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Interview Gabriela Vonwald

Gabriela ist selbst von Neurodermitis betroffen und Autorin des Buches „Wenn die Haut zum Feind wird“. Sie erzählt uns von ihrer Neurodermitis, wie sie diese erlebt und letztendlich überwunden hat.

Liebe Gabriela, vielen Dank für das Interview, möchtest du uns kurz etwas zu dir und deiner Person erzählen?

Ich bin 58 Jahre alt, Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und zweifache Großmutter. Ich lebe mit meinem Mann Peter die Hälfte des Jahres in Wien und die andere Hälfte in meiner Wahlheimat Kenia, wo ich vor Jahren ein Hilfsprojekt gegründet habe. Ich beschäftige mich auch beruflich mit Gesundheit (zuerst Medizinstudium, Heilpraktikerausbildung mit klassischer Homöopathie, TCM, Heilkräuter, Masseur-Ausbildung), seit vielen Jahren unterrichte ich Gesundheitsberufe per Fernstudium in meinem Bildungsinstitut. Und daneben bin ich Botschafterin der Aloe vera.

In welchem Alter hat bei dir die Neurodermitis begonnen? Wie wurde diese diagnostiziert und anfänglich behandelt? Weißt du, was genau die Ursache/der Auslöser war?

Ich war 37 und mega gestresst mit Beruf, kleinen Kindern und Existenzängsten. Diagnostiziert wurde sie anfangs gar nicht, ich bekam vom Hautarzt einfach wortlos eine Cortison-Creme. Erst viel später fiel erstmals das Wort Neurodermitis. Auslöser war glaube ich seelischer Druck. Wir wissen alle, ein Leben mit Neurodermitis ist eine Einschränkung der Lebensqualität.

Welche Symptome hast du durch die Neurodermitis am schlimmsten empfunden?

Wie wohl für jeden war es der unerträgliche Juckreiz. Ich hätte mich Tag und Nacht nur kratzen können. Ständig war irgendwas offen, nässend, blutig. Und was ich auch extrem störend empfunden habe, waren die gefühlten eine Million Ratschläge aller Menschen um mich herum, gepaart damit, dass sie beleidigt waren, wenn ich das nicht sofort alles freudig umgesetzt habe.

Wie bist du mit dem Juckreiz umgegangen? Welche Wege zum Umgang mit/zur Linderung von Juckreiz haben sich bei dir als positiv erwiesen?

Ich hatte immer ein nicht weich gespültes Handtuch in der Nähe, hab oft einfach nur drauf gedrückt. Keine großen Temperaturschwankungen, also im Winter nicht einfach raus in den Schnee und dann wieder zurück. Nicht zu viel Wärme nachts unter der Bettdecke. Später dann war es ein Aloe-Spray, der Linderung brachte.

Du hast in den letzten Jahren selbst viele Neurodermitiker kennen gelernt, sind dir irgendwelche „Gemeinsamkeiten“ oder „ähnliche Muster“ aufgefallen, welche bei vielen Betroffenen einer Neurodermitis zutreffen?

Ja, vor allem was den seelischen Hintergrund betrifft. Die meisten sind unglaublich verantwortungsbewusste Menschen, die es allen Recht machen wollen. Ganz oft die Erstgeborenen mit Pflichten schon in der Kindheit. Viele haben Existenzangst.

Siehst du einen Zusammenhang zwischen beruflichem Stress/psychische Belastung und Neurodermitis? Wenn ja, wie hat sich das bei dir auf die Haut ausgewirkt?

Stress nicht wirklich, ich arbeite unglaublich gern und auch ruhig viel. Eher ging es mir immer dann schlecht, wenn Menschen zu sehr an mir gezerrt haben, und ich es allen Recht machen wollte. Familiäre Probleme und Geldmangel kann ich immer noch schlecht wegstecken. Inzwischen nicht einmal mein eigener Geldmangel, das Problem hab ich nicht mehr wirklich, aber wenn die Spenden für mein Hilfsprojekt weniger fließen, ich weiß, da ist eine Familie, da regnet es in die Hütte, wir müssen handeln, Konto leer, da merke ich, es juckt wieder.

