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Neurodermitis bei Kindern: Keine Angst vor einer systemischen Therapie!

Die Neurodermitis-Erkrankung deines Kindes bedeutet für dich und deine ganze Familie viele Fragen und Ängste. Du willst das Beste für den kleinen Patienten, fühlst dich aber von der Fülle von Informationen überfordert? Genau hier setzt dieser Artikel an! Wir erklären dir, was du über die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten wissen musst und warum auch eine systemische Therapie kein Grund zur Sorge ist.

Basiswissen über Atopische Dermatitis

  • Neurodermitis ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Haut, die bereits im Säuglingsalter auftritt und viele Menschen ein Leben lang begleitet.
  • Bei vielen Jugendlichen gehen die Symptome mit der Pubertät zurück und die Beschwerden verschwinden.
  • Neurodermitis tritt häufig gemeinsam mit Allergien und Asthma auf.
  • Symptome: Neurodermitis zeigt sich durch sehr trockene, schuppige Haut, stark juckende Ekzeme sowie Entzündungen.
  • Ursachen: sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Experten nennen eine Kombination aus beeinträchtigter Hautbarriere und einer überschießenden Reaktion des Immunsystems als Auslöser.
  • Verlauf in Schüben: Akute Phasen und beschwerdefreie Phasen wechseln einander ab. Psychischer und physischer Stress begünstigen dabei das Auftreten eines Schubes.
  • Neurodermitis ist nicht heilbar.
  • Behandlung: Neurodermitis kann aber mit modernen Therapien mittlerweile sehr gut behandelt werden.

Leichte Verlaufsformen bei Kindern

Bei sehr milden und leichten Fällen der Neurodermitis kommt bei Kindern ausschließlich die Basistherapie mit rückfettenden, pH-neutralen Pflegeprodukten zum Einsatz, die konsequent mindestens zweimal täglich durchgeführt werden muss. In den allermeisten Fällen reicht hier die Basistherapie aus.

Treten Anzeichen eines Schubes auf (Kratzen, rote Flecken auf der Haut, Hautentzündungen) sollte man rasch den Hautarzt aufsuchen. Er kann dann zusätzlich zur Basistherapie äußerlich anzuwendende Cremen mit geringer Cortisonkonzentration, bei Bedarf auch Antiseptika verordnen. Im akuten Schub ist Cortison ein sehr wirkungsvolles Mittel, die Angst davor ist unbegründet, da die Anwendung immer nur kurzfristig erfolgt.

Systemische (innerliche) Therapie bei schweren Verlaufsformen

Der Dermatologe wird zur systemischen Behandlung der Neurodermitis im Kindesalter raten, wenn die Beschwerden des kleinen Patienten sehr stark und die Lebenssituation stark eingeschränkt ist. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Juckreiz nicht beherrschbar ist. Gestörte Nächte und Schlafentzug sowie aufgekratzte, entzündete und infizierte Hautstellen belasten sowohl die kleinen Patienten als auch die ganze Familie massiv.

Wichtig: Gerade in schweren Fällen ist der Einsatz systemischer (innerlicher) Therapien eine sehr erfolgreiche und unverzichtbare Möglichkeit, die Lebensqualität deutlich zu verbessern und den Leidensdruck zu mindern. Oftmals erreicht man dadurch sogar völlige, langanhaltende Beschwerdefreiheit.

Gut zu wissen: Alle Medikamente, die für Kinder zugelassen sind, werden einer besonders sorgfältigen Prüfung unterzogen, sind bestens erprobt und zeichnen sich durch ausgezeichnete Wirksamkeit bei geringen Nebenwirkungen aus. Gerade bei Kindern ist die Europäische Arzneimittelbehörde besonders kritisch und genau. Daher kannst du dich darauf verlassen, dass dein Kind ein Medikament bekommt, das ihm nützt und nicht schadet.

Systemische Neurodermitis-Therapie – welche Medikamente gibt es?

Für die systemische Therapie von Kindern sind nur wenige Medikamente in Verwendung.

Cortison

Cortison sollte nur im Ausnahmefall systemisch angewendet werden. Es wird in Tablettenform verabreicht, greift in das gestörte Immunsystem ein und unterdrückt es. Man spricht dann von einer immunsuppressiven Wirkung. Cortison eignet sich nicht zur Langzeittherapie und muss immer ausgeschlichen werden. Du darfst es in keinem Fall ohne Rücksprache mit dem Arzt kurzfristig absetzen.

Wichtig: Systemisch (innerlich) angewendetes Cortison ist zur Behandlung von Kindern nicht zugelassen, es wird aber bei schwerer Neurodermitis unter strenger Kontrolle kurzfristig eingesetzt, wenn der Schub sonst nicht zu beherrschen ist. Diese Art der Anwendung nennt man off-label-use oder Verwendung außerhalb der Zulassung. Die Therapie wird streng von den Dermatologen kontrolliert.

