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Neurodermitis ist nicht gleich Neurodermitis

Die Krankheitsbezeichnung an sich sagt noch nichts über die Schwere der Erkrankung aus. Das Spektrum reicht von leichten Hautrötungen bis zu schweren, nässenden, stark juckenden Ekzemen. Daher gibt es auch unterschiedliche Therapieformen. Wir haben sie im Überblick für dich zusammengefasst!

Der Begriff Neurodermitis ist veraltet und eigentlich auch falsch. Er stammt aus einer Zeit, als man dachte, bei Neurodermitis sei eine Nervenerkrankung (Neuro = Nerven) und die Ursache der Hautentzündung (Haut = Derma - itis = Entzündung). Dennoch ist die Bezeichnung „Neurodermitis“ im täglichen Sprachgebrauch verankert. Mediziner verwenden heute den Begriff „Atopische Dermatitis“. Er setzt sich zusammen aus Atopie (= anlagebedingte Bereitschaft, gegen bestimmte äußere Substanzen ohne klar ersichtlichen Grund überempfindlich zu reagieren) und Dermatitis (= Ekzem).

Wie äußert sich Neurodermitis

Atopische Dermatitis (Neurodermitis) tritt in Schüben auf. Starker Juckreiz und Ekzeme, besonders in Ellbogen- und Kniebeugen, sind die charakteristischen Anzeichen der Erkrankung. Sie treten auf, weil die die Barrierefunktion der Haut, einerseits durch erbliche Faktoren, aber auch durch „Auslöser“ und „Verstärker" nicht einwandfrei funktioniert.

Solche Auslöser, die man auch Trigger nennt, sind zum Beispiel:

  • Allergene Substanzen, die eingeatmet werden, wie z.B. der Kot von Hausstaubmilben, Pollen, Katzenhaare
  • Mechanische und chemische Hautreizungen wie kratzige Wolle oder synthetische Fasern, scharfe Seifen, Schweiß, Tabakrauch
  • Dauernde Feuchtigkeit, die die Haut belastet (z. B. in Großküchen oder in einer Wäscherei)
  • Nahrungsmittel mit allergieauslösenden Stoffen wie Milch, Ei, Soja, Nüsse, Weizen, Fisch, Nüsse und rohes Obst
  • Infektionen durch Pilze, Bakterien oder Viren
  • Wetterbedingungen wie Hitze oder Kälte
  • Stress, Konflikte und psychische Aufregungen/Belastung

Klassifizierung der Neurodermitis

Je nach Ausdehnung des Ekzems und Stärke des Juckreizes unterteilen Dermatologen die Neurodermitis in Schweregrade. Dazu verwenden sie den sogenannten SCORAD-Index (SCORAD = Score of Atopic Dermatitis). Mit Hilfe eines spezifischen Punktesystems, das Ausbreitung und Intensität der Krankheitssymptome erfasst, wird der Schweregrad der Erkrankung objektiv eingeteil. Die wichtigsten Symptome (Leitsymptome) der Neurodermitis sind die extrem trockene Haut, der Juckreiz und die Hautrötung. Je nach Schweregrad dieser teilt man Neurodermitis in vier (manchmal auch nur in drei) Schweregrade ein.

Sehr trockene Haut – Stufe 1

Um sie zu pflegen kommen fett-und feuchtigkeitsspende Cremen zum Einsatz. Außerdem soll der Patient nach Möglichkeit Trigger (Auslöser) vermeiden. Bei der Stufe 1 ist der Übergang zwischen Trockenheit und leichter Neurodermitis oft nicht klar zu trennen.

Leichte Neurodermitis – Stufe 2

Betroffenen Körperstellen zeigen eine vorübergehende leichte Rötung mit leichtem Juckreiz an. Charakteristisch ist extrem trockenen, schuppige, leicht reizbare Haut. Die Behandlung erfolgt wie bei Stufe 1, außerdem werden eventuell schwache Glukokortikoide (Kortison) und Calcineurinhemmer (Tacrolimus, Pimecrolimus) verwendet.

