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Das war der Neurodermitis Informationsabend in Salzburg

Im November 2019 fand ein Informationsabend zu den neuen Behandlungsmethoden bei Neurodermitis in Salzburg statt. Es folgten viele Betroffene von Atopischer Dermatitis und teilweise deren Angehörige dem Aufruf und haben an dieser kostenlosen Info-Veranstaltung teilgenommen. Neben dem Austausch hilfreicher Tipps gab es einen spannenden Vortrag des Dermatologen OA Dr. Damian Meyersburg.

Vortrag und Diskussion mit OA Dr. Damian Meyersburg

 Dr. Damian Meyersburg
OA Dr. Damian Meyersburg

Dr. Damian Meyersburg ist Oberarzt an der Hautklinik Salzburg und Spezialist für Atopische Dermatitis (Neurodermitis). An diesem Abend informierte der Dermatologe über die Erkrankung selbst sowie die neuen Behandlungsmöglichkeiten von Neurodermitis.

Was ist Atopische Dermatitis?

Atopische Dermatitis ist eine chronische Hauterkrankung und belastet den Patienten in vielerlei Hinsicht. Lange Zeit hat sich in der Therapie der Neurodermitis nicht viel weiterentwickelt. Als systemische Therapien kamen bisher hauptsächlich Medikamente zum Einsatz, die das gesamte Immunsystem drosseln und auf diese Weise die Entzündung in der Haut vermindern (zB Ciclosporin, Azathioprin, Methotrexat zB Kortison). „Eine solche Behandlung ist bei längerfristiger Anwendung mit gewissen Nebenwirkungen verbunden. Das bedeutet, dass auch die Abwehr gegen Viren und Bakterien beeinträchtigt wird“, betont Dr. Meyersburg. 

Bisherige Therapiemöglichkeiten im Überblick

Zur Standard-Therapie bei Atopischer Dermatitis zählen Salben, Cremes und Emulsionen, die den Juckreiz stillen und der trockenen Haut das notwendige Fett bzw. die Feuchtigkeit zuführen. Es gibt eine Vielzahl an Präparaten und der Patient hat die Qual der Wahl und muss selbst ausprobieren, welches für dich am besten geeignet ist. Ergänzend je nach Schweregrad der Erkrankung werden Salben mit Kortison und Calcineurinhemmern (Wirkstoffe Tacrolimus und Pimecrolimus) eingesetzt, die entzündungshemmend wirken. Zusätzlich kommen Medikamente zum Einsatz, die gegen Bakterien, Viren oder Pilze wirksam sind (antibakterielle, desinfizierende und antimykotische Salben). Antihistaminika in Tabletten-, Salben-, oder Gelform können den Juckreiz lindern. Eine erfolgversprechende Therapie ist auch die Bestrahlung der Haut mit künstlichem UV-Licht. Die therapeutischen UV-Strahlen können in einer künstlichen Form erzeugt und kontrolliert verabreicht werden, wobei mögliche Nebenwirkungen sehr gering sind. Damit wird ein ähnlich positiver Effekt wie ein Aufenthalt am Meer oder in den Bergen erzielt.

Neues Medikament gibt Hoffnung bei schwerer Neurodermitis

Seit 2017 gibt es ein neues Medikament in der Neurodermitis-Behandlung: „Mittlerweile haben Forschungen zur Entstehung der Neurodermitis wieder völlig neue Therapieansätze eröffnet, die zwar keine endgültige Heilung aber in vielen Fällen dauerhafte Beschwerdefreiheit oder zumindest eine merkliche Reduktion der Symptome ermöglichen“, so der Experte. „Moderne Wirkstoffe wie ein Biologikum (zB Dupilumab) korrigieren ganz gezielt die Störung des Immunsystems und weisen dadurch eine bessere Verträglichkeit und Sicherheit auf.“

Wie wirkt dieser neue Wirkstoff Dupilumab?

Dr. Damian Meyersburg
Vortrag Dr. Damian Meyersburg

Die Wirkweise setzt genau dort an, wo die „Probleme“ der Erkrankung enstehen. Bei der atopischen Dermatitis begünstigen genetische Faktoren zunächst eine „Barrierestörung“ der Haut. Das heißt, dass die Haut ihre Aufgabe, den Organismus gegen die Außenwelt abzuschirmen, nicht erfüllen kann. In einem zweiten Schritt kommt dann das Immunsystem ins Spiel, das nach Verletzungen der Haut, zum Beispiel durch Kratzen, übereifrig „allergisch“ reagiert. Diese Faktoren führen zu einem falschen Alarm der Körperabwehr. „Das schadet der Hautbarriere zusätzlich, es kommt zu Infektionen und die Haut juckt noch mehr – ein Teufelskreis“, so Dr. Meyersburg.

