© sowie in empfindlichen Hautfalten. Typische Wirkstoffbeispiele sind Alclometason und Prednicarbat.
Klasse III â Starke IntensitĂ€t
Kommt zum Einsatz bei mittelschweren bis schwer ausgeprÀgten Plaques am Rumpf sowie an Armen und Beinen. Dazu zÀhlen unter anderem Mometasonfuroat und Methylprednisolon.
Klasse IV & V â Sehr starke IntensitĂ€t
Diese Cortisone kommen zur Anwendung an Hautbereichen mit extrem dicker Hornschicht wie bei Hand- und FuĂinnenflĂ€chen sowie besonders hartnĂ€ckige Plaques auf der Kopfhaut. Hier zĂ€hlt der Wirkstoff Clobetasolpropionat dazu.
Goldstandard: Die Kombination mit Vitamin D3
Eine der wichtigsten Neuerungen in der modernen Psoriasis-Therapie ist die Kombination von topischem Cortison mit Vitamin-D-Analoga (z. B. Calcipotriol). Diese duale Strategie gilt laut Leitlinien als deutlich hautschonender und effektiver als eine reine Cortison-Monotherapie. Dabei bekĂ€mpft das Cortison die akute EntzĂŒndung und das Vitamin-D-Analogon reguliert nachhaltig die gesunde Reifung und Teilung der Hautzellen. Durch den synergistischen Effekt kann die Cortisonmenge reduziert und das Risiko fĂŒr HautausdĂŒnnung (Atrophie) minimiert werden.
Risiken und Nebenwirkungen bei unsachgemĂ€Ăer Anwendung
Cortison ist bei korrekter Handhabung ein wirksames Medikament. Bei einer unkontrollierten Langzeitanwendung drohen jedoch lokale und systemische GewebeschÀden.
Lokale Nebenwirkungen auf der Haut:
Hautatrophie: Eine chronische Anwendung verĂ€ndert die tiefe Hautstruktur und baut Kollagenfasern ab, welche fĂŒr die ElastizitĂ€t verantwortlich sind. Die Haut wird dĂŒnner (âPergamenthautâ), spröde und verliert ihre Barrierefunktion.
GefĂ€ĂverĂ€nderungen & Rötungen: Es können bleibende Dehnungsstreifen (Striae), irreversible GefĂ€Ăerweiterungen (Teleangiektasien/Couperose) und dauerhafte Gesichtsrötungen entstehen.
InfektanfÀlligkeit: Da die lokale Immunabwehr gedÀmpft wird, siedeln sich Viren (z. B. Herpes), Bakterien (Follikulitis) oder Pilze leichter an. Zudem können sich Begleiterkrankungen wie Rosazea verschlimmern.
InstabilitÀt der Psoriasis: Bei kontinuierlicher, ununterbrochener Anwendung sehr starker Steroide kann sich die Schuppenflechte instabil verhalten und paradoxerweise mit einer Verschlimmerung reagieren.
Das PhĂ€nomen der âCortison-Angstâ (Steroidphobie)
Trotz medizinischer Fortschritte löst das Wort âCortisonâ bei vielen Betroffenen und Eltern betroffener Kinder tief sitzende Ăngste aus. Mag. Dr. Eva Lehner-Baumgartner, Leitung der Klinischen Psychologie im AKH Wien, klĂ€rt hierzu auf: âBloĂ keine schweren Medikamente â das hören wir gerade von Eltern oft, wenn Kinder in einem akuten Schub stecken. Doch durch die Verweigerung einer adĂ€quaten schulmedizinischen Behandlung wird die EntzĂŒndung chronifiziert, die Hauterkrankung verschlimmert sich massiv und ist anschlieĂend immer schwerer in den Griff zu bekommen. Ein wesentlicher Teil psychodermatologischer Arbeit besteht darin, Betroffenen und Eltern die unbegrĂŒndete Angst zu nehmen. Die moderne topische Therapie vorzuenthalten bedeutet, dem Patienten die Chance auf schnelle Schmerzlinderung und LebensqualitĂ€t zu nehmen.â
TatsÀchlich sind moderne Topika nebenwirkungsÀrmer als noch vor einigen Jahrzehnten, da hochentwickelte Wirkstoffe lokal in der Haut aktiv sind, beim Eindringen in tiefere Schichten jedoch rasch metabolisiert werden und kaum noch in den Blutkreislauf gelangen.
