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Die systemische Therapie bei Atopischer Dermatitis

Die Wissenschaft entwickelt immer neue Therapien gegen mittelschwere und schwere Verlaufsformen der Atopischen Dermatitis. Wir haben die aktuellen Therapiemöglichkeiten für dich zusammengefasst!

Atopische Dermatitis, allgemein bekannt unter dem Namen Neurodermitis, ist eine chronisch verlaufende entzündliche Hauterkrankung, die etwa 5 – 20 % der Kleinkinder betrifft. Neurodermitis besitzt eine genetische Komponente, die an die Nachkommen vererbt werden kann. Bei vielen Kindern legen sich die Symptome in der Pubertät. Bei Erwachsenen kann die Erkrankung aber auch schubhaft jederzeit wieder aufflammen, da Neurodermitis zwar symptomlos sein kann, aber eine Heilung nicht möglich ist.

Verlaufsformen unterschiedlicher Schweregrade – von trockener, juckender Haut bis zu schweren, entzündlichen Ekzemen mit bakteriellen Superinfektionen – sind möglich. Natürlich bedürfen unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung auch unterschiedlicher Therapien, die der Hautarzt genau an das jeweilige Beschwerdebild anpassen muss. Das bedeutet gleichzeitig, dass du unbedingt einen Facharzt für Hauterkrankungen aufsuchen sollst, wenn du dich in deiner Haut nicht wohlfühlst!

Moderne Neurodermitis-Therapie

Die moderne Neurodermitis-Therapie basiert auf vier Säulen:

  • Basistherapie
  • Lichttherapie
  • Topische Therapie (in Form von Cremen und Salben)
  • Systemische Therapie (in Form von Tabletten oder Spritzen)

Dein Dermatologe wird gemeinsam mit dir die richtige Therapieentscheidung treffen. Diese wird auch von deinen individuellen Lebensumständen mitbestimmt. Auch die Art der Vorbehandlung spielt eine große Rolle. Weiters sind dein Beruf, deine Familienplanung und deine Hobbys entscheidend. Jemand der beruflich viel reisen muss, kann selbstverständlich nicht fünfmal pro Woche zur Lichttherapie kommen. Ein Pensionist, der genügend Freizeit hat, kann diese Therapie hingegen leichter durchführen.

Leichte bis mittelschwere Verlaufsformen bei Neurodermitis

Die Behandlung aller Schweregrade der Neurodermitis beginnt immer mit einer Basistherapie, die aus sorgfältiger Hautpflege mit feuchtigkeitsspendenden, rückfettenden Pflegeprodukten besteht. Die Hautpflege sollte konsequent und kontinuierlich zweimal täglich erfolgen. Ekzemschübe müssen schnell unter Kontrolle gebracht werden (Akuttherapie) bzw. neue Schübe sollen soweit wie möglich verhindert werden. Dafür werden vor allem Corticosteroide (Cortison) in Form von Salben angewendet. Cortison wirkt rasch und viele Patienten vertragen es gut.

Neueste internationale Richtlinien empfehlen die sogenannte „proaktive Therapie“. Nach der Behandlung des akuten Neurodermitis-Schubes wird z. B. auch nach dem Abklingen des Ekzems über einen längeren Zeitraum ( in der Regel 3 Monate) ein- bis zweimal in der Woche Cortisonsalbe auf die zuvor erkrankten Stellen aufgetragen und so das Wiederaufflammen des Ekzems verhindert. Wichtig: Bei Beginn der Therapie sollte ein ausreichend starkes Cortisonpräparat gewählt werden, um eine Abheilung möglichst rasch zu erreichen.

Lass dir gezielt helfen!

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Für schwere Fälle von Neurodermitis (atopischer Dermatitis) gibt es mittlerweile wirksame und gut verträgliche Medikamente. Nütze die Chance, bei Neurodermitis Beschwerdefreiheit oder zumindest eine spürbare Verbesserung zu erlangen. Dein Dermatologe kennt die neuesten Wirkstoffe – sprich ihn beim nächsten Arztbesuch darauf an und lass dich beraten!

