Akne Inversa - Ein Interview

Die Akne Inversa ist eine chronische Hauterkrankung bei der es zu einem entzündlichen Befall von Terminalhaarfollikel kommt. Die in diese Haarfollikel einmündenden Schweißdrüsen sind nur sekundär betroffen, und in weiterer Folge kommt es zur Ausbildung von entzündlichen Knoten und Abszessen. Die Erkrankung ist deshalb für Betroffene sehr schmerzvoll und äußerst belastend. Über die in der Öffentlichkeit noch recht unbekannte chronisch entzündliche Hauterkrankung informieren die Dermatologinnen Dr. Karin Jahn-Bassler und Dr. Petra Viznerova. Sie erteilen wertvolle Tipps, wie die Erkrankung im Zaum gehalten werden kann.

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Akne Inversa wird auch als Hidradenitis suppurativa (HS) bezeichnet. „Charakteristisch für die Erkrankung sind oft schmerzhafte Entzündungen, die überwiegend in den Achselhöhlen, der Leistengegend oder in der Analfalte auftreten. Die Erkrankung kann sich in Form von schmerzhaften Knoten, eitrigen Kanälen – auch Fisteln genannt – äußern“, erklärt Dr. Karin Jahn-Bassler, Fachärztin für Dermatologie. Kennzeichnend sei auch ein schubweiser Verlauf der Erkrankung. Das heißt, dass nach dem Abheilen die Entzündungen erneut auftreten können. „Die Betroffenen leiden unter den unästhetischen Vernarbungen und die Erkrankung ist schmerzvoll und äußerst belastend.“

Die Häufigkeit von Akne Inversa in Österreich ist nicht genau bekannt. „Akne Inversa kann in jedem Alter, auch bereits ab der Pubertät auftreten. “, ergänzt Dr. Petra Viznerova, Fachärztin für Dermatologie.

Rauchen, Übergewicht und Stress sind Risikofaktoren

Dr. Petra Viznerova betont, dass Akne Inversa nicht ansteckend sei. Dennoch ist die genaue Ursache für die Entstehung der Akne Inversa nicht genau geklärt, aber man geht von bestimmten Risikofaktoren aus: „Bei Akne Inversa wird beobachtet, dass die Erkrankung in Familien gehäuft auftritt. Übergewicht und Irritation und Okklusion (durch Rasur, Deodorantien oder enge Kleidung) kann auch ein Risikofaktor sein. Ein hohes Vorkommen bei Rauchern wurde ebenso entdeckt“, sagt Dr. Viznerova.

Verschiedene Formen der Akne Inversa

Je nach Ausprägung der Anzeichen und Symptome wird zwischen drei Stadien nach Hurley unterschieden. „Bei leichten Formen können anfangs Anzeichen wie einzelne Abszesse in den Achselhöhlen, in der Leistengegend, unter den Brüsten sowie im Gesäßbereich auftreten“, erklärt Fr. Dr. Jahn-Bassler. Da die Symptome anfangs recht unspezifisch sein können, werden sie manchmal fehldiagnostiziert. „Die Diagnosestellung kann sogar bis zu 10 Jahren dauern, da die Patienten meist unter der Diagnose „wiederkehrende Abszesse“ laufen“, ergänzt Dr. Jahn-Bassler. Von einer mittelschweren Form spricht man, wenn die Knoten immer wieder an derselben Stelle auftreten und beim Abheilen häufig Narben zurückbleiben. „Bei Patienten mit schweren Formen sind Abszesse mit verbundenen Kanälen unter der Haut, sogenannte Fistelgänge, sowie Narbenbildung möglich.“ 

Gezielt Unterstützung suchen

Akne Inversa kann noch nicht geheilt werden, eine Behandlung beim Hautarzt ist jedoch unbedingt notwendig. „Der erste Schritt sollte daher ein Gespräch mit einem Hautarzt, der Erfahrungen mit Akne Inversa hat, sein, um eine adäquate Behandlung zu finden“, empfiehlt Dr. Viznerova. Zu möglichen Behandlungsoptionen bei entzündeten Hautpartien zählen beispielsweise beispielsweise Zugsalben, Antibiotika, Biologika oder andere medikamentöse Therapien. Bei sehr schweren Fällen werden die betroffenen Areale plastisch-chirurgisch entfernt. Zusätzlich empfehlenswert ist eine Gewichtsreduktion bzw. Raucherentwöhnung.

Hilfreiche Expertentipps für einen besseren Umgang mit Akne Inversa

  • Die Akne Inversa ist nach dem aktuellen medizinischen Stand nicht heilbar, aber durch eine gezielte Behandlung und Beratung beim Facharzt in den Griff zu bekommen.
  • Die Abszesse sollten nie selbst eröffnet werden, da es dadurch zu einer schweren bakteriellen Infektion kommen kann.
  • Hormonschwankungen haben keinen Einfluss auf die Akne Inversa. Damit ist durch die Einnahme der Pille auch keine Verbesserung der Akne zu erwarten.
  • Eine ausgewogene Ernährung sowie viel Bewegung an der frischen Luft helfen, den Risikofaktor Übergewicht zu minimieren. Achten Sie darauf, Ihr Normalgewicht zu halten!
  • Vermeiden Sie Rauchen!
    Dieses Genussmittel zählt als stärkster Risikofaktor der Akne Inversa.
    Wichtiger Hinweis: Auch Passivrauchen kann die Symptome verstärken.
  • Keine sehr enganliegende Kleidung tragen!
    Enge Kleidung verstärkt die Entzündungen der durch Akne Inversa oft betroffenen Hautstellen (Achselhöhlen, der Leistengegend, Genitalbereich, Gesäß, Brust, Innenseiten der Oberschenkel).
  • „Lifestyle-Optimierung“
    Durch Vermeidung von negativem Stress und/oder das Erlernen einer Entspannungstechnik wird die Lebensqualität verbessert.

Wir bedanken uns für die wertvollen Information bei Dr. Karin Jahn-Bassler und Dr. Petra Viznerova!

Dr. med. univ. Petra Viznerova
Medizinische Universität Wien
Universitätsklinik für Dermatologie
Abteilung für allgemeine Dermatologie


Dr. med. univ. Karin Jahn-Bassler
Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten
Wilhelminenspital Abteilung für Dermatologie
Wahlarztordination: "HEALTH FOR LIFE"
Pulverturmgasse 22, A-1090 Wien
www.healthforlife.at

 

Mit freundlicher Unterstützung von:

Autor: Dr. Karin Jahn-Bassler
Redaktionelle Bearbeitung: Karin Hafner
Quelle: Interview Dr. Karin-Jahn-Bassler, Dr. Petra Viznerova
Stand der Information: Mai 2015
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