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Das war der Neurodermitis Informationsabend in Wien

Im Oktober 2018 fand zum ersten Mal ein Informationsabend zu den neuen Behandlungsmethoden bei Neurodermitis in Wien statt. Es folgten viele Betroffene und teilweise deren Angehörige dem Aufruf und haben an dieser erstmals auch in Österreich kostenlosen Veranstaltung für Betroffene teilgenommen. Neben dem Austausch hilfreicher Tipps gab es einen spannenden Vortrag des Dermatologen Univ. Doz. Dr. Paul Sator.

Vortrag und Diskussion mit OA Univ. Doz. Dr. Paul Sator

Dr. Paul Sator Dermatologe Hautarzt Wien Psoriasis Schuppenflechte Spezialist

Der Dermatologe und Spezialist für Atopische Dermatitis (Neurodermitis) informierte über die Erkrankung selbst sowie die neuen Behandlungsmöglichkeiten von Neurodermitis.
Atopische Dermatitis im Erwachsenenalter ist eine schmerzhafte Erkrankung der Haut, die Betroffene in vielerlei Hinsicht sehr belasten kann. Seit kurzem steht in der Behandlung eine Innovation zur Verfügung, die als neuer Lichtblick in der Neurodermitis-Therapie gilt: Mit den sogenannten Biologikas besteht eine sehr gute Chance, sogar in schweren Fällen Beschwerdefreiheit zu erzielen – bei sehr guter Verträglichkeit und milden Nebenwirkungen. Diese modernen Wirkstoffe korrigieren gezielt die Störung des Immunsystems und weisen dadurch eine bessere Verträglichkeit und Sicherheit auf.

Schulmedizinische Behandlungen im Überblick

Das Immunsystem eines Neurodermitikers ist permanent in Alarmbereitschaft und reagiert auf viele (für gesunde Menschen harmlose Reize) mit verschiedensten Symptomen wie gerötete Hautstellen, sehr trockener und schuppender Haut sowie teilweise unerträglichem Juckreiz. Damit ist der Teufelskreis perfekt: durch das Jucken wird gekratzt und dies führt zu Hautentzündungen und nässenden Hautareale, welche wiederum Juckreiz auslösen.

Die Neurodermitis tritt üblicherweise in Schüben auf. Zwischen den Schüben gibt es wiederum Zeiten, in denen man komplett beschwerdefrei leben kann. Die Länge und Ausprägung eines Schubes fällt bei jedem Betroffenen unterschiedlich aus.

In der symptomatischen Behandlung (Juckreiz und Hautentzüng werden mit jeweils passenden Medikamenten behandelt) der Neurodermitis geht es darum, eine bakterielle bzw. virale Infektion der Haut zu verhindern. Zu den bisher wichtigsten Wirkstoffen in der Neurodermitis-Behandlung zählen verschiedene Cortisonpräparate, welche rasch und effektiv Entzündungen der Haut eindämmen können. Sie werden üblicherweise als Creme, Salbe oder bei schweren Schüben oral als Tablette verabreicht. Bei fachgerechter Anwendung ist Cortison in der Regel gut verträglich. Als Alternative sind die Calcineurin-Inhibitoren Pimecrolimus und Tacrolimus verfügbar. Der große Vorteil der Calcineurin-Inhibitoren ist, dass diese nach dem derzeitigen Wissensstand die Haut auch bei einer dauerhaften Anwendung nicht ausdünnen. Weiters kommt die Photo-Therapie mit UV-Licht bestimmer Wellenlägen (UVA und UVB) als entzündungshemmende Therapie in Frage. Bei einer sehr schweren chronischen Neurodermitis werden systemische Medikamente als Tablette oder Injektion eingesetzt. Als systemische Therapien kamen bisher hauptsächlich Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem drosseln und auf diese Weise die Entzündung in der Haut reduzieren. Das bedeutet aber auch, dass dadurch das gesamte Immunsystem geschwächt wird und die Abwehr gegen Viren und Bakterien beeinträchtigt ist. Da diese Behandlung bei längerfristiger Anwendung mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden ist, kann diese nicht als Dauerbehandlung der Atopischen Dermatitis angewendet werden.

