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Neue Biologika-Therapie bei Neurodermitis schenkt Jugendlichen Hoffnung

Atopische Dermatitis ist eine sichtbare Erkrankung und bedeutet gerade in der Pubertät eine enorme psychische Belastung. Die innovative und derzeit einzige Langzeittherapie mit dem Biologikum Dupilumab ist seit Anfang 2021 auch für Kinder ab dem 6. Lebensjahr zugelassen und verspricht gute Aussichten auf ein Leben ohne Neurodermitis.

Die Diagnose Neurodermitis wird meist schon im Kindesalter gestellt. Oftmals verändert sich die Erkrankung mit dem Eintritt der Pubertät, manchmal verschwindet sie sogar gänzlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass der betreffende Jugendliche geheilt ist – er durchläuft nur eine symptomlose Zeit. Die Krankheit kann etwa durch Krisensituationen jederzeit wieder aufflammen.

Ist Neurodermitis vererbar?

Die Anlage zur Neurodermitis wird oft vererbt. Hat ein Elternteil eine atopische Erkrankung, liegt das individuelle Risiko eine Neurodermitis zu entwickeln bei 40 Prozent und bei 80 Prozent wenn beide Eltern an Neurodermitis leiden. Etliche Therapien, die Erwachsenen Erleichterung bringen können, sind für Jugendliche nicht zugelassen. Anders ist das mit der neuen Therapiemöglichkeit der Biologika.

Neurodermitis bei Jugendlichen: Behandlung mit Biologika

Biologika als Meilenstein in der Neurodermitis-Therapie Biologika sind Produkte, die im Labor aus organischen Zelllinien hergestellt werden. Zu der Gruppe der Biologika zählen auch die monoklonalen Antikörper. Diese greifen ganz gezielt und sehr spezifisch nur in einen kleinen Prozess im Körper ein und blockieren so zum Beispiel die Entzündungsreaktion bei Neurodermitis. So ein monoklonaler Antikörper ist Dupilumab. Er wird mit großem Erfolg schon seit dem Jahr 2017 bei Erwachsenen im Kampf gegen die atopische Dermatitis eingesetzt.

Neu: Nun auch für Kinder ab 6 Jahren zugelassen

Seit Jänner 2021 ist der Wirkstoff Dupilumab auch bei Kindern ab dem vollendeten 6. Lebensjahr für mittelschwere bis schwere Verlaufsformen der Neurodermitis zugelassen. Du fragst dich, warum Dupilumab erst über drei Jahre später, nachdem es für Erwachsene freigegeben wurde, auch für Kinder verfügbar ist? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Die Europäische Zulassungsbehörde für Medikamente (EMEA) achtet besonders genau darauf, dass ein Medikament im jungen Körper keinen Schaden anrichten kann. Sowohl die Wirkung als auch besonders die Nebenwirkungen werden eingehend geprüft. Erst wenn durch Studien feststeht, dass keine Gefahr von einem Medikament ausgeht, wird es auch für Kinder und Jugendliche zugelassen.

Große Behandlungserfolge

Die ersten Anwendungsberichte und Studien zur Behandlung mit Dupilumab bei Kindern und Jugendlichen sind sehr vielversprechend. In sehr vielen Fällen kommt es unter dieser Behandlung zu einer deutlichen Verbesserung der Neurodermitis bezüglich Juckreiz und Ekzemen bis hin zu völliger Beschwerdefreiheit.

Dupilumab wird alle zwei Wochen mit einem Fertig-Pen unter die Haut gespritzt. Die Anwendung ist einfach, Patienten können das nach einer Einschulung durch den Arzt mit einiger Übung selbst durchführen, das erspart den Weg in die Praxis. Die Behandlung muss unbedingt sorgfältig und 14-tägig durchgeführt werden.

Stellt sich nach 16 Wochen kein Therapieerfolg ein, soll die Therapie abgebrochen werden und andere Optionen müssen gesucht werden.

Die neueste systemische Therapieoption zur Behandlung der AD sind JAK-Inhibitoren, die – anders als Biologika – nicht nur ein bestimmtes Zytokin, sondern gleich mehrere in der Pathogenese der AD wichtige Entzündungsmediatoren hemmen.

Das bringt die Zukunft der Langzeittherapie

Die Entwicklung von neuen innovativen Medikamenten für die Behandlung von atopischen Erkrankungen wird von der Wissenschaft massiv vorangetrieben.

Eine Studie ist gerade in Arbeit und beschäftigt sich mit der Wirksamkeit von Dupilumab für Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren beweisen (voraussichtliche Zulassung 2023).

Neben diesen Wirkstoffen befinden sich zahlreiche neue Therapieinnovationen bei Neurodermitis in klinischer Erprobung bzw. stehen vor der Zulassung. Es gibt Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Biologika inkludieren Antikörper gegen IL-13, IL-22, IL-31, IL-33 und TSLP („thymic stromal lymphopoietin“).

Unser Tipp: Die Erforschung von Neurodermitis und verschiedenster Behandlungsmöglichkeiten entwickelt sich ständig weiter. Symptomfreiheit ist möglich, lass dich unbedingt von einem Dermatologen über die verschiedenen Therapieoptionen beraten.

Neurodermitis im Familienalltag

So kannst du dein Kind bestmöglich unterstützen:

  • Ist dein Kind von Neurodermitis betroffen, muss dich der erste Weg zum Facharzt für Dermatologie führen. Er wird mit dir alle möglichen Vorgehensweisen besprechen und dich gut aufklären.
  • Da Neurodermitis die ganze Familie betrifft, ist die Aufklärung der Eltern und Geschwister unerlässlich für den Behandlungserfolg. Ziel ist es, dem Kind mit Neurodermitis ein Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen zu ermöglichen.
  • Finde in Abstimmung mit der Hautärztin/dem Hautarzt die richtige Hautpflege für dein Kind und unterstütze es dabei, sie auch konsequent anzuwenden.
  • Leidet dein Kind sehr unter der Erkrankung, zögert nicht, euch Hilfe durch einen Psychologen zu suchen.
  • Geht offen mit der Erkrankung um. Informiert Schulkameraden und Freunde über die Krankheit und versucht das Thema auch direkt anzusprechen.

Das sagt der Experte Dr. Martin Zikeli

Dr. Martin Zikeli Hautarzt Dermatologe Wiener Neustadt
Dr. Martin Zikeli

In der Akuttherapie der Neurodermitis ist auch bei Kindern und Jugendlichen eine Kortisonsalbe das Mittel der Wahl. Bei mittelschweren und schweren Verlaufsformen, die einer Langzeittherapie bedürfen, ist der monoklonale Antikörper Dupilumab für Kinder ab dem 6. Lebensjahr die einzige zugelassene und gut wirksame Therapiemöglichkeit. Wichtig: Die konsequente Basistherapie sollte auch während der Behandlung mit einem Biologikum täglich durchgeführt werden. Baden, Duschen und Eincremen mit passenden Salben und Cremen (reichhaltig und eventuell mit speziellen Inhaltsstoffen wie Urea) darf auf keinen Fall vernachlässigt werden. Der Arzt verschreibt entsprechende Präparate, aber auch in Apotheken gibt es viele speziell für Neurodermitis entwickelte Produkte. Dabei muss der Patient mit dem Hautarzt absprechen, welches Produkt für ihn am besten geeignet ist. Denn es gibt kein Generalrezept, das für alle passt.
Dr. Martin Zikeli, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

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