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Diagnose Neurodermitis: Was Du als Familienmitglied tun kannst

Mit der Hauterkrankung verändert sich nicht nur das Leben der Patientin oder des Patienten selbst, die Diagnose stellt auch das gesamte Familienleben auf den Kopf. Um die Herausforderung gemeinsam zu meistern, gibt es unterschiedliche Ansätze. Wir haben wertvolle Tipps für dich zusammengestellt!

Die Herausforderungen mit denen Neurodermitis-Patienten kämpfen müssen, sind vielfältig: Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Depressionen gehören ebenso dazu wie Ängste oder Phasen extremer Krankheitsschübe.

Besonders belastend ist für viele Neurodermitiker auch ihr Aussehen. Das Hautbild entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal und das kann oft zu Scham- oder fehlendem Selbstwertgefühl führen. Aufgrund von möglichen Stigmatisierungen durch die Umwelt, negativen Erlebnissen, Hänseleien oder Abwertungen kann es zu großer Unsicherheit kommen.

In der Partnerschaft kann das als sehr belastend empfunden werden, auch die Sexualität ist oft beeinträchtigt. Die Haut schmerzt, nässt oder schuppt, das körperliche Wohlbefinden leidet. Das kann leidenschaftliches Empfinden sowie körperliche Zweisamkeit stark einschränken. Besonders wichtig ist es in diesem Zusammenhang, das Selbstbewusstsein, die Selbstakzeptanz der Betroffenen zu stärken und vor allem auf die Bedürfnisse des Patienten emphatisch einzugehen. Das kann auch das unmittelbare Umfeld vor große Herausforderungen stellen.

Haut und Psyche Blick in den Spiegel Neurodermitis Schuppenflechte Akne
Neurodermitis: Wenn der Bilck in den Spiegel in der Seele schmerzt

Rücksichtnahme im Alltag

Der Alltag mit Neurodermitis ist belastend und erfordert von Familienangehörigen sehr viel Rücksichtnahme und Verständnis. Denn die Erkrankung verlangt von den Betroffenen viel Disziplin und Achtsamkeit bezüglich des Lebensstils: vor allem bei der täglichen Hautpflege. Das kann mitunter sehr anstrengend sein, zu rascherem Ermüden bzw. Erschöpfung führen und viel Zeit in Anspruch nehmen. Zeit und Energie, die dann in anderen Lebensbereichen fehlen können, was zu den „normalen“ Alltags- und Lebensbelastungen noch zusätzlich stressen kann.

Was du im Umgang mit einem an Neurodermitis erkrankten Familienmitglied unbedingt beachten solltest: Überfürsorglichkeit kann für den Betroffenen zur Belastung werden, genauso wie zu wenig davon. Versuche daher ein gutes Mittelmaß zwischen persönlicher Unterstützung und dem Gewähren ausreichender Freiräume zu finden. Im Zweifelsfall frag einfach beim Betroffenen selbst nach.

Neueste Entwicklungen in der Medizin

Im Kampf gegen schwere Verlaufsformen der Neurodermitis findet die Forschung immer neuere, punktgenauere Therapien. Die jüngste Entwicklung sind monoklonale Antikörper-Präparate, die ganz genau auf den Mechanismus der Neurodermitis Einfluss nehmen und oftmals zu gänzlicher Beschwerdefreiheit führen können. Der bekannteste monoklonale Antikörper im Bereich der Neurodermitis-Therapie ist das seit 2017 zugelassene Dupilumab, weitere finden sich derzeit noch in klinischen Studien. Dupilumab ist für Erwachsene und Jugendliche ab dem vollendeten 12. Lebensjahr zugelassen. Sprich auf jeden Fall mit deinem Dermatologen bei deinem nächsten Besuch über diese neuen Therapieoptionen, wenn du mit deinem jetzigen Behandlungsschema noch nicht ganz zufrieden bist.