Neue Behandlungsmöglichkeiten im Einsatz gegen schwere Neurodermitis

Weiters informierte uns Dr. Paul Sator über neue Behandlungsmöglichkeiten, die erst seit kurzem Einzug in der Neurodermitis Therapie gehalten haben. Es handelt sich um die sogenannten Biologikas, welche bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis für erwachsene Patienten in Österreich zugelassen sind. Diese Medikamente greifen ganz gezielt in das Immunsystem ein und blockieren die Signalwege der Entzündung. Dabei wirken diese nicht auf das gesamte Immunsystem, sondern ausschließlich auf die Übertragungswege jener Botenstoffe, die an der Atopischen Dermatitis beteiligt sind.

Zum aktuellen Zeitpunkt steht der Wirkstoffe Dupilumab zur Verfügung. Die Wirkweise dieses Medikamentes setzt genau dort an, wo die „Probleme“ der Erkrankung enstehen: Bei der atopischen Dermatitis begünstigen genetische Faktoren zunächst eine „Barrierestörung“ der Haut. Das heißt, dass die Haut ihre Aufgabe, den Organismus gegen die Außenwelt abzuschirmen, nicht erfüllen kann. In einem zweiten Schritt kommt dann das Immunsystem ins Spiel, das nach Verletzungen der Haut, zum Beispiel durch Kratzen, übereifrig „allergisch“ reagiert. Diese Faktoren führen zu einem falschen Alarm der Körperabwehr. Das schadet der Hautbarriere zusätzlich, es kommt zu Infektionen und die Haut juckt noch mehr – ein Teufelskreis.

Es wird nur in jenen Teil des Immunsystems eingegriffen, der bei der Neurodermitis überaktiv ist und die typischen Ekzeme und den Juckreiz auslöst. Da das Biologikum selektiver wirkt, ist die Verträglichkeit besser und es sind eher selten schwere Nebenwirkungen zu erwarten. Als häufigste Nebenwirkung des Biologikums gibt der Hautarzt Kopfschmerzen und Augenentzündungen an: Die Augen der Patienten mit atopischer Dermatitis sind besonders empfindlich, trocknen leichter aus und sind daher empfänglicher für Entzündungen. Dem kann man aber mit Augentropfen gut entgegenwirken. Weiters wird als Nebenwirkung Herpes labialis (Fieberbläschen) angeführt.

Studien belegen die Wirksamkeit des Wirkstoffs Dupilumab: Dieses Biologikum bewirkt in vielen Fällen eine dauerhafte und hochgradige Verbesserung der Erkrankung: In den Studien führte Dupilumab bei rund 40 Prozent der behandelten Patienten zu einer (fast) erscheinungsfreien Haut. 85,5 Prozent erreichten unter Dupilumab nach drei Monaten eine mindestens 50-prozentige Reduktion der Syptome (reduzierter Juckreiz, kleinere bzw. weniger ausgeprägte Ekzeme und weniger schuppige Haut).

Weiters konnte bei vielen Betroffenen die Lebensqualität deutlich gesteigert werden: Die Studienteilnehmer berichteten von einem Rückgang der Schmerzen, weniger Schlafstörungen sowie Reduzierung der Angstzustände und dadurch geringere Anfälligkeit für Depressionen.

Zurzeit ist der Wirkstoff Dupilumab für mittelschwere und schwere Fälle bei Erwachsenen zugelassen. Die Kosten werden im Moment (Stand Oktober 2018) von den Krankenversicherungsträgern bei Vorliegen der ärztlichen Bewilligung des chef- und kontrollärztlichen Dienstes der Krankenkasse übernommen. Eine Behandlung kann in den Ambulanzzentren von Spitälern und bei ausgewählten niedergelassenen Fachärzten für Dermatologie durchgeführt werden. Mache dir einen Termin bei deinem Dermatologen und finde heraus, ob du für dieses Medikament geeignet bist.

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Anwendung bei Jugendlichen wird bereits in Studien ermittelt, um auch für diese Patientengruppe eine Zulassung zu ermöglichen.

Weitere Infos dazu gibt´s im Krankenhaus Hietzing
1130 Wien, Wolkersbergenstraße 1, Pavillon 7
Dermatologische Ambulanz
Telefon: +43 1 801 10-2430
Ambulanzzeiten:
Montag bis Freitag jeweils 08:00-12:00 Uhr
Anmeldung: Ambulanztermine können nur nach telefonischer Vereinbarung wahrgenommen werden (ausgenommen Notfälle).

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