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Neue Biologika-Therapie bei Neurodermitis schenkt Jugendlichen Hoffnung

Atopische Dermatitis ist eine sichtbare Erkrankung und bedeutet gerade in der Pubertät eine enorme psychische Belastung. Die innovative und derzeit einzige Langzeittherapie mit dem Biologikum Dupilumab ist seit August 2019 auch für Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr zugelassen und verspricht gute Aussichten auf ein Leben ohne Neurodermitis.

Die Diagnose Neurodermitis wird meist schon im Kindesalter gestellt. Oftmals verändert sich die Erkrankung mit dem Eintritt der Pubertät, manchmal verschwindet sie sogar gänzlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass der betreffende Jugendliche geheilt ist – er durchläuft nur eine symptomlose Zeit. Die Krankheit kann etwa durch Krisensituationen jederzeit wieder aufflammen. Die Anlage zur Neurodermitis wird leider vererbt. Hat ein Elternteil eine atopische Erkrankung, liegt das individuelle Risiko eine Neurodermitis zu entwickeln bei 40 Prozent und bei 80 Prozent wenn beide Eltern an Neurodermitis leiden. Etliche Therapien, die Erwachsenen Erleichterung bringen können, sind für Jugendliche nicht zugelassen. Anders ist das mit der neuen Therapiemöglichkeit der Biologika.

Biologika als Meilenstein in der Neurodermitis-Therapie Biologika sind Produkte, die im Labor aus organischen Zelllinien hergestellt werden. Zu der Gruppe der Biologika zählen auch die monoklonalen Antikörper. Diese greifen ganz gezielt und sehr spezifisch nur in einen einzigen Prozess im Körper ein und blockieren so zum Beispiel die Entzündungsreaktion bei Neurodermitis. So ein monoklonaler Antikörper ist Dupilumab. Er wird mit großem Erfolg schon seit dem Jahr 2017 bei Erwachsenen im Kampf gegen die atopische Dermatitis eingesetzt.

Endlich auch für Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr

Seit August 2019 ist Dupilumab auch bei Jugendlichen ab dem vollendeten 12. Lebensjahr für mittelschwere bis schwere Verlaufsformen der Neurodermitis zugelassen. Du fragst dich, warum Dupilumab erst zwei Jahre nachdem es für Erwachsene freigegeben wurde, auch für Jugendliche verfügbar ist? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Die Europäische Zulassungsbehörde für Medikamente (EMEA) achtet besonders genau darauf, dass ein Medikament im jugendlichen Körper keinen Schaden anrichten kann. Sowohl die Wirkung als auch besonders die Nebenwirkungen werden eingehend geprüft. Erst wenn durch Studien feststeht, dass keine Gefahr von einem Medikament ausgeht, wird es auch für Kinder und Jugendliche zugelassen.

Große Behandlungserfolge

Die ersten Anwendungsberichte und Studien zur Behandlung mit Dupilumab bei Jugendlichen sind sehr vielversprechend. In sehr vielen Fällen kommt es unter Dupilumab zu einer deutlichen Verbesserung der Neurodermitis bezüglich Juckreiz und Ekzemen bis hin zu völliger Beschwerdefreiheit. Stellt sich nach 16 Wochen kein Therapieerfolg ein, soll die Therapie abgebrochen werden und andere Optionen müssen gesucht werden.

Seit 1.Mai 2020: Dupilumab als Fertigpen

Der monoklonale Antikörper Dupilumab wird alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt (subkutane Injektion). Bisher stand dieses Medikament als Fertigspritze zur Verfügung. Seit dem 1. Mai 2020 ist Dupilumab nun auch als Fertigpen verfügbar und unterstützt damit Patienten bei der Selbstanwendung. Durch die Einführung des vollautomatischen Fertigpens wird die Selbstinjektion des Biologikums für die Patienten zuhause erleichtert. Beim Auslösen wird zuerst die Nadel in das Gewebe gestochen und unmittelbar danach der Wirkstoff Dupilumab durch die Kanüle appliziert. Für weitere Informationen kontaktiere deinen behandelnden Arzt.

Das bringt die Zukunft der Langzeittherapie

Die Entwicklung von monoklonalen Antikörpern wird von der Wissenschaft massiv vorangetrieben. Im Augenblick wird gerade eine Studie abgeschlossen, die die Wirksamkeit von Dupilumab bei Kindern zwischen 6 und 11 Jahren belegt. Die Zulassung des Biologikums für Kinder in diesem Alter wird für Ende 2020 erwartet. Und noch eine weitere Studie ist gerade in Arbeit: Sie soll die Wirksamkeit von Dupilumab für Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren beweisen (voraussichtliche Zulassung 2023). Bereits Ende 2020 wird außerdem die Zulassung weiterer monoklonaler Antikörper erwartet, die die Langzeittherapie weiter verbessern werden. Tipp: Die Erforschung von Neurodermitis und verschiedenster Behandlungsmöglichkeiten entwickelt sich ständig weiter. Lass dich unbedingt von deinem Dermatologen/deiner Dermatologin über für Therapieoptionen beraten.

Neurodermitis im Familienalltag

So kannst du dein Kind bestmöglich unterstützen:

  • Ist dein Kind von Neurodermitis betroffen, muss dich der erste Weg zum Facharzt für Dermatologie führen. Er wird mit dir alle möglichen Vorgehensweisen besprechen und dich gut aufklären.
  • Da Neurodermitis die ganze Familie betrifft, ist die Aufklärung der Eltern und Geschwister unerlässlich für den Behandlungserfolg. Ziel ist es, dem Kind mit Neurodermitis ein Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen zu ermöglichen.
  • Finde in Abstimmung mit der Hautärztin/dem Hautarzt die richtige Hautpflege für dein Kind und unterstütze es dabei, sie auch konsequent anzuwenden.
  • Leidet dein Kind sehr unter der Erkrankung, zögert nicht, euch Hilfe durch einen Psychologen zu suchen.
  • Geht offen mit der Erkrankung um. Informiert Schulkameraden und Freunde über die Krankheit und versucht das Thema auch direkt anzusprechen.

Das sagt der Experte Dr. Martin Zikeli

Dr. Martin Zikeli Hautarzt Dermatologe Wiener Neustadt
Dr. Martin Zikeli

n der Akuttherapie der Neurodermitis ist auch bei Kindern und Jugendlichen eine Kortisonsalbe das Mittel der Wahl. Bei mittelschweren und schweren Verlaufsformen, die einer Langzeittherapie bedürfen, ist der monoklonale Antikörper Dupilumab für Kinder ab dem 12. Lebensjahr die einzige zugelassene und gut wirksame Therapiemöglichkeit. Bereits Ende 2020 werden voraussichtlich auch Kinder zwischen dem 6. und 11. Lebensjahr mit Dupilumab behandelt werden können. Wichtig: Die konsequente Basistherapie darf auch während der Behandlung mit einem Biologikum auf keinen Fall vernachlässigt werden. Baden, Duschen und Eincremen mit passenden Salben und Cremen (reichhaltig und eventuell mit speziellen Inhaltsstoffen wie Urea) darf auf keinen Fall vernachlässigt werden. Der Arzt verschreibt entsprechende Präparate, aber auch in Apotheken gibt es viele speziell für Neurodermitis entwickelte Produkte. Dabei muss der Patient mit dem Hautarzt absprechen, welches Produkt für ihn am besten geeignet ist. Denn es gibt kein Generalrezept, das für alle passt.
Dr. Martin Zikeli, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

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