Vorsicht vor Betrug: Diese Cortison-Angst wird leider oft von unseriösen GeschĂ€ftemachern ausgenutzt. Immer wieder werden vermeintlich reine âPflanzencremes aus der Naturmedizinâ vertrieben, die in illegalen Labortests heimlich mit stark wirksamem, verschreibungspflichtigem Cortison versetzt wurden, um eine schnelle Wirkung vorzutĂ€uschen.
Die wichtigsten Anwendungsregeln bei Cortison
Damit der Nutzen die Risiken ĂŒberwiegt, sollten Psoriasis-Patienten folgende Regeln strikt beachten:
Gezielt statt groĂflĂ€chig: Trage das Cortison ausschlieĂlich punktuell auf die spĂŒr- und sichtbaren Plaques auf. Creme niemals gesunde Hautareale prophylaktisch ein.
Zeitliche Limitierung: Nutze starke oder sehr stark wirksame Steroide im Akutfall niemals dauerhaft. Als medizinische Orientierung gilt eine maximale kontinuierliche Anwendungsdauer von 4 bis 6 Wochen (bei Klasse IV/V maximal 4 Wochen).
Das Prinzip des âAusschleichensâ (Rebound-Effekt verhindern): Der Körper gewöhnt sich rasch an die externe Hormonzufuhr. Wer Cortison von einem Tag auf den anderen abrupt absetzt, riskiert einen heftigen Rebound-Effekt â die EntzĂŒndung bricht schlagartig und oft intensiver als zuvor wieder aus. Reduziere die Anwendung daher schrittweise (z. B. von 2x tĂ€glich auf 1x tĂ€glich, dann nur noch alle zwei Tage), bis die Haut stabil bleibt.
Die biologische Uhr nutzen: Falls eine systemische Tabletteneinnahme unumgĂ€nglich ist, sollte diese in den frĂŒhen Morgenstunden (zwischen 6:00 und 8:00 Uhr) erfolgen. Zu dieser Zeit schĂŒttet der menschliche Körper natĂŒrlicherweise die höchste Menge an körpereigenem Cortisol aus. Die exogene Gabe stört den körpereigenen Hormonrhythmus zu dieser Uhrzeit am wenigsten, was Nebenwirkungen minimieren kann.
Therapiepausen & Erhaltung: Nutze cortisonfreie Intervalle. In den Pausen zwischen den Behandlungszyklen eignen sich steroidfreie, pflegende Alternativen, um den Hautzustand stabil zu halten.
Cortisonfreie Alternativen fĂŒr empfindliche Areale
In sogenannten Risikoarealen, dazu zĂ€hlen das Gesicht, der Hals, das DekolletĂ©, die Achseln sowie der Genito-Anal-Bereich â ist die Haut extrem dĂŒnn und die Resorption um ein Vielfaches höher. Hier stoĂen CortisonprĂ€parate schnell an ihre Grenzen. Die aktuellen medizinischen Leitlinien nennen hier hocheffektive, steroidfreie Alternativen: Topische Calcineurin-Inhibitoren, diese Modulatoren wurden ursprĂŒnglich fĂŒr die Neurodermitis entwickelt, zeigen jedoch in der Psoriasis-Therapie gute Ergebnisse in empfindlichen Hautfalten und im Gesicht. Ihr entscheidender therapeutischer Vorteil ist, sie besitzen keinerlei atrophogene Wirkung, was bedeutet, sie verursachen also auch bei lĂ€ngerer Anwendung keine HautausdĂŒnnung.
Wann ist ein Arztbesuch dringend erforderlich?
Die Behandlung der Psoriasis mit Cortison gehört immer in die HÀnde eines erfahrenen Dermatologen. Suche umgehend einen Arzt auf:
Wenn die Schuppenflechte sich groĂflĂ€chig ausbreitet (mehr als 10 % der HautoberflĂ€che).
Sensible Areale wie das Gesicht, die HĂ€nde oder der Intimbereich stark betroffen sind.
Du merkst, dass du Cortison bereits ĂŒber Monate hinweg tĂ€glich nutzt oder ohne die Creme sofort einen RĂŒckfall erleidest.
Es unter der Anwendung zu HautverÀnderungen wie Rissen, extremer Empfindlichkeit oder eitrigen BlÀschen kommt.
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Infos zum Beitrag
Autorin:
Mag. Karin Meinhart
Quellenangabe: Interview Dr. Nadine Mothes-Luksch, Interview Dr. Mag. Eva Lehner-Baumgartner
Stand der medizinischen Informationen: 09. Mai 2018
Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2026