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Biologika

In den letzten Jahren haben sich die sogenannten Biologika bei der Therapie der Psoriasis immer mehr durchgesetzt. Diese werden für die Regulierung des gestörten Immunsystems eingesetzt und können vom Dermatologen verschrieben werden, wenn die sonst gängigen Behandlungen (zB Lichttherapie und äußerliche Salben) nicht ausreichend wirksam oder vertragen werden. Mit der Gruppe der Biologika ist es nun erstmals gelungen, viele Patienten beschwerdefrei zu bekommen - und dies mit Nachhaltigkeit und hoher Sicherheit. Damit hat sich ein neues Zeitalter in der Behandlung der Psoriasis und ihrer Begleiterkrankungen eröffnet.

Neben äußerlich anzuwendenden Therapieformen stehen heute für die Behandlung von Psoriasis mehrere systemisch wirksame Medikamente zur Verfügung. Zusätzlich zu bereits länger in Verwendung stehenden Arzneien wie z.B. Methotrexat wurden seit dem Jahr 2000 neue, moderne Therapieformen eingeführt. Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente und greifen gezielt in den Entzündungsprozess ein. Sie hemmen entzündungsauslösende Proteine, die für den Pathomechanismus der Schuppenflechte bestimmend sind. Durch das gezielte Blockieren mit Biologika kann die Entzündung gebremst und die Symptome der Schuppenflechte können gelindert werden. Dank ihres spezifischen Wirkmechanismus erreichen sie hohe Wirkung bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen und eignen sich auch für die Langzeitbehandlung. Voraussetzung für die Zulassung der Medikamente sind mehrere klinische Studien, in denen sie ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit gezeigt haben. Meist werden die Substanzen in diesen Studien im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Plazebo) eingesetzt, manchmal auch im Vergleich mit bereits länger in Verwendung stehenden Medikamenten.

 

 

 

 

Psoriasis - Mehr als nur rote Flecken und Schuppen

Die Lebensqualtität ist durch Schuppenflechte eingeschränkt. Es gibt eine Reihe von Beeinträchtigungen, die weit über die Hautsymptome hinausgehen. Die Betroffenen klagen über soziale Einschränkungen und empfinden Scham für das nicht „perfekte“ Aussehen durch die Hautsymptome. Dazu kommen vermehrte Krankenstandstage, die wiederum eine potentielle Gefahr für die berufliche Karriere bedeuten. Da den Betroffenen oft auch Diäten verordnet werden, nehmen viele Patienten auch Einschränkungen beim Essen hin. Die Behandlung mit Biologika bringt große Vorteile, da man weniger Zeit für langwierige und aufwändige Therapien benötigt.

Wann wird ein Biologikum eingesetzt?

  • schwere Psoriasis (mind. 20% Befall am Körper)
  • Psoriasis an besonderen Körperstellen (Gesicht, Handflächen, Fußsohlen, Genitalbereich)
  • Nagelpsoriasis
  • Psoriasis Arthritis 

Biologika Medikamente können als PEN oder Fertigspritze unter die Haut (subcutan) oder als Infusion in die Vene (interavenös) verabreicht werden. Die Wahl, welches Biologikum eingesetzt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig (Begleiterkrankungen, Nägelbeteiligung, Gelenksbeteiligung, etc.) und wird vom behandelnden Arzt festgelegt.

Die Selbstinjektion mit einem PEN ist für den Anwender leicht erlernbar und stellt nur selten ein Problem dar.

Biologika werden als Langzeittherapie mit sehr großen Erfolgen eingesetzt. Langzeittherapie bedeutet in diesem Fall aber auch, dass das Medikament nur solange wirkt, wie es eingenommen wird. Nach Beendigung der Therapie treten die Symptome regelmäßig wieder auf. Aber viele Betroffene erleben durch diese Medikation völlige Erscheinungsfreiheit ihrer Symptome und erlangen so wieder neue Lebensqualität. Aufgrund der sehr hohen Kosten für eine Biologika-Behandlung wird diese Therapieform nur bei sehr schweren Psoriasis-Fällen eingesetzt bzw. wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten keinen Erfolg erzielen konnten.

Auswahl verschiedener Biologika-Wirkstoffe

Fachärzte unterscheiden bei den modernen Therapien im wesentlichen zwei Gruppen: „Small Molecules“ (z.B. Apremilast), die oral eingenommen werden, und „Biologika“ (dazu gehören Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Ustekinumab, Ixekizumab und Secukinumab), die als subkutane Injektion (wie Insulin) oder Infusion verbreicht werden. Das Ziel eines völlig erscheinungsfreien Hautbildes rückt damit immer mehr in erreichbare Nähe, ebenso profitieren viele Patienten von einer Reduktion der bei Psoriasis häufig auftretenden Begleiterkrankungen wie Psorisas-Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen oder Bluthochdruck.

