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Neurodermitis: Unschöne Haut hemmt in der Partnerschaft und beim Sex

Neurodermitis bestimmt das Leben in vielen Bereichen – auch Partnerschaft und Sexualität gehören dazu. Damit körperliche Nähe trotz der Erkrankung liebevoll gelebt werden kann, braucht es Offenheit und Verständnis auf beiden Seiten sowie die Gewissheit: Du bist mehr als deine Haut! Im Interview dazu die Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin Mag. Doris Wolf.

Als chronisch entzündliche Hauterkrankung begleitet Neurodermitis (Atopische Dermatitis) Betroffene ein Leben lang. Neurodermitis manifestiert sich bereits im Kindesalter, in vielen Fällen verschwindet die Erkrankung mit der Pubertät. Jedoch gibt es viele Jugendliche und Erwachsene, die zumindest zeitweise und schubhaft an neurodermitisbedingten Ekzemen unterschiedlicher Schweregrade leiden – mit teilweise massiven Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden. Denn die Angst vor Kränkung oder Zurückweisung kann in Isolation und Vereinsamung münden und die Krankheit wieder anfeuern und verschlimmern.

Mag. Doris Wolf ist eine anerkannte Expertin, wenn es um die seelische Gesundheit von Neurodermitis-Patienten geht. Sie kennt wie keine andere die Probleme, die bei dieser chronischen Erkrankung in Bezug auf Partnerschaft und Sexualität entstehen können.

Juckreiz und Ekzeme haben Einfluss auf die Sexualität

Der ständige Juckreiz, die Schmerzen und das unschöne Hautbild machen schlechte Laune, nervös und aggressiv. Gestörtes Empfinden beeinflusst natürlich auch Partnerschaften und Sexualität. „Denn empfindet man sich selbst nicht als attraktiv oder mit einem Makel behaftet, kann die andauernde Beschäftigung mit dem belastenden Erscheinungsbild dazu führen, dass ein Betroffener meint, dass er so, wie er aussieht, einfach nicht begehrt und geliebt werden kann. Sexuelle Unlust sowie, im Speziellen, bei Frauen Orgasmusstörungen und bei Männern Erektionsstörungen, können die Folge davon sein“, weiß Frau Mag. Wolf aus unzähligen Patientengesprächen.

„Insgesamt lässt sich sagen, dass Menschen mit Neurodermitis eine störungsanfälligere psychosexuelle Entwicklung durchlaufen. Der Juckreiz spielt in der Bedeutung des sexuellen Erlebens eine zentrale Rolle, begleitet von sexuellen Ängsten, manchmal auch von Schmerzen.“

Lieben trotz Schuppenflechte

Erwachsenwerden mit Neurodermitis

Die Pubertät ist schon für Jugendliche ohne chronische Erkrankung eine herausfordernde Zeit – umso mehr für Heranwachsende mit Neurodermitis. In dieser Zeit lösen sich die Kinder vom Elternhaus, die Freunde treten an die Stelle der Familie. Jetzt ist es besonders wichtig dazuzugehören.

Vielfach werden Jugendliche in der Schule und in der Clique gehänselt, „gedisst“ und ausgeschlossen. Das nagt am Selbstwertgefühl, macht traurig und auch wütend. Frau Mag. Wolf erklärt: „Während dieser Identitätsfindungsphase orientieren sich Jugendliche an Gleichaltrigen bzw. an Vorbildern, die ihnen imponieren. Die sozialen Medien (Photoshop) liefern ihnen dazu optische Benchmarks, die ein Mensch im realen Leben nur schwer erreichen kann. Wenn dann auch noch sichtbare Ekzeme, gerötete und schuppige Haut im Spiel sind, können diese Schamgefühle nähren, Selbsthass schüren und den Selbstwert in den Keller schicken.“

Statt offen über ihre Probleme zu reden, ziehen sich jugendliche Neurodermitis-Patienten aus Angst vor Verletzung oft zurück. Das äußere Erscheinungsbild zeigt das „Anderssein“. Viele Betroffene berichten davon als Außenseiter abgestempelt zu werden, aber auch von Mobbing. Dies kann zu sozialem Rückzug und Einsamkeit führen. Aus genau diesen Gründen tun sie sich meist auch viel schwerer erste Partnerbeziehungen aufzubauen.

Die schwierige Sache mit der ersten Liebe

In der Pubertät und dem damit verbundenen Gefühlschaos reden alle vom ersten Sex. Mit unschöner Haut fühlt man sich dann doppelt „nervöser“, ja, im schlimmsten Fall sogar hässlicher. Es scheint fast unmöglich vom ersten großen Schwarm so angenommen zu werden, wie man ist. Erste Annäherungsversuche verlaufen daher meist sehr zögerlich.

