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Neurodermitis: Biologika helfen auch in Zeiten der Corona-Pandemie

Bist auch du zurzeit verunsichert, wie du mit der Biologikatherapie (Dupilumab) bei deiner Neurodermitis umgehen sollst? Lass dich nicht entmutigen, es gibt Empfehlungen aus Fachkreisen, welche Standards jetzt gelten. Daran kannst du dich jetzt orientieren. Ein Interview mit dem Dermatologen Doz. Dr. Paul Sator.

„Alle chronisch entzündliche Erkrankungen, wie die Neurodermitis eine ist, beeinflussen allein durch die Entzündungsreaktion das Immunsystem“, betont gleich zu Beginn der Dermatologe Doz. Dr. Paul Sator, Oberarzt und Leiter der dermatologischen Ambulanz am Krankenhaus Hietzing.

„In der Praxis kann ich beobachten, dass im heurigen Frühjahr die Pollenbelastung extrem ist. Dies führt bei Neurodermitispatienten, deren Erkrankung auch eine allergische Komponente beinhaltet, in vermehrtem Maße zu Juckreiz und Ekzemen. Bei schwerer Atopischer Dermatitis reicht oft eine äußerliche Behandlung mit Cremes und Salben nicht mehr aus und es bedarf einer systemischen Therapie.“

Die Medikamente, die am häufigsten systemisch bei Neurodermitis eingesetzt werden sind Cortison, Cyclosporin A und Biologika. Bei Neurodermitis ist der Monoklonale Antikörper Dupilumab das Biologikum der 1. Wahl. All diese Medikamente beseitigen unerwünschte Reaktionen des Immunsystems. Cyclosporin A und Cortison wirken dabei unspezifisch immunsupprimierend und unterdrücken das Immunsystem in seiner Gesamtheit. Dupilumab hingegeben wirkt immunmodulierend, dieser Wirkstoff unterdrückt also ganz gezielt nur einen kleinen Teil des Immunsystems. Nämlich exakt den, der im Zusammenhang mit der Neurodermitis sozusagen überreagiert.

Dupilumab wird häufig bei mittelschweren und schweren Verläufen der Neurodermitis zur Langzeittherapie bei Erwachsenen eingesetzt. Bei Kindern ab dem 12.Lebensjahr ist Dupilumab überhaupt die einzig zugelassene Langzeit-Therapie.

Neurodermitis gut im Griff mit Dupilumab?

Hast du deine Neurodermitis mit Dupilumab gut unter Kontrolle, bist durch die Corona-Situation aber in Sorge?

Informationsschreiben vom Gesundheitsministerium

In diesen Tagen ergeht ein Schreiben vom Gesundheitsministerium an alle Patienten, die mit systemischen Medikamenten wie z. B. Biologika behandelt werden. Alleine die offizielle Mitteilung, dass man der COVID-19-Hochrisikogruppe zugeordnet wird, verunsichert viele Patienten. Der Brief soll hauptsächlich dazu dienen, dass sich diese Patienten von ihrem Arbeitgeber ohne Einkommensverlust freistellenlassen oder ins Homeoffice verabschieden können. Hier sei angemerkt, dass sich viele Betroffene unter anderem aus Angst vor Jobverlust gar nicht freistellen lassen wollen, sondern weiter arbeiten möchten.

Zurzeit ist es besonders wichtig, ein paar wesentliche Punkte zu beachten:

  • Du solltest also so rasch wie möglich Kontakt zu deinem behandelnden Dermatologen aufnehmen für eine individuelle Risikoanalyse. Wenn du bei einem Allgemeinmediziner bist, sollte dieser für die Risikoanalyse unbedingt Rücksprache mit einem Dermatologen halten. Die Entscheidung, ob man ein Risikopatient ist, oder eben nicht sowie die Fortführung der Therapie liegt beim behandelnden Dermatologen in Absprache mit dir.

  • Ein Biologikum ist nicht mit einem anderen Biologikum zu vergleichen: Dupilumab wirkt nicht generell immunsupprimierend, da es nur auf einen ganz winzigen Teil des Immunsystems einwirkt, nämlich den, der bei dir die Neurodermitis auslöst. Man nennt diese Art der Wirkung „immunmodulierend“. Über die genaue Wirkungsweise kann dich dein Dermatologe aufklären.