TNF-α-Blocker

Als erste Gruppe der modernen, systemisch wirksamen Therapien wurden Anfang des Jahrtausends Substanzen zugelassen, die gegen den Tumornekrose-Faktor alpha (TNF alpha) wirken, der eine Schlüsselrolle in der Entstehung der Psoriasis spielt. Die TNF-alpha-Blocker Adalimumab, Entanercept und Infliximab sind für die Behandlung der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis indiziert. Gemeinsam ist diesen drei Wirkstoffen ein hervorragendes Ansprechen. Angewendet werden sie als vom Patienten selbst zu verabreichende subkutane Injektion (Fertigspritze) bzw. als Infusion in mehrwöchigen Abständen. Das Sicherheitsprofil und die Langzeitwirksamkeit dieser Substanzen sind ausgezeichnet und durch zahlreiche Studien und Register dokumentiert.

Etanercept (Enbrel®)
Etanercept ist ein Protein, das TNF-α, das in den psoriatischen Läsionen in erhöhter Konzentration vorliegt, in seiner Aktivität blockiert. Es ist zur Behandlung von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vom Plaque-Typ sowie Psoriasis Arthritis zugelassen. Darreichnungsform: Subkutane Injektion 1-2x/Woche

Adalimumab (Humira®)
Adalimumab ist ein humaner therapeutischer monoklonaler Antikörper und eines der wirksamsten Medikamente zur Behandlung der Psoriasis sowie Psoriasis Arthritis. Darreichungsform: in einer Anfangsdosierung wird 80 mg subcutan empfohlen, die nächste Gabe erfolgt nach einer Woche mit 40 mg, danach wird alle zwei Wochen injiziert.

Infliximab (Remicade®)
Der monoklonale Antikörper Infliximab gehört zu den selektiven Immunsuppressiva und ist zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis sowie Psoriasis Arthritis bei Erwachsenen zugelassen. Darreichungsform: Infusion alle acht Wochen

Interleukin 17-Antikörper

Ein neuerer Therapieansatz ist die Wirkung gegen Interleukin 17, ein stark entzündungsauslösendes Molekül. Interessanterweise haben Psoriasis-Patienten mit höherer Symptom-Ausprägung höhere Serumspiegel von Interleukin 17A als jene mit weniger Symptomen. Ebenso zeigte sich, dass zwischen der klinischen Wirkung einer Phototherapie und der Abnahme von Interleukin 17A im Serum ein Zusammenhang besteht. Gegen Interleukin 17 gerichtete Substanzen wie Secukinumab oder das erst kürzlich zugelassene Ixekizumab erweisen sich daher als sehr wirksam in der Reduktion der Psoriasis-Symptome. Das Besondere dieser neuen Substanzen ist das schnelle und noch bessere Ansprechen. Auch diese Substanzen weisen ein gutes Sicherheitsprofil auf und die bisherigen Erfahrungen zeigen nachhaltige Wirksamkeit.

Secucinumab (Consentyx®)
Der Interleukin-17-Antikörper Secucinumab neutralisiert selektiv den Entzündungsmediator IL-17-A und ist seit 2015 zur Therapie der mittelschweren bis schweren Psoriasis sowie Psoriasis Arthritis zugelassen. In Studien konnte bei mehr als 70 Prozent der Probanden eine Erscheinungsfreiheit nach 16 Wochen festgestellt werden. Darreichungsform: Subkutane Injektion alle 12 Wochen

Ixecizumab (Taltz®)
Ixekizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der an Il-17 bindet. In einer Studie erreichten 90 Prozent der Patienten von Psoriasis in den ersten 12 Therapiewochen eine Symptomverbesserung der Haut um 75 Prozent vom Ausgangswert. Rund 70 Prozent zeigten eine nahezu erscheinungsfreie Haut. Der Wirkstoff ist seit Juni 2016 zugelassen und wird in einem Fertigpen oder einer Fertigspritze verabreicht und wird nach einer verdoppelten Erstdosis alle 14 Tage gegeben, ab der 12. Woche wird das Intervall auf vier Wochen ausgedehnt.

Interleukin-12 und 23-Antikörper

Die detaillierte Erforschung der an der Entstehung von Psoriasis beteiligten Entzündungsprozesse führte zur Entwicklung von Substanzen mit immer spezifischeren Wirkmechanismen. Einen wesentlichen Anteil daran haben Interleukine: sie beschleunigen bzw. ermöglichen die für die Psoriasis charakteristischen Entzündungsprozesse, in dem sie Lymphozyten aktivieren. Ustekinumab wirkt ganz gezielt gegen Interleukin 12 und 23 und unterbindet auf diese Weise die Entzündungsreaktion. Im Hinblick auf Sicherheitsprofil und Langzeitwirksamkeit lässt sich Ustekinumab mit den TNF-alpha-Blockern vergleichen. Ustekinumab (Stelara®) ist der erste Antikörper, der sich gegen zwei Interleukine richtet, die bei der Schuppenflechte überexprimiert werden und einen wesentlichen Anteil an der Psoriasispathologie haben (Psoriasis und Psoriasis Arthritis). Der Wirkstoff muss nur alle 12 Wochen subcutan verabreicht werden, so dass er die längsten Therapieintervalle aller Biologika bei dieser Indikation aufweist.

