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Endlich Hilfe bei Psoriasis Arthritis!

3% der Österreicher leiden unter Psoriasis. 30-40% davon zeigen auch Symptome einer Psoriasis-Arthritis, einer chronisch entzündlichen Erkrankung der Gelenke und Sehnen. Diese schmerzhafte Begleiterkrankung der Schuppenflechte wird oft lange nicht erkannt, weiß OA. Dr. Raimund Lunzer, einer der führenden Experten von Psoriasis-Arthritis, vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz. Er plädiert für den Einsatz moderner Biologika und eine umfassende Information der Patienten via Internet.

„Das Problem ist, dass Psoriasis-Arthritis-Patienten oft durch alle Stühle durchrutschen“, sagt OA. Dr. Raimund Lunzer vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz. „Das liegt daran, dass die Symptome so unspezifisch sind.“ Sie reichen von Sehnenentzündungen, Gelenksschmerzen bis zu Wirbelsäulenproblemen. Normalerweise gehen Patienten mit solchen Symptomen nicht zum Hautarzt, sondern zum Orthopäden oder Sportarzt. „Doch kaum ein Orthopäde fragt bei Rücken- oder Handgelenkschmerzen seine Patienten nach Juckreiz unter den Armen oder gar in der Analspalte. Aber das“, so Dr. Lunzer, „kann für die Patienten zu einer fatalen Behandlungsverzögerung führen.“

Was ist Psoriasis-Arthritis?

Psoriasis-Arthritis-Patienten sind zu 90% auch Psoriasis-Patienten. Das heißt, nur 10% der Betroffenen weisen keinerlei Symptome auf der Haut auf. Für alle anderen zeigen sich die Symptome zuerst bzw. parallel auf der Haut. Diese Anzeichen sind Rötungen, Schmerzen, Juckreiz, Brennen, Abschuppung der Haut bis hin zum sogenannten „blutigen Tau“, wenn die kleinen Blutgefäße der betroffenen Hautstellen aufbrechen. Die erste Regel für Psoriasis-Patienten heißt also: Achte auf deine Gelenken, Sehnen und Knochen! Denn mit einer Wahrscheinlichkeit von circa einem Drittel sind Psoriasis-Patienten irgendwann einmal auch von der Begleiterkrankung Psoriasis-Arthritis betroffen.

Wie erkennst du Psoriasis-Arthritis?

Die Krankheitsanzeichen können unspezifisch an verschiedenen Stellen, gleichzeitig oder abwechselnd auftreten. Gerade dieses wechselhafte Erscheinungsbild, oft unterbrochen von wochenlanger Beschwerdefreiheit, sind eine Herausforderung für Patienten und Ärzte. Degenerative und überlastungsbedingte Beschwerden von entzündlichen Schmerzen zu unterscheiden, ist nicht einfach, denn die Symptome sind sehr ähnlich.

Gelenksentzündungen

Häufig spüren Psoriasis-Arthritis-Patienten die ersten Anzeichen an einzelnen Gelenken, aber auch im Hand- und Fuß- sowie Kniegelenk oder an der Wirbelsäule, bis hin zu Manifestationen der Psoriasis-Arthritis-Symptome an Ellbogen, Hüftgelenken und am Kiefergelenk sind möglich. Eine der charakteristischen Erscheinungen der Psoriasis Arthritis ist der „Strahlbefall“, bei der ein Finger oder eine Zehe geschwollen sind.

Sehnen und Bänder

Auch Fersenschmerzen, Tennisellbogen, Golfer-Ellbogen oder „Runner's knee" sind Erscheinungen, die auf eine „normale“ Sehnenansatzentzündung hinweisen können, aber auch bei der Psoriasis-Arthritis gehäuft vorkommen. Treten Sehnenansatzentzündungen wechselhaft auf, sind unterschiedliche Regionen betroffen, gefolgt von beschwerdefreien Intervallen und mit einem nächtlichen Maximum, sollte unbedingt auch eine Psoriasis-Arthritis in Betracht gezogen werden.

Wann musst du zum Arzt?

Sofort! Wie bei allen Krankheiten, ist es auch bei Psoriasis-Arthritis besonders wichtig, dass du sie noch im Anfangsstadium behandeln kannst. Warum? Weil die Krankheit dann nicht so viel Gelegenheit hat, sich auszubreiten und deine Knochen, Gelenke und Sehnen anzugreifen. Deine Symptome verschwinden schneller und du kannst dein Leben wieder genießen. Frag deinen Arzt oder deine Ärztin!

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Zwei Haupttypen der Psoriasis-Arthritis

Grob unterscheidet man zwei Krankheitstypen: den „oligorartikulären“, wenn wenige, dafür aber größere Gelenke betroffen sind und den „polyartikulären“, bei dem sich die Krankheit auf viele kleinere Gelenke ausbreitet.