Viele Menschen haben eine große Cortison-Angst, wie stehst du zum Thema „Cortison“? Du bist selbst eine große Anhängerin der Naturheilkunde, bist du generell auch ein Freund der Schulmedizin?

Ich sehe das als gute Partnerschaft. Im akuten Zustand bin ich auf jeden Fall dafür, das Leiden abzukürzen und Cortison zu schmieren. Auch Antibiotika sind manchmal notwendig. Ein Beispiel dazu: Ich hatte vor 4 Jahren einen schlimmen Schub direkt als ich in Kenia war. Alles offene Haut. Dort krabbele ich in den Slums herum, Ungeziefer, HIV-positive Menschen, die Gefahr also, mit einer Infektion nach Hause zu kommen, war einfach groß. Da dann zu sagen, ich bade meine Hände in Ringelblume, das finde ich grob fahrlässig. Natürlich hab ich Cortison genommen und hoch dosiert Antibiotika. Nach vier Tagen war der Spuk vorbei. DANACH hab ich dann naturheilkundlich weiter gearbeitet und mich gefragt, „was genau sollte mir das jetzt sagen“.

Welche Therapien und Behandlungen hast du selbst probiert? Welche waren von Erfolg gekrönt und welche haben sich als Geldverschwendung herausgestellt? Gibt es alternativmedizinische Behandlungen, die bei Neurodermitis besonders gut funktionieren?

Die, die nicht gewirkt haben, hab ich wohl alle gut verdrängt. Bioresonanz hat bei mir persönlich zum Beispiel nichts gebracht, was aber nicht heißen muss, dass es nicht für jemand anderen der Knaller sein kann. Ich selbst arbeite bis heute vor allem über eine Darmsanierung und verwende seit 14 Jahren ausschließlich Pflegeprodukte auf der Basis von Aloe vera. Außerdem hab ich mein Eiweiß in der Nahrung sehr drastisch erhöht, Kohlehydrate, vor allem Brot und Milchprodukte (bis auf Käse, meine große Leidenschaft) drastisch reduziert, und ich esse täglich Omega-3-Fettsäuren in Kapselform.

Woran erkennt man einen seriösen Heilpraktiker? Wann sollte man vorsichtig sein?

Ich denke, das ist so wie bei allen Berufen. Der Draht muss passen, der Mensch sollte einen auch anfassen mögen, also nicht nur über einen zwei Meter breiten Schreibtisch begutachten. Er sollte auch andere Meinungen gelten lassen, also nicht nur ausschließlich seine Methode.

Was hat dich dazu bewogen, ein Buch über deinen Weg aus der Neurodermitis zu schreiben? Was können die Leser aus deinem Buch lernen? Würdest du Menschen mit Neurodermitis raten, selbst mit dem Schreiben zu beginnen (und sei es nur das Führen eines Tagebuches)?

Tagebuch finde ich in jedem Fall positiv, nicht nur bei Neurodermitis, sondern bei jeder Lebenskrise. Ich wollte aus der Sicht einer betroffenen Patientin schreiben und gleichzeitig meine Kenntnisse aus der Gesundheit einbringen. Meistens hat man ja nur entweder oder: Ein Patient schreibt von Versuch und Irrtum oder ein Arzt schreibt, was alles medizinisch möglich ist. Als Reaktion auf mein Buch bekam ich ganz oft den Satz: „Endlich fühle ich mich verstanden.“

Gibt es einen besonderen Ratschlag, welchen du Neurodermitis-Betroffenen bzw. Eltern von betroffenen Kindern noch gerne mit auf den Weg geben kannst?

An Eltern und alle Beobachter: Niemals den bescheuerten Satz verwenden „Hör doch auf zu Kratzen“

Vielen Dank Gabriela für das Interview, mit dem du sicher vielen Lesern weiterhilfst. 

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