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Neurodermitis: Die Behandlung wird einfacher

Das seit 2017 zugelassene Biologikum Dupilumab gibt es seit kurzem auch als praktische Pen-Anwendung. Darüber hinaus bieten JAK-Inhibitoren, die erst seit Oktober 2020 für Neurodermitis am Markt sind, neue Therapieoptionen. Wir haben alle Fakten für dich im Überblick.

Die Atopische Dermatitis oder Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut. Die Anlage zur Neurodermitis ist vererbbar. Neurodermitis ist nicht heilbar, aber dank neuer Medikamente in den allermeisten Fällen gut therapierbar. Sogenannte monoklonale Antikörper nehmen direkt Einfluss auf die Fehlregulation des Immunsystems und machen Betroffene in vielen Fällen beschwerdefrei.

Wenn das Immunsystem überreagiert

Neurodermitis beruht auf einer Störung der Hautbarriere, weil unter anderem die Hornschicht der Haut nicht dicht ist, der Säureschutzmantel versagt oder die „gute“ Hautflora durch „böse“ Keime verdrängt wird.

Parallel zur Störung der Hautbarriere liegt auch eine Störung des Immunsystems vor. Normalerweise richteten sich die Abwehrmechanismen des Körpers gegen Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren. Durch eine Fehlregulation, wie es bei Neurodermitis der Fall ist, kann es aber vorkommen, dass die Abwehrmechanismen des Körpers überreagieren und an sich harmlose Substanzen (sogenannte Allergene) angreifen. Konkret bedeutet das: Das Immunsystem, das eigentlich vor Schaden schützen sollte, verursacht aufgrund mangelnder Toleranz eine Entzündung, die wiederum die Hautbarriere schädigt.

Basistherapie ist unverzichtbar

Ganz egal mit welchem Therapeutikum deine Neurodermitis behandelt wird, die Basistherapie, also die zweimal tägliche, sorgfältige Hautpflege darfst du auf gar keinen Fall vernachlässigen. Sie ist und bleibt die Grundlage, damit es deiner Haut gut geht. Medizinische Hautpflegeprodukte tragen dazu bei, die angegriffene Hautbarriere zu unterstützen, damit du dich in deiner Haut wohlfühlen kannst.

Monoklonale Antikörper für schwere Fälle

Wenn du an einer schweren Neurodermitis leidest, kann es ein, dass dir dein Dermatologe sogenannte Biologika (monoklonale Antikörper) zur Behandlung deiner Erkrankung verschrieben hat. Diese wirken genau auf den Teil des Immunsystems (Interleukine 4 und 13) ein, der deine Beschwerden auslöst, ohne die Abwehrkraft deines Immunsystems zu beeinflussen.

Seit September 2017 ist der monoklonale Antikörper Dupilumab bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis zugelassen, für die eine Behandlung mit Tabletten oder Spritzen (systemische Therapie) infrage kommt. Dupilumab zeigt bei vielen Betroffenen ausgezeichnete Wirkung bis zu völliger Symptomlosigkeit und verursacht darüber hinaus auch nur wenige und meist gut beherrschbare Nebenwirkungen (in erster Linie Bindehautentzündungen).

Seit August 2019 ist Dupilumab unter den gleichen Voraussetzungen auch für Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr zugelassen. Dieser Wirkstoff ist die einzige zugelassene Möglichkeit zur systemischen Langzeittherapie bei Jugendlichen mit Neurodermitis. Eine Zulassung für Kinder ab 6 Jahren ist in Vorbereitung.

Auf die Behandlung der Neurodermitis mit Cortisonsalben wird man nicht immer ganz verzichten können, aber Dosis und Dauer der Cortisonsalben-Anwendung können durch Dupilumab deutlich reduziert werden. Obendrein ist die Therapie mit Biologika im Verhältnis zu anderen möglichen Therapien (z. B. Lichttherapie) wenig zeitaufwändig.

Erleichterung in der Behandlung mit Dupilumab: Pen oder Fertigspritze?

War Dupilumab bis jetzt als Fertigspritze verfügbar, wurde die Anwendung für die Patienten nun nochmals wesentlich erleichtert. Ab sofort gibt es Dupilumab auch in Pen-Form. All jene, die es bis jetzt eine Überwindung gekostet hatte sich selbst mit einer sichtbaren Nadel zu stechen, profitieren von dieser simplen Darreichungsform: Du setzt den Pen im rechten Winkel auf die Haut am Bauch oder Oberschenkel auf. Durch den Aufsetzdruck wird die Injektion mittels einer Mini-Nadel ausgelöst. Wichtig: Du musst bis zu 20 Sekunden warten, bis ein Klick-Signal ertönt und du den Pen von der Haut abziehen kannst. Nur dann kann die gesamte Menge des Wirkstoffes in die Haut gelangen. Ziehst du den Pen zu früh ab, rinnt ein Teil der Substanz außen an der Haut hinunter, und die volle Wirkung ist nicht mehr gegeben.

