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Corona-Virus und Neurodermitis: Was du jetzt beim Einsatz von Biologika und systemischen Medikamenten beachten musst

Das Corona Virus hält seit Wochen die Welt in Atem. Besonders Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis, die sich einer dauerhaften Therapie unterziehen müssen, sind durch die Ereignisse verunsichert: Kann ich meine Biologika-Therapie bei Neurodermitis weiter durchführen? Muss ich immunsupprimierende Medikamente absetzen? Wir haben Doz. Dr. Paul Sator, Oberarzt und Leiter der dermatologischen Ambulanz am Krankenhaus Hietzing um Antworten gebeten!

Wie wirken systemische Medikamente auf das Immunsystem?

Leidest du an einer mittelschweren oder schweren Neurodermitis, erhältst du unter Umständen eine systemische Therapie, um deine Erkrankung in den Griff zu bekommen. Die Medikamente, die am häufigsten systemisch bei Neurodermitis eingesetzt werden, sind neben Cortison und Cyclosporin auch Monoklonale Antikörper, sogenannte Biologika. Diese Medikamente unterdrücken unerwünschte Reaktionen des Immunsystems. Cyclosporin und Cortison wirken unspezifisch immunsupprimierend und unterdrücken das Immunsystem in seiner Gesamtheit.

Im Gegensatz dazu wirken Monoklonale Antikörper (bei Neurodermitis kommt der Monoklonale Antikörper Dupilumab zum Einsatz) ganz gezielt. Dupilumab gehört nicht zur Kategorie der Immunsuppressiva, dieser Wirkstoff unterdrückt nur einen kleinen Teil des Immunsystems, nämlich exakt den, der im Zusammenhang mit der Neurodermitis sozusagen überreagiert. Durch Dupilumab werden Th2-gerichtete immunologische Prozesse reduziert, dies nimmt nach bisherigen Kenntnisstand keine zentrale Rolle in der Virus-Abwehr ein. Bis dato wurden in kontrollierten Studien systemische Infekte unter der Behandlung mit Dupilumab nicht vermehrt beobachtet. Hautinfektionen (inkl. das Virus-bedingte Eczema herpeticatum) konnten bei der Behandlung der atopischen Dermatitis sogar signifikant reduziert werden.

Generell gilt: Weder für Dupilumab noch für niedermolekulare Immunsuppressiva gibt es zuverlässige Sicherheitsdaten bezüglich der Frage, ob diese einen Einfluss auf die Empfänglichkeit für eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder auf den Verlauf einer COVID-19 Erkrankung haben.

Corona: Systemische Therapie absetzen oder nicht?

„Eine Dupilumab-Therapie, die bereits im Gange ist, sollte auch in Zeiten von Corona nicht abgebrochen werden“, versichert Doz. Dr. Paul Sator, Oberarzt und Leiter der dermatologischen Ambulanz am Krankenhaus Hietzing und beruft sich dabei auf Veröffentlichungen der AG Biologika , der Deutschen Dermatologie Gesellschaft sowie des renommierten Robert-Koch-Institutes in Berlin.

„Einerseits kann eine aktive, entzündliche Erkrankung selbst für eine Ansteckung durch Virusinfektionen gefährlicher sein als die Therapie dieser Erkrankung und andererseits ist es bei einem Abbruch der Therapie zudem wahrscheinlich, dass die Neurodermitis wieder aufflammt. Besonders Ekzeme im Gesicht sollen nun aber vermieden werden, da man dabei öfter ins Gesicht greift. Das sollte in Coronazeiten unbedingt verhindert werden.“

Der Experte betont außerdem, dass nach dem Absetzen von Biologika unter Umständen andere immunsuppressiv wirksame Medikamente (zB Cyclosporin oder Cortison) verabreicht werden müssen, um die Neurodermitis im Zaum zu halten. Diese können wiederum negative Effekte auf die Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 haben.

Auch bei Therapie mit off-label Medikamenten wie Methotrexat, Mycophenolatmofetil (MMF) und Azathioprin sollst du dich eng mit deinem behandelnden Arzt absprechen und keinesfalls selbständig Änderungen deiner Behandlung durchführen. Die genannten Substanzen können grundsätzlich mit Abwehrmechanismen gegen Viruserkrankungen interagieren. Es ist derzeit nicht bekannt, ob und in welchem Maße die genannten Substanzen SARS-CoV-2-Infekte bei Patienten mit atopischer Dermatitis in besonderem Maße beeinflussen. Das gilt auch für eine Behandlung mit Cyclosporin. Bei nachgewiesenem, klinisch manifesten SARS-CoV-2-Infekt wird bis auf weiteres eine Unterbrechung der Behandlung der atopischen Dermatitis mit diesen Immunsuppressiva vorgeschlagen.

Alle Maßnahmen in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt

Generell soll sich jeder Patient vertrauensvoll telefonisch an seinen behandelnden Arzt wenden, wenn er sich wegen der Therapie in Zeiten von COVID-19 unsicher ist, oder wenn er Anzeichen einer Erkrankung an sich bemerkt.

"Wenn jemand jetzt mit einer immunsuppressiven Therapie beginnen will, würde ich dieses Vorhaben auf einen Zeitpunkt nach Abklingen der Corona-Epidemie verlegen. Dagegen kann nach aktuellem Kenntnisstand eine Behandlung mit Dupilumab (zählt nicht zur Kategorie der Immunsuppressiva) zum jetzigen Zeitpunkt gestartet werden“, so Doz. Sator. „Wenn bei gegebener medizinischer Indikation, das heißt eine moderate oder schwere atopische Dermatitits, die mit topischen Medikamenten nur unzureichend behandelbar ist, kann ein Behandlungsstart mit Dupilumab auch in Zeiten des Coronavirus erwogen werden“.

