Neurodermitis bei Kindern

Wertvolle Tipps


Wenn dein Kind an einer Neurodermitis leidet, sollten ein paar wichtige Regeln in Bezug auf besondere Hautpflege, die richtige Kleidung und Bettwäsche und Besonderheiten für euer Zuhause eingehalten werden. Damit lässt sich die Neurodermitis zwar nicht heilen, aber zumindest lindern.

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Das Zuhause

  • Jegliche Umstände und Dinge, welche die Haut austrocknen und reizen können, sollten wenn möglich vermieden werden.
  • Vermeidung von zu trockenem Raumklima, welche oft durch eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit entsteht.
  • Eine angenehme Raumtemperatur im Schlafzimmer schaffen.
  • Wollteppiche und Spannteppiche sollten im gesamten Wohnumfeld entfernt werden.
  • Regelmäßiges Staubwischen- und saugen ist wichtig, um Hausstauballergien vorzubeugen.
  • Es sollten keine Haustiere im Wohnbereich gehalten werden.
    Eine Alternative zu Hund oder Katze könnte eine Schildkröte sein.
  • Bei einer nachgewiesenen Hausstauballergie sollten spezielle Schutzüberzüge für Polster und Decken verwendet werden (gibt es in der Apotheke, nicht günstig, aber halten ewig).
  • Kuscheltiere müssen häufig gewaschen werden (mindestens einmal pro Woche)
    Tipp! Das Kuscheltier über Nacht in das Gefrierfach geben, dabei werden alle Milben abgetötet.

Die Kleidung

  • Ein absolutes No-Go ist das Tragen von Kleidungsstücken aus Wolle, Vorsicht ist geboten bei Synthetikfasern. Es sollte nur angenehme atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle, Seide und Mikrofaserstoffen gewählt werden.  Vor allem die Bettwäsche und Unterwäsche muss aus weicher Baumwolle sein.
  • Baumwollhandschuhe: Gerade bei Babys haben sich Baumwollhandschuhe bewährt. Sie verhindern, dass sich das Baby durch Kratzen schlimme Verletzungen zufügt und damit Entzündungen der Haut verursacht.
  • Mittlerweile gibt es spezielle Neurodermitis-Textilien am Markt, welche aus einem Spezialmaterial hergestellt werden und auf der Haut beruhigend und antibakteriell wirken. Diese Textilien sind relativ teuer, zahlen sich aber meist aus.
  • Neue Textilien müssen unbedingt vor dem ersten Tragen gewaschen und alle Etiketten entfernt werden, damit die Haut dadurch nicht irritiert werden kann.
  • Ausschließliche Verwendung von Spezial-Waschmitteln.
  • Keine Verwendung von Weichspülern, auf diese reagieren Neurodermitiker oft allergisch.

Hautpflege

  • Die trockene Kinderhaut muss besonders gepflegt werden, täglich mindestens zweimal.
  • Einmal tägliches Waschen ist ein Muss, am besten mit einem feuchten Waschlappen. Wenn das Kleinkind größer ist, kann es täglich abgeduscht werden.
  • Baden sollte maximal zweimal pro Woche auf dem Programm stehen. Dabei darf das  Badewasser  nicht zu heiß sein (max. 35 Grad) und die Badedauer sollte zehn Minuten nicht übersteigen.
  • Die Haut sollte beim Reinigungsvorgang mit einem Waschlappen sanft abgerubbelt werden, zu starkes Rubbeln würde die Haut zusätzlich reizen.
  • Wenig Inhaltsstoffe bei Cremes, Duschgels, Badezusätze und Shampoos!
    Wenig Konservierungsstoffe und kein Parfum! Cremes und Salben mit Urea (Konzentration beim Baby max. 3 Prozent) und Nachtkerzenöl (bis zu 10 Prozent Gamma-Linolensäure) haben sich bewährt. Es gibt viele Pflegeprodukte, die speziell auf die Haut von Neurodermitikern abgestimmt sind. Viele Apotheken bieten zudem den Service, Pflegeprodukte auf Wunsch individuell zusammenzumischen.
  • Ausschließliche Verwendung von Spezialshampoos für die Kopfreinigung.
  • Grundsätzlich sollten Seifen (zB Salzseife oder Kernseife sind gut, keine "klassischen" Seifen) nur dann verwendet werden, wenn sich der Schmutz mit klarem Wasser nicht entfernen lässt.
  • Spezielle Badezusätze können die Haut rückfetten, keine Schaumbäder!
  • Nach dem Baden die Haut nur trockentupfen und sofort eincremen.
  • Hautpflegeprodukte können im Kühlschrank aufbewahrt werden, sodass sich der kühlende Effekt beim Auftragen auf die Haut verstärkt.
  • Immer auf kurze und saubere Fingernägel achten (um die Auswirkungen des Kratzens so gering wie möglich zu halten).
  • Tipp für fett-feuchte Umschläge: wirken gleichzeitig kühlend und fettspendend und lindern den Juckreiz. Am besten wirken die Umschläge nachts. Nachts regeneriert sich die Haut am besten. Die Haut wird nach dem vorsichtigen Waschen mit einer fetthaltigen Creme gut eingecremt und ein in kühlem Wasser getränkten (sollte nur mehr ein wenig feucht sein) Schlauchverband darüber gezogen. Darüber kommt nochmals ein trockener Verband. Der Verand darf nicht einschnüren! Schlauchverbände mit Anwendungshinweisen gibt es in jeder Apotheke.

