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Cortison - Wunderwaffe oder Teufelszeug?

Das Cortison gehört nach wie vor unumstritten zu den wirksamsten Medikamenten gegen die Symptome der Neurodermitis und Schuppenflechte. Um aus dem Schub so rasch wie möglich wieder herauszukommen und den Teufelskreis „Hautausschlag – Juckreiz – Kratzen – Hautbarriere gestört – neue Entzündung – Juckreiz – Kratzen“ zu durchbrechen, ist es wichtig, sobald als möglich mit der Cortison-Behandlung zu beginnen.

In den meisten Fällen kann bereits nach ein paar Tagen das Cortison wieder abgesetzt werden und die auftretenden Nebenwirkungen sind dabei minimal.

Cortison ist ein Überbegriff für eine Gruppe von Wirkstoffen, den sogenannten Kortikoiden (auch unter Kortikosteroide und Glukokortikoide bekannt). Cortison ist eigentlich ein körpereigenes Hormon, welches von der Nebennierenrinde hergestellt und für die Hormonsteuerung im Körper zuständig ist. Seit einigen Jahrzehnten wird Cortison auch synthetisch hergestellt und sehr effektiv bei diversen Hautkrankheiten eingesetzt.

Je nach Entzündungsgrad der Haut kommen unterschiedliche Arten und Konzentrationen eines Cortisons zum Einsatz, wobei Cortison in Form von verschiedenen Cremen, Tabletten oder intravenös verabreicht wird. Welche Form letztendlich verwendet wird, entscheidet der Facharzt im Bedarfsfall. Wichtig ist, dass du gleich zu Beginn eines Schubes den Arzt aufsuchst, damit ihr sobald wie möglich mit einer passenden Therapie beginnen könnt. Normalerweise reicht eine kurzfristige äußerliche Behandlung mit Cortisonsalben aus, um die Entzündungsherde rasch zu bekämpfen. Es ist besser, im Akutfall ein Cortion-Präparat zu verwenden, als in der Verzweiflung alle möglichen Produkte zu cremen und die Haut dadurch mehr zu schädigen.

Einteilung in 5 Wirkungsklassen

Cortison gibt es in verschiedenen Wirkstärken, welche sich in 5 Klassen (von leichten und stark wirksam) einteilen lassen.

Klasse I
Wirkung durch das Cortison: gering
Anwendung: bei besonders empfindlichen Hautpartien (zB rund um die Augen)
Beispiele für Präparate dieser Klasse: alle Hydrocortison-Cremes

Klasse II
Wirkung durch das Cortison: mittel
Anwendung: bei leichten bis mittelschweren Schüben am Körper sowie im Gesicht, Hals und Dekollete
Beispiele für Präparate dieser Klasse: Emovate, Imacort, Locacorten, Advantan

Klasse III
Wirkung durch das Cortison: stark
Anwendung: bei schweren Schüben
Beispiele für Präparate dieser Klasse: Betonovate, Nerisona, Diproderm, Elocon, Cutivate

Klasse IV und V
Wirkung durch das Cortison: sehr stark
Anwendung: dort, wo die Haut sehr dick ist zB Hand- und Fußinnenflächen
Beispiele für Präparate dieser Klasse: Dermovate, Diprolen, Nerisona forte

"Cortison Angst"

Bei vielen Betroffenen löst bereits das Wort „Cortison“ Angst und Schrecken aus. Dabei hat besonders im Bereich Cortison die Forschung in den letzten Jahren sehr viel Positives erreicht. Daher ist die nach wie vor hohe „Angst vor Cortison“ nicht mehr nachvollziehbar. Mittlerweile sind die verschriebenen Cortison-Präparate viel nebenwirkungsärmer als noch vor 20 Jahre, da die neuen Präparate die Hautbarriere nur schwer überwinden können. Aber Vorsicht, die große Cortison-Angst vieler Betroffener nützen unseriöse Geschäftemacher aus und bieten immer wieder verschiedene cortisonhaltige Cremes an, welche aber unter dem Deckmantel „Pflanzencreme ohne Cortison“ gehandelt werden.

Die Expertin Mag. Dr. Eva Lehner-Baumgartner zum Thema "Cortison-Angst"

Dr. Eva Lehner-Baumgartner Psychologin AKH Wien

„Bloß keine schweren Medikamente“ - Gerade wenn der Patient noch ein Kind ist, wollen Eltern oft nicht, dass das Kind auch in einem akuten Schub mit Cortison behandelt wird. "Bloß kein Cortison" hört man immer wieder. Dabei wird die Hauterkrankung damit in vielen Fällen schlimmer und ist immer schwieriger in den Griff zu bekommen. Ein Teil der Arbeit von Psychodermatologen besteht auch darin, die Eltern davon zu überzeugen, dass eine schulmedizinische Behandlung nicht ein Verbrechen am Kind ist. Sondern ganz im Gegenteil, wenn ich dem Kind diese vorenthalte nehme ich ihm die Chance auf Linderung der Beschwerden. Mag. Dr. Eva Lehner-Baumgartner, Leitung Klinische Psychologie im AKH Wien

Richtige Anwendung

Wenn du dich bei der Anwendung von Cortison an folgende wichtigen Regeln hältst, hat der Einsatz von Cortison einen wesentlich größeren Nutzen als Nachteile:

