Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen mit Psoriasis

Schuppenflechte

Die Psoriasis (oder auch Schuppenflechte genannt) ist eine der häufigsten chronisch entzündlichen Hauterkrankungen, die auch vor dem 18. Lebensjahr auftreten kann. Gerötete, schuppende, punktförmige bis handtellergroße Hautveränderungen an Körper und Kopfhaut zählen zu den typischen Anzeichen. Diese Erkrankung kann besonders für junge Betroffene sehr unangenehm und äußerst belastend sein, doch Früherkennung sowie medizinische und psychologische Behandlung bieten hier gezielte Hilfe.

Speziell in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter leiden Patienten besonders unter den sichtbaren Anzeichen ihrer Erkrankung und sind deswegen mitunter auch psychisch sehr belastet. Umso wichtiger ist es, sich mit Menschen zu umgeben, die Verständnis aufbringen und Rückhalt bieten. Auch ein Gespräch mit einem psychologischen Experten bringt neue Einblicke und zeigt auf, wie man schwierige Situationen besser bewältigen kann. Es denken immer noch viele Menschen, dass Schuppenflechte eine ansteckende Erkrankung ist. Daher ist es umso wichtiger, Vorurteile abzubauen und mehr Verständnis für die Anzeichen der Erkrankung zu schaffen. 

Wir haben mit der Linzer Psychologin Frau Dr. Sabine Ritter ein Interview zum Thema „die psychische Belastung durch Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen“ geführt. Wir wollten wissen, wie Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern besser mit der Erkrankung umgehen und damit deren Lebensqualität steigern können. 

Frau Dr. Sabine Ritter, welche besonderen Bedürfnisse hat ein Kind bzw. ein Jugendlicher mit Psoriasis aus Ihren Erfahrungswerten?
Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die unter Schuppenflechte leiden, sind in erster Linie vom Schweregrad der Erkrankung abhängig und davon, wie stark das Selbstbewusstsein bzw. der Selbstwert des Kindes/Jugendlichen ausgeprägt ist. Ist die Psoriasis nur leicht ausgeprägt und für außen stehende Personen, insbesondere Gleichaltrige, nicht sichtbar, so leiden diese Kinder und Jugendliche oft nicht bzw. nur sehr gering unter dieser chronischen Erkrankung. Ist die Schuppenflechte jedoch stark ausgeprägt und kann trotz Kleidung nicht verborgen werden, berichten Kinder und Jugendliche, dass sie unter den Blicken und zum Teil auch stigmatisierenden Bemerkungen ihrer sozialen Umwelt leiden. Letzteres ist umso schlimmer, wenn diese Kinder/Jugendliche über einen geringen Selbstwert verfügen. An Psoriasis erkrankte Kinder und Jugendliche benötigen Eltern, die ihnen dabei behilflich sind zu lernen, wie man mit stigmatisierenden und unangenehmen sozialen Situationen umgeht. Ganz wichtig sind ein stabiler Freundeskreis und KindergärtnerInnen beziehungsweise LehrerInnen, die die von Stigmatisierung betroffenen Kinder seelisch unterstützen.

Wie kann man Kinder oder Jugendliche aus Ihrer Expertensicht dazu motivieren, besser die Erkrankung anzunehmen und damit zurecht zu kommen? 
Kinder und Jugendliche, sofern sie psychisch gesund und stabil sind, leiden häufig erst dann unter ihrer Erkrankung, wenn sie aufgrund dieser stigmatisiert werden und soziale Ausgrenzung erfahren. Daher ist es aus psychologischer Perspektive sehr wichtig, diesen Kindern und Jugendlichen zu helfen, Wege zu finden, um sich gegen Stigmatisierung erfolgreich zu wehren bzw. diese von sich „abprallen“ zu lassen. Wenn erkrankte Kinder und Jugendliche erfahren dürfen, dass sie sich einerseits erfolgreich gegen Stigmatisierung wehren können und andererseits trotz ihrer Erkrankung von der Gesellschaft aufgenommen und akzeptiert werden, sind sie auf einem guten Weg, mit dieser chronischen Hauterkrankung leben zu lernen und diese anzunehmen. Die Erkrankung zu einem bestimmten Zeitpunkt akzeptieren und annehmen zu können, bedeutet aber leider nicht, dass es nicht wiederholt Phasen geben kann, in denen Kinder und Jugendliche (und später als Erwachsene) zum Teil stark unter der Psoriasis leiden und gegebenenfalls professionelle Hilfe benötigen. 

Was raten Sie Eltern? Wie sollten Eltern mit ihrem Kind über die Erkrankung sprechen?
Eltern sollen mit Ihren Kindern und Jugendlichen offen über die Erkrankung reden. Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, ihren Eltern alle Fragen, die sie beschäftigen, stellen zu können. Wichtig ist es auch, dass Eltern mit dem betroffenen Kind oder Jugendlichen einen Hautarzt aufsuchen, der über die Erkrankung und die Behandlung altersgerecht informiert. 

Was sollen sie berücksichtigen, was sollte vermieden werden?
Was die Ursache der Erkrankung betrifft, sollen Eltern darauf achten, dem Kind deutlich zu machen, dass die Erkrankung nicht die Folge eines „schlimmen Verhaltens“ des Kindes / Jugendlichen etc. ist. Denn insbesondere dann, wenn Eltern viele Konflikte haben bzw. in Scheidung leben oder geschieden sind, glauben manche Kinder und auch Jugendliche, dass sie schuld an den elterlichen Konflikten bzw. der Scheidung sind und ihre Erkrankung die Folge bzw. eine „Strafe“ ist. Weiter gilt es zu vermeiden, erkrankten Kindern bzw. Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass sie aufgrund ihrer Erkrankung eine Belastung für die Familie darstellen.  

Wie können Eltern ihr betroffenes Kind zu einem guten Selbstmanagement der Erkrankung anleiten? Thema bewusster Lebensstil mit Entspannung, richtiger Ernährung, genügend Bewegung, wenig Alkohol, usw.
Da Eltern eine enorm wichtige Funktion als Vorbild für ihre Kinder besitzen, ist es der wichtigste und auch „einfachste“ Weg, Kindern einen gesunden Lebensstil vorzuleben. Wenn es Eltern schaffen, die „Regeln“ und den Lebensstil, der für ihr Kind gut ist, authentisch zu leben, wird der Großteil der Kinder diesen Lebensstil nahezu „unbewusst“ übernehmen. 

Mit freundlicher Unterstützung von:


Wir bedanken uns für die wertvollen Informationen bei Frau Dr. Sabine Ritter!


Mag. Dr. Sabine Ritter PLL.M 
Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin
Khevenhüllerstrasse 23
4020 Linz 
E-mail: [email protected]
Tel: 0664-1611935

Autor: Karin Hafner
Quelle: Interview Dr. Sabine Ritter
Stand der Information: Januar 2016
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