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Neue Langzeitbehandlungsmöglichkeit unterdrückt die Ursache bei Atopischer Dermatitis

Die Atopische Dermatitis oder Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut. Die Anlage zur Neurodermitis ist vererbbar. Neue Therapiemöglichkeiten mit monoklonalen Antikörpern nehmen direkt Einfluss auf die Fehlregulation des Immunsystems und machen Betroffene in vielen Fällen beschwerdefrei.

Wenn das Immunsystem überreagiert

Neurodermitis beruht auf einer Störung der Hautbarriere, weil unter anderem die Hornschicht der Haut nicht dicht ist, der Säureschutzmantel versagt oder die „gute“ Hautflora durch „böse“ Keime verdrängt wird. Gleichzeitig mit der Störung der Hautbarriere liegt auch eine Störung des Immunsystems vor. Normalerweise richteten sich die Abwehrmechanismen des Körpers gegen Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren. Durch eine Fehlregulation, wie es bei Neurodermitis der Fall ist, kann es aber vorkommen, dass die Abwehrmechanismen des Körpers überreagieren und an sich harmlose Substanzen (sog. Allergene) angreifen. Konkret bedeutet das: Das Immunsystem, das eigentlich vor Schaden schützen sollte, verursacht aufgrund mangelnder Toleranz eine Entzündung, die wiederum die Hautbarriere schädigt.

Wie kommt es zur Neurodermitis?

Die Haut eines Patienten mit Neurodermitis kann keine natürliche Schutzbarriere aufbauen, sie ist permanent durchlässig. Keime und Allergene können ungehindert eindringen, es kommt schubartig zu Entzündungen. Wasser kann vermehrt aus dem Körper ausdringen und die Haut trocknet sehr leicht aus. Viele andere Faktoren wie die Haut reizende Stoffe (z. B. Seifen, tierische Wolle), Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. Histamin) oder seelische Probleme können den Zustand der Haut obendrein noch beeinflussen. Neurodermitis ist aber nie gleich Neurodermitis. Es kommen alle Schweregrade vor – von leichten Rötungen mit gelegentlichem Juckreiz bis zu schweren, großflächigen und infizierten Ekzemen, die das Wohlbefinden der Betroffenen massiv stören.

Monoklonale Antikörper für schwere Fälle

Für mittelschwere bis schwere Formen der Neurodermitis gibt es seit kurzem eine Therapieoption mit dem monoklonalen Antikörper Dupilumab. Dieser zeigt bei vielen Betroffenen ausgezeichnete Wirkung bis zu völliger Symptomlosigkeit und weist darüber hinaus auch nur wenige und meist gut beherrschbare Nebenwirkungen auf.

Was sind monoklonale Antikörper?

Monoklonale Antikörper gehören in die Gruppe der Biologika, das heißt sie werden auf natürlichem Wege, aber im Labor hergestellt. Monoklonale Antikörper sind außerordentlich spezifisch, das heißt sie richten sich nur gegen einen ganz bestimmten Systemfehler. In Falle der Neurodermitis gegen die Botenstoffe Interleukin 4 und 13, die für die Entzündungsreaktionen mit Juckreiz und Ekzemen maßgeblich verantwortlich sind. Da monoklonale Antikörper so punktgenau wirken, haben sie auch wenige Nebenwirkungen.

Therapie mit Dupilumab bei Erwachsenen und Kindern

Seit September 2017 ist der monoklonale Antikörper Dupilumab bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis zugelassen, für die eine Behandlung mit Tabletten oder Spritzen (systemische Therapie) infrage kommt. Seit August 2019 ist der Wirkstoff unter den gleichen Voraussetzungen auch für Jugendliche ab dem vollendeten 12. Lebensjahr zugelassen.  

Anwendung von Dupilumab

Dupilumab wird alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt. Die Patienten können das nach einer Einschulung durch den Arzt mit einiger Übung selbst durchführen, das erspart den Weg in die Praxis. Die Behandlung muss unbedingt sorgfältig und 14-tägig durchgeführt werden. Außerdem muss das Ansprechen auf die Behandlung regelmäßig überprüft werden. Zeigt sich nach 16 Wochen kein Therapieerfolg, wird die Behandlung abgebrochen.

Wirkung und eventuelle Nebenwirkungen von Dupilumab

Dupilumab eignet sich wegen der guten Verträglichkeit für eine Langzeittherapie sowohl bei Kindern (Jugendlichen) als auch bei Erwachsenen. Studien zeigen, dass sich im Rahmen der Dupilumab-Therapie bei mehr als 70 % der Patienten sowohl der Juckreiz, als auch die Schlafstörungen und das allgemeine Krankheitsgefühl (raue oder schuppige Haut) verbessern. Damit kommt es auch zu einer allgemeinen Steigerung der Lebensqualität. Die häufigsten Nebenwirkungen, von denen berichtet wird, sind Augenentzündungen bzw. trockene Augen. Bei 20 von 100 Personen treten solche auf, sie sind aber meist nur vorübergehend und gut behandelbar.

Was hat die Forschung noch gegen Neurodermitis in der Pipeline?

Die Entwicklung von Dupilumab ist noch nicht das Ende der medizinischen Forschung. Für Dupilumab wird mit Ende 2020 eine Anwendungserweiterung für Kinder ab dem vollendeten 5. Lebensjahr erwartet. Im Laufe diesen Jahres sollen neue monoklonale Antikörper auf den Markt kommen. Diese werden wohl auch spezifisch auf bestimmte Symptome der Neurodermitis einwirken und damit eine Verbesserung für viele Betroffenen darstellen. Tipp: Sprich in jedem Fall deinen Dermatologen darauf an, wenn auch du die neuen Therapieoptionen für dich in Erwägung ziehen möchtest!

Das sagt der Experte Dr. Martin Zikeli

Dr. Martin Zikeli Hautarzt Dermatologe Wiener Neustadt

Unabhängig vom Schweregrad der Neurodermitis darf auf gar keinen Fall die Basistherapie vergessen werden. Das täglich zweimalige sorgfältige Eincremen des gesamten Körpers ist das A & O jeder Neurodermitis-Behandlung. Bei mittelschweren und schweren Fällen zeigt der monoklonale Antikörper Dupilumab exzellente Wirkung, wenn andere systemische Therapien nicht den gewünschten Erfolg bringen. Bei Kindern und Jugendlichen ist Dupilumab die beste Möglichkeit eine systemische Langzeittherapie durchzuführen, da die anderen Therapiemöglichkeiten, die es für Erwachsene gibt, alle für Kinder nicht zugelassen sind.
Dr. Martin Zikeli, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

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