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Atopischer Typ – Neurodermitis Prävention bei Babys

Neurodermitis: Welche Rolle spielen Veranlagung und Vorbeugung? Weltweit nehmen in den Industrieländern Atopische Erkrankungen wie Neurodermitis zu. Nach Daten des Robert-Koch-Institutes sind 10 – 15 % der Säuglinge und 20 % der Jugendlichen davon betroffen – Stadtkinder häufiger, als Kinder, die am Land leben. Die gute Nachricht: Gerade bei jungen Patienten kann man durch rechtzeitiges Handeln viel abwenden.

Das griechische Wort Atopie bedeutet wörtlich übersetzt „das Ungewöhnliche“. Aus medizinischer Sicht wird damit die Neigung bezeichnet, überempfindlich bzw. allergisch auf normalerweise harmlose Stoffe zu reagieren. Zu den atopischen Erkrankungen zählen allergisches Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis, die auch als Atopische Dermatitis bezeichnet wird.

Vieles ist Veranlagung

Ganz klar, bei atopischen Erkrankungen kommt man an der genetischen Komponente leider nicht vorbei: Ist ein Elternteil daran erkrankt, hat das Kind ein zweimal so hohes Risiko eine Neurodermitis oder Allergie zu entwickeln, als ein Kind ohne erbliche Vorbelastung. Gerade bei Neurodermitis bestehen jedoch gute Chancen, das Ausbrechen der Erkrankung frühzeitig abzuwenden oder zumindest zu verhindern, dass sich eine schwere Form davon entwickelt.

Was ist ein atopischer Typ?

Bereits in den ersten Lebensmonaten kann man erkennen, ob ein Kind zur Atopie neigt. Diese Kinder haben meist mehrere der sog. „Atopischen Stigmata“(atopische Kennzeichen). Dazu gehören:

  • sehr trockene Haut
  • trockene Lippen
  • eine doppelte Falte am unteren Augenlid ((Dennie-Morgan-Falte)
  • weiße Streifen auf der Haut, wenn man sich kratzt ( weißer Dermographismus)
  • dunkle Haut unter den Augen
  • Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen
  • Hautveränderungen an Finger- und Zehenkuppen

Diese Anzeichen weisen darauf hin, dass das Kind eine Neigung zur Atopischen Dermatitis hat, das bedeutet aber nicht, dass diese Erkrankung aber unbedingt auch ausbrechen muss.

Hautpflege besonders wichtig zur Vorbeugung

Bei den meisten erblich vorbelasteten Neugeborenen tritt die Neurodermitis im ersten Lebensjahr auf. Im Jahr 2014 wurde die amerikanische Simpson-Studie veröffentlicht, in der nachgewiesen wurde, dass Säuglinge ganz besonders davon profitieren, wenn von Geburt an eine regelmäßige Körperpflege mit hochwertigen Pflegeprodukten erfolgt. Alle untersuchten Neugeborenen hatten zumindest einen Elternteil der an Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis litt. Die Kinder unterlagen damit auch einem hohen Risiko an einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung wie Neurodermitis zu erkranken. Das Ergebnis der Untersuchung war eindeutig: Neugeborene, die täglich mindestens einmal am ganzen Körper eingecremt wurden, erkrankten innerhalb der ersten sechs Lebensmonate nur halb so häufig an Neurodermitis wie Babys aus der Kontrollgruppe, die nur hin und wieder eingecremt wurden.

Auch weitere wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung sind nachweislich wirksam: Dazu gehören eine rauchfreie Umgebung sowie das Stillen bis zum Ende des sechsten Lebensmonats. Übrigens: Vom täglichen Baden und Eincremen mit pflegenden Substanzen profitieren auch Kinder, die nicht erblich vorbelastet sind. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine solche Basispflege die Gefahr für das Auftreten von Neurodermitis deutlich senkt.

Neurodermitis bei Kindern Hautpflege ohne Cortison
Mit konsequenter Hautpflege wird Neurodermitis gelindert.

