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Turbulente Pollensaison 2017

Die Pollensaison startete heuer später, dafür aber plötzlich, was für teils heftige Beschwerden sorgte. Früh sollte auch die Therapie beginnen, um belastendes Asthma oder die Entstehung weiterer Allergien zu verhindern. Einen Ausblick auf die heurige Pollensaison und einen Überblick wie eine Allergie erkannt und therapiert werden kann, gaben Allergie-ExpertInnen bei einer Pressekonferenz des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien gemeinsam mit der Informationsplattform IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung).

Aufgrund des kalten Jänners startete die Pollensaison heuer etwa drei Wochen später als im üblichen Schnitt. „Die ungewöhnlich milden Temperaturen im Februar haben dann aber für einen plötzlichen und heftigen Blühbeginn von Erle und Hasel gesorgt. Manche AllergikerInnen erlebten den Beginn der Pollensaison deshalb als besonders belastend“, informiert Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien. Die Blüte der Esche startet bald und könnte 2017 stärker ausfallen, die der Birke wird je nach der Wetterentwicklung gegen Ende März erwartet und voraussichtlich milder als im Vorjahr verlaufen, so die Prognose. Der Gräserpollenflug hängt von den Wetterbedingungen im April ab und Ragweed wird im Herbst die Saison beschließen. Pollenallergiker können dann kurz aufatmen, bevor gegen Weihnachten die winterresistente Purpurerle beginnt, ihre Pollen an den Wind abzugeben. „Menschen, die gegen mehrere Pflanzen allergisch reagieren, haben kaum noch eine Ruhepause“, so die Biologin der MedUni Wien.

Klimawandel und Umweltschadstoffe beeinflussen Pollen und Allergiker

Ein Faktor für Veränderungen der Pollensaison ist der globale Klimawandel. Aber auch Umweltgase und Luftverschmutzung wirken auf Pollen und Menschen ein. „Heute gilt als gesichert, dass neben genetischen Faktoren auch Umwelteinflüsse eine maßgebliche Rolle spielen“, so die Grundlagenforscherin Claudia Traidl-Hoffmann, Chefärztin der Ambulanz für Umweltmedizin am Klinikum Augsburg. „Zum einen entwickeln Pflanzen Abwehrmechanismen und bilden mehr Allergene, die das Überleben der Pflanze sichern sollen. Zum anderen wirken Reizgase wie Ozon, Stickstoff- oder Schwefeldioxid direkt auf den Körper. Sie schädigen Schleimhautgewebe in den Atemwegen, was sie anfälliger für eintretende Allergene macht, die dann sehr viel unvermittelter wirken können. Das Immunsystem reagiert heftiger.“

Pollenwarndienst fördert Früherkennung

Der Österreichische Pollenwarndienst hat eine langjährige Erfolgsgeschichte. Rund zwei Millionen Menschen greifen inzwischen jährlich auf die kostenlosen Services auf pollenwarndienst.at zu, die Pollen-App begleitet mehr als 240.000 AllergikerInnen durch die Pollensaison. Auch für die in der Allergie so wichtige frühe Erkennung hat die international renommierte Forschungseinrichtung Angebote parat. „Acht bis neun Jahre dauert es im Schnitt, bis Allergiker zu einer fachärztlichen Diagnose und adäquaten Therapie kommen. Das ist definitiv zu lange“, so Leiter Uwe E. Berger. Wenn die Beschwerden wie juckende Augen, eine rinnende oder verstopfte Nase und Niesattacken nach einer Woche nicht abklingen und jedes Jahr etwa zur gleichen Zeit auftreten, sollten sie abgeklärt werden. „Um Allergiker die Entscheidung für einen Arztbesuch zu erleichtern, haben wir einen klinisch geprüften Selbsttest in unsere App und die Webseite integriert.“ Der Fragebogen zeigt sehr zuverlässig die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer allergischen Atemwegserkrankung auf und ist einfach durchführbar. Außerdem steht eine praktische „Facharztsuche“ zur Verfügung. „Mit diesen Services wollen wir einen Beitrag leisten, die Zeit vom Auftreten der ersten Beschwerden bis zur sinnvollen Therapie zu verkürzen und Asthmaerkrankungen zu verhindern“, so Berger.

Luftverschmutzung jetzt Teil der Pollen-App

Auf Basis eigener Forschung und auf den Erkenntnissen international renommierter Forschungseinrichtungen hat der Österreichische Pollenwarndienst einen neuen Service entwickelt. „Mit Start der heurigen Pollensaison können nun auch Feinstaubbelastung, Ozonwert, Stickstoff- und Schwefeldioxidgehalt in der Luft für jeweils drei Tage auf der Pollen-App abgerufen werden. Kombiniert man die Schadstoffe mit der aktuellen Pollenmenge in der Luft, ergibt sich ein Allergierisiko“, beschreibt Uwe E. Berger das neue Angebot. AllergikerInnen können sich somit zusätzlich zur personalisierten Pollenwarnung nun auch eine Orientierung verschaffen, wie hoch der Einfluss der wichtigsten Partikel in der Luft auf ihre Gesundheit ist. Dieser Service ist weltweit einzigartig. Die App steht für iPhones, Androidhandys und sonstige mobile Devices zum kostenlosen Download auf www.pollenwarndienst.at sowie den App-Stores zur Verfügung.

