UV-Strahlentherapie bei Neurodermitis

Wir haben mit dem Leiter der Phototherapeutischen und Photodiagnostischen Ambulanz im AKH Wien, Univ. Prof. Dr. Adrian Tanew, über den Einsatz der Phototherapie bei Neurodermitis gesprochen. Fazit: Sehr interessant für jeden Neurodermitis Betroffenen.

Sobald ein neuer Neurodermitis-Schub auftritt, sinkt naturgemäß die Lebensqualität. Wir raten zu einem frühzeitigen Beginn der Behandlung, denn das Hinauszögern einer schulmedizinischen Behandlung verstärkt in den meisten Fällen das Leiden und die Symptome. Eine erfolgversprechende Therapie ist die Bestrahlung der Haut mit künstlichem UV-Licht. Damit wird ein ähnlich positiver Effekt wie ein Aufenthalt am Meer oder in den Bergen erzielt.

Der Wiener Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Dr. Adrian Tanew, hat in der Behandlung von Neurodermitis mit UV-Strahlentherapie jahrzehntelange Erfahrungen gesammelt. Der Dermatologe erklärt: „Durch den bei dieser Therapie in Gang gesetzten Prozess werden die Entzündungszellen aus der Haut eliminiert und der Juckreiz wird gelindert. Circa 80% der behandelten Patienten sind nach 20 bis 25 Bestrahlungen völlig beschwerdefrei bzw. bemerkten eine deutliche Verbesserung ihres Hautzustands.“

Mit Licht die entzündete Haut heilen

Die heilsame Wirkung von Sonnenlicht auf Hauterkrankungen ist seit Jahrtausenden bekannt. Die Haut profitiert aber auch von künstlicher Sonne. Die therapeutischen UV-Strahlen können mittlerweile in einer künstlichen Form erzeugt und kontrolliert verabreicht werden, wobei mögliche Nebenwirkungen sehr gering sind.
Bei der Strahlentherapie wird zwischen zwei Arten von Strahlen unterschieden: UVA und UVB-Strahlen. UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein und können somit auch tieferliegende Entzündungsherde bekämpfen. Eine UVA Strahlentherapie kann hochdosiert beim atopischem Ekzem oder Erkrankungen des Hautbindegewebes (Hautsklerosen) zum Einsatz kommen. Eine gering dosierte UVA Strahlung wird bei der PUVA Therapie eingesetzt. PUVA bedeutet, dass mit dem Medikamentenwirkstoff Psoralen die Wirkung der UVA-Strahlen verstärkt wird. Das Psoralen bekommt der Patient mittels Kapseln, in Form von Bädern oder Cremes (wenn nur einzelne Körperareale wie Hände oder Füße betroffen sind) verabreicht. Die Kombination von Psoralen und UVA hat sich bei vielen Hautkrankheiten als sehr wirksam erwiesen, da diese Therapie ausgeprägte entzündungsunterdrückende Effekte ausübt. Im Vergleich dazu dringen bei der UVB-Therapie die Strahlen nur in oberflächlichere Hautschichten ein. Diese Bestrahlungsform ist vergleichbar mit natürlichem Sonnenlicht. Die reine UVB Therapie ist sehr einfach durchzuführen, nebenwirkungsarm (Anwendung auch bei Schwangeren, Kindern oder bei Patienten mit Tumoranamnese möglich) und bei vielen Hauterkrankungen ähnlich wirksam wie die PUVA Therapie.
Sämtliche Phototherapien führen neben der Unterdrückung von entzündlichen Hautprozessen auch zu einer Bräunung der Haut.

Wie ist der genaue Ablauf?

In der Behandlung von Neurodermitis kommen individuell nach eingehender Untersuchung UVA1, UVB oder in schweren Fällen auch PUVA (nur bei Erwachsenen) zum Einsatz. Die genaue Dosierung und die Therapiedauer werden unter ärztlicher Aufsicht individuell bestimmt und durchgeführt (unterschiedlich je nach Alter, Hauttyp, Schwere der Neurodermitis). Der Dermatologe ergänzt: „Die UV-Strahlentherapie wird regelmäßig zwei- bis dreimal pro Woche über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen durchgeführt. Danach folgt entweder eine zeitlich begrenzte Erhaltungstherapie mit 1 (– 2) Bestrahlungen pro Woche oder ein Therapieende. Bei vielen Patienten dauert es einige Monate, bis sich der erste Rückfall abzeichnet. Dann kann man, sofern eine regelrecht durchgeführte äußere Therapie nicht ausreichend ist, einen neuen Phototherapie-Zyklus durchführen“.

Hautinfo.at Tipp: Achte während der Therapiezeit darauf, die Haut ausreichend mit Pflegecremes zu versorgen, da das UV-Licht austrocknend wirken kann. Du kannst diese Therapie auch gut mit verschiedenen Bädern zuhause kombinieren (Ölbäder, Salzbäder, Chlorbäder, etc.).

