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Eine kleine Hilfsliste für Neurodermetiker und Eltern/Freunde/Verwandte

doubleMe
Mitglied seit 18. 07. 2017
1 Beiträge

Hallo allerseits,
Ich bin neu hier im Forum und habe mal kurz über die ganzen Themen geschaut, die hier aufgelistet ist. Dieses Thema richtet sich an jene, die vielleicht noch Tipps brauchen und an jene Außenstehende, die Hilfe suchen und nicht wissen, wie man mit dieser Krankheit umgeht:

Kurzprofil über mich: Ich bin 28 Jahre alt und leide seit meiner Kindheit an Neurodermitis. Und ja, ich habe sehr viele schlechte Erinnerungen mit dieser Krankheit aus meiner Kindheit: die unruhigen Nächte, die blutigen Arme, Hals, Gesicht, der nicht aufhörende Juckreiz und der verlorene Blick meiner Eltern. Mein Vater hat mich von einem Arzt zum anderen gezerrt und ich habe alle möglichen Tests an mir machen lassen, aber auch nur weil ich meinen Eltern damit einen Gefallen tun wollte. Sie wollten einfach nur helfen und ich sie damit erleichtern. Und von den ganzen Medikamenten (Tabletten, Salben, Cremes, etc.) die ich erhalten habe, habe ich eigentlich keine wirklich Gute in Erinnerung.

Im Laufe meines Erwachsen-werdens habe ich jedoch gelernt mit meiner Krankheit umzugehen, und leider auch ein wenig zu spät. Denn wäre ich viel aufmerksamer gewesen, hätte ich viele schlimmen Tage und Nächte mindern können. Aber bei dem Juckreiz konnte man ja nur noch ans Kratzen denken

Doch nun zu den Tipps für jene, die ein wenig Hilfe suchen:
- Einen Allergietest machen! Menschen mit Neurodermitis haben meistens Allergien. Wenn man sie kennt, können diese vermieden werden. Ich bin z.B. auch gegen Hausmilben allergisch. Anti-allergische Bettwäsche (im besten Fall: Anti-Allergie Matrazen) hätte mich sicher öfter ruhig schlafen gelassen. Stell dir vor, mit offenen Wunden in einem Bett voller Milben schlafen zu müssen gegen die du allergisch bist. Natürlich ist dies ein hoher Kostenfaktor und damals hatte ich auch kein vollausgestattetes anti-allergisches Bett. Bettwäsche auf alle Fälle öfters wechseln (spätestens nach 2 Wochen) und auch ein Matrazenschutz zulegen. Beides bei 60° waschen!
- Aufmerksam sein! Mir ist leider erst sehr spät aufgefallen, dass Orangen einen Juckreiz bei mir auslösen. Zwar ist dieser nicht stark im Vergleich zu einer allergischen Reaktion, aber dadurch dass ich das starke Kratzen gewöhnt bin, kann dadurch meine Haut wieder geschädigt werden... und Zack! kann ein Schub entstehen. Wenn du einen Juckreiz merkst, dann überlege dir, was du vorher getan oder gegessen hast. Wenn es häufiger vorkommt, dass du durch dasselbe einen Juckreiz bekommst, dann versuche es zu vermeiden.
- Kühlbeutel besorgen: Ich hatte damals 3 Kühlbeutel aus Gel in unterschiedlichen Größen im Kühlschrank gelagert. Diese vorher kurz waschen, dann um ein sauberes Tuch wickeln (immer ein Neues!) und auf die heiße Stelle legen. Damals bin ich sogar auch mit dem eingeschlafen...
- Fingernägel regelmäßig schneiden und kurz halten! Besonders bei Schüben IMMER kurz halten. Tagsüber kann man sich vielleicht noch kontrollieren, aber bis heute kratze ich mich während dem Schlaf "als würde ich mich totkratzen wollen" (Zitat von meinem Freund). Des Weiteren empfehle ich, frisch geschnittene Fingernägel mit einer entsprechenden Nagelpfeile abzustumpfen, da durch den Knipser trotzdem scharfe Kanten entstehen.
- Auf die Pflege achten! Mit den Jahren habe ich gemerkt, dass meine Haut sich ändert. Nicht nur über die Jahre sondern auch saisonal, d.h. im Winter und im Sommer benötigt meine Haut unterschiedliche Pflege. Folglich heißt es auch, dass damals bewährte Cremes für mich aber heute nicht mehr helfen. Ich habe schon alles von A bis Z probiert (Eucerin, La Roche Posay, etc.) und mein einschägiger Faktor bei der Wahl ist: wenns schon ein wenig brennt nach dem einschmieren, Finger weg! Fettige Cremes verwende ich eher im Winter, ansonsten Cremes/Lotions die schnell einwirken, rückfettend sind und im besten Fall keinen Fettfilm hinterlassen. Durch den Fettfilm entstehen bei mir immer Hitzestellen, die dann wiederrum zu Juckreiz führen. Und wie teuer muss es sein? Es kommt nicht auf den Preis an, sondern dass du dich damit wohl fühlst. Wenn du dir was neues zulegst, auf Veränderungen deiner Haut achten!
- Wasser trinken! Neurodermetiker leiden an trockener Haut, also trink aktiv Wasser, nicht nur passiv (wenn du dich durstig fühlst)
- Auf die Ernährung achten! Unter Berücksichtigung einer möglichen Nahrungsunverträglichkeit rate ich, sich gesund zu ernähren. Übergewicht bzw. Nahrung die zu Übergewicht führen können (Chips, Frittiertes, Zucker Zucker Zucker etc.) können nicht nur physisch, sondern psychisch auf einen wirken und Schübe auslösen/verstärken. Natürlich kannst du dir mal Schoki gönnen, aber in Maßen.
- Sport machen! Es klingt komisch, da Hitzewallungen und Schweiß bei vielen Juckreiz auslösen können. Auch bei mir! Aber ich habe gemerkt, dass auch durch sportliche Aktivitäten Glückshormone entstehen. Weiters lenkt Sport vom Kratzen ab und die kalte Dusche danach fühlt sich göttlich an. Nicht vergessen, nach dem Duschen mit einer Feuchtigkeitshaltigen Lotion/Creme einschmieren.
- weiteres Kratzen vorbeugen! Ja es ist schon passiert und du hast dich schon so stark gekratzt, dass es blutet. Nachts schlaf ich z.b. mit einem langärmligen Shirt um meine Nacht-Kratzerei zu unterbinden. Tagsüber ist es wichtig, dass die Wunden sich schließen können, also müssen sie atmen. Ich weiß, dass diese Wunden ein unglaublich unschöner Anblick sind, aber es ist wichtig, dass du sie heilen lässt, indem sie 1. nicht mehr feucht sind, 2. du nicht mehr an sie kratzt und 3. sie einschmierst damit sie nicht austrocknen und rissig werden. Versuche dich mit Dingen abzulenken, die beide Hände beschäftigen oder deine volle Konzentration benötigen. Ich hab damals z.B. viel gezeichnet, um mich abzulenken oder habe während dem Fernschauen irgendwas in die Hand genommen, um meine Hände zu beschäftigen (anstatt dass ich mich unbewusst kratze).
- Sich streicheln... Ja es klingt blöd, aber wenns mich mal juckt, dann streichel (oder lass mich streicheln) ich mir am Hals und bekomme davon am ganzen Körper Gänsehaut. Folglich mindert es den Juckreiz ein wenig. Nicht vergessen, vorher Hände waschen.
- Hände regelmäßig waschen! Ich wasche mir regelmäßig meine Hände und es reicht auch nur Wasser und wenig Seife: wenn ich Heimkomme, vor dem Essen, nach dem Essen und einfach dann, wenn ich irgendwas "dreckiges" angefasst habe. Deine Haut ist sehr empfindlich und reagiert vergleichsweise zur normalen Haut einfach sehr sensibel! Durch das häufigere Waschen achte bitte darauf, deine Hände ab und an mit Handcreme einzuschmieren.
- Kleidung: Du kannst tragen was du möchtest, aber achte darauf, dass sie luftig sein können und deine Haut atmen lassen.