Welche Therapie kannst du bedenkenlos weiterführen?

Natürlich solltest du deine Basistherapie mit den dir verschriebenen Cremen und Salben sorgfältig und gewissenhaft weiter fortführen – genauso wie du es gewohnt bist, und wie es deiner Haut gut tut. Auch eventuell von deinem Dermatologen verschriebene Cortison-Cremen und topische Calcineurininhibitoren (Tacrolimus und Pimecrolimus) kannst und sollst du verwenden, solltest du sie benötigen!

Vorbeugung besonders wichtig

Gerade bei Patientinnen und Patienten, die an einer chronischen Erkrankung wie Neurodermitis leiden, sei es besonders wichtig, sich an die vorbeugenden Maßnahmen zu halten, um gar nicht erst zu erkranken. Trotz des bekannten Hautbarrieredefekts und der erhöhten Hautempfindlichkeit bei atopischer Dermatitis werden konsequente Handwaschungen- und -desinfektionen empfohlen. Nach der Hautreinigung und –desinfektion wird Menschen mit Neurodermitis und empfindlicher Haut die konsequente Verwendung von rückfettenden Basiscremes empfohlen.

In diesem Zusammenhang verweist Doz. Sator auf die allgemein gültigen Hygienemaßnahmen:

  • Gründliches, oftmaliges Händewaschen: Hände unter fließendes Wasser halten und gründlich einseifen mit nicht-reizenden Seifenersatzstoffen wie Syndets, sowohl Handinnenflächen als auch Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und auch die Fingernägel nicht vergessen. Danach die Hände unter fließend Wasser abspülen. Der Waschvorgang sollte ca. 30 Sekunden dauern. Kindern kann man sagen, sie müssen so lange Hände waschen, wie sie zweimal „Happy Birthday“ singen.
  • Möglichst wenig ins Gesicht fassen, da Mund, Nase und Auge mögliche Eintrittswege für das Virus darstellen!
  • Auf Oberflächen können die Viren bei Raumtemperatur noch vier Tage infektiös sein. Desinfektionslösungen auf der Basis von Ethanhol, Wasserstoffperoxid und Natriumhypochlorit haben sich als gut wirksam erwiesen.
  • Das Haus nur aus unaufschiebbaren Gründen (einkaufen, Apotheke, etc.) verlassen.
  • Mindestens einen Meter Abstand zu fremden Personen halten.
  • Händeschütteln unbedingt vermeiden!
  • Soziale Kontakte außerhalb der Familie meiden!
  • Spaziergänge nur alleine oder mit Personen aus dem selben Haushalt.
  • Abstand zu älteren Personen (Großeltern) halten, diese nicht besuchen.
  • In die Armbeuge oder in ein Taschentuch husten oder niesen.

Was tun im Falle einer Infektion mit Corona?

Der Experte betont: „Bei eindeutigen Anzeichen einer Infektion sollte die systemische Therapie, wie auch bei anderen Infektionserkrankungen (z.B. Grippevirusinfektionen) pausiert werden!“
Halte dich an die allgemeingültigen Verhaltensregeln. Wende dich an die telefonische Gesundheitsberatung und kontaktiere telefonisch deinen Dermatologen um alle weiteren Schritte zu besprechen.
Info-Hotline Coronavirus (0-24 Uhr): 0800 555 621
Telefonische Gesundheitsberatung: 1450

WICHTIG

Die österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) bittet dich und alle Betroffenen bei Fragen rund um deine Therapie telefonisch deinen niedergelassenen Dermatologen zu kontaktieren und dich nicht an die dermatologischen Ambulanzen in den Spitälern zu wenden. Die Ressourcen in den Krankenhäusern müssen zurzeit unbedingt freigehalten werden!
Danke für dein Verständnis!

Das sagt der Experte: Dr. Paul Sator

Dr. Paul Sator Dermatologe Hautarzt Wien Psoriasis Schuppenflechte Spezialist

Die Verunsicherung unter den Patienten ist zurzeit besonders groß. Eine Situation wie jetzt mit COVID-19 ist für alle beängstigend. Brechen Sie Ihre systemische Neurodermitis-Therapie nicht ab, sondern kontaktieren Sie Ihren Dermatologen, wenn Sie Fragen haben, oder sich unsicher fühlen. Halten Sie sich an die Hygiene-Empfehlungen, schränken Sie ihre sozialen Kontakte ein und tun Sie selbst verantwortungsvoll alles dazu, um gesund zu bleiben.

Univ.-Doz. Dr. Paul Sator, Dermatologe
E-Mail: paul-gunther.sator(at)wienkav.at
Tel: + 43 676 3127273
Web: www.hautarzt.cc

Dr. Paul Sator ist spezialisiert auf: Psoriasis, atopische Dermatitis (Neurodermitis) Hautkrebs und operative Dermatologie.
Wahlarzt-Ordination Wien: Paradisgasse 28/4, 1190 Wien
Telefonische Terminvereinbarung: + 43 676 3127273
Wahlarzt-Ordination Niederösterreich: Bahnstraße 13, 3701 Großweikersdorf Telefonische Terminvereinbarung: +43 2955 70214

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