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Fumarsäureester bei Psoriasis

Um Psoriasis (Schuppenflechte) in den Griff zu bekommen, ist eine Kombination aus konsequenter Hautpflege und medikamentöser Therapie unverzichtbar. Eine Option ist dabei die Behandlung mit Fumarsäureester – hier liest du alles, was du darüber wissen musst.

Schuppenflechte ist nicht gleich Schuppenflechte

Psoriasis ist keine angeborene Erkrankung, sondern sie tritt erst im Laufe des Lebens auf, mitbedingt durch genetische Faktoren. Das Auftreten der Erkrankung ist allerdings mit anderen krankheitsauslösenden Faktoren (sog. Provokations- oder Triggerfaktoren) verknüpft.

Man unterscheidet 2 Typen von Psoriasis-Erkrankten, je nachdem, in welchem Alter die Krankheit zum ersten Mal auftritt:

  • Typ I: tritt vor dem 40. Lebensjahr auf, zeigt eine familiäre Häufung und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein
  • Typ II: tritt nach dem 40. Lebensjahr auf, zeigt keine familiäre Häufung und hat einen milderen Verlauf

Bei der häufigsten Form der Psoriasis, der sogenannten Plaque Psoriasis, treten mehr oder weniger ausgedehnte, leicht erhabene, entzündlich gerötete und schuppende Hautveränderungen (Plaques) auf, die sowohl kosmetisch als störend empfunden werden, als auch das seelische und körperliche Wohlbefinden massiv einschränken können. Daher ist es enorm wichtig, dass du dich mit allen Fragen, die deine Schuppenflechte Erkrankung betreffen, vertrauensvoll an deinen Hautarzt wendest. Er findet gemeinsam mit dir die richtige Therapie.

Wie lässt sich Schuppenflechte behandeln?

Für die Therapie der Schuppenflechte stehen neben der konsequenten Pflege mit medizinischen Hautpflegeprodukten verschiedene sehr wirksame medikamentöse Therapieformen zur Verfügung.

Bei den von innen wirkenden (systemischen) Therapien wird zwischen den „konventionellen“ (älteren, aber wesentlich kostengünstigeren) und neueren Therapien (Biologika, Apremilast) unterschieden. Zu den konventionellen Behandlungen zählt neben Methotrexat und Ciclosporin A auch die Verabreichung von Fumarsäureestern. Sollten diese Behandlungsformen keine zufriedenstellende Besserung bringen oder wegen (allfälliger) Nebenwirkungen nicht verabreicht werden können, gibt es seit vielen Jahren auch die Möglichkeit der Therapie mit monoklonalen Antikörpern (Biologika), die sehr effektiv, aber auch sehr teuer sind. Daher bestehen die Versicherungen aus Kostengründen in der Regel darauf, dass vor dem Einsatz von Biologika auch konventionelle Therapieformen zum Einsatz kommen, welche bei richtiger Anwendung auch bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte durchaus gute und zufriedenstellende Ergebnissen erzielen können.

Psoriasis-Therapie mit Fumarsäureestern

Fumarsäure ist eine organische Substanz, die in der Natur vorkommt. In größeren Mengen kommt sie in einer Pflanze vor, die Gemeiner Erdrauch (lateinisch Fumaria officinalis) genannt wird. Davon leitet sich der Name Fumarsäure ab. Wegen der größeren Wirksamkeit wird die Fumarsäure für medizinische Zwecke mit bestimmten Alkoholen „verestert“ (die Fumarsäure reagiert mit dem Alkohol). Das Medikament besteht also aus verschiedenen Fumarsäureestern. „Die Wirkung von Fumarsäureestern auf die Schuppenflechte wurde in den 50er-Jahren von dem Apotheker Walter Schwekendiek entdeckt. Er war selbst Psoriasis-Patient und experimentierte auf der Suche nach Linderung mit unterschiedlichen Substanzen“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Adrian Tanew. Prof. Tanew ist Dermatologe mit besonders großer Erfahrung in der Anwendung von Fumarsäureestern bei der Behandlung der Psoriasis.

Fumarsäureester sind seit mehr als 20 Jahren laut Leitlinien zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis bei Patienten über 18 Jahren angezeigt, wenn eine äußerliche Therapie nicht ausreichend ist. Es gibt in Österreich zusätzlich zu der zugelassenen Arzneimittelspezialität (Dimethylfumarat) auch eine magistrale Fumarsäureester Zubereitung in Kapselform, welche aber beide chefarztpflichtig sind.

Beginn und weiterführende Therapie mit Fumarsäureestern

Wenn dein Arzt Fumarsäureester zur Therapie der Schuppenflechte verschreibt, musst du dich ganz genau an seine Verschreibung halten. Diese läuft in der Regel so ab, dass du die eingenommene Dosis langsam steigerst, bis nach einigen Wochen die endgültige Dosierung erreicht ist.