Mittelschwere bis schwere Verlaufsformen

Die Palette der Medikamente ist mittlerweile sehr groß und wird sich in der nahen Zukunft noch erweitern. Bis das richtige Medikament gefunden ist, braucht es jedoch mitunter etwas Geduld.

Orale Glukokortikoide (OCS)

Kann der Hautarzt deine Atopische Dermatitis mit äußerlich angewendeten Kortisonpräparaten (Cremen) nicht ausreichend behandeln, kann er dir ein Cortison verschreiben, das du in Tablettenform einnehmen musst. Dies ist meist Prednisolon, das als Stoßtherapie über einige Tage eingenommen und dann ausgeschlichen wird. Dank dieser Vorgehensweise sind keine Nebenwirkungen der Therapie zu befürchten, die Wirkung ist aber trotzdem sehr gut. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass keine kontrollierten Studien zur Anwendung von systemischen Glucocorticosteroiden im Vergleich zu Placebo oder anderen Medikamenten existieren. Zudem sollten orale Steroide nicht in der Langzeitbehandlung der Neurodermitis eingesetzt werden. Anwendung bei Kindern: Orale Glukokortikoide sind zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen.

Ciclosporin A (CSA)

Spricht die Neurodermitis nicht ausreichend auf die Behandlung mit OCS an, kann der Dermatologe im nächsten Schritt eine Therapie mit Ciclosporin A in die Wege leiten. Ciclosporin A ist ein Immunsuppressivum, das heißt, es unterdrückt die Antwort des Immunsystems auf einen bestimmten Reiz. Ciclosporin A wird ebenfalls als Tablette eingenommen. Dadurch lässt sich die Entzündungsreaktion unterdrücken. Für die Behandlung schwerer Neurodermitis wird eine Kurzzeit- oder eine Intervalltherapie mit Ciclosporin A empfohlen. Dabei verabreicht man zu Beginn der Behandlung den Wirkstoff höher dosiert und reduziert ihn bei einer Besserung der Beschwerden schrittweise auf eine individuelle Erhaltungsdosis, bis die Therapie schließlich ganz abgesetzt oder unterbrochen werden kann. Anwendung bei Kindern: Ciclosporin A ist für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen.

Mycophenolatmofetil (MMF)

MMF gehört auch zur Gruppe der Immunsuppressiva. Mycophenolatmofetil kann bei Neurodermitis (off-label = außerhalb der Zulassung) im Erwachsenenalter erwogen werden, wenn Ciclosporin A nicht wirksam oder ungeeignet ist. Anwendung bei Kindern: MMF ist für die Behandlung von Kindern nicht geeignet.

Azathioprin

Azathioprin wird in angloamerikanischen Ländern seit langem zur Behandlung der schweren Neurodermitis eingesetzt. Azathioprin gehört auch zur Gruppe der Immunsuppressiva und erzielt bei der Behandlung von Neurodermitis teilweise sehr gute Erfolge. Selbstverständlich kannst du eine solche Therapie nur in enger Absprache mit deinem Hautarzt bekommen. Azathioprin kann bei Erwachsenen langfristig (off-label) angewendet werden, wenn Ciclosporin A unwirksam ist. Anwendung bei Kindern: Azathioprin ist zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen.

Methotrexat (MTX)

Auch Methotrexat gehört in die Gruppe der Immunsuppressiva. Es wird nur in der Neurodermitistherapie eingesetzt, wenn andere Möglichkeiten nicht den gewünschten Therapieerfolg gebracht haben. Dann eignet es sich zur langfristigen Erhaltungstherapie. Die Wirksamkeit von Methotrexat bei schwerer Neurodermitis (off-label) wurde in Studien nachgewiesen. Anwendung bei Kindern: Die Anwendung von MTX ist bei Kindern(off-label) in Ausnahmefällen und unter engmaschiger Kontrolle möglich.

