Was ist Neurodermitis

Neurodermitis oder auch "atopische Dermatitis", "atopisches Ekzem" oder "endogenes Ekzem" genannt, ist mittlerweile längst zur Volkskrankheit Nr.1 in westlichen Industrieländern geworden. Es handelt sich um eine chronische entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend bei Kindern auftritt, aber auch Erwachsene betreffen kann. Die Haut ist sehr trocken, gerötet, nässt, bildet Krusten und geht mit einem starken Juckreiz einher. In Österreich sind derzeit rund 280.000 Menschen betroffen, wobei jedem 7. bis 10. Kind bereits im Säuglingsalter Neurodermitis diagnostiziert wird. Tendenz stark steigendend! 

Als einer der Hauptfaktoren bei Neurodermitis gilt die sehr trockene Haut. Die neurodermitische Haut ist durch eine gestörte Lipid-Barriere nicht 100% funktionsfähig. Fremdkörper können dadurch leichter in die Haut eindringen und rufen allergische Reaktionen wie Juckreiz, Hautrötungen und Ekzeme hervor.

Prognose

Bei vielen Neurodermitikern bricht die Krankheit bereits im Babyalter mit dem bekannten Symptom „Milchschorf“ auf. Bei den meisten Kindern verschwindet die Neurodermitis im Schuleintrittsalter oder dann während der Schulzeit. Wir gehen davon aus, dass ca. 3 bis 5% aller Erwachsenen unter Neurodermitis leiden. Die Neurodermitis präsentiert sich jedoch je nach Lebensalter unterschiedlich. Bei Säuglingen sind oft die Arme und Beine, Wangen oder die Kopfhaut betroffen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen zeigt sich Neurodermitis gerne am Hals, an der Ellenbeugen oder an der Rückseite der Knie. Weiters kann Neurodermitis im Gesicht und den den Händen (besonders die Handgelenke sind oft in Mitleidenschaft gezogen) auftreten. Typisch ist ein Auftreten in Schüben, das heißt, dass es auch Zeiten ohne Krankheitserscheinungen gibt. Europaweit leiden weit über 10 Millionen Menschen an Neurodermitis und die jährliche Neuerkrankungsrate liegt derzeit bei ca. 10%. Diese Zahlen sind erschreckend hoch und es wird sehr viel nach den Ursachen geforscht. Das Schwierige an Neurodermitis ist, dass diese verschiedenste Gesichter hat und bei jedem Betroffenen die Ursache individuell unterschiedlich sein kann.

Neurodermitis hat viele Namen

  • Das Wort Neuro stammt aus dem Griechischen und bedeutet nervlich. Die nervliche Verfassung spielt für den Verlauf der Neurodermitis eine entscheidende Rolle.
  • In der Schulmedizin spricht man meist von atopischer Dermatitis oder dem atopischen oder endogenem Ekzem. Atopisch bedeutet allergisch, Menschen mit einer Neigung zu Allergien bekommen häufiger eine Neurodermitis als andere. Endogen heißt, dass eine allergische Reaktion ohne äußere Ursache im Körper auftritt.
  • Die Endung itis hat in der Medizin mit einer Entzündung zu tun, im Fall der Neurodermitis eine Hautentzündung.

Ursachen und Auslöser

Der Neurodermitis liegt eine genetische Veranlagung zugrunde. Aber es sind zusätzliche auslösende Faktoren verantwortlich, dass die Krankheit tatsächlich ausbricht. Die Haut eines Neurodermitikers reagiert hochsensibel auf verschiedenste Umweltfaktoren. Diese auslösenden Faktoren sollten so gut wie möglich vermieden werden, weshalb es wichtig ist, diese Faktoren zu kennen. Neben verschiedensten Allergien, falsche Hautreinigung, falsche Textilien, Sonnenlicht, Klimaanlagen, Stress, Kälte, Antibiotika und Infektionen gibt es eine Menge möglicher Auslöser einer Neurodermitis. Ursächlich für die Symptome ist ein Defekt in der äußersten Hautschicht. Die Haut ist durchlässiger als "normale" Haut und reagiert stärker auf Reize von außen, weshalb dadurch leichtert Entzündungen entstehen können.