Essen und Allergien

Das Baby sollte so lange wie möglich gestillt werden. Nach der Stillphase, wenn das Baby langsam auf Beikost umsteigt, müssen die Eltern darauf achten, auf welche Lebensmittel beziehungsweise Lebensmittelbestandteile das Baby allergisch reagiert. Es können beim Arzt Allergietests durchgeführt werden, die helfen, die Allergien festzustellen. Diese Stoffe sollten zukünftig in der Nahrung des Babys tabu sein. Mit Hilfe des Arztes kann eine individuelle Diät erstellt werden, die die Beschwerden des Babys lindert. Es gibt mittlerweile auch hypoallergene Fertignahrung. Am häufigsten reagieren Kinder mit Neurodermitis auf Milchprodukte, Hühnereier, Nüsse und Schaltentiere.

Kuraufenthalte gibt es auch für Kinder

Für Eltern und Kinder gibt es spezielle Kuren, welche zum Teil von der Krankenkasse übernommen werden. Aufenthalte am Meer oder im Gebirge haben gute Erfolge gezeigt (dort gibt es weniger Allergiepotential). Es lohnt sich, bei der Krankenkasse nach Kuraufenthalten zu fragen und abzuklären, ob die Kosten von der Kasse getragen werden.

Die Krankheit nicht zum Mittelpunkt machen

Wird die Krankheit zu sehr dramatisiert, besteht die Gefahr, dass das Kind sich über sie definiert und sie als einen wichtigen Teil von sich erkennt. Dann besteht zum einen die Gefahr, dass das Kind später versucht, seinen Willen durchzusetzen, indem es die Neurodermitis vorschiebt. Zum anderen kann das Kind das Gefühl entwickeln, ohne die Krankheit als Person nichts wert zu sein. Beides darf nicht passieren. Die Eltern sollen und können die Krankheit nicht ignorieren, das ist klar. Aber sie sollten anderen Eigenschaften des Kindes besondere Aufmerksamkeit schenken. Das Kind soll die Neurodermitis akzeptieren und damit umgehen lernen, sie aber nicht als Mittelpunkt empfinden. Und: Das betroffene Kind darf gegenüber Geschwisterkindern nicht bevorzugt werden.
 

Das solltest du außerdem wissen

  • egliche Überhitzungen des Kindes vermeiden, denn schwitzende Haut beginnt oftmals zu jucken.
  • Nachts empfiehlt es sich, spezielle Neurodermitis-Overalls und Baumwollhandschuhe zu tragen, um somit das Aufkratzen der Haut zu unterbinden.
  • Eine entspannte, harmonische Atmosphäre in der Familie wirkt sich günstig auf das gesamte Wohlbefinden aus und hat somit auch direkten Einfluss auf den Zustand der Haut.
  • Stress meiden: Oft löst Stress die Ekzeme aus. Daher gilt es Stress zu meiden und darauf achten, dass das Baby ausgeglichen ist. Es werden spezielle Entspannungsübungen, beispielsweise autogenes Training, angeboten, diese helfen Eltern und Kind.
  • Passiver Zigarettenrauch kann die Neurodermitis Symptome verstärken.
  • Über notwendige Impfungen mit dem Arzt bezüglich eventueller Risiken sprechen.


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Autor: Karin Hafner
Quelle: Karin Hafner - Hautinfo.at
Stand der Information: März 2016
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IM MITTELPUNKT STEHT DER MENSCH, NICHT DIE KRANKHEIT.

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