Diese Techniken können helfen

Wenn ein Familienmitglied von dir an Neurodermitis erkrankt ist, dann könnt Ihr gemeinsam nach Möglichkeiten suchen, um die Beschwerden so gut wie möglich zu lindern. Dabei spielt nicht nur die richtige Hautpflege und entsprechende medikamentöse Behandlung eine Rolle, sondern vor allem auch das psychische Wohlbefinden. Hier können verschiedene Entspannungstechniken besonders hilfreich sein.

Habit-Reversal-Technik

Gegen den Juckreiz hat sich etwa die Habit-Reversal-Technik bewährt. Dabei lernen Menschen, das Jucken bewusst wahrzunehmen und, anstatt automatisch zu kratzen, den Juck-Kratz-Kreislauf zu unterbrechen. Anstatt des Kratzens können sie beispielsweise fest auf die juckende Stelle drücken, drauf klopfen oder sich vorstellen, wie kühlendes Wasser über die Stelle läuft.

Methoden aus der Klinischen Hypnose

Auch Methoden aus der Klinischen Hypnose können hilfreich eingesetzt werden, um den Juckreiz in eine neutrale Empfindung umzuwandeln bzw. seine Wahrnehmung zu verändern. Als Neurodermitis-Patient kannst du Selbsthypnose lernen und diese Techniken dann außerhalb der Psychologischen Praxis selbst anwenden.

Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson

Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) kann Neurodermitis-Patienten helfen, die innere Anspannung zu lösen. Möglich wird das durch gezieltes Anspannen und Loslassen der Muskeln. Das fördert die Durchblutung und kann zu einem allgemeinen Entspannungsgefühl beitragen.

psychologische Unterstützung Hauterkrankung Neurodermitis
Psychologische Untesrstützung hilft zu besserem Umgang mit Neurodermitis

Neurodermitis als Familienangelegenheit

Besonders wenn Kinder von Neurodermitis betroffen sind, wird das Familienleben mitunter hart auf die Probe gestellt. Kinder mit einer Erkrankung benötigen oft mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit als ihre Geschwister. Das kann zu Rivalitäten führen und natürlich auch die Eltern besonders fordern. In vielen Fällen wird die Erkrankung zur Belastungsprobe der Paarbeziehung. Die Sorge um das Kind und die empathische Fürsorge können auch mit Gefühlen der Überforderung einhergehen.

Auch Ärger oder Wut auf das Kind, wenn es nicht mit dem Kratzen aufhört oder sich unachtsam ernährt, sind Gefühle, denen man durchaus auch Raum geben soll. Gerade in diesen Fällen ist es ganz klar empfehlenswert, sich professionelle Unterstützung zu holen: Es gilt die Ressourcen der pflegenden Angehörigen zu stärken und zu stabilisieren. Der wichtigste Schritt in Richtung mehr Lebensqualität trotz chronischer Erkrankung ist es, die Erkrankung akzeptieren und annehmen zu lernen, denn eine Erkrankung wie die Neurodermitis begleitet Dich ein Leben lang. Das ist nicht immer so einfach. Hier kann die fachmännische Begleitung durch Psychologen gut helfen.

Psychologische Hilfe macht Sinn

Die Diagnose Neurodermitis kann rasch zu einer Überforderung führen, nicht nur für die Betroffenen selbst – sie stellt auch Familien und Partnerschaften vor eine völlig neue Lebenssituation. Wer mit der Erkrankung leben muss, steht immer wieder vor der Frage: „Wie soll es jetzt mit meinem Leben weitergehen, welche Möglichkeiten habe ich?“. Diese Unsicherheit kann sich natürlich auch auf alle engen Bezugspersonen auswirken. Daher ist es in dieser Situation oft eine wertvolle Hilfe, sich an einen Psychologen zu wenden – je früher, desto besser.

