Was ist eine Allergie?

Ungefähr 30% der Bevölkerung in Mitteleuropa sind mittlerweile von zumindest einer Allergie betroffen. Besonders in den hochentwickelten Industrieländern nehmen Allergien stark zu. Immer mehr Menschen reagieren auf die laufend verbesserten Annehmlichkeiten, wobei uns der moderne Fortschritt doch angeblich das Leben erleichtern soll.

"2020 wird wohl jeder zweite Mensch an einer Allergie leiden" meint Torsten Zuberbier, Allergologe und Dermatologe aus Hamburg. Es ist, als ob immer Menschen allergisch auf das Leben reagieren. Milch, Weißmehl, Schalentiere, Nüsse, Äpfel, Erdbeeren, Käse, Wein, Birken- und Gräserpollen, Ambrosia, Bienengift, Waschmittel, Weichspüler, Latex, Antibiotika, Parfum - diese Liste könnte man unendlich fortsetzen. Grundsätzlich kann man gegen alles eine Allergie entwickeln, bekannt sind ca. 20.000 verschiedene Allergene, wobei Pollen, Nahrungsmittel, Tierhaare, Chemie/Metalle, Kosmetika, Medikamente und Hausstaubmilben das größte Allergiepotenzial besitzen.

Eine Allergie ist grundsätzlich keine Krankheit, sondern eine Überempfindlichkeit des Organismus. Allergene Stoffe, welche bei einem gesunden Immunsystem keine Rolle spielen, können bei einem Allergiker zu verschiedenen Symptomen führen. Das Immunsystem eines Allergikers reagiert auf verschiedenste Substanzen, die in Kontakt mit der Haut oder der Schleimhaut kommen, heftig. Beim ersten Allergenkontakt bildet das Immunsystem Antikörper, die gegen genau dieses Allergen gerichtet sind. Dies führt zu keinerlei Symptomen. Beim zweiten Kontakt allerdings trifft das Allergen auf die Antikörper. Der Körper schüttet Histamin aus um die vermeintlichen Eindringlinge abzuwehren und löst dabei die Reaktionen im Körper aus. Bereits kleinste Mengen des Allergens reichen aus, um heftige Beschwerden auszulösen. Letztendlich ist es einfach eine Überreaktion unseres Immunsystems.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wann und warum sind wir so sensibel geworden? Im Freien begenet man vielen Menschen mit tränenden Augen durch eine Pollenallergie und Wirtshäuser müssen auf ihren Speisekarten die Zutaten für ihre Gerichte anführen um den Besucher auf eventuelle Allergene hinzuweisen. Das hat es doch früher alles nicht gegeben, vor 150 Jahren waren Allergien praktisch nicht vorhanden. Aber die aktuellen Statistiken belegen eindeutig, dass Allergien weltweit stark zunehmen. Immer öfter spielt das Immunsystem verrückt und wehrt sich gegen noch so harmlose Stoffe.

Bauernhofeffekt und Hygiene-Hypothese

Immer wieder liest man vom sogenannten "Bauernhofeffekt": Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener an Allergien leiden als Stadtkinder. Faktum ist, dass oft Kinder, die in einem zu hygienischen Lebensraum aufwachsen, später zu Allergien neigen. Das liegt daran, dass das Immunsystem von Kindern auf dem Land den Umgang mit „gesundem“ Schmutz trainieren kann und sie „abgehärtet“ sind. Es gibt aber genügend Allergiker, die auf dem Land aufgewachsen sind und die gleichen Symptome aufweisen wie Menschen aus der Stadt. Die Hygiene-Hypothese zeigt auf, dass eine zu hohe Reinlichkeit kann eine Allergie begünstigen. Im Vergleich zu früher sind die Hygienemaßnahmen viel intensiver geworden. Wir waschen und duschen unsere Kinder viel öfter und vor allem ausgiebiger mit diversen Reinigungsprodukten. Das Immunsystem kommt durch das viele Waschen mit wenig Erregern in Kontakt und reagiert dann auch bei harmlosen Substanzen wie zB Tierhaaren, Pollen oder bestimmten Nahrungsmittel über.