 

Neurodermitis und die Psyche

Eine Hauterkrankung ist auch psychisch belastend und führt zu einer eingeschränkten Lebensqualität. Keiner weiß besser als ein Betroffener selbst, wie sehr einem die Neurodermitis im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen kann. Man möchte sich am liebsten in ein Loch verkriechen und von der Außenwelt abschotten. Manchmal juckt die Haut so stark, dass man sie sich am liebsten "runterziehen" möchte. Neurodermitiker sind sehr sensible Menschen, nicht nur die Haut reagiert besonders rasch auf verschiedenste Allergene, sondern auch die Psyche ist sehr schnell angegriffen. Die Psyche spielt dabei für den Verlauf und die Verarbeitung der Krankheit eine wichtige Rolle, im Positiven wie im Negativen. Besonders negativ wirkt sich das ständige Gefühl der sozialen Diskriminierung aus. Unwissenheit, Angst vor einer möglichen Ansteckung oder auch Ekel sind die Gründe, aus denen andere Menschen oft mit herablassenden Blicken oder abwertenden Bemerkungen reagieren. Eine psychotherapeutische Behandlung bzw. das Erlernen einer Entspannungstechnik wie zum Beispiel autogenem Training oder Yoga kann sich durchaus als sinnvoll erweisen.

Warum hat es gerade mich getroffen?

Diese Frage taucht unweigerlich auf, wenn die Haut an Neurodermitis erkrankt ist. Diese Erkrankung ist zwar nicht heil­bar, aber es viele Möglichkeiten der Linderung. Jeder Neurodermitis-Betroffene hat seine individuelle Ausprägung der Neurodermitis. Da es kein Generalrezept gibt, muss jeder Einzelne seinen eigenen „Therapie-Weg“ finden. Das bedeutet eine individuelle Kombination aus verschiedenen Therapien und Behandlungen, die von der richtigen Hautpflege über Medikamente der Schul- und Alternativmedizin bis hin zu Darmgesundheit und einer ausgeglichenen Psyche reichen. Aber denk dran, du bist nicht alleine damit! Nimm dein Leben und die Neurodermitis selbst in die Hand und du wirst ein relativ beschwerdefreies Leben führen können!

Behandlung im Überblick

Es gibt kein Generalrezept bei Neurodermitis,  welche eine endgültige Heilung der Neurodermitis herbeiführen könnte. Damit wird man auch auf dieser Website keine Wundermittel finden. Jeder muss für sich selbst herausfinden, was guttut (von außen als auch von innen) sowie welche Reize die Krankheit negativ beeinflussen. Mit einem gesunden Lebensstil (dazu zählt eine ausgewogene Ernährung), positivem Denken und Geduld können sich alle Dinge, die Spaß machen und bei denen man sich gut fühlt, positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Mit dem richtigen Therapie-Mix kann die Anzahl und die Ausprägung der Schübe verringert werden bzw. einzelne Symptome können auch ganz verschwinden. Dass ein Mensch mit einer Hauterkrankung sein Leben lang auch in schubfreien Zeiten einen erhöhten Haut-Pflegebedarf aufweisen wird, ist aber unumstritten.

Die klassische Schulmedizin bietet aufgrund der immer knapper werdenden Vergütung der Pflichtversicherungen oft nur eine reine Symptom-Bekämpfung an. Dennoch sollte dieser unbedingt als Erster zu Rate gezogen werden, um eine genaue Diagnose zu erstellen. Eine regelmäßige Betreuung durch einen Hautarzt ist wichtig, vor allem wenn ein neuer Schub auftritt solltest du sofort zum Arzt. Mit den richtigen Medikamenten (zB Cortison oder Antihistaminika) hast du die Möglichkeit, rasch aus dem Schub rauszukommen.

Bei Neurodermitis ist die tägliche Hautpflege die Grundlage einer Behandlung. Dadurch kann eine "halbwegs" intakte Hautbarriere aufrecht erhalten werden und die Haut vor  äußeren Irritationen sowie Bakterien besser geschützt werden. Diese Basistherapie sollte auch in den erscheinungsfreien Zeiten konsequent  weitergeführt werden, da dadurch neuen Schüben vorzubeugt werden kann. Zur Basistherapie gehört neben einer spezieller Hautreinigung die Rückfettung und Hydratisierung (Befeuchtung) der Haut. Bei Pflegeprodukten sollte genau auf die Inhaltsstoffe geschaut werden, hautreizende Substanzen wir Parfum oder viele Konservierungsstoffe sollten gemieden werden.

