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Neurodermitis verursacht Stress für die ganze Familie

Auch für die Angehörigen von Neurodermitis-Betroffenen ist die Welt nicht in Ordnung und stellt manchmal eine große Herausforderung dar. Nicht zu wissen, wie man helfen beziehungsweise unterstützen kann, schafft manchmal keine gute Voraussetzung für ein harmonisches Familienleben. Dazu kommt, dass sich Betroffene in einer akuten Phase oftmals komplett zurückziehen. Mit welchen Schwierigkeiten Eltern, Geschwister und Freunde von Neurodermitis-Betroffenen kämpfen müssen, welche Fehler ihr vermeiden könnt und wie ihr besser mit der Situation fertig werden könnt!

Neurodermitis oder Atopische Dermatitis ist eine Erkrankung, von der neben dem Betroffenen auch Familienangehörige als auch Freunde mitbetroffen sind. Wenn man täglich das Leid seines Partners oder Freundes sieht, fühlt man sich der Situation völlig hilflos und ratlos ausgeliefert. Es kann manchmal sehr frustrierend sein und ein Gefühl der Ohnmacht auslösen, wenn man sehen muss, wie der geliebte Mensch an Schmerzen bis hin zu Depressionen leidet.

Egal in welcher Weise du mit der erkrankten Person verbunden bist, für dich ist es wichtig zu verstehen, was die Symptome sind/bedeuten und wie es der betroffenen Person mit der Erkrankung tatsächlich geht. Menschen mit Neurodermitis sind in ihrem Alltag schwer eingeschränkt, was bis zu Jobverlust und sozialer Isolierung führen kann. Zudem wird die Krankheit wegen ihrer Symptome tabuisiert, sodass viele Menschen, die damit leben, ihr Leiden verheimlichen. Damit erweist sich besonders die Kommunikation als schwierig, da manche Betroffene aus Scham nur schwer darüber sprechen können.

Was ist Neurodermitis


Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, die aktuell als noch nicht heilbar gilt und in unregelmässigen Abständen immer wieder auftritt. Neurodermitis ist nicht ansteckend und keine Folge mangelhafter Hygiene. Bei Neurodermitis findet eine überschießende Abwehrreaktion des Körpers gegen prinzipiell harmlose Stoffe wie Nahrungsmittel, Hausstaub, Pollen, Tierhaare, etc. statt. Die entzündlichen Hautreaktionen werden als überschießende Abwehrreaktion von den sogenannten Botenstoffen, den Zytokinen, gesteuert. Diese führen über verschiedene weitere Aktivierungen zu Histaminausschüttung und damit verstärkt zu Juckreiz und Entzündungen der Haut.

Das Immunsystem kann aus genetischen Gründen (erbliche Veranlagung) zu dieser Überreaktion neigen. Aber auch schädliche Umwelteinflüsse sowie psychische Faktoren können das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen. Oft werden auch Bakterien als Ursache für Neurodermitis diskutiert, das ist aber nicht ganz richtig: Bakterien sind nicht die Ursache oder der Auslöser, aber auf geschädigter Haut siedeln sich diese Bakterien gerne an und verstärken dadurch die Symptome. 


Während eines akuten Schubes kommt es zu permanentem Schlafmangel, da man aufgrund des oftmals starken Juckreizes nicht schlafen kann. Wenn sich die Beschwerden über mehrere Wochen hinziehen, führt dies unweigerlich zu einem Dauerstress.

Die psychische Belastung


Mag. Karoline Klaushofer-Urlesberger

Neurodermitis beeinträchtigt die Betroffenen auch in psychischer Weise. Wer an einer chronischen Hauterkrankung leidet, hat manchmal das Gefühl, sich für die Erkrankung schämen zu müssen und versucht, diese soweit wie möglich zu verstecken. Unästhetische Schuppen und Hautveränderungen an der Haut bedingt ein Unwohlsein und eine Angespanntheit beim Kontakt mit anderen Menschen. Die Wiener Psychologin Mag. Karoline Urlesberger-Klaushofer appelliert: „Gerade vor dem eigenen Partner sollte man sich nicht verstecken! Sprecht offen über die Erkrankung und die damit verbundenen negativen Gefühle! Dies hilft einem selbst und dem Partner, besser mit der Erkrankung zu leben.“ Wenn sich der Betroffene mitten in einem Schub befindet und sich die Beschwerden über mehrere Wochen hinziehen, wird dieser verständlicherweise immer gereizter. Das Familienleben dreht sich in solch einer Zeit meist nur noch um das Befinden des Betroffenen und Gefühle wie Besorgnis, Ratlosigkeit und Wut wechseln sich gegenseitig ab. „Gerade in dieser Situation ist der offene Umgang mit der Erkrankung besonders wichtig und kann dem Patienten helfen, besser mit seiner Hauterkrankung fertig werden", so die Psychologin. 

Mag. Karoline Urlesberger-Klaushofer, Psychologin

Redet offen über die Erkrankung!

Über die Erkrankung zu sprechen kann eine große Hilfe sein. Schenke deinem Angehörigen, Freund oder Verwandten ein offenes Ohr, um auch besser zu verstehen, wie man in der richtigen Situation helfen kann. Es ist nun einmal eine Tatsache, dass die Haut eines Neurodermitis-Betroffenen nicht ganz normal funktioniert, aber bei Einhaltung bestimmter Regeln kann man auch über eine längere Zeit damit ganz gut leben. Der wirklich entscheidende Punkt im Umgang mit der Erkrankung ist, dass die Krankheit nicht zum Mittelpunkt des Familienlebens wird. Dein Partner darf nie den Eindruck gewinnen, dass die Haut den größten Teil seiner Persönlichkeit ausmacht und dass es ohne Krankheit nicht so wichtig wäre.