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Die IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) ist eine als Verein organisierte, unabhängige Informationsplattform zu vielen Allergie Themen. Allergiker sowie Eltern betroffener allergischer Kinder erhalten in verständlicher Form neue wissenschaftliche Erkenntnisse, medizinisches Wissen und ärztliche Empfehlungen sowie praktische Tipps zur Allergenvermeidung. allergenvermeidung.org >

Hilfe bei Allergien

Nur das konsequente Meiden der Allergie-Auslöser trägt wesentlich dazu bei, dass die Lebensqulität des Allergikers gesteigert werden kann. Es ist natürlich praktisch unmöglich, den mikroskopisch kleinen Teilchen von Polle, Haustier oder Milbe gänzlich zu entkommen, aber es gibt eine Menge Mittel und Tipps, die Allergen-Belastung so gering wie möglich zu halten. Wichtig ist, dass du bei den ersten Anzeichen der Symptome  einen Facharzt aufsuchst. So hast du eine durchaus gute Chance, die Symptome gering zu halten und dich trotz Allergenbelastung wohl zu fühlen.

Allergien sind schon lange bekannt!

Aus Überlieferungen der alten Römer ist bekannt, dass einigen Feldherren, nachdem sie sich auf ihr Pferd gesetzt haben, die Tränen herunterliefen. Aber nicht aufgrund aus Angst vor der nächsten Schlacht, sondern vielmehr war wohl eine Pferdehaarallergie schuld am vermeintlich emotionalen Ausbruch.  Auch der Begriff des Asthmas ist seit bereits mehr als 500 Jahren bekannt, der griechische Arzt Hippokrates beschrieb die Symptome von Asthma, nachdem jemand nach dem Genuss von Käse und Rotwein über Atembeschwerden klagte. Dieser arme Mensch hat wohl an einer Histamin-Intoleranz mit klassischen Asthma-Symptomen gelitten. Den harmlos klingenden Namen Rosenschnupfen gaben die alten Perser den Symptomen der heutigen Pollenallergie.

Wer ist von einer Allergie gefährdet?

Grundsätzlich ist niemand vor einer Allergie gefeit und diese kann in jedem Lebensalter ausbrechen. Es sind viele Kinder betroffen, Allergien können aber auch erst in einem höheren Lebensalter auftreten, wobei der Schweregrad jeder Allergie im Laufe eines Lebens zu- aber auch abnehmen kann.  Allergien sind eng mit Neurodermitis verbunden. Eine Ursache für Neurodermitis liegt an einer individuellen Allergie-Kombination und die Allergie-Symptome zeigen sich an der Haut des Betroffenen (meist rote Flecken kombiniert mit starkem Juckreiz).

Es gibt ein paar typische Grund-Veranlagungen, welche ein Allergiker aufweist:

  • die normale Bildung von Eigenwärme ist nicht möglich
  • hat oft kalte Hände und Füße
  • ist sehr stark nach außen orientiert (eher extrovertiert als introvertiert)
  • tut viele Dinge gleichzeitig und wird von den Mitmenschen als chaotisch und nervös wahrgenommen

Mögliche Allergie-Beschwerden

  • Schnupfen, Dauer-Niesen
  • anschwellende Zunge
  • rinnende Augen, Bindehautentzündung
  • Husten, Bronchitis, Asthma
  • Ausschläge, Ekzeme, Pusteln
  • Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen
  • Migräne, Blutdruckabfall, Schock

Allergiker leiden!

Die Lebensqualität von Allergikern ist teilweise stark beeinträchtigt. Durch die verquollenen Augen und Hautausschläge fühlen sich viele Allergiker unattraktiv, ziehen sich mehr und mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und das Selbstwertgefühl wandert in den Keller. Während einer Akutphase klagen Betroffene über eine geringere Leistungsfähigkeit in der Schule/Arbeit, das geht bis hin zu vielen offiziellen Krankenstandstagen. Es ist wichtig, beim ersten Anzeichen einer Allergie einen Arzt aufzusuchen, denn eine Nichtbehandlung führt in den allermeisten Fällen im Laufe der Zeit zu einer Verschlechterung der Symptome. Es gilt, je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto rascher und besser können die Symptome behandelt werden. Es können laufend weitere Allergien hinzukommen und auch die Symptome  können sich jederzeit ausweiten.

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Autor: Karin Hafner
Quelle: http://www.apotheken-umschau.de/Allergie
Stand der Information: Juli 2015
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