Wie entsteht Psoriasis-Arthritis?

„Wie bei allen autoimmun vermittelten entzündlichen Erkrankungen spielen auch genetische Faktoren eine Rolle“, erklärt Raimund Lunzer. Dabei ist es nicht eigentlich die Krankheit, die vererbt wird, sondern eine bestimmtes Genotypisierung. Zum Beispiel das unter Experten bekannte HLAB27, ein genetischer Code, der auf den Zellen weißer Blutkörperchen sitzt. Manche Menschen besitzen diese Genotypisierung, manche nicht. „Was Psoriasis-Arthritis wirklich auslöst, wissen wir nicht. Es können Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder Übergewicht ebenso sein, wie starke mechanische Erschütterung, zum Beispiel bei Arbeiten mit dem Presslufthammer."

Das Internet kann wertvolle Aufklärungsarbeit leisten

„Wenn ich gefragt werde, wer ein ‚guter‘ Patient ist, sage ich immer: ein Informierter.“ Dr. Lunzer empfiehlt den Betroffenen, proaktiv auf ihren Hautarzt zuzugehen und umgekehrt wünscht er sich von seinen Arztkollegen, wenn sie mit Schuppenflechte konfrontiert sind, auch nach Schmerzen im Bereich von Knochen, Gelenken und Sehnen zu fragen.

Als Arzt, meint Dr. Lunzer, brauche man sich nicht vor dem „Netz" zu fürchten – im Gegenteil. Eine gute, fundierte Website hilft beiden Seiten. Aber nur 20% der Ärzte ermuntern ihre Patienten, im Internet nach Informationen zu suchen.

Zudem weisen zahlreiche Studien darauf hin, dass die meisten Psoriasis-Arthritis-Patienten schon jahrelang Entzündungen an Knochen, Sehnen und Gelenken haben, bevor diese in Form von Schmerzen und Schwellungen nach außen treten. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig zu informieren.

Welche Therapien gibt es für Psoriasis-Arthritis?

„Psoriasis-Arthritis ist eine Krankheit von innen. Sie muss auch von innen behandelt werden,“ erklärt Dr. Lunzer, „Moderne Biologika haben die Therapie revolutioniert!“ Die biotechnologisch erzeugten Arzneimittel ermöglichen Psoriasis-Arthritis-Patienten heute eine weitgehende Beschwerdefreiheit. Die optimale Therapie ist das Ergebnis einer perfekten Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient.

Mit einem gesunden Lebensstil kannst du viel bewirken!

Du musst dein Leben nicht komplett auf den Kopf stellen, aber mit einer Reihe von Lifestyle-Faktoren wie Ernährung und Bewegung kannst du selbst dazu beitragen, die Symptome zu verbessern und dein Wohlbefinden zu erhöhen. Übergeweicht und Rauchen gehören zu den Risikofaktoren, umgekehrt gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, dir selbst Gutes zu tun. Zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung auf mehr Obst, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren. Du musst nicht gleich Vegetarier werden, aber mit Gemüsegerichten bringst du Abwechslung in deinen Speiseplan und unterstützt deinen Körper!

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Und wie steht es mit deinem psychischen Wohlbefinden?

Die Symptome der Psoriasis-Arthritis – wie: geschwollene Gelenke, Schmerzen, Bewegungseinschränken – führen oft zu großen psychischen Belastungen, in manchen Fällen sogar zu Depressionen, meint Dr. Lunzer. Er kann diese Beobachtung auch mit Zahlen aus einer 2017/2018 durchgeführten Studie belegen: Demnach leidet die Paarbeziehung bei knapp der Hälfte der Patienten mit chronisch entzündlicher Arthritis, und bei vielen Patienten wird durch die Erkrankung die Sexualität massiv negativ beeinflusst. Die gute Nachricht ist aber: Widmet man dem psychischen Gesundheitszustand mehr Aufmerksamkeit, etwa in Selbsthilfegruppen, Psychotherapien oder mit Medikamenten, verbessert sich die Lebensqualität deutlich und nachhaltig.

Letzte Frage an Dr. Lunzer: Kann Psoriasis-Arthritis geheilt werden?

Nein, sagt der Psoriasis-Arthritis-Experte, heilen im Sinne einer Entfernung von Schädigungen an Gelenken, Sehnen und Knochen sei nicht möglich. Beschwerdefreiheit – Stillstand der Entzündung (Remission) – ist das Ziel, das man erreichen könne. Das sind wirklich erfreuliche Aussichten für Psoriasis-Arthritis-Patienten!

Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Lunzer.
OA. Dr. Raimund Lunzer, einer der führenden Experten von Psoriasis-Arthritis, vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz.

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