Halte dich ganz genau an die Therapieempfehlung deines Arztes

Wenn du den Therapievorschriften deines Arztes nicht folgst, riskierst du, dass die Medikation nicht wirkt. So muss der Wirkstoff Dupilumab pünktlich alle 2 Wochen verabreicht werden. Tipp: Eine Erinnerung am Smartphone verhindert, dass du darauf vergisst!

Bist du auf Reisen und zum Zeitpunkt der nächsten Injektion unterwegs, kannst du Dupilumab bis zu 14 Tage bei Raumtemperatur bis 25 °C mitnehmen. Achte darauf, dass das Medikament immer lichtgeschützt im Überkarton aufbewahrt wird. Wenn du ins Ausland reist, lass dir von deinem Arzt eine Bescheinigung für den Zoll ausstellen, so vermeidest du Schwierigkeiten an der Grenze.

Hast du noch Fragen wegen deiner Behandlung, zögere nicht deinen Arzt darauf anzusprechen. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu deinem Arzt ist der Schlüssel zu deinem Therapieerfolg.

Was hat die Forschung noch gegen Neurodermitis in der Pipeline?

Zulassung für Kinder ab dem 6.Lebensjahr erwartet

Die Entwicklung von Dupilumab ist noch nicht das Ende der medizinischen Forschung. Für Dupilumab wird mit Ende 2020 eine Anwendungserweiterung für Kinder ab dem 6. Lebensjahr erwartet.

JAK-Inhibitoren: Tablette statt Spritze

Im Oktober 2020 wurde ein völlig neues Arzneimittel im Kampf gegen die schwere Neurodermitis zugelassen, die sogenannten JAK-Inhibitoren. JAK ist eine Abkürzung für JAnusKinase. Diese Substanzen sind keine Biologika, sondern sogenannte „small molecules“. Sie hemmen die Aktivität bestimmter Enzyme und unterbrechen daher den Signalweg, der deine Symptome auslöst. JAK-Inhibitoren wirken stark entzündungshemmend und juckreizlindernd. Sie werden einmal täglich in Tablettenform eingenommen, das ist ein Vorteil gegenüber den Biologika, die allesamt gespritzt werden müssen. Sowohl die Wirkung als auch die Nebenwirkungen der JAK-Inhibitoren sind jedoch dosisabhängig. Mit steigender Dosis steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen. Da nicht alle Betroffenen auf die Behandlung mit Biologika ansprechen, birgt diese neue Therapieform eine weitere Möglichkeit eine Neurodermitis-Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Weitere monoklonale Antikörper

In Zukunft werden weitere monoklonale Antikörper auf den Markt kommen. Es werden monoklonale Antikörper sein, die sich gegen Interleukin 13 oder gegen Interleukin 31 richten, die auch für die Beschwerden bei der Neurodermitis verantwortlich sind und einen zusätzlichen Baustein in den Behandlungsmöglichkeiten darstellen werden.

Das sagt der Experte Dr. Martin Zikeli

Dr. Martin Zikeli Hautarzt Dermatologe Wiener Neustadt

Biologika wie Dupilumab haben in den letzten Jahren die Therapie von chronisch entzündlichen (Haut-)Erkrankungen revolutioniert. Die Anwendung von Dupilumab als Pen ist für neue Patienten und für jene, die sich ungern selbst stechen, eine Erleichterung. Jene, die die Verwendung der Einmalspritze gewöhnt sind, werde ich nicht umstellen. Zusätzliche neue Therapiemöglichkeiten für mittelschwere bis schwere Neurodermitis stellen einen großen Erfolg der Forschung dar. Die Zulassung der JAK-Inhibitoren ist eine weitere große Bereicherung. Ich werde sie bei jenen Patienten einsetzen, bei denen mit Biologika kein zufriedenstellender Therapieerfolg erreicht werden konnte. Bitte trotzdem nicht auf die Basistherapie vergessen! Konsequente Hautpflege ist nach wie vor ein Muss.
Dr. Martin Zikeli
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten 
Tel: +43 699 10 900 990

E-Mail: martin.zikeli(at)rosen-villa.at
Web: Gesundheitszentrum Rosenvilla

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