Mit der richtigen Säuglingsnahrung viel bewirken

Heute weiß man, dass die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Neurodermitis beim Kind hat. Jedoch wirkt konsequentes Stillen – also kein Fläschchen zwischendurch – in jedem Fall vorbeugend. Kann nicht gestillt werden, ist es unbedingt empfehlenswert in den ersten sechs Monaten eine hypoallergene Säuglingsnahrung zu verwenden. Der vorbeugende Effekt hinsichtlich der atopischen Dermatitis (Neurodermitis) hält dabei fünf Jahre an. Beikost mit nachgewiesenermaßen starken Allergenen (Ei, Kuhmilch, Fisch, Erdnüsse oder Zitrusfrüchte) vor Ablauf des ersten Lebensjahres soll obendrein vermieden werden. Auch Probiotika, die in die Nahrung gemischt werden haben bei Neurodermitis-Risikokindern einen vorbeugenden Effekt – auch was die Größe der Läsionen betrifft.

Den Juckreiz unterbinden

Ein Teufelskreis, den jeder kennt, auch Menschen mit an sich gesunder Haut: Je mehr man kratzt, desto mehr juckt es, je mehr es juckt, desto mehr kratzt man. Also muss der Juckreiz gestoppt werden. Atopiker haben eine niedrige Reizschwelle gegen das Jucken. Bei Neurodermitis-Kindern braucht man von Anfang an ein gutes Therapiekonzept, sonst „feuern“ die Juckreizbahnen dauernd Reize ab und die ganz in der Nähe liegenden schmerzleitenden Fasern werden zu juckreizleitenden Bahnen „umgepolt“ – schließlich wird der Juckreiz chronisch. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass du mit deinem Kind rechtzeitig den Kinderdermatologen aufsuchst, um nicht in diesen Teufelskreis zu gelangen. Dein Dermatologe findet auch für dein Kind die richtige Behandlungsform.

Neuer Therapieansatz für Erwachsene

Bist du ein Elternteil eines an Atopischer Dermatitis leidenden Kindes und selbst Neurodermitis-Patient, eröffnet sich für dich eine neue Therapieoption, die für Kinder leider (noch) nicht geeignet ist. Ein neuer Monoklonaler Antikörper (Wirkstoff: Dupilumab) kann neuerdings für die Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer oder schwerer Neurodermitis eingesetzt werden. Er wird im Abstand von 14 Tagen in die Bauchdecke gespritzt und bringt Studien zufolge bei mehr als 30 % der Patienten die Neurodermitis und den Juckreiz gänzlich zum Verschwinden. Ein Besuch bei deinem Dermatologen gibt dir Aufschluss darüber, ob und in welchem Umfang dieses neuen Medikament für dich geeignet ist.

Das sagt der hautinfo.at-Experte

Dr. Norbert Sepp Dermatologe Hautarzt Innsbruck

Wenn eine Mutter mit ihrem Kind zu mir in die Praxis kommt, weil es sehr trockene Haut hat, steht der Befund „Neurodermitis“ in der Luft. Die Mutter fragt mich dann: „Ist das schlimm?“ Darauf kann ich nur antworten: „Es muss nicht schlimm werden.“ Am wichtigsten ist dann die Aufklärung über die konsequente Hautpflege mit dem täglichen Bad, dem sorgfältigen Eincremen mit hochwertigen Pflegeprodukten und dem Vermeiden von äußeren Reizen. Dazu kommt Stillen während der ersten 6 Monate, bzw. hypoallergene Babynahrung, Verzicht auf Südfrüchte, Nüsse und Honig etc. während der ersten 2–3 Lebensjahre. Das Immunsystem lässt sich in vielen Fällen überlisten und man kann vermeiden, dass eine Neurodermitis ausbricht. Wenn es doch zu Ekzemen kommt, unbedingt sofort zum Dermatologen – es gibt viele, sehr gut wirksame Medikamente. Am allerwichtigsten ist aber die konsequente Pflege über einen möglichst langen Zeitraum.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Norbert Sepp ist Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Innsbruck

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