„Gerade in dieser Zeit ist das Familienumfeld besonders gefordert, den Jugendlichen den Rücken zu stärken, sie darin zu unterstützen ihre Erkrankung offen anzusprechen und so Bedenken und Unsicherheiten auszuräumen“, sagt Frau Mag. Wolf, die in ihrer Praxis viele Neurodermitis-Patienten jeden Alters betreut.

Reicht die Begleitung durch die Familie oder enge Bezugspersonen nicht aus, sollte man nicht zögern fachmännischen Rat durch einen Psychologen einzuholen. „Reden löst Blockaden, man kann lernen seine Lebenssituation zu akzeptieren, sich selbst so anzunehmen, wie man ist, auf diese Weise die Krankheitslast vermindern – das kann enorm erleichtern!“, ist die Expertin überzeugt.

Wie sag ich’s meinem Partner?

Viele erwachsene Neurodermitis-Patienten leiden unter genau den gleichen Ängsten wie die Jugendlichen, denn das Gefühl nicht der Norm zu entsprechen, setzt sich auch im Erwachsenenalter fort. Selbst in langjährigen Partnerschaften herrscht oft Scham, sich im Licht vor dem Partner auszuziehen. Gerade in Bezug auf Sex kann Neurodermitis daher wahnsinnig belastend sein – die Angst vor Zurückweisung, Verletzung oder gar Spott ist ständig präsent.

„Paarbeziehungen leben vom Wechselspiel von Nähe und Distanz. Menschen mit Neurodermitis können zu einem verstärkten, oft unbewussten Distanzbedürfnis neigen, um sich in einer Beziehung „sicher“ zu fühlen. Distanz verschafft ihnen Sicherheit davor, sich verletzlich zu zeigen, selbst verletzt zu werden. Kommt man Menschen mit einem größeren Distanzbedürfnis emotional zu nahe, können sie sich bedroht fühlen. Kränkungen, Beleidigungen oder gar Sarkasmus gegenüber dem Partner können hilflose Lösungsversuche darstellen, die nötige Distanz wieder herzustellen“, erklärt Frau Mag. Wolf.

Unsicherheit und eine geringes Selbstwertgefühl gehen oft mit chronischer Eifersucht einher. Das Hadern mit dem eigenen Körperbild kann dazu führen, dass Menschen mit Neurodermitis zu mehr Misstrauen neigen und dementsprechend reagieren. Daher kann es in Beziehungen häufiger zu Missverständnissen sowie Konfliktsituationen kommen und eine Liebesbeziehung ganz schön belasten.

Offen darüber sprechen

Umso wichtiger ist es, offen mit dem Thema umzugehen. Wer sich noch nie mit der Erkrankung befasst hat, braucht Zeit und vor allem Informationen, um Vorbehalte und Ängste zu überwinden. Hier gilt es zum Beispiel zu vermitteln, dass die Hauterkrankung nicht ansteckend ist und nicht aufgrund von mangelnder Hygiene entstanden ist.

Gleichzeitig sollten schwierige Situationen im Vorfeld angesprochen werden: Etwa ein gemeinsamer Schwimmbad-Besuch, bei dem neugierige Blicke von anderen Badegästen zu erwarten sind oder die vielen unsensiblen Fragen, mit denen man im Alltag konfrontiert werden könnte.

Ein wichtiges Thema ist auch die Intimität: Was fühlt sich gut an, welche Körperstellen schmerzen momentan aufgrund der Erkrankung? Wenn der Partner weiß, warum manche Berührungen heute nicht möglich sind, können daraus keine Missverständnisse oder Verletzungen entstehen.

Neurodermitis Sex Sexualität Intimität

Was bedeutet das für Partnerschaft und Sexualität?

In stabilen wertschätzenden Paarbeziehungen kann Sexualität trotz Neurodermitis ein selbstverständlicher Gesundheits- bzw. Wohlfühl-Faktor sein, der auf gegenseitigem Vertrauen, Nähe und Liebe aufgebaut ist.

Mit einem neuen Partner wird die Paarbeziehung anfangs schwieriger sein, besonders dann, wenn Scham und Angst das Klima beherrschen, weil der Neurodermitis-Patient unter einem geringen Selbstwertgefühl leidet. Verunsicherung kann durch den Ausschlag auf der Haut auftreten, aber auch durch andere Faktoren: Die raue, schuppige Haut fühlt sich nicht gut an, manchmal– während eines Schubes – riecht die Haut auch nicht gut, z. B. bei nässenden Ekzemen. Dazu riechen die medizinischen Cremes und Duschgels oft eher unangenehm – das reduziert das subjektiv empfundene Wohlfühlen zusätzlich.