  • Normalerweise beginnt man mit einer äußerlichen Behandlung (Cortison-Salben), bevor eine orale Behandlung mit Tabletten zum Einsatz kommt. Es ist vernünftig, zu Beginn der Behandlung die Cortisonsalbe unverdünnt zu verwenden und im weiteren Verlauf auf eine magistrale Rezeptur umzusteigen (Cortisonsalbe gemischt mit eine Basispflege).
  • Vermeide eine dauerhafte tägliche Anwendung von Cortisonsalben. Das Cortison sollte nur kurzfristig verwenden werden im Akutfall (maximal 4 bis 6 Wochen), bis die Entzündung abgeklungen ist und im Anschluss auf eine cortisonfreie Salbe umzusteigen. 
  • Nur die betroffenen Hautareale mit Cortison eincremen, nicht „vorsichtshalber“ den ganzen Körper.
  • Besondere Vorsicht bei Risikoarealen: Gesicht, Hals, Dekolleté, Bereich um die Genitalien, Ellen-und Kniebeugen.
  • Das Cortison sollte nie von einem Tag auf den anderen komplett abgesetzt werden, sondern die Dosis sollte über ein paar Tage laufend reduziert werden, um den sogenannten Rebound-Effekt zu vermeiden. Ein Cortison-Entzug kann sehr heftig ausfallen und muss nicht alleine durchgestanden werden.

Die innerliche Behandlung mit Cortison

Neben einer äußerlichen Anwendung in Cremes und Salben kann in besonders schweren Fällen das Cortison auch oral in Tablettenform oder durch eine Spritze verabreicht werden. Die Wirkung, aber auch die Nebenwirkungen, sind bei der inneren Anwendung deutlich größer als bei einer äußerlichen Anwendung, da sich das Cortison über das Blut im ganzen Körper verteilt. Im Vergleich dazu wird bei der äusserlichen Cortison-Anwendung nur die betroffene Hautregion eingecremt und die Nebenwirkungen beschränken sich damit grundsätzlich auf den Ort der Anwendung. Informiere dich bei deinem Arzt über eine für dich im Notfall passende Cortison-Behandlung. Der Hautarzt verschreibt das für den aktuellen Zustand „richtige“ Cortison, die Wahl des Präparates hängt auch von den individuell zu behandelnden Körperstellen ab. Tipp! Sobald der Körper Cortison durch entsprechende Präparate zugeführt bekommt, reduziert sich die eigene Produktion des körpereigenen Kortisol. Das körpereigene Kortisol wird in den frühen Morgenstunden ausgeschüttet und die Einnahme des Cortison-Präparates sollte wenn möglich um diese Zeit stattfinden. Damit stört man den Organismus am wenigsten und die Nebenwirkungen können so niedrig wie möglich gehalten werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie jedes andere Medikament auch, kann auch Cortison Nebenwirkungen verursachen. Daher ist es bei der Verwendung von Cortison wichtig, dass das Präparat immer nur kurzfristig eingesetzt wird. Die Nebenwirkungen fallen je nach Körperbereich unterschiedlich stark aus. Wenn Cortison an Körperstellen mit einer dicken Hornschicht wie dem Kopfbereich eingesetzt wird, ist die Gefahr von Nebenwirkungen relativ gering, da hier das äußerlich angewendete Cortison nicht in die unteren Hautschichten durchdringen kann.

Bei unsachgemäßer Anwendung von Cortison können folgende Nebenwirkungen auftreten: Eine langfristige Anwendung von Cortisonsalben verändert die Hautstruktur und die Kollagenfasern, welche für die Elastizität der Haut zuständig sind. Diese werden immer weniger und damit sieht die Haut irgendwann spröde aus. Dieser Effekt ist bei Neurodermitikern ein negativer, da eine zu langfristige Anwendung des Cortisons die Haut einfach immer dünner wird (=Atrophie). Dies ist bei Betroffenen deutlich an den durchschimmernden Venen zu erkennen.

Weitere Hautveränderungen: leichte Verletzbarkeit, schlechte Wundheilung, weißliche Follikel am Hals, verstärkte Behaarung auf den behandelten Stellen, dauerhafte Gesichtsrötung, Coupersose anfällig für verschiedene Infektionen, zB Herpesviren Verschlechterung von Rosazea Erkrankungen

Der Rebound-Effekt

Eine falsche Handhabe mit Cortison kann zu einem sogenannten Rebound-Effekt führen und die Symptome damit letztendlich verschlimmern. Der Körper gewöhnt sich normalerweise rasch an das Cortison und bei einem abrupten Cortison-Stopp können die Entzündungsherde wieder ausbrechen. Der Rebound-Effekt wird durch langsames Ausschleichen verhindert, dass bedeutet, dass du nicht von einem Tag zum anderen mit dem Cortison aufhörst, sondern bis zum vollständigen Abklingen der Symptome das Cortison langsam "ausschleichst". Zum Beispiel verwendest du zu Beginn der Cortison-Behandlung die Salbe 2 x täglich, nach ein paar Tagen nur mehr einmal täglich und dann nur mehr alle zwei Tage einmal usw. Das Gleiche gilt für die orale Cortison-Behandlung. Rede mit deinem behandelnden Arzt darüber.

Vorsicht: Die große Cortison-Angst vieler Neurodermitis-Betroffener nützen unseriöse Geschäftemacher aus und bieten immer wieder verschiedene cortisonhaltige Cremes an, welche aber unter dem Deckmantel „Pflanzencreme ohne Cortison“ gehandelt werden.

Hautinfo.at Tipp

Karin Hafner hautinfo

Bei einem schweren Schub kann es notwendig sein, Cortison über mehrere Wochen anzuwenden um den Körper aus dem Schub wieder rauszuholen. Richtig angewendet ist mit keinen bzw. mit nur geringen Nebenwirkungen zu rechnen. Ich empfehle dir, suche im Akutfall sobald wie möglich einen Facharzt auf und lass dich medizinisch beraten. So hast du die besten Chancen, bald aus einem Schub rauszukommen. Deine Haut und deine Psyche werden es dir danken. Karin Hafner, Hautinfo.at Gründerin

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