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Asthma bei Neurodermitis

Als wäre Neurodermitis alleine nicht schon schlimm genug, gesellen sich zu der Hauterkrankung häufig auch Asthma und Heuschnupfen. Warum diese Erkrankungen oft gemeinsam vorkommen und was du dagegen tun kannst – hier kommen alle wichtigen Fakten im Überblick.

Neurodermitis, Asthma bronchiale und Heuschnupfen (Allergische Rhinokonjunktivitis) gehören zu den sogenannten Atopien. Das sind Erkrankungen, bei denen der Körper überempfindlich auf normalerweise harmlose Stoffe (z. B. Blütenpollen oder Staub) reagiert. Besonders unangenehm: Die Krankheiten treten oft gemeinsam auf. Daher leiden Neurodermitis-Patienten häufig auch an Asthma und/oder Heuschnupfen. Studien zeigen, dass ungefähr 20 bis 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit Neurodermitis auch an Asthma bronchiale erkranken. In den allermeisten Fällen treten die Hautekzeme vor den asthmatischen Beschwerden auf.

Typische Asthma-Symptome

Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege. Es kommt zu einer Verengung der unteren Atemwege, was sich durch Husten, Engegefühl, Kurzatmigkeit, pfeifende Atemgeräusche bis hin zur Atemnot äußern kann. Asthmaanfälle treten häufig in der Nacht auf und sind äußerst belastend für die Patienten. Die Bronchien reagieren überempfindlich auf gewisse Reize wie Tierhaare, Pollen, Tabakrauch oder Hausstaubmilben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt an, dass weltweit rund 300 Millionen Menschen von Asthma betroffen sind. In Mitteleuropa sind 5–7 % der Erwachsenen sowie 10–15 % der Kinder und Jugendlichen erkrankt. Während in jungen Jahren mehr Buben als Mädchen betroffen sind, sind es im Erwachsenenalter mehr Frauen als Männer. Während Asthma bronchiale ungefähr bei der Hälfte der Kinder im Verlauf der Pubertät wieder abklingt, bleiben es bei der anderen Hälfte auch im Erwachsenenalter bestehen.

Wie behandelt man Asthma?

Um Asthma zu behandeln, ist einerseits eine langfristige Therapie notwendig, andererseits stehen für akute Asthma-Anfälle auch Medikamente zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich vor allem gegen die chronische Entzündung. Diese kann mithilfe von Asthmasprays (Kortikosteroide) oder durch Einnahme mit sogenannter Leukotrienantagonisten (LTRA) behandelt werden. In der Akuttherapie der Atemwegsenge kommt immer der bronchienerweiternde Asthmaspray zur Anwendung.

Neue Biologika-Therapie bei Asthma

Eine neue Therapiemöglichkeit bei schwerem Asthma sind Monoklonale Antikörper. Omalizumab, Mepozilumab, Reslizumab und Benralizumab werden im Kampf gegen schweres Asthma angewendet. Die Wirkungsweisen dieser Monoklonalen Antikörper sind unterschiedlich, zielen aber alle darauf ab, die Anzahl und Schwere der Asthmaanfälle zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Die Präparate sind für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren zugelassen. Nicht alle Patienten, die prinzipiell für eine Therapie mit den Monoklonalen Antikörpern in Betracht kommen, sprechen auf die Behandlung an. Die Wirksamkeit der Therapie wird daher nach vier Monaten überprüft und die Behandlung nur bei eindeutigem Therapieerfolg fortgesetzt. Der Monoklonale Antikörper Dupilumab, bestens bewährt als Therapie bei Neurodermitis, ist seit Juni 2019 auch für schwere Asthmaerkrankungen zugelassen, die sich mit hochdosiertem inhalativen Cortison (ICS) nicht ausreichend kontrollieren lassen.

Seit 1.Mai 2020: Dupilumab als Fertigpen

Der monoklonale Antikörper Dupilumab wird alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt (subkutane Injektion). Bisher stand dieses Medikament als Fertigspritze zur Verfügung. Seit dem 1. Mai 2020 ist Dupilumab nun auch als Fertigpen verfügbar und unterstützt damit Patienten bei der Selbstanwendung. Durch die Einführung des vollautomatischen Fertigpens wird die Selbstinjektion des Biologikums für die Patienten zuhause erleichtert. Beim Auslösen wird zuerst die Nadel in das Gewebe gestochen und unmittelbar danach der Wirkstoff Dupilumab durch die Kanüle appliziert. Für weitere Informationen kontaktiere deinen behandelnden Arzt.