Bei Dupilumab handelt es sich um einen sogenannten „monoklonalen Antikörper“ aus der Gruppe der Biologika. „Der Wirkstoff ermöglicht bei Neurodermitis eine sehr zielgerichtete Behandlung, die auf einem neuartigen Wirkmechanismus beruht. Die Substanz wirkt entzündungshemmend und unterdrückt – im Vergleich zu Cortison – nur bestimmte Anteile des Immunsystems, die bei der Entstehung von Ekzemen und Juckreiz eine bedeutende Rolle spielen.“ Konkret bremst Dupilumab das „aufgekratzte“ Immunsystem, indem es die Botenstoffe Interleukin 4 und 13 blockiert. Diese Botenstoffe aus Immunzellen sind so etwas wie die Zündschnur der Neurodermitis, weil sie die Entzündung und Schwächung der Haut fördern. Dr. Meyersburg: „Werden diese Botenstoffe blockiert, schwindet der Juckreiz und die Haut kann sich wieder beruhigen.“ Das führt laut den bisherigen Studien in sehr vielen Fällen zu Symptomfreiheit beziehungsweise einer beträchtlichen Reduktion der Hautprobleme, und zu einer merklichen Verbesserung der Lebensqualität.

Erste Erfahrungen in der Praxis sind vielversprechend

hautinfo.at Neurodermitis Informationsabend Dr. Damian Meyersburg
Vortrag Dr. Damian Meyersburg

Nach den wissenschaftlichen Zulassungstudien, bei denen die Vorteile des Medikaments eindeutig nachgewiesen werden konnten, gibt es mittlerweile auch vielversprechende Erfahrungen in der Praxis mit dieser Behandlung, sowohl in Spitälern als auch bei niedergelassenen Hautärzten.

Die besten Erfolge gibt es mit der Kombination von Dupilumab und Kortisonsalben, wobei man in den meisten Fällen die Dosierung von Kortison reduzieren kann. Das Um und Auf des Erfolges ist die Therapietreue des Patienten: „Das hat man auch schon in den Studien gesehen: Wenn sich Betroffene genau an die Behandlungsvorgaben halten, steigen die Chancen merklich an, dass man die Krankheit gut kontrollieren kann.“

Laut Dr. Meyersburg wird Dupilumab gut vertragen: „Da das Biologikum selektiver wirkt als die bisher eingesetzten systemischen Medikamente, sind weniger unerwünschte Effekte zu erwarten und die Verträglichkeit ist allgemein besser.“ Als häufigste Nebenwirkung des Biologikums gibt der Hautarzt Augenentzündungen an: „Die Augen der Patienten mit atopischer Dermatitis sind von Haus aus besonders empfindlich, trocknen leichter aus und sind daher empfänglicher für Entzündungen. Dem kann man aber mit Cortison- bzw. Ciclosporin Augentropfen gut entgegenwirken." Zu den weiteren möglichen Nebenwirkungen zählen Reaktionen an der Injektionsstelle, Herpes labialis und Kopfschmerzen.

Wie wird das Biologikum angewendet?

Dupilumab ist in einer vorgefüllten Fertigspritze erhältlich und kann von PatientInnen selbst unter die Haut (subkutan) gespritzt werden. Dr. Meyersburg: „Nach einer Anfangsdosis ist alle zwei Wochen eine Injektion erforderlich. Der Erfolg der Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden.“ Dupilumab benötigt vier bis sechs Wochen, um seinen vollen Effekt entfalten zu können. Zeigt sich nach 16 Wochen keine Besserung, wird in der Regel empfohlen, die Therapie zu beenden.

Zurzeit ist Dupilumab für mittelschwere und schwere Fälle bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen. Die Kosten werden von den Krankenversicherungsträgern bei Vorliegen der ärztlichen Bewilligung des chef- und kontrollärztlichen Dienstes übernommen.

Bei vielen Patienten verschwinden die Hautekzeme und der Juckreiz durch die Behandlung komplett, bei anderen zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Symptome. Neurodermitis-Patienten, bei denen die bisherigen Therapieansätze keine ausreichende Wirkung zeigen, können von der neuen Behandlungsoption sehr profitieren.

Weitere neue Behandlungsmöglichkeiten bei Atopischer Dermatitis

 

Aktuell werden in mehreren Studien verschiedene neue Therapieoptionen getestet und geprüft. Folgende Wirkstoffe/Behandlungen sind vielversprechend:

  • Upadacitinib
  • Baricitinib
  • Lebrikizumab
  • Tralokinumab
  • Nemolizumab
  • Fezakinomab
  • Ustekinumab
  • Immunadsorptionsverfahren
  • IgEnio Continue
  • Radonbehandlung im Heilstollen Bad Gastein
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