Mittelschwere Neurodermitis – Stufe 3

Von mittelschwerer Neurodermitis spricht man bei stärkeren Rötungen und ausgeprägtem Juckreiz. Knotige, rötliche Verdickungen der Haut, genannt Papeln, können vorhanden sein, die einem allergischen Ausschlag ähnlich sind. Als Basistherapie muss ausgiebig eingecremt werden, zusätzlich kommen stärkere Glukokortikoiden und stärkere Calcineurinhemmer zur Verwendung. Eine Therapiemöglichkeit stellt auch eine Behandlung mit Monoklonalen Antiköper (Biologika) dar.

Schwere Neurodermitis - Stufe 4

Dies ist die schwerste Form von Neurodermitis mit sehr stark gereizten, hochroten und nässenden Ekzemen, die Krusten bilden und nur schwer abheilen. Zahlreiche Papeln und Pusteln, Kratzspuren durch starken Juckreiz und entzündliche Areale finden sich auf der Haut. Hier kommen die Therapieoptionen der Stufen 2 und 3 infrage sowie darüber hinaus Substanzen, die das Immunsystem beeinflussen wie Cyclosporin und Interferon. Sehr erfolgversprechend ist bei dieser Ausprägung der Neurodermitis auch die neue Therapieoption mit Monoklonalen Antiköper (Biologika).

Das sagt der hautinfo.at-Experte

Dr. Norbert Sepp Dermatologe Hautarzt Innsbruck

Die Übergänge der einzelnen Schweregrade von Neurodermitis sind fließend – genauso wie auch die Belastung durch die Krankheit von Mensch zu Mensch unterschiedlich empfunden wird. Am besten kann man die Neurodermitis in einem ganz frühen Stadium beeinflussen, durch die konsequente Hautpflege mit dem täglichen Bad, dem sorgfältigen Eincremen mit hochwertigen Pflegeprodukten und dem Vermeiden von äußeren Reizen. Für alle Stadien der Neurodermitis gibt es mittlerweile aber sehr gut wirksame Medikamente, die in den allermeisten Fällen auch den gewünschten Therapieerfolg bringen. Neuerdings gibt es auch einen Monoklonalen Antikörper, der dann zum Einsatz kommt, wenn andere Therapien nicht den gewünschten Effekt bringen. Die Erfahrungen mit diesem Monoklonalen Antikörper sind in Bezug auf die Wirkung sehr gut, eventuelle Nebenwirkungen sind gering und gut behandelbar.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Norbert Sepp ist Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Innsbruck

Alle Therapiemöglichkeiten im Überblick

Zur Standard-Therapie zählen Salben, Cremes und Emulsionen, die den Juckreiz stillen und der trockenen Haut das notwendige Fett bzw. die Feuchtigkeit zuführen. Es gibt eine Vielzahl an Präparaten – oft musst du erst ausprobieren, welches für dich am besten geeignet ist. Ergänzend je nach Schweregrad der Erkrankung werden Salben mit Kortikosteroiden (Cortison) und Calcineurinhemmern (Tacrolimus, Pimecrolimus) eingesetzt, die entzündungshemmend wirken.

Zusätzlich kommen Medikamente zum Einsatz, die gegen Bakterien, Viren oder Pilze wirksam sind (antibakterielle, desinfizierende und antimykotische Salben).

Antihistaminika (gegen Allergien) in Tabletten-, Salben-, oder Gelform (nicht bei offener Haut) können den Juckreiz lindern.

UV-Bestrahlung (Phototherapie) kann helfen, wobei nicht alle Neurodermitis-Patienten diese Behandlung gut vertragen.

Eine weitere Therapieoption ist die Spezifische Immuntherapie (SIT). Sie hilft Patienten, die auch Asthma oder Heuschnupfen haben.