Tipps, wie entspannte Partnerschaft trotz Neurodermitis gelingt

  • Faktor Zeit: Lass dir Zeit das Vertrauen zu deinem Partner aufzubauen. Überstürze nichts und lass dich niemals zu etwas drängen, was dir unangenehm ist. Dein Körper, deine Regeln!
  • Keine Sexualität aus reiner „Pflichterfüllung“: Aus Angst den Partner zu verlieren. Das törnt auf lange Sicht total ab, sowohl den „Pflichterfüller“ als auch den „Empfänger“ und führt unweigerlich zu andauernder sexueller Unlust.
  • Rede mit deinem Partner: Darüber, was dich bedrückt und wie deine Krankheit verläuft. Erkläre, dass du niemanden anstecken kannst und dass du in vielen Dingen ganz normal leben kannst – nur eben nicht in allen.
  • Sprich offen darüber: Wenn dich gerade Ekzeme (auch im Genitalbereich) plagen. Wenn dein Partner weiß, warum du momentan keine Lust hast, muss er nicht die Ursache für deine Zurückweisung bei sich suchen.
  • Suche dir Unterstützung von außen: Psychologen und/oder Dermatologen helfen, wenn du nicht weiterweißt. Es gibt verschiedenste Möglichkeiten deine Ängste, Sorgen und Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Du musst nicht (mehr) leiden – dein Dermatologe findet die passende Therapie für dich!

Zwar ist Neurodermitis nicht heilbar im klassischen Sinne, aber in vielen Fällen kann mittlerweile durch neue Therapieformen Symptomfreiheit erreicht werden. Mit der Entwicklung sogenannter Biologika, das sind Monoklonale Antikörper Präparate, können nun auch Menschen mit schwerer Neurodermitis sehr gut behandelt werden. Diese nebenwirkungsarme Therapie hat schon vielen Neurodermitis-Patienten zu einer (fast) makellosen Haut verholfen und dadurch auch zu einem neuen Lebensgefühl.

Monoklonale Antikörper, wie zum Beispiel der Wirkstoff Dupilumab, werden in 14-tägigen Abständen unter die Haut gespritzt, die Darreichungsform mittels Pen ist einfach selbst anzuwenden und auch für Menschen geeignet, die sich vor Spritzen fürchten. Dieser Wirkstoff ist für Erwachsene und Kinder ab dem 6. Lebensjahr zugelassen. Dein Dermatologe kennt alle neuen Therapieformen, sprich ihn bei deinem nächsten Termin darauf an!

Wichtig: Hat sich dein Zustand in der letzten Zeit verschlechtert, oder hast du den Eindruck, dass deine konventionelle Therapie nicht mehr ausreicht? Dann wende dich rasch an einen Dermatologen. Er kann dir helfen, dass du dich wieder wohl in deiner Haut fühlst und somit auch dein Liebesleben genießen kannst.

Hole dir psychologische Unterstützung

Der Psychologe ist für dich da, wenn du in der Kommunikation mit deinem Partner nicht weiterkommst, wenn dich Schamgefühl und Verlustängste blockieren und du dich mit niemandem zu reden traust. Wenn du viel Stress hast, kann das zu Schüben führen. Das bedeutet nicht, dass deine Therapie nicht mehr wirkt. Auch hier kann der Psychologe dir helfen, deinen Stress in den Griff zu bekommen und dir Entspannungsmethoden zeigen.

Hier kannst du loslassen, über deine Ängste sprechen und wertvolle Techniken erlernen, wie du z. B. Juckreiz so begegnen kannst, dass du dich nicht unentwegt kratzen musst. Auch dein Selbstwertgefühl und dein Mut werden im Gespräch gestärkt, sodass du deinen Alltag mit Optimismus gestalten kannst. Falls du Angst vor so viel Offenheit hast: Psychologen unterliegen genauso wie Ärzte der Schweigepflicht.

Das sagt die Expertin Mag. Doris Wolf

Mag. Doris Wolf Klinische Psychologin Neurodermitits

Menschen mit Hauterkrankungen fokussieren sich meist völlig auf das Zustandsbild der Haut und beobachten sich ängstlich. Interessanterweise überschätzen sie dabei die ablehnende Haltung ihrer Mitmenschen immer wieder. Denn meistens fällt der für sie so riesige Mangel den anderen gar nicht (in dem befürchteten Ausmaß) auf. In einer wertschätzenden Partnerschaft wird die Neurodermitis meist nur ein geringer Störfaktor sein. Die Voraussetzung dafür können Patienten selbst schaffen, indem sie einen möglichst guten Weg finden mit der Erkrankung zu leben – dafür gibt es wertvolle Hilfe durch Experten. Psychologen können zum Beispiel helfen, den Juckreiz zusätzlich mithilfe von verschiedenen Verhaltenstechniken in den Griff zu bekommen. Sie sind außerdem wichtige Ansprechpartner in allen Belangen der Krankheitsbewältigung und bei Stress oder Problemen in der Partnerschaft. Ganz wichtig: Das Erscheinungsbild der Haut hat nichts mit dem Wert eines Menschen zu tun. Wir sind mehr als unsere Haut, dürfen geliebt und wertgeschätzt werden – ganz egal ob mit oder ohne Neurodermitis.
Mag. Doris Wolf
Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

Weitere Informationen unter doriswolf.at

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