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Systemische Neurodermitis-Behandlung – ist die Corona-Schutzimpfung empfehlenswert?

„Ich habe Atopische Dermatitis und erhalte eine systemische Therapie – soll ich mich gegen Covid-19 impfen lassen?“ Fragen wie diese beschäftigen viele Neurodermitis-Patienten. Wir haben dazu den Experten Prof. Dr. med. Patrick M. Brunner vom AKH in Wien zu Wort gebeten. Was der Experte rät und was du bei einer Impfung beachten solltest, liest du hier.

Atopische Dermatitis ist als chronisch entzündliche Hauterkrankung heute zwar nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar. Immer ist die sogenannte äußerliche Basistherapie im Zentrum der Behandlung. In vielen leichten Fällen ist diese Therapieform bereits ausreichend. Bei mittelschweren bis schweren Verlaufsformen kommen fortführende systemische (innerliche) Therapien zum Einsatz.

Systemische Behandlung: Immunsuppressiv oder immunmodulierend

In manchen Fällen kommen Immunsuppressiva zum Einsatz wie z. B. Ciclosporin A oder Cortison. Sie unterdrücken das Immunsystem als Ganzes und führen so zu einer Verbesserung der Neurodermitis-Symptome.

Sogenannte Biologika (Monoklonale Antikörper wie z.B. Dupilumab) wirken hingegen immunmodulierend. Das bedeutet, sie greifen im Vergleich zu Immunsuppressiva nur in einen kleinen Bereich des Immunsystems ein, nämlich exakt jenen, der für die Entstehung der Neurodermitis verantwortlich ist.

Beide Therapien wirken also – wenn auch in unterschiedlicher Stärke – auf das Immunsystem ein.

Was bedeutet das in Bezug auf die Corona-Schutzimpfung?

Die Situation ist für uns alle neu. Die Medizin stand vor neuen Herausforderungen, die Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt mussten Unglaubliches leisten. Noch nie wurden Impfstoffe in so kurzer Zeit entwickelt. Noch nie war es nötig, in so kurzer Zeit so viele Menschen zu impfen. Wenn Millionen Menschen nahezu gleichzeitig geimpft werden, steigt auch die Zahl der gleichzeitig gemeldeten Nebenwirkungen. Und noch nie waren Menschen so verunsichert, was eine Impfung betrifft, wie bei dieser Pandemie.

Systemische Therapien: Kein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe

„Wie Untersuchungen zeigen, sind Personen, die gegen schwerere Verlaufsformen von Neurodermitis mit immunsupprimierenden und immunmodulierenden Therapien behandelt werden, nicht gefährdeter an Covid-19 zu erkranken als die Durchschnittsbevölkerung“, betont Prof. Patrick M. Brunner vom AKH in Wien. Durch die systemische Therapie besteht nach derzeitiger Datenlage auch kein erhöhtes Risiko an einer Covid-19-Infektion schwer zu erkranken.

Ein klares Ja zur Impfung trotz systemischer Therapie

Auf die Frage, ob sich Neurodermitis Patienten, die eine systemische Therapie gegen Neurodermitis erhalten, gegen Covid-19 impfen lassen sollen, antwortet Professor Brunner: „Es ist ganz klar, dass sich Patienten mit Neurodermitis, genauso wie alle anderen, gegen Covid-19 impfen lassen sollen, wann immer ihnen eine Impfung angeboten wird. Eine bestehende systemische Therapie ist kein Grund, auf eine Impfung zu verzichten. Das betrifft sowohl Cortison und Ciclosporin A als auch Biologika wie Dupilumab. Alle in Österreich zugelassenen Impfstoffe sind hoch wirksam.“

Der beste Zeitpunkt für die Impfung

Eine Covid-19-Impfung ist keinesfalls ein Grund, die systemische Therapie zu unterbrechen oder sogar zu beenden. Im Idealfall würde eine Impfung zwei Wochen vor Beginn einer systemischen Therapie oder 4 Wochen nach Ende einer systemischen Therapie erfolgen. Diese Empfehlung gilt sowohl für eine Behandlung mit Biologika als auch mit Präparaten wie Cortison oder Ciclosporin A. In der jetzigen Situation, wo der Impfstoff eine Mangelware ist und von der Behörde zugeteilt wird, bedeutet das, dass man sich zu jedem Zeitpunkt der systemischen Therapie gegen Covid-19 impfen lassen kann und soll.