So können eventuelle psychische Belastungen minimiert und unerwünschte Krankheitsfolgen, wie Depressionen oder Ängste, bestmöglich eingedämmt bzw. verhindert werden. Denn, so wie jede körperliche Erkrankung Auswirkungen auf die Psyche hat, hat wiederum das psychische Befinden, die Stimmung, Auswirkungen auf die körperliche Erkrankung. Bei entzündlichen Hauterkrankungen wie der Neurodermitis, weisen Studien aus der psychoneuroimmunologischen Forschung eindeutig darauf hin, wie wichtig das psychische Wohlbefinden ist, um den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen zu können bzw. symptomfreie Zeiten bestmöglich auszudehnen.

Wie lange dauert eine psychologische Betreuung?

Klinische Psychologen arbeiten auf Honorarbasis. Die Behandlungskosten sind oft eine finanzielle Herausforderung, da notwendige Cremen und andere Heil- bzw. Hilfsmittel das Familienbudget ebenfalls außergewöhnlich belasten können. Klinische Psychologen arbeiten sehr effektiv und lösungsorientiert. Nach durchschnittlich 5–10 Einheiten ist meist vorläufig einmal, ein praktikabler „Behandlungsrucksack“ mit Anleitungen zur Selbsthilfe für den Lebensweg durch die chronische Erkrankung gepackt. Das kann individuell natürlich variieren. Beim Lernen neuer Dinge ist es zielführend, das Gelernte regelmäßig zu üben, um es bei Bedarf anwenden zu können und eventuell hin und wieder eine „Auffrischungseinheit“ beim Psychologen in Anspruch zu nehmen. Auch hier kannst du als Familienmitglied wertvolle Unterstützungsarbeit leisten!

Lass dir gezielt helfen!

Schulmedizin Dermatologe Hautarzt Urtikaria Psoriasis Schuppenflechte Spezialist

Für schwere Fälle von Neurodermitis (atopischer Dermatitis) gibt es mittlerweile wirksame und gut verträgliche Medikamente. Nütze die Chance, bei Neurodermitis Beschwerdefreiheit oder zumindest eine spürbare Verbesserung zu erlangen. Dein Dermatologe kennt die neuesten Wirkstoffe – sprich ihn beim nächsten Arztbesuch darauf an und lass dich beraten!

Multidisziplinäre Behandlung: Best-Practice-Modell

Das wichtigste Anliegen von Psychologen ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Dermatologen. Ideal wäre es, den Klinischen Psychologen schon bei der Diagnosestellung durch den Hautarzt hinzuzuziehen, um den Betroffenen und seine Familienmitglieder emotional aufzufangen zu können. Eine psychologische Begleitung kann euch helfen, mit Ängsten und Sorgen besser umzugehen und weitreichende psychische Folgen von Anfang an zu verhindern.

Das sagt die Expertin Mag. Doris Wolf

Mag. Doris Wolf Klinische Psychologin Neurodermitits

Wie bei allen chronischen Erkrankungen kann die Diagnose Neurodermitis mit vielen Ängsten und Sorgen behaftet sein. Manche Eltern neigen dazu ihre kranken Kinder „überzubetreuen“, was bei diesen und eventuellen Geschwisterkindern zu schwierigen Situationen führen kann. Jugendliche und Erwachsene leiden aufgrund ihres Aussehens oft unter persönlichen Krisen, die durch deutlich sichtbare Ekzeme, den Juckreiz und unter Umständen auch durch soziale Ablehnung in der Schule oder am Arbeitsplatz, gehörig am Selbstwertgefühl nagen können. Auch Probleme in der Partnerschaft und Sexualität sind mit der Verringerung des Selbstwertgefühls verknüpft. Klinische Psychologen können mit erprobten Techniken helfen, gegen den Juckreiz anzugehen, das angeschlagene Ego wieder aufzubauen, die Krankheit akzeptieren zu lernen, um eine bestmögliche Lebensqualität zu erreichen. Wie bei allen psychischen Problemen gilt auch hier: Je eher man sich von Profis helfen lässt, umso besser.
Mag Doris Wolf, Klinische Psychologin u. Gesundheitspsychologin

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