Herr Dr. Tanew sagt weiter: „Wir verzeichnen mit der Lichttherapie seit Jahren sehr gute Erfolge in der Neurodermitis-Behandlung von Kindern und Erwachsenen. Die meisten sprechen sehr befriedigend und schnell auf die Phototherapie an und freuen sich über eine rasche Linderung ihrer Beschwerden. Die Phototherapie wird anfänglich oft mit einer äußerlichen Kortisonbehandlung kombiniert, die in der Folge parallel zur Besserung des Hautzustandes kontinuierlich reduziert werden kann. Aber auch oder gerade wenn jemand auf eine Behandlung mit Kortison oder Calcineurininhibitoren (Protopic oder Elidel) nicht oder nur unzureichend anspricht, macht es Sinn, eine Phototherapie zu probieren“.

Eine Lichttherapie kann zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden. „Wenn ein Neurodermitis Schub nicht durch eine äußerliche Therapie kontrolliert werden kann, stellt der Einsatz künstlicher UV Strahlung eine ganz wichtige Behandlungsmöglichkeit dar. Der Vorteil der Phototherapie im Sommer liegt unter anderem darin, dass man die erforderliche Lichtdosis genau einstellen kann und dabei auch nicht ins Schwitzen kommt. Viele Neurodermitiker vertragen das Schwitzen nur schlecht, da die Haut auf Schweiß mit Juckreiz reagieren kann“, so der Hautarzt.

Anwendung bei Kindern

Prinzipiell können Kinder bereits ab zwei Jahren mit einer Lichttherapie behandelt werden, wobei in jedem Fall zuerst die Möglichkeiten einer leitliniengerechten Lokaltherapie ausgeschöpft werden sollten. Ein wichtiger Hinweis vom Dermatologen: „Die Phototherapie ist in akuten Schubphasen eine gute Möglichkeit, eine längerfristige Linderung der Symptome zu erreichen und damit die Lebensqualität des kleinen Patienten (und ihrer mitleidenden Eltern!) zu erhöhen! Die Nebenwirkungen sind im Vergleich zu anderen, insbesondere innerlichen, Therapien der Neurodermitis gering. Die wichtigste Grundregel bei der Behandlung von Kindern ist die Wahl jener Therapie, welche das beste Verhältnis von Wirkung zu möglichen Nebenwirkungen aufweist.“

Risiken und Nebenwirkungen

Hochdosierte UV-Strahlen können Hautzellen schädigen und langfristig gesehen Hautkrebs verursachen. Im Endeffekt sind die Gefahren vergleichbar mit den Langzeitauswirkungen der natürlichen Sonnenbestrahlung. Bei der Phototherapie wird daher genau darauf geachtet, dass der Patient die geringste erforderliche Menge an UV-Strahlen bekommt. Damit lässt sich das Risiko sehr gut eindämmen. Herr Dr. Tanew klärt auf: “Bei der UVB-Bestrahlung geht man von mehr als 300 Expositionen (Bestrahlungseinheiten) aus, ehe das Hautkrebs-Risiko überhaupt zum Tragen kommt! Selbst bei einer Langzeitanwendung unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle kommt man praktisch nie auf diese Anzahl von Bestrahlungen“.

Ein Nachteil der Lichttherapien ist, dass man zu Beginn der Behandlung zwei bis dreimal wöchentlich in die Praxis oder eine Phototherapeutische Ambulanz kommen muss. Die Behandlung muss über mehrere Wochen durchgeführt werden, um den gewünschten Effekt zu erreichen, wobei eine Abschwächung der Hauterkrankung zumeist bereits innerhalb der ersten vier Wochen eintritt. Im Normalfall wartet man im AKH Wien ca. drei bis vier 4 Wochen auf einen Ersttermin in der Phototherapie-Ambulanz. Alternativ kann man sich bei den nächstgelegenen Fachärzten erkundigen, ob sie eine Lichttherapie durchführen. Die Behandlung wird von den Krankenkassen bezahlt.

Zum Abschluss betont Dr. Tanew: „Eine medizinische Haut-Bestrahlung ist nicht mit einem Gang ins Solarium vergleichbar! Eine künstliche Bestrahlung zur Behandlung einer Neurodermitis sollte ausschließlich medizinisch kontrolliert durchgeführt werden. Mein Appell an Neurodermitiker: Lassen Sie sich von kompetenten Fachärzten, die selbst Erfahrung in der Durchführung der Lichttherapie haben, beraten. Die Erfahrungen aus vielen klinischen Studien und an der Klinik zeigen, dass vielen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis mit einer Phototherapie geholfen werden kann!

Herr Univ.-Prof. Dr. Tanew, vielen Dank für die aufschlussreichen Informationen!

Der Experte Univ.-Prof. Dr. Adrian Tanew-Iliitschew
Leiter der Psoriasis Ambulanz
Leiter der Phototherapeutischen Ambulanz
Universitätsklinik für Dermatologie
Medizinische Universität Wien


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Autor: Karin Hafner
Quelle: Interview Doz. Dr. Paul Sator
Stand der Information: Oktober 2016
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