Zusammenhang zwischen Asthma und Neurodermitis

Den genauen Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Asthma hat die Wissenschaft noch nicht im Detail klären können. Zu vielfältig sind die Ursachen für Allergien, wobei Faktoren wie die erbliche Veranlagung, Umwelteinflüsse oder der Lebensstil eine Rolle spielen. Die Neurodermitis wird als chronisch-entzündliche Hauterkrankung durch vielfältige Faktoren ausgelöst und beeinflusst. Es ist bekannt, dass die Basis für die Trockenheit der Haut genetisch bedingt ist. Aber auch komplexe immunologische Vorgänge führen zu einer Überreaktion auf alltägliche Stoffe (Allergene), die per se nicht krankmachend sind.

Sind Störungen in der Hautbarriere Schuld?

Beim Asthma bronchiale ist ein Zusammenspiel von vielfältigen Faktoren Ursache der komplexen Erkrankung. Genetische Faktoren und eine Sensibilisierung gegen eingeatmete Allergene sind wichtige Risikofaktoren. Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschen unablässig daran, diese Mechanismen zu enträtseln. Eine Forschungsgruppe an der Universitätsmedizin Göttingen konnte in einer Studie zeigen, dass Störungen in der Hautbarriere die Entwicklung von allergischem Asthma begünstigen können. Ein Risikofaktor für die Entstehung von Neurodermitis sind fehlende Strukturproteine in der Haut. Durch die Studie konnte ein Beleg erbracht werden, dass diese Störungen in der Hautbarriere zu Entzündungen führen und damit nicht nur Neurodermitis begünstigen, sondern auch die Allergiesensibilisierung erhöhen und damit die Entwicklung von allergischem Asthma begünstigen.

Asthma und Neurodermitis vorbeugen – geht das?

Kann man etwas tun, um der Entstehung von Asthma bei Neurodermitis vorzubeugen? Da die Ursachen von Asthma noch nicht endgültig geklärt sind, gibt es bisher kaum Maßnahmen zur Vorbeugung. Was aber durch Studien erhärtet (ISAAC-Studie) uneingeschränkt empfohlen wird, ist die Vermeidung von Tabak. Die Betroffenen sollten also weder selbst rauchen noch Passivrauch ausgesetzt sein. Eltern von Kindern sollten daher – besonders, wenn bereits Ekzeme vorhanden sind – auf keinen Fall rauchen. Auch Ernährung kann einen vorbeugenden Effekt haben: In unterschiedlichen Studien konnte ein schützender Einfluss durch häufigen Fischverzehr festgestellt werden. Wer häufiger Fisch aß, entwickelte seltener Asthma oder allergische Rhinitis. Während man früher davon abriet, Kleinkindern im ersten Lebensjahr Fisch zu geben, sieht man das heute anders. Als Beikost kann Fisch also einen schützenden Effekt vor Allergien haben.

Das sagt der Experte Dr. Leo Richter

Dr. Leo Richter Hautarzt Dermatologe Rudolfsstiftung Wien Psoriasis Schuppenflechte Spezialist
Dr. Leo Richter

Im Zuge einer Behandlung mit dem Monoklonalen Antikörper Dupilumab bei Neurodermitis, wird ein zusätzlich bestehendes Asthma bronchiale sozusagen „mitbehandelt“. So zeigt sich immer wieder, dass unter dieser Therapie sich nicht nur die Symptome der Neurodermitis verbessern oder verschwinden, sondern auch die Asthmaanfälle. Im akuten Schub wird Asthma mit Cortison behandelt, in schweren Fällen auch mit Ciclosporin A und Methotrexat, für die Dauertherapie in schweren Fällen kommt dann Dupilumab zur Anwendung. Es gibt den Monoklonalen Antikörper Omalizumab, der sich gegen IgE-Antikörper richtet und der für Asthma maßgeschneidert ist. Seine Wirkung gegen Neurodermitis ist allerdings nicht so gut wie bei Dupilumab. Treten Neurodermitis und Asthma gemeinsam auf, wird der Behandlung mit Dupilumab daher der Vorzug gegeben.
Dr. Leo Richter, Facharzt für Dermatologie

Weitere Infos auf dermatologikum.at

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