Für sehr schwere Fälle können auch Tabletten oder Spritzen verschrieben werden (z.B. Cyclosporin, Interferon), die das Immunsystem beeinflussen (immunmodulierende Substanzen). Hier ist die Nebenwirkungsrate leider hoch.

Biologika als Wunderwaffe gegen Neurodermitis?

Biologika sind die neueste Errungenschaft der Medizin gegen immunologische Erkrankungen wie Neurodermitis. Sie werden dort eingesetzt, wo herkömmliche Medikamente zu geringe Wirkung zeigen. Monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt, sie können Entzündungen lindern, wie sie etwa bei allergischem Asthma, Neurodermitis (atopisches Ekzem) und Nesselsucht (Urtikaria) auftreten. Ihr Einsatz beginnt dann, wenn die herkömmliche Therapie nicht gut genug anschlägt. Manche von ihnen haben sich bereits über Jahre lang bewährt, wie Omalizumab bei Asthma. Andere sind neu auf dem Markt, wie Dupilumab gegen Neurodermitis. Die Forschung auf diesem Gebiet wird intensiv vorangetrieben.

Die Natur als Vorbild

Neurodermitis, Asthma und Nesselsucht haben etwas gemeinsam: Sie entstehen durch Entzündungsreaktionen des Immunsystems, die durch eigentlich harmlose Stoffe ausgelöst werden. Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, die überschießende Reaktion des Immunsystems zu bremsen, sie darf aber die Abwehrkräfte nicht negativ beeinflussen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich Wissenschaftler ein Beispiel an der Natur genommen. In der Natur übernehmen nämlich Antikörper diese Aufgabe. Antikörper sind große Proteine (Eiweißstoffe), die sich an bestimmte Strukturen anheften und sie unschädlich machen können. Diese Eigenschaft nützen Natur und Medizin im Einsatz gegen Krankheitserreger (z. B. auch beim Impfen). Um Erkrankungen wie Neurodermitis erfolgreich zu behandeln, haben Wissenschaftler Antikörper nun künstlich nachgebaut. Diese Antikörper wirken sehr zielgerichtet, ohne andere Abläufe des Immunsystems zu stören.

Dupilumab – Behandlung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft

Einer dieser Monoklonalen Antikörper der neuesten Generation ist Dupilumab. Das Medikament besitzt entzündungshemmende Eigenschaften und unterdrückt zusätzlich bestimmte Anteile des Immunsystems, die bei der Entstehung von Ekzemen und Juckreiz bei Neurodermitis eine bedeutende Rolle spielen. Patienten können den Wirkstoff mit einer vorgefüllten Fertigspritze selbst unter die Haut (subkutan) spritzen. Nach einer einmaligen Anfangsdosis von zwei Spritzen muss alle zwei Wochen eine Injektion erfolgen. Meist wird die Behandlung mit kortisonhaltigen Salben kombiniert. Dieses Medikament ist für erwachsene Neurodermitis-Patienten mit mittelschweren bis schweren Verlaufsformen zugelassen. Wenn du von Neurodermitis betroffen bist, lass dich von deinem Hautarzt über diese Therapie informieren und besprich mit ihm, ob auch du für eine solche Therapie in Frage kommst.

Das sagt der hautinfo.at-Experte

Dr. Norbert Sepp Dermatologe Hautarzt Innsbruck

Der Monoklonale Antikörper, Dupilumab, ist momentan zweifellos die stärkste Waffe im Kampf gegen mittelschwere bis schwere Neurodermitis-Fälle. Die Anwendung ist von der Europäischen Zulassungsbehörde (EMEA) für erwachsene Personen ab 18 Jahren zugelassen und die ersten Anwendungsdaten sind sehr vielversprechend: Bei vielen Patienten verschwinden die Hautekzeme und der Juckreiz durch die Behandlung komplett, bei anderen zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Symptome. Neurodermitis-Patienten, bei denen die bisherigen Therapieansätze keine ausreichende Wirkung zeigen, können von der neuen Behandlungsoption sehr profitieren.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Norbert Seppist Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Innsbruck

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