Soziale Netzwerke
FacebookGoogle+YouTube
Suche Hautlexikon Newsletter

Nichts mehr verpassen!
Der hautinfo.at-Newsletter

* Pflichtfelder

Psoriasis und Morbus Crohn

Wie kann man trotz entzündlicher Autoimmunerkrankung aktiv bleiben

Morbus Crohn, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, ist eine der möglichen Begleiterscheinungen von Psoriasis. Wir möchten wissen: Wie hängen diese beiden Erkrankungen zusammen? Wie werden sie diagnostiziert? Und was ist bei der Therapie zu beachten? Univ.Prof. Dr. Harald Vogelsang erklärt die medizinischen Hintergründe.

Was ist Psoriasis und wie erkennst du sie?

Psoriasis oder „Schuppenflechte“ ist für den Laien nicht leicht zu erkennen, denn sie zeigt sich bei jedem Patienten ein bisschen anders. Sie kann in wiederkehrenden Schüben auftreten oder dauerhafte Hautveränderungen verursachen. Sie kann einzelne Hautareale betreffen oder den Großteil der Haut. Sie kann mit Müdigkeit einhergehen oder mit Gelenkproblemen. Doch eines ist (fast) allen Fällen gemeinsam: Psoriasis betrifft in erster Linie die Haut. Sichtbar wird sie durch Rötungen, Schwellungen, Blutungen an den betroffenen Hautstellen sowie durch weiße, glänzende Hautschuppen und spürbar wird sie durch starken Juckreiz und Brennen.

Wenn das Immunsystem verrückt spielt

Psoriasis ist eine sogenannte „Immunmediierte inflammatorische Erkrankung“ (IMID), vereinfacht gesagt: eine chronische Entzündung, die durch das Immunsystem ausgelöst wird. Bei einem Schuppenflechte-Schub reagiert die Haut wie bei einer Verletzung. Die Zellerneuerung wird enorm beschleunigt. Das führt zu einem Übermaß an Hautzellen, die sich in Form von Schuppen von der Oberfläche lösen. Dieser Prozess verursacht einen unangenehmen Juckreiz sowie Schwellungen und Rötungen.

Was passiert, wenn Psoriasis diagnostiziert wird?

Die schlechte Nachricht zuerst: Derzeit kann Psoriasis nicht geheilt werden. Die gute Nachricht ist aber: Psoriasis kann mittlerweile sehr effektiv behandelt werden. Die medizinische und pharmazeutische Forschung entwickelte in den letzten Jahren eine Fülle von verschiedenen Therapieformen, darunter eine Reihe von hochwirksamen, biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln, sogenannten „Biologika“. Diese Medikamente ermöglichen Betroffenen weitgehende Beschwerdefreiheit und steigern ihre Lebensqualität.

Morbus Crohn – eine mögliche Begleiterkrankung bei Psoriasis

Aktuellen Studien zufolge entwickelt weniger als 1% der Patienten mit Psoriasis eine entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Doch das Risiko, an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken, ist bei Patienten mit Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis doppelt so hoch als bei Gesunden. Dabei wurden übrigens deutliche Unterschiede bei Alter und Geschlecht der Personen festgestellt. Während Morbus Crohn zum Beispiel bei jungen Frauen mit Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis stärker auftritt, leiden Männer mit Psoriasis häufiger an Colitis ulcerosa. In jedem Fall lohnt sich eine gründliche Information!

Was ist Morbus Crohn und wie entsteht diese Krankheit?

„Im Prinzip“, erklärt Univ.Prof. Dr. Harald Vogelsang vom AKH Wien „sind im Hintergrund bei Morbus Crohn ähnliche genetische Konstellation vorhanden wie bei Psoriasis und Psoriasis Arthritis und allen anderen immunmediierten inflammatorischen Erkrankungen.“ Dabei geht es weniger darum, dass Morbus Crohn direkt vererbt wird, nur ca. 15% der Betroffenen haben Angehörige mit derselben Erkrankung, sondern um eine Prädisposition im Immunsystem. Dennoch führen diese genetisch festgelegten Risikofaktoren dazu, dass Psoriasis-Patienten ein drei- bis zwanzigfaches Risiko haben, an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken, wenn Verwandte ersten Grades ebenfalls darunter leiden. Damit die genetischen Faktoren aktiviert werden, braucht es allerdings meist einen sogenannten „Trigger“, also Auslöser. Die häufigsten Auslöser sind bei Morbus Crohn: Rauchen, ungesunde Ernährung oder Dauerstress.

Welche Beschwerden treten auf?

Die meisten Patienten klagen über schwere, langanhaltende Durchfälle, teilweise mit Blut im Stuhl, krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen nach den Essen, Fieber, Müdigkeit, Schwäche und Gewichtsverlust, verbunden mit einem deutlichen Eisenmangel. Doch diese Symptome können auch relativ harmlos er Natur (wie zum Beispiel Reizdarm) sein.