Achte immer auf einen niedrige Wasser- und einen hohen Ölanteil bei deinen Cremes, da ein hoher Wasseranteil (zB in Lotions) die Haut noch weiter austrocknen würden. Der Hautarzt kann dir eine Salbe mit Harnstoff (5% bei Kindern und bis zu 10% bei Erwachsenen) verschreiben. Harnstoff (=Urea)hat sich bei Neurodermitis bewährt, da mithilfe des Harnstoffs mehr Wasser in der Haut gespeichert werden kann. Wenn die Haut akut entzündet ist, sollte kein Harnstoff verwendet werden, da Harnstoff auf der entzündlichen Haut brennen kann. In den letzten Monaten setzt sich auch Thermalwasser als Inhaltsstoff für Cremes immer mehr durch.

Dazu solltest du auf lange und heiße Bäder verzichten, da diese langfristig die Haut stärker austrocknen. Wenn schon baden, dann in einem Ölbad, keinesfall sollten Schaumbäder in Verwendung sein. Nach dem Baden oder Duschen solltest du SOFORT rückfettende Salben oder Cremes auf die Haut aufzutragen. So wird die Haut davor bewahrt, durch die Wasserverdunstung weiter auszutrocknen. 

Neben der Hautpflege solltest du auf eine angenehm zu tragende Kleidung achten (zB  Baumwolle, Leinen oder Seide). Dagegen wird Wolle von sehr vielen Neurodermitikern schlecht vertragen. Tipp: Schneide die Etiketten aus der Kleidung, da diese auf der Haut reiben und zu Juckreiz führen können. Einige Betroffene klagen regelmäßig über Verschlechterung durch Schwitzen oder bei feuchter Wärme. Eine Klimatherapie im Hochgebirge oder am Toten Meer ist meist hilfreich.

Danach kann man auch einen Blick auf die Ganzheitsmedizin richten und dabei muss jeder für sich die persönlich optimale Behandlungstherapie, beziehungsweise eine Kombination von mehreren Therapien, finden. Dass man dafür Verschiedenes ausprobieren muss ist klar. Aber die Hoffnung, das Problem könne sich "von selbst" lösen, ist meist vergeblich.

Hautinfo TIPP!
Du bist nicht alleine! Finde Hilfe bei anderen Betroffenen! Das miteinander Reden und zu merken, dass auch andere Betroffene mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, sind oft hilfreicher als aggressive Hautcremes und nervige Arztbesuche. Hier auf Hautinfo.at findest du Menschen, die dich verstehen, denn sie haben die gleichen Sorgen wie du!

Autor: Karin Hafner
Quelle: Karin Hafner - Hautinfo.at
Stand der Information: November 2014
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  • Lisa123
    Hallo, Ich probiere seit langer Zeit verschiedene Cremes gegen meine Hautprobleme. Mir persönlich hilft das Akutspray von Noreiz bis heute sehr gut! Damals hat mir ein Freund, der unter Neurodermitis leidet diese Anwendung empfohlen, ich bin ihm bis heute dankbar. Gruß Lisa
    Vor 20 Monate
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IM MITTELPUNKT STEHT DER MENSCH, NICHT DIE KRANKHEIT.

Auf Österreichs größtem Hautportal findest du kostenlos viel Wissenswertes zu Neurodermitis, Schuppenflechte, Akne und vielen anderen Hautthemen. Wir wollen dir helfen, die körperlichen und psychischen Symptome gezielter zu analysieren und damit dein Leben nachhaltig zu verbessern. Zusammen mit Experten aus Medizin, Psychologie und vielen anderen Fachbereichen stellt Karin Hafner, selbst von Neurodermitis betroffen, fundierte Informationen zu dem Thema zusammen, welches dich am meisten belastet: deine Haut. Wir wollen dich unterstützen und dir hilfreiche Tipps für deinen Alltag mitgeben. Du sollst dich auf dieser Seite gut aufgehoben und akzeptiert fühlen.