Apremilast

Auf einem etwas anderen Wirkprinzip basiert die Anwendung Apremilast, das in Tablettenform oral eingenommen werden kann. Apremilast wird der Gruppe der „Small Molecules“ („Kleine Moleküle“) zugeordnet, für die es bei vielen anderen Erkrankungen bereits gut Erfahrungen gibt. Apremilast wirkt innerhalb der Immunzellen durch Hemmung der Phosphodiesterase 4 (PDE4) und unterbindet damit die für Psoriasis charakteristische Entzündungsreaktion. Ein rasches und gutes Ansprechen selbst bei vorbehandelten Patienten ist damit möglich; die gute Sicherheit und Verträglichkeit für Apremilast wurde ebenso wie für die Biologika dokumentiert. Es handelt sich hier um das erste Medikament, welches durch eine direkte Modulation in den Zellen das Immunsystem positiv beeinflusst und somit als Tablette eingenommen werden kann und nicht injiziert bzw. als Infusion verabreicht werden muss. Apremilast (Otezla®) ist ein PDF4-Inhibitor, der modulierend in das überschießende Immungeschehen bei der Schuppenflechte (Psoriasis und Psoriasis Arthritis) eingreift und die Entzündungsreaktion dämpft. Als Standarddosis werden zwei Tabletten zu 30 mg täglich gegeben. Als Indikation gilt die mittelschwere bis schwere chronische Plaque-Psoriasis, die auf eine systemische Therapie wie Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA-Therapie nicht angesprochen hat oder bei der eine solche Therapie kontraindiziert ist. Im Vergleich zu den Biologika wird Apremilast eine schwächere Wirksamkeit zugesprochen, allerdings sind auch die Nebenwirkungen geringer, sodass von einer guten Compliance (=Therapietreue) der Patienten auszugehen ist. Unerwünschte Nebenwirkungen beschränken sich auf Übelkeit und Durchfall in den ersten zwei Behandlungswochen, die nach kurzer Zeit wieder abklingen.

Mögliche Nebenwirkungen

Biologika werden normalerweise ganz gut vertragen, da aber das Immunsystem beeinflusst wird, ist das Risiko für eine Infektion erhöht. Häufige Nebenwirkungen der Biologika sind lokale Reaktionen an den Einstichstellen sowie grippeähnliche Symptome. Vor allem bei den TNF-α-Blockern besteht die Möglichkeit der Reaktivierung von Infektionskrankheiten, sodass vor Therapiebeginn eine latente Tuberkulose ausgeschlossen werden muss. Während der Behandlungszeit sind regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt erforderlich (alle 2-3 Monate). Besonders in den ersten Monaten können grippeähnliche Symptome auftreten, welche aber in der Regel rasch wieder abklingen. Biologika dürfen nicht eingesetzt werden: akute Infektionen wie zB Lungenentzündung Schwangerschaft Krebserkrankungen

Chance auf Symptomfreiheit und verbesserte Lebensqualität

Gemeinsam ist den heute verfügbaren modernen Substanzen zur Behandlung der Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthritis, dass sie nach individueller Verordnung das optimale Therapieziel komplette Symptomfreiheit realistischer werden lassen. Damit einhergehend verbessert sich die Lebensqualität der Patienten: Wie Ergebnisse aus verschiedenen klinischen Studien zeigen, bewerten Patienten ihre subjektive Lebensqualität umso besser, je weniger Symptome sie aufweisen. Die Auswahl der jeweiligen Substanz erfolgt durch die behandelnden Dermatologen nach Art und Ausmaß der Symptome, bestehender Krankheitsdauer oder früher angewendeten Therapien. Einige der Medikamente sind gemäß ihrer Zulassung erst dann einzusetzen, wenn Patienten auf Vor-Therapien nicht genügend angesprochen haben oder diese nicht vertragen, andere können bereits als Ersttherapie eingesetzt werden. Die Art der Anwendung – oral bzw. als Injektion oder Infusion – wird ebenfalls detailliert mit den Patienten besprochen.

Wir bedanken uns bei Dr. Paul Sator für die hilfreichen Informationen!

Kostenfreie Patient.Partner Infoline

Bei der Patient.Partner Infoline erhalten Patienten und Angehörige als auch medizinischen Fachgruppen kostenfreie sozialrechtliche und/oder psychologische Beratung. Die Infoline ist ein produktunabhängiges Service und bietet folgende Möglichkeiten:

  • Weiterleitung an ein Kompetenzteam: Bei Bedarf werden die Anrufer an erfahrene ExpertInnen (Jurist und Psychologin) verwiesen, die innerhalb von 2 Werktagen zurückrufen.
  • Vernetzung mit Patientengruppen: Bei Fragen zu Veranstaltungen und Selbsthilfegruppen verweisen unsere Patient Relations Manager auf die bestehende Struktur an Patienten- und Selbsthilfegruppen in Österreich. Die kostenfreie, telefonische Beratung ist unter der Nummer 0800/203909 von Montag bis Donnerstag 9.00–16.00 Uhr und Freitag 09.00–13.00 Uhr erreichbar.

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