Besprich das ideale Timing mit deinem Arzt

Wenn du deinen Impftermin erhältst, kannst du die Gabe deines Biologikums oder anderer systemischer Therapien eventuell verschieben, damit der Abstand zur Impfung größer wird. Um sicher zu gehen und da die Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung bei den verschiedenen Impfstoffen unterschiedlich sind, besprich am besten mit deinem behandelnden Arzt, wie du die systemische Therapie am besten rund um die zugeteilten Impftermine organisieren kannst. Obwohl es für die Immunantwort keine bedeutende Rolle spielt, empfiehlt Prof. Brunner in diesem Zusammenhang zwischen der Dupilumab-Spritze und der Impfung eine Woche Abstand einzuschieben.

Wirksamkeit trotz systemischer Therapie

Selbst wenn die Bildung von Antikörpern gegen Covid-19 bei Menschen unter einer systemischen Therapie mit einem Biologikum wie Dupilumab etwas geringer ausfallen sollte als bei Gesunden, wird die Impfung empfohlen und ist absolut sinnvoll. Denn nicht nur die Antikörper im Blut sind für die Wirksamkeit einer Impfung verantwortlich. Es gibt auch die sogenannte „zellvermittelte Immunität“ durch spezielle Zellen, beispielsweise T-Zellen. Diese Zellen sind in der Lage, bei einer Infektion mit dem Virus von sich aus eine antikörperunabhängige Antwort auszulösen.

Nebenwirkungen sind gut behandelbar, keine Auswirkung auf Allergien

Die Covid-19-Impfung verschlechtert Allergien nicht und auch von anaphylaktischen Reaktionen wird im Zuge des Impfgeschehens nicht vermehrt berichtet. Nebenwirkungen (besonders Thrombosen) treten in einem sehr geringen Ausmaß auf. Erkrankt man an Corona, ist das Risiko durch die Erkrankung eine Thrombose zu erleiden sehr viel höher als bei der Impfung. Obendrein können Ärzte diese Art von Thrombosen gut behandeln – wesentlich besser als noch vor Monaten. Treten ca. 14 Tage nach der Impfung Kopfschmerzen, Fieber, ungewöhnliche Schmerzen auf, wendet man sich am besten an den Hausarzt. Ein einfacher Blutbefund zeigt an, ob eine weitere Behandlung nötig ist und der behandelnde Arzt wird diese gegebenenfalls in die Wege leiten.

Das sagt der Experte Assoz.-Prof. PD Dr. Patrick M. Brunner

Assoz.-Prof. PD Dr. Patrick M. Brunner

Patienten, die wegen ihrer Atopischen Dermatitis eine systemische Therapie benötigen, sollen sich unbedingt gegen Corona impfen lassen. Die Wirkung der Impfung wird zwar möglicherweise etwas schwächer ausfallen als bei Gesunden, aber sie ist trotzdem der Garant dafür nicht, oder nicht schwer, an Corona zu erkranken.

Die häufigsten Nebenwirkungen wie Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen und eventuell sogar leichtes Fieber, dauern im Normalfall nicht länger als 48 Stunden.

Neben dem persönlichen Schutz trägt jede verabreichte Impfung auch dazu bei dem Herdenschutz einen Schritt näher zu kommen. Laut Virologen kann dieser bei einer Durchimpfungsrate von ca. 70 % erreicht werden. Das würde bedeuten, dass 70 % Geimpfte die Nichtgeimpften schützen (Schwangere, Kinder unter 16 Jahren), da das Virus in der Bevölkerung nicht mehr zirkulieren kann. Die Impfung ist ein rares Gut und man sollte jeden Impftermin wahrnehmen, den man bekommen kann. Nur mit der Impfung ist eine Rückkehr zur Normalität möglich.

Assoz.-Prof. PD Dr. Patrick M. Brunner
Univ.-Klinik für Dermatologie
Medizinische Universität Wien

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