Es hat sich in manchen Fällen sogar gezeigt, dass damit Menschen mit einer chronischen Hauterkrankung trotz der Schmerzen kein wirkliches Interesse an einem besseren Hautbild entwickelt und das hat sich natürlich nicht positiv auf den Verlauf der Neurodermitis ausgewirkt.

Jeder Mensch hat verschiedenste Talente und diesen sollte man besondere Aufmerksamkeit entgegenbringen. Es ist einfach wichtig, dass die Familie sehr offen mit dem Thema umgeht und man darüber auch spricht, aber eben nicht immer. Der Betroffene bekommt so reelle Chancen, mit der gesonderten Situation um seine Gesundheit leichter fertig zu werden und ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Die hautinfo.at Gründerin Karin Hafner

Mag. Karin Hafner hautinfo.at Neurodermitis Hilfe

"Auch wenn es mir gerade zu Beginn sehr schwer fiel, aber mit meinen Lieben offen darüber zu sprechen war das Beste, was ich für für mich, meine Familie und meine Freunde tun konnte. Ich habe ihnen gesagt, wie ich mich fühle und was sie tun können, um mir zu helfen. Während eines Schubes fühlte ich mich oft den ganzen Tag erschöpft, ich war unglücklich und kämpfte mit Minderwertigkeitesgefühlen. Ich habe mich völlig isoliert, auch meinen Partner nicht mehr an mich rangelassen. Mein Partner wusste nicht, was er tun sollte beziehungsweise wie er damit umgehen sollte und hat im Stillen mit mir mitgelitten. Nachdem wir endlich miteinander darüber geredet haben, ich ihm erklärte, was in mir vorgeht und wie ich mich fühle, wurde langsam alles besser. Ich habe gelernt, mich klarer auszudrücken, wann ich Hilfe benötige und wann es besser ist, sich zurückzuziehen. 
Meine Offenheit hat auch dazu geführt, dass die Krankheit mein tägliches Leben nicht mehr in so großem Umfang beherrschte und dass ich meine Aufmerksamkeit mehr auf die positiven Dinge des Lebens richten konnte".
Mag. Karin Hafner, Gründerin hautinfo.at

Neurodermitis nicht als Vorwand gelten lassen, aber Verständnis zeigen!

Es ist klar, dass du als Partner Verständnis für gewisse Umstände, welche die Krankheit verursachen, zeigst. Aber ein Zuviel an Entgegenkommen kann destruktiv sein, denn bestimmte „Sonderrollen“ werden vom Führen eines normalen Lebens abhalten. Die Krankheit darf nicht als Vorwand für besondere Vorteile in der Familie genommen werden! Jeder Mensch braucht Zuwendung und es ist ganz selbstverständlich, dass man als Partner dazu geneigt ist, dem kranken Partner besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Aber es darf nicht über ein gesundes Maß hinausgehen. Ein Hautproblem darf keine Entschuldigung auf Dauer für Fehlverhalten, Faulheit, Gemeinheiten und Egoismus sein.

Versuche lieber, deinen Partner zum Reden zu bringen. Wenn man gemeinsam über die Probleme durch die Krankheit spricht, werden die Hautsymptome an sich dadurch zwar nicht gelöst, aber die gesamte Familiensituation kann sich zum Positiven entwickeln.

Zeige Mitgefühl, lass ihn aber zeitgleich wissen, dass dies für dich auch Kraft kostet. Ihr solltet versuchen, zum Wohle der gesamten Familie das Beste aus der Situation zu machen. Es bringt wenig, wenn man einem von einer Hauterkrankung Betroffenen sagt, dass es gar nicht so schlimm sei und er solle sich doch „zusammenreißen“. Solche Aussagen können einen Betroffenen besonders schmerzen. Für jemanden, der nicht mit dem Hautproblem leben muss, ist dies schwer nachzuvollziehen.

Aber du bist grundsätzlich auf dem richtigen Weg: Dein Partner sollte selbst erkennen, dass keiner so genau hinschaut wie er selbst. Man ist zu sich selbst immer am kritischsten. Du hilfst am meisten, wenn du die Persönlichkeitsentwicklung unterstützt und Selbstvertrauen aufbaust. Wer nach außen eine positive Ausstrahlung haben möchte, muss sich selbst erst nach innen hin so annehmen wie er ist, mit einer schönen, aber auch mit einer nicht so schönen Haut.

Es tut gut zu wissen, wo die Krankheit herkommt und dass niemand Schuld daran hat. Oft ist es auch hilfreich, Erfahrungen mit alltäglichen Konflikten, Therapien oder schwierigen Situationen mit Gleichgesinnten auszutauschen. Gerade in Phasen der Verzweiflung tut es gut zu wissen, dass es anderen Angehörigen von Betroffenen genauso geht. Wie man „richtig“ damit umgeht, ist sicher individuell unterschiedlich und kann nicht verallgemeinert werden. Wir wollen auch Angehörige dabei unterstützen, die Krankheit und den Betroffenen besser zu verstehen und damit die Situation für alle Beteiligten zu erleichtern.


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