So kommst du zu einer sicheren Diagnose

Besteht ein geringer Zweifel an der Harmlosigkeit der Symptome, empfehlen wir dir eine Abklärung durch den Facharzt. Er wird dir zuerst eine Reihe von Fragen stellen: Über deine Ernährungs-, Lebens- und Stuhlgewohnheiten bis hin zur Medikamenteneinnahme und eventueller erblicher Vorbelastung. Darauf folgt eine sorgfältige körperliche Untersuchung. Besteht nun ein Anfangsverdacht auf Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, wird eine Reihe von weiteren Untersuchungen gemacht: von Laboruntersuchungen bis zu bildgebenden Verfahren in Form von Ultraschall, Röntgen oder Darmspiegelung.

Gib Psoriasis keine Chance - sprich mit deinem Hautarzt!

Psoriasis Schuppenflechte Lassdichanschauen

Schuppenflechte ist nicht heilbar, kann aber sehr gut behandelt werden. Solltest du also den Verdacht haben, dass die juckenden Hautstellen von Psoriasis befallen sein könnten, dann sprich so bald wie möglich mit deinem Hautarzt. Er kann gemeinsam mit dir die passende Therapie für dein Krankheitsbild finden. Die Website www.lassdichanschauen.at kann dir helfen, die Rötungen auf deiner Haut richtig zu deuten. Hier werden dir die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten gezeigt und Hilfestellungen für dein Gespräch mit dem Arzt gegeben. Ein Arzttermin lohnt sich immer, denn es gibt laufend Fortschritte in der Psoriasis-Therapie.

Weitere Infos auf www.lassdichanschauen.at

AT-OTZ-1020-00002

ANZEIGE

Welche Therapien stehen dir bei Morbus Crohn zur Verfügung?

Wie bei allen „IMIDs“ gilt auch hier: Heilbar sind sie nicht, aber sehr gut behandelbar. Vor allem in den letzten Jahrzehnten wurden bahnbrechende Fortschritte in der Entwicklung von Biologika erzielt. Daneben werden auch Wirkstoffe der Aminosalicylate, Kortisonpräparate und Immunsuppressiva eingesetzt. Welches Arneimittel für welche Patienten geeignet ist, entscheidet das Therapieziel: Geht es um die Bekämpfung eines akuten Schubs, um die Verhinderung eines Wiederauftretens oder um die Erhaltung eines befriedigenden Status-quos? In jedem Fall aber ist entscheidend: Je früher Morbus Crohn erkannt wird, desto besser und schneller wirkt die Behandlung.

Expertentipp von Univ.Prof. Dr. Harald Vogelsang, AKH Wien

Dr Harald Vogelsang

Prof. Vogelsang ist Internist und Spezialist für Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa. Doch einige der Patienten, die er gegen die entzündlichen Darmerkrankungen behandelt, leiden auch unter Psoriasis oder Psoriasis Arthritis. „Überschneidungen tauchen zwar nur gelegentlich auf, aber sie kommen immer wieder vor. Deshalb ist es auch sinnvoll, diese wechselweise Betroffenheit frühzeitig abzuklären.“ Denn bei Nicht-Erkennung dieser Überschneidung, kann es unter Umständen zu einer Fehlbehandlung kommen. „Es gibt eine Therapie, die Anti-L17-Therapie, die bei Psoriasis angewandt wird, aber für Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung kontraproduktiv ist – ja, eventuell sogar Morbus Crohn auslösen oder verschlechtern kann.“

Was rät Prof. Vogelsang Psoriasis-Patienten? Wenn keine Symptome einer entzündlichen Darmerkrankung, wie langanhaltender Durchfall, Fieber oder Gewichtsverlust vorlägen, müsse man gar nichts tun. Sollte das aber der Fall sein, dann empfiehlt Prof. Vogelsang Psoriasis-Patienten, zunächst eine einfache Laboruntersuchung. „Es gibt eine relativ neue Methode, mit der man durch eine Stuhlprobe eine entzündliche von einer nicht entzündlichen Darmerkrankung unterscheiden kann. Und zwar durch die Bestimmung des sogenannten ‚Calprotectin‘“. Das ist ein Eiweißstoff im Stuhl. Wenn dieser sogenannte „Marker“ nachgewiesen werden kann, werden weitere Schritte und Therapien mit dem Arzt diskutiert.

Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Vogelsang.
Univ.Prof. Dr. Harald Vogelsang ist Internist und Spezialist für Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa im AKH Wien.

8 Bewertung

5,88
Durchschnitt von 8 Bewertungen

  • 6 Sterne
    7
  • 5 Sterne
    1
  • 4 Sterne
    0
  • 3 Sterne
    0
  • 2 Sterne
    0
  • 1 Stern
    0
Anzeige

Die hautinfo.at-Experten

hautinfo.at Experten
Nach oben scrollen