Fumarsäureester müssen also am Anfang mit niedriger Dosierung „eingeschlichen“ werden, damit sich der Körper langsam daran gewöhnen kann. „Zu Beginn der Therapie kommt es häufig zu Nebenwirkungen, die vorrangig den Magen-Darm-Trakt betreffen – Übelkeit und Durchfälle können auftreten. Diese Nebenwirkungen sind jedoch in der Regel vorübergehend und können durch kurzzeitige Dosisanpassungen zumeist gut beherrscht werden. Daher ist es besonders wichtig, dass man die Patientinnen und Patienten sehr gut aufklärt und durch die erste Zeit begleitet, um unnötige Therapieabbrüche zu verhindern“, erklärt Prof. Tanew.

„Mit dem Fortschreiten der Therapie verschwinden bei den meisten Patienten die Nebenwirkungen und in vielen Fällen kann dann eine zufriedenstellende Verbesserung des Hautzustandes bzw. komplette Beschwerdefreiheit erreicht werden. Es lohnt sich also, die erste Zeit durchzuhalten und bei gutem Ansprechen nach einiger Zeit auf eine Erhaltungsdosis (im Schnitt 2 -3 Tabletten bzw. Kapseln pro Tag) überzugehen.“

Fumarsäure: Geduld + Zeit = Erfolg

„Man muss den Patienten aber auch sagen, dass sie bei der Therapie Geduld aufbringen müssen. Wie chronische Krankheiten überhaupt, verlangt auch Psoriasis den Betroffenen viel Geduld ab. Die Hautveränderungen und subjektiven Symptome (insbesonders der oft bestehende Juckreiz) bessern sich nach und nach, erst langsam wird der Erfolg einer Therapie sichtbar. Man muss mit 3–4 Monaten rechnen, bis man den Erfolg (oder Misserfolg) der Therapie abschätzen kann“, beschreibt Prof. Dr. Tanew den Weg, den Betroffene gehen müssen.

Wann machen Fumarsäureester keinen Sinn?

Fumarsäureester sind bei Psoriasis-Arthritis unwirksam, bei dieser Erkrankung greift man auf andere Substanzen zurück. Eine Anwendung bei Personen unter 18 Jahren ist nicht zugelassen, obgleich es in der Literatur einige Studien gibt, die belegen, dass auch Kinder mit Psoriasis durchaus erfolgreich und sicher mit Fumarsäureestern behandelt werden können. Während der Schwangerschaft und Stillzeit und bei stark eingeschränkter Nierenfunktion darf man Fumarsäureester nicht einsetzen.

Kosten einer Fumarsäureester-Therapie

Es kursiert immer wieder das falsche Gerücht, dass diese Therapie von den Patienten selbst bezahlt werden muss, da die Krankenkassen dafür nicht aufkommen. Wie bei den meisten systemischen Psoriasis Therapien ist für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen eine chefärztliche Bewilligung erforderlich. Wenn jedoch das Rezept von einem Facharzt ausgestellt und die Therapie ausreichend begründet ist, wird die Behandlung mit Fumaräureestern in der Regel von allen Krankenkassen in Österreich bewilligt. Du kannst also sicher sein, dass du über deinen Hautarzt auch die Therapie bekommst, die du benötigst.

Das sagt der Experte Univ.-Prof. Dr. Adrian Tanew

Dr. Adrian Tanew Hautarzt Dermatologe Wien

Die Behandlung mit Fumarsäureestern ist von der Wirksamkeit her vergleichbar mit einer Therapie mit Methotrexat oder Ciclosporin A. Alle drei Substanzen zeigen eine gute Wirksamkeit bei mittelschwerer bis schwerer Plaque Psoriasis – nur ist die Wirkung eben nicht bei allen Patienten gleich. Daher ist es ein großer Vorteil, wenn man mehrere Therapieoptionen zur Verfügung hat. Der Einsatz von Fumarsäureestern gehört in die Hände eines erfahrenen Fachmannes, der seine Patienten gut aufklären und sensibel begleiten kann, um ihnen über die häufigen Nebenwirkungen zu Beginn der Therapie hinwegzuhelfen. Dann aber erweist sich die Fumarsäure als potentes Mittel bei Psoriasis. Zögere also nicht, bei allen Belangen, die deine Erkrankung betreffen, das Gespräch mit deinem Arzt zu suchen, um gemeinsam die für dich beste Therapie festzulegen.
Univ.-Prof. Dr. Adrian Tanew
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten
Tel: 0699 18230046
E-Mail: tanew.ordination(at)gmail.com
Web: www.tanew4haut-haar.at

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