Cyclosporin A

Cyclosporin A ist ein Immunsuppressivum, das bei Erwachsenen mit sehr gutem Erfolg zur Schub-Therapie eingesetzt wird.
Wichtig:
Cyclosporin A kann off-label auch zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen über dem 16. Lebensjahr eingesetzt werden. Auch hier erfolgt die Anwendung unter strenger Kontrolle durch die Dermatologen.

Monoklonale Antikörper

Monoklonale Antikörper sind eine gute Waffe im Kampf gegen schwere Verlaufsformen der Neurodermitis im Kindesalter. Sie wirken immunmodulierend, d. h. sie unterdrücken ganz gezielt nur den Bereich des Immunsystems, der für das Entstehen der Neurodermitis verantwortlich ist und lassen das übrige Abwehrsystem des Körpers unangetastet.

Gut zu wissen: Monoklonale Antikörper sind neu von der Europäischen Arzneimittelbehörde ab dem vollendeten 6. Lebensjahr zugelassen und eigenen sich ausdrücklich zur Therapie schwerer Verlaufsformen. Dieses Präparat wird alle 2 Wochen mit einer Fertigspritze unter die Haut gespritzt. Nach einer Einschulung des behandelnden Arztes können Eltern die Spritze beim Kind selbst verabreichen.

Für Kinder ab dem 12. Lebensjahr ist auch ein Fertigpen zugelassen. Dieser wird nur auf die Hautoberfläche aufgesetzt, und wenn man den Auslöser drückt, wird die Wirksubstanz direkt unter die Haut injiziert, ohne dass man eine Nadel sieht.

Diese Therapie ist außerordentlich erfolgreich und sehr gut verträglich. Die häufigste Nebenwirkung sind Augenentzündungen, Reaktionen an der Einstichstelle und Fieberblasen, die sich alle gut behandeln lassen. In den allermeisten Fällen kann eine völlige Beschwerdefreiheit erreicht werden.

Ist dein Kind langfristig durch die Therapie mit dem monoklonalen Antikörper beschwerdefrei, wird der behandelnde Dermatologe einen sogenannten Auslassversuch starten. Um das zu überprüfen, wird die Behandlung unterbrochen. Bleibt die Neurodermitis weiterhin aus, braucht dein Kind auch keine Therapie mehr. Flammt sie wieder auf, setzt man die Therapie natürlich fort.

Gut zu wissen: Mit monoklonalen Antikörper-Präparaten kann man auch kleineren Patienten mit schweren Ekzemen ab dem 6. Lebensjahr zu einem normalen Leben verhelfen. Die Familiensituation entspannt sich dadurch deutlich und die Lebensqualität steigt. Neurodermitis begleitet einen Menschen ein Leben lang – sie ist nicht heilbar. Mit einer gezielten Therapie unter fachärztlicher Führung sind die Symptome aber sehr gut behandelbar. Daher ist der vertrauensvolle Kontakt mit dem Hautarzt ganz besonders wichtig!

Dank der medizinischen Forschung kann Beschwerdefreiheit erreicht werden – neuere Präparate warten in nächster Zeit auf ihre Zulassung. Damit vergrößern sich auch die Möglichkeiten für jeden Patienten die optimale Therapie zu finden.

Das sagt die Expertin Dr. Barbara Ernst

Dr. Barbara Ernst

Die Mehrzahl der Neurodermitis-Kinder kann man sehr gut mit der richtigen Hautpflege und bei Schüben mit Kortisonsalben behandeln. Wie wichtig die Pflege der Haut ist, zeigt sich immer, wenn Kinder z. B. ohne Eltern auf Schulskikurse oder Landschulwochen fahren und in diesem Zeitraum das Eincremen vernachlässigen. Es reichen dann wenige Tage aus, um die Neurodermitis wieder aufflammen zu lassen.

Für schwerere Fälle gibt es heute glücklicherweise sehr wirksame Medikamente, die von Expertinnen und Experten in Spezialambulanzen der Kliniken in Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Dermatologen verordnet werden. Es werden sehr gute Erfolge erzielt, die Lebenssituation des Patienten und seiner Familie verbessert und entspannt sich dadurch deutlich. Bestimmt befindet sich auch in der Nähe Ihres Wohnortes eine Spezialambulanz für chronisch entzündliche Hauterkrankungen. Zögern Sie bitte nicht mit Ihrem Kind eine solche Ambulanz aufzusuchen.
Oberärztin Dr. med. Barbara Ernst
Fachärztin für Dermatologie
Ordensklinikum Linz

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