Dupilumab (Monoklonaler Antikörper MAB)

Der monoklonale Antikörper Dupilumab ist die stärkste Waffe der modernen Medizin im Kampf gegen mittelschwere und schwere Formen von Neurodermitis. Er gehört zur Medikamentengruppe der Biologika. Das Medikament wird in bestimmten Intervallen gespritzt und erzielt sehr gute Erfolge, in den meisten Fällen ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Bei Erwachsenen und Kindern ab dem vollendeten 12. Lebensjahr wird Dupilumab alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt. Tritt nach 16 Wochen nicht der gewünschte Erfolg ein, ist es sinnvoll, die Therapie zu beenden. Anwendung bei Kindern: Seit August 2019 ist Dupilumab auch für Kinder ab dem vollendeten 12. Lebensjahr zugelassen.

Die Therapie wird alle 14 Tage durchgeführt. Die benötigte Spritze kann nach einer Einweisung durch den Arzt auch von den Eltern verabreicht werden. Tritt im Verlauf von 16 Wochen kein Therapieerfolg ein, wird die Behandlung abgebrochen. Mit einer Alterserweiterung der Therapie auf Kinder von 6–12 Jahren ist Ende 2020 zu rechnen.

Wenn du oder dein Kind unter schwerer Neurodermitis leiden und bisher keine Therapie Beschwerdefreiheit gebracht hat, wende dich an den Dermatologen deines Vertrauens. Er kann möglicherweise auch euch mit Dupilumab helfen.

Gut zu wissen: Es ist davon auszugehen, dass im Laufe der nächsten Jahre sowohl weitere monoklonale Antikörper-Präparate als auch sog. Januskinase-Hemmer zur Behandlung der Neurodermitis zur Verfügung stehen werden. Wende dich unbedingt an deinen Hautarzt, um dich über neue Therapiemöglichkeiten zu informieren!

Seit 1.Mai 2020: Dupilumab als Fertigpen

Der monoklonale Antikörper Dupilumab wird alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt (subkutane Injektion). Bisher stand dieses Medikament als Fertigspritze zur Verfügung. Seit dem 1. Mai 2020 ist Dupilumab nun auch als Fertigpen verfügbar und unterstützt damit Patienten bei der Selbstanwendung. Durch die Einführung des vollautomatischen Fertigpens wird die Selbstinjektion des Biologikums für die Patienten zuhause erleichtert. Beim Auslösen wird zuerst die Nadel in das Gewebe gestochen und unmittelbar danach der Wirkstoff Dupilumab durch die Kanüle appliziert. Für weitere Informationen kontaktiere deinen behandelnden Arzt.

Das sagt der Experte Dr. Rainer Hügel

Dr. Hügel Dermatologe Wien Neurodermitis Psoriasis Spezialist

In der Behandlung der Neurodermitis gibt es verschiedene Möglichkeiten, um gute Therapieergebnisse zu erreichen. Die Art und Weise der jeweiligen Behandlung hängt von der Schwere der Erkrankung, der Einschränkung der Lebensqualität, den Lebensumständen, dem Beruf und den Hobbys der Patienten ab. Schließlich ist auch ein ausführliches Gespräch des Arztes mit dem Patienten notwendig, wobei der Patient genau aufgeklärt wird und die weiteren Behandlungsschritte besprochen werden. So kann man oft schon mit einer proaktiven Therapie sehr gute Ergebnisse erzielen. Ist aufgrund der Schwere der Neurodermitis eine systemische Therapie nötig, sind die oben angeführten Immunsuppressiva (bis auf Ciclosporin A jedoch alle im off-label-use – d.h. ohne Zulassung) und seit 2017 erfreulicherweise der monoklonale Antikörper Dupilumab für die Langzeittherapie bei Erwachsenen möglich. Für die Langzeittherapie bei Kindern ab 12 Jahren ist einzig Dupilumab zugelassen. Im Gegensatz zu Ciclosporin A sind die Nebenwirkungen bei Dupilumab als gering einzustufen, meist sind es Augenentzündungen und trockene Augen, die in der Regel von den Patienten wegen der guten Wirkung gegen die Neurodermitis akzeptiert werden und mit entsprechenden Augentropfen meist auch gut behandelt werden können.

Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Hügel
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten
E-Mail: office(at)ezw-haut.at

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