Verschmutzte Atemluft erhöht Asthmarisiko

Luftschadstoffe fördern allergische Erkrankungen und erhöhen auch das Asthmarisiko. Besonders Kinder sind gefährdet. „Feinstaubpartikel sind zum Teil so klein, dass sie sehr tief in die Lunge eindringen, dort die Atemwege reizen und Entzündungen auslösen. Je höher die Konzentration, desto größer ist das Gesundheitsrisiko“, erklärt Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien und nennt ein durch mehrere Studien belegtes Beispiel: „Wohnt man an einer stark befahrenen Straße, muss man mit dem vermehrten Auftreten von Atemwegserkrankungen rechnen.“

Gezielte Diagnose ermöglicht eine punktgenaue Therapie

Allergien werden teilweise immer noch unterschätzt. Fatal, denn eine allergische Entzündung kann sich in Richtung Lunge ausweiten und neue Allergien können entstehen. PatientInnen sind dadurch nicht nur während des Pollenflugs, sondern rund ums Jahr ihren belastenden Symptomen ausgesetzt. „Je früher eine Allergie erkannt wird, desto eher kann sie adäquat therapiert und eine Verschlechterung der Beschwerden verhindert werden“, appelliert daher Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der MedUni Wien. „Moderne Verfahren, die auf molekularer Ebene ansetzen, gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Dabei lässt sich ganz exakt herausfinden, welche Eiweiß-Bestandteile in einem Allergen für die Allergie verantwortlich sind.“ Diese Errungenschaft zeigt eine Sensibilisierung schon sehr früh an, erhöht die Genauigkeit der Diagnose und macht damit die Therapie noch effektiver. Jensen-Jarolim: „Besonders treffsicher, wenig belastend und als Screening-Methode bei Pollenallergien bestens geeignet ist der Allergen-Mikrochip mit über 100 Allergen-Molekülen. Der Test ist allerdings nicht überall möglich, denn er erfordert spezielles Wissen für die Interpretation der umfassenden Ergebnisse.“

Die Behandlung einer Atemwegsallergie umfasst im Wesentlichen drei Säulen:

 

  • Allergie-Auslösern soweit wie möglich aus dem Weg gehen
  • Symptome lindern mit antiallergischen Medikamenten (Antihistaminika und Cortison)
  • die Krankheitsursache bekämpfen – im Fall einer Pollenallergie mit Pollenallergene (Spezifische Immuntherapie = Hyposensibilisierung)

Je früher dies alles passiert, desto besser ist die Allergie behandelbar. Die Basis der Therapie bildet die Allergenvermeidung. „Durch umfassende und konsequente Maßnahmen wie z.B. Pollenfilter können Betroffene die Belastung deutlich spürbar und nachhaltig eindämmen“, so Reinhart Jarisch, stv. Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums (FAZ). Der Österreichische Pollenwarndienst der MedUni Wien hilft dabei, den Pollen möglichst gut zu entkommen. In der symptomatischen Therapie stehen die bewährten Wirkstoffe Antihistaminika und Kortison zur Verfügung. Jarisch: „Da Pollen vielfach in der Nase hängen bleiben, sind die Beschwerden häufig an diesem Organ spürbar. Allergiker greifen deshalb neben Antihistaminika in Tablettenform vorwiegend zu Nasensprays.“ Heute sind die beiden Wirkstoffe auch in einem Kombinationspräparat erhältlich. Die dritte therapeutische Säule ist die Spezifische Immuntherapie (SIT). Dabei wird das krankmachende Allergen über einen Zeitraum von etwa drei Jahren in Form von Spritzen, Tropfen oder Tabletten zugeführt. „Die Dosis wird langsam gesteigert, wodurch ein Gewöhnungseffekt entsteht. Das Immunsystem lernt, die Allergie-Auslöser wieder zu tolerieren“, erklärt Jarisch. Bei Erwachsenen konnte klar nachgewiesen werden, dass eine SIT Asthma verhindern kann. Eine neue Studie mit über 800 Kindern belegt nun erstmals eine präventive Wirkung auch bei kindlichem Asthma.

Linktipps

pollenwarndienst.at: Individuelle Pollenbelastung, Download Pollen-App, Online-Selbsttest etc. allergenvermeidung.org – Informationsplattform für Allergiker allergycare.at: Allergie Diagnose Zentrum Wien

hautinfo.at Buchtipp: Pollenallergie erkennen und lindern

Pollenwarndienst Pollen und Allergie Buch

Dieses Buch erleichtert Betroffenen und deren Umfeld den Alltag mit der Pollenallergie und begleitet sie mit Hintergrundwissen und Tipps durch die Pollensaison. Gerade Pollenallergiker können sich selbst helfen! Durch präzise Information lassen sich Fehlverhalten, Fortschreiten der Allergie und Beeinträchtigung der Lebensqualität vermeiden. MANZ Verlag Wien, 176 Seiten, 2015, 21,90 EUR inkl. MwSt.
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