  • Wenn du dich gesund fühlst, besteht kein Grund eine Dupilumab-Therapie zu pausieren oder abzubrechen. Dein Arzt hat dir das Biologikum aufgrund deiner Neurodermitits-Symptome verschrieben. Unterbrichst du die Biologika-Therapie, ist zu befürchten, dass deine Neurodermitis wieder aufflammt und du dann zu umfassend immunsupprimierenden Substanzen (Cortisone, Ciclosporin A, Methotrexat etc.) greifen musst, um die Neurodermitis wieder zu beherrschen. Halte diesbezüglich engen (telefonischen) Kontakt zu deinem Dermatologen.

  • Wenn du an Covid-19 oder einer anderen Infektionskrankheit (z. B. Influenza) erkranken solltest, musst du hingegen mit der Biologikatherapie pausieren, bis die Infektion ausgeheilt ist. Das ist der momentane Stand des Wissens. All dies sollte aber in jedem Fall in enger Absprache mit deinem therapieführenden Dermatologen erfolgen. Die Kommunikation mit ihm ist nun besonders wichtig.

  • Es besteht nach neuesten Erkenntnissen kein Grund, nicht neu mit einer Biologikatherapie (Dupilumab) zu beginnen, wenn deine Neurodermitis-Beschwerden schlimm sind. Sprich darüber mit deinem Hautarzt.

Alternativlos: die konservative Therapie

Es versteht sich von selbst, dass auch in Coronazeiten die Basispflege der Haut so durchgeführt werden muss, wie du es ohnehin schon immer gewöhnt warst. Ja, es ist wahrscheinlich, dass du die Pflege deiner Haut sogar noch intensivieren musst, da durch das häufige Waschen z. B. die Hände natürlich mehr strapaziert werden als sonst. Es empfiehlt sich, für die Handpflege eine Creme mit höherem Fettanteil zu wählen, um unnötige Hautprobleme zu verhindern. Auch eventuell von deinem Dermatologen verschriebene Cortison-Cremen kannst und sollst du verwenden, wenn du sie benötigst!

Hygienestandards einhalten

Herr Doz. Sator weist eindringlich darauf hin, dass natürlich auch Neurodermitis-Patienten, die mit Dupilumab behandelt werden, die Hygienestandards sorgfältig einhalten müssen:

  • Mehrmals täglich Hände waschen (20–30 sec.) und/oder desinfizieren
  • Tragen von MNS-Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln, in allen Geschäften und öffentlichen Gebäuden
  • Abstand zu Personen außerhalb der Familie von zumindest einem, besser zwei Metern halten
  • In die Armbeuge husten und niesen „Damit reduziert man das Risiko einer Ansteckung deutlich“, meint Herr Doz. Sator „und es ist vorteilhaft achtsam zu sein, sich aber nicht zu fürchten!“

Interessant zu wissen

Herr Doz. Sator berichtet, dass es aktuell Studien gibt, die den Einsatz von Biologika gegen die Folgen von Covid-19 untersuchen. „Covid-19 ruft im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung hervor, diese ist bekanntlich – wie der Name schon sagt – eine Entzündungserkrankung. Biologika richten sich gegen entzündliche Prozesse im Körper.“ Die Ergebnisse dieser Studien kann man gespannt erwarten.

Das sagt der Experte Doz. Dr. Paul Sator

Dr. Paul Sator Dermatologe Hautarzt Wien Psoriasis Schuppenflechte Spezialist
  • Gerade jetzt besonders wichtig: Vertraue deinem Dermatologen und halte Kontakt zu ihm!
  • Gehe achtsam, nicht furchtsam mit der jetzigen Situation um.
  • Unterbrich deine Biologika-Therapie nicht, wenn du dich gesund fühlst, sie sorgt dafür, dass du dich wohl in deiner Haut fühlst.
  • Zögere nicht deinen Dermatologen zu kontaktieren, wenn du unsicher bist.
  • Und ganz wichtig: Ändere deine Therapie auf keinen Fall ohne deinen Hautarzt.
  • Halte lieber mehr als zu wenig Abstand zu Menschen, die nicht im selben Haushalt leben.
  • Sei zurückhaltend im Kontakt mit älteren Familienangehörigen.

Doz. Dr. Paul Sator
Wahlarzt für Dermatologie in Wien und Niederösterreich

Weitere Infos zum Experten Doz. Dr. Paul Sator

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