Tipps an Eltern/Freunde/Verwandte:
- Nicht auf die Hautkrankheit übertrieben ansprechen, sowie "oh mein Gott, es schaut so schlimm aus", "ich wünschte ich könnte dir helfen", usw. Wir Neurodermetiker wissen, dass wir diese Hautkrankheit haben und müssen nicht zusätzlich darüber informiert werden. Redet mit uns, wie ihr mit allen anderen reden würdet.
- Körpernähe geht manchmal einfach nicht: Auch wenn eine Umarmung herzlichst ist (sei es von Freunden, Verwandten und Eltern), ist sie in Zeitpunkten von Schüben und unwohler Haut einfach nicht angenehm. Bitte nehmt es nicht böse auf, wenn Körperkontakt nicht möglich ist. Bei mir entsteht z.B. sonst eine Hitzewallung, die Juckreiz bei mir auslöst.
- mit Ärzten und Medikamenten bedrängen: Ärzte sind meistens kompetent und es gibt sicherlich viele wirksamen Medikamente, aber wir möchten uns nicht wie ein kleines Versuchskaninnchen fühlen, das etliche Tests an uns ergehen lassen möchte. Fragt doch nach, wie es uns mit der jetztigen Therapie geht und ob wir damit zufrieden sind. Es ist wichtig (besonders bei Kindern) einfühlsam zu sein und sie nicht mit Tausend möglichen Heilmitteln, Ärtzen zu überschütten.

Und das wichtigste ist: Denk nicht, dass diese Krankheit dich einschränkt! Ja es ist eine Krankheit, die ein bisschen mehr Pflege und Aufmerksamkeit benötigt. Wenn eine gewissen Routine mit den obigen Tipps entsteht, wirst du die Krankheit weniger merken und dich nicht wirklich einschränkt. Dein Charakter formt diese Hautkrankheit und nicht umgekehrt.

Ich hoffe ich konnte einigen mit meinen Tipps helfen und freue mich auf eine evtl. nachfolgende Unterhaltung.

LG, doubleMe

renato
renato

Hallo doubleMe,

ich bin schon seit einiger Zeit hier im Forum dabei und möchte mich für deinen
wirklich aufschlussreichen,informativen,sehr detaillierten, und überzeugenden
Beitrag bedanken! Meine Wiese ist zwar nicht die Neurodermitis,ich bin von Psoriasis Arthritis betroffen! Aber das macht ja nichts!Ich habe deinen Beitrag sehr gerne gelesen und ich verneige mich mit allem Respekt um die Erfahrung und
dem Wissen dass du mit und über deinem Hautzustand mitbringst!Du hast deine
Zeilen sehr toll geschrieben und,ich bin mir sicher dass der eine oder andere
hier im Forum diesen umfassenden Bericht sehr zu schätzen weiß !!!Ich tue das
allemal...Ich wünsche die Alles Gute und bleib deinen Grundsätzen treu
Liebe Grüße,